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Elektrolytstörungen Kalium

Letzte Aktualisierung: 27.5.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Akute Veränderungen der Serumkaliumkonzentration stellen aufgrund der zentralen Bedeutung für das Ruhemembranpotenzial und der damit verbundenen Zellerregbarkeit eine große Gefahr dar. Lebensbedrohlich sind hierbei insbesondere maligne Herzrhythmusstörungen. Hyperkaliämien beruhen häufig auf einer eingeschränkten Nierenfunktion, können aber bspw. auch nach der Gabe kaliumsparender Diuretika oder endokrin bedingt auftreten. Zu niedrige Kaliumspiegel hingegen treten beispielsweise bei vermehrten gastrointestinalen Verlusten auf (Erbrechen, Durchfall). Veränderungen des Aldosteron- und Cortisolspiegels spielen durch die Mineralocorticoid-vermittelte renale Kaliumausscheidung ebenfalls eine wichtige Rolle. Bei allen Elektrolytentgleisungen sollte eine kritische Medikamentenanamnese erfolgen (z.B. Diuretika, Laxanzien, ACE-Hemmer). Zur Korrektur der extrazellulären Kaliumkonzentration stehen unterschiedliche Vorgehen zur Auswahl, die unter regelmäßigen Kontrollen zügig zum Einsatz kommen sollten.

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Definitiontoggle arrow icon

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Ätiologietoggle arrow icon

Hypokaliämie

„Wo K+ ist, da ist auch H+!“

Glucose nimmt Kalium mit in die Zelle!“: (I)nsulin → (I)ntrazelluläres K+

Hyperkaliämie

Eine Hyperkaliämie beruht nicht selten auf einer Fehlmessung (Pseudohyperkaliämie). Bei unsachgemäßer Blutgewinnung und -verarbeitung kann es zur Hämolyse kommen, bei der intrazelluläres Kalium aus den Blutzellen ins Serum gelangt!

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Pathophysiologietoggle arrow icon

Aufgrund der klinischen Relevanz des Kaliumhaushaltes und der in diesem Zusammenhang möglichen Erkrankungen und beeinflussenden Medikamente lohnt sich ein genauerer Blick auf die einzelnen Stoffwechselvorgänge:

Einfluss der Aldosteronaktivität

Eine wesentliche „Stellschraube“ des Kaliumhaushaltes ist die Aldosteronaktivität.

Begleitende pH-Verschiebungen

Mit Veränderungen der Kaliumkonzentration gehen typische Veränderungen des pH-Wertes einher, die sich leicht merken lassen: „K+ verhält sich ähnlich wie H+“. Vermehrte K+-Ionen extrazellulär führen auch zu erhöhten extrazellulären H+-Konzentrationen

Eine Hyperkaliämie geht in der Regel mit einer Azidose einher und umgekehrt! Eine Hypokaliämie geht in der Regel mit einer Alkalose einher und umgekehrt!

Einfluss auf das Ruhemembranpotenzial

Schließlich hat Kalium einen entscheidenden Einfluss auf das Ruhemembranpotenzial

  • Freie (=extrazelluläre) K+-Konzentration↓ → Konzentrationsgradient zwischen extra- und intrazellulär↑ → Ruhepotenzial↓ = Negativerer Wert als −90mV → Erregbarkeit↓
  • Freie (=extrazelluläre) K+-Konzentration↑ → Konzentrationsgradient zwischen extra- und intrazellulär↓ → Ruhepotenzial↑ = Positiverer Wert als −90mV → Erregbarkeit↑ → Langfristig gestörte Repolarisation und somit Parese

Der Einfluss auf die Erregbarkeit zeigt sich insbesondere bei akuten extrazellulären Veränderungen, chronische Konzentrationsveränderungen führen zu einer intrazellulären Anpassung!

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Symptomatiktoggle arrow icon

Hypokaliämie [2]

Hyperkaliämie

Hypo- und Hyperkaliämien können sich klinisch teilweise beide durch ähnliche unspezifische Symptome äußern (z.B. Muskelschwächen, Paresen und Herzrhythmusstörungen bis hin zu Kammerflimmern)!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Klinische Chemie

Ein zu lange anliegender Stauschlauch kann durch intravasale Hämolyse zu falsch-hohen Kaliumwerten führen!

EKG

„No pot, no tea!“ → Zu wenig Kalium (engl. potassium) führt zu einer T-Abflachung und umgekehrt.

Kaliumwerte <3 mmol/L und >6 mmol/L stellen einen Notfall dar und müssen sofort behandelt werden!

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Differenzialdiagnosentoggle arrow icon

Hypokaliämie – seltene Differenzialdiagnosen

Hyperkaliämie – seltene Differenzialdiagnosen

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differenzialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Therapie der Hypokaliämietoggle arrow icon

Da Kalium venentoxisch ist und Herzrhythmusstörungen auslösen kann, sollte es bei i.v. Applikation stets langsam (max. 20 mmol/h) verabreicht werden! Wenn möglich, ist die Gabe p.o. immer sicherer!

Einschätzung des Kaliumdefizits

  • Gängige Formel zur Schätzung: Kaliumdefizit (in mmol) = (Soll-Kaliumwert − Ist-Kaliumwert) × Körpergewicht (in kg) × 0,4

Leichte Hypokaliämie

  • Serumkalium: 3,0–3,4 mmol/L
  • Kaliumsubstitution p.o.
    • Kaliumchlorid : Vorteilhaft bei Bestehen einer Alkalose
    • Kaliumcitrat : Wirkt zusätzlich alkalisierend bei Azidose

Mittelgradige und schwere Hypokaliämie

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Therapie der Hyperkaliämietoggle arrow icon

Häufige Ursachen für eine Pseudohyperkaliämie sind u.a. lange Stauzeiten, ein zu starker Unterdruck bei der Blutentnahme oder Lagerungsfehler der Blutprobe. Die Kontrollmessung sollte bestenfalls mittels BGA erfolgen!

Allgemeinmaßnahmen

Notfalltherapie der Hyperkaliämie

  • Indikationen
    • Mittelgradige Hyperkaliämie = Serumkalium 6,0–6,4 mmol/L plus EKG-Veränderungen/Arrhythmien
    • Schwere/extreme Hyperkaliämie = Serumkalium ≥6,5 mmol/L

Ab einer schweren Hyperkaliämie ist immer eine intensivmedizinische Überwachung indiziert!

1. Sofortige Kardioprotektion

  • Bei EKG-Veränderungen/Arrhythmien: Calciumgluconat
  • Bei (Peri‑)Arrest: Calciumchlorid plus Natriumbicarbonat [1]

Bei kombinierter Gabe von Calciumchlorid und Natriumbicarbonat sollte zwingend auf getrennte Zugänge oder eine ausreichende Zwischenspülung geachtet werden!

2. Kaliumshift nach intrazellulär

  • Blutzucker messen
  • Insulin-Glucose-Infusion plus Salbutamol
  • Bei Blutzucker <7,0 mmol/L vor der Insulin-Glucose-Infusion: Anschließend 10%ige Glucoseinfusion (50 mL/h) über 5 h verabreichen

3. Definitive Kaliumelimination (eigentliche Therapie)

Bei schwerer Hyperkaliämie muss zunächst Zeit gewonnen werden (mittels Kardioprotektion und Kaliumshift)! Anschließend sollte als eigentliche Therapie das Kalium aus dem Körper entfernt werden!

Notfalltherapie der Hyperkaliämie - Übersicht [1]
Maßnahmen Substanzen/Methode Indikation Wirkungseintritt Wirkdauer

Kardioprotektion

  • 1–3 min
  • 30(–60) min
  • Hyperkaliämiebedingter (Peri‑)Arrest

Kaliumshift nach intrazellulär

  • 15–30 min
  • 4–6 h (dann sukzessiver Wiederanstieg!)

Definitive Kaliumelimination

  • Natrium-Zirkonium-Cyclosilikat (SZC) p.o. oder
  • Patiromer p.o.
  • Nur in Kombination mit anderen Therapien empfohlen
  • SZC: 1 h
  • Patiromer: 4–7 h
  • Für einige Stunden
  • Sofort
  • Entspricht der Anwendungsdauer

Auch nach der Dialyse sollte das Kalium engmaschig kontrolliert werden, da es zu einer Rebound-Hyperkaliämie kommen kann!

Die Therapie der Hyperkaliämie richtet sich nicht nur nach dem Kaliumwert, sondern auch nach Symptomatik und EKG-Veränderungen!

Nicht jede schwere Hyperkaliämie geht mit EKG-Veränderungen einher – lebensbedrohliche Arrhythmien können außerdem jederzeit ohne Prodromi auftreten!

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AMBOSS-Podcast zum Thematoggle arrow icon

Therapie der Hyperkaliämie (Oktober 2019)

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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