• Arzt

Rapid Sequence Induction - AMBOSS-SOP

Abstract

Diese SOP behandelt primär die Rapid Sequence Induction beim erwachsenen Patienten.

Material und Medikamente

Basismaterial

Material für das Management von Atemwegskomplikationen

Bei erwartet schwierigem Atemweg und erforderlicher Vollnarkose soll nach Möglichkeit eine fiberoptische Wachintubation durchgeführt werden!

Basismedikamente (Auswahl nach Situation und Klinikstandard)

Medikamente für die erweiterte Therapie und den Notfall

Vorbereitung

Material und Geräte

Patient

Ablauf/Durchführung

Sicherheitscheck (sofern möglich)

Absaugen von Mageninhalt

  • Ziel: Senkung des intragastralen Drucks (Aspirationsrisiko↓)
  • Absaugen von Mageninhalt bei einliegender Magensonde obligat
  • Neuanlage einer (bevorzugt nasalen) Magensonde insb. bei Ileussymptomatik empfohlen, aber
    • Insgesamt schlechte Studienlage
    • Kein sicheres Vermeiden einer Aspiration
    • Provokation von Erbrechen möglich (insb. bei vigilanzgeminderten Patienten)
    • Potentielle Komplikationen durch Anlage und Fehllage
  • Kein Konsens bzgl. Belassen bzw. Entfernen der Magensonde vor der Einleitung
    • Konstanter Sog an der Magensonde während der Einleitung möglich (dadurch ggf. Aspirationsrisiko↓)
    • Herabsetzung des oberen und unteren Ösophagussphinktertonus (dadurch ggf. Aspirationsrisiko↑)
    • Potentiell erschwerte Präoxygenierung, Maskenbeatmung und Laryngoskopie
  • Konkretes Vorgehen: Einzelfallentscheidung unter Berücksichtigung von Aspirationsrisiko und Kontraindikationen

Gabe von Natriumcitrat

Präoxygenierung

  • Beatmungsmaske möglichst dicht anlegen (Kontrolle über Kapnographie)
  • FiO2 = 1,0 mit einem Fluss von >10 L/min
  • Spontanatmung über 3–5 min bzw. bis zum Erreichen einer FeO2 >0,9
  • Anwendung einer milden NIV erwägen (bspw. PEEP von 5 cmH2O, Druckunterstützung mit 8 cmH2O)

Narkoseeinleitung

Sonderfall: Verwendung von Ketamin bzw. Esketamin

Intubation

  • Zwischenbeatmung vermeiden
    • Bei Abfall der peripheren Sauerstoffsättigung unter 92%: Zwischenbeatmung erwägen
      • Manuell (Spitzendruck am APL-Ventil auf 15–20 cmH2O begrenzen)
      • Maschinell (druckkontrollierte Maskenbeatmung mit Pinsp 15–20 cmH2O)
  • Orale Intubation
    • Nach Möglichkeit vollständige Muskelrelaxierung abwarten (Kontrolle über Relaxometrie)
    • Einstellen der Stimmbandebene mittels direkter oder indirekter Laryngoskopie
    • Vorsichtige Passage der Stimmbänder mit Endotrachealtubus
    • Cuff sollte ca. 2–3 cm unterhalb der Stimmbandebene liegen
    • Korrekte Einführtiefe bei vielen Endotrachealtuben über Strichmarkierung angegeben
    • Cuff blocken (25–30 cmH2O)
    • Lagekontrolle (bspw. Kapnometrie, Auskultation)
    • Tubusfixierung (Klinikstandard beachten)
    • Dokumentation (bspw. Laryngoskopie- und Auskultationsbefund, Zahnstatus nach Intubation)

Für alle genannten Medikamente sind die entsprechenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen und Kontraindikationen zu beachten!

Komplikationen

Unerwartet schwieriger Atemweg

  • Frühzeitig Hilfe holen
  • Zwischenbeatmung zur Vermeidung einer Hypoxie
  • Max. zwei Intubationsversuche mit direkter Laryngoskopie
  • Vorgehen nach Algorithmus zum unerwartet schwierigen Atemweg
  • Bei Entscheidung zur Antagonisierung von Rocuronium: Sugammadex

Laryngospasmus bzw. Bronchospasmus

Blutung im Bereich der oberen Atemwege

Zahnschaden

Regurgitation von Mageninhalt und Aspiration

  • Umgehendes Absaugen des Oropharynx
  • Zügige Atemwegssicherung und endotracheales Absaugen
  • Großzügige Indikation für die Aufnahme auf eine Überwachungsstation (IMC, ICU)
  • Siehe auch: Aspiration - Therapie

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Extubation

Etwa ein Drittel aller schwerwiegenden Atemwegskomplikationen treten im Rahmen der Extubation auf!