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Virales hämorrhagisches Fieber

Letzte Aktualisierung: 20.11.2020

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Unter dem Begriff des viralen hämorrhagischen Fiebers lässt sich eine heterogene Gruppe von viralen Infektionen zusammenfassen, die u.a. Erkrankungen wie Dengue-Fieber, Gelbfieber, Lassa-Fieber oder Ebola-Fieber verursachen. Hervorgerufen werden die Infektionen auf unterschiedlichen Übertragungswegen durch RNA-Viren aus vier Familien (Arena-, Bunya-, Filo- und Flaviviren). Klinisch besteht häufig eine Kombination unspezifischer Grippesymptome, die bei schweren, hämorrhagischen Verläufen zu Blutungen bis hin zu Schocksymptomatik und Multiorganversagen führen können.

Als natürliche Wirte der Viren kommen Nagetiere, Moskitos oder Zecken in Betracht, die vor allem in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet sind. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist bei verschiedenen Virusinfektionen möglich (z.B. Ebola-Virus, Lassa-Virus), weshalb virale hämorrhagische Fiebererkrankungen vereinzelt auch als importierte Infektionen im europäischen Raum auftreten können. Großes Aufsehen bereitet in den Medien immer wieder das Ebola-Virus, dessen Beispiel deutlich macht, dass auch in unseren Breitengraden ein genauer Kenntnisstand zur Vorgehensweise bei reiseassoziierten Infektionskrankheiten notwendig ist, um einer Virusausbreitung durch gezielte Maßnahmen entgegenzuwirken.

Hierbei kommt der schnellen Erregerdiagnostik, dem zügigen Kontakt zu spezialisierten Institutionen und der Einleitung von Schutzmaßnahmen eine bedeutende Rolle zu. Therapeutisch steht eine symptomatische Behandlung der Erkrankten im Vordergrund, kausale Therapieansätze sind bisher nicht ausreichend erprobt oder vorhanden. Auch präventive Ansätze beschränken sich auf die Gelbfieber-Impfung sowie Einhaltung von Schutzmaßnahmen im Umgang mit hochkontagiösen Erregern.

In diesem Kapitel wird ein Überblick der wichtigsten hämorrhagischen Fiebererkrankungen gegeben.

Das hämorrhagische Fieber bezeichnet eine heterogene Gruppe von viralen Erkrankungen, die gehäuft in tropischen und subtropischen Regionen auftreten und mit hohem Fieber sowie einer generalisierten Blutungsneigung einhergehen.

  • Erreger
  • Infektionsweg
    • Unterschiedliche Übertragungswege
      • Wirtstiere oder Insekten (Mücken , Zecken )
        • Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt , Einatmen von infiziertem Staub (Aerosole) oder Kontakt mit infizierten Materialien
      • Einige Viren, die ein virales hämorrhagisches Fieber verursachen können, werden direkt von Mensch zu Mensch übertragen
        • Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt zu Blut oder anderen Körperflüssigkeiten
        • Tröpfcheninfektionen möglich, jedoch eher selten
Klassifikation der Auslöser eines viralen hämorrhagischen Fiebers
Erkrankung Virus Häufigkeit Letalität Übertragungsweg Inkubationszeit Kausale Therapieoptionen Impfung möglich?
Dengue-Fieber Dengue-Virus
  • 1–3%
  • Übertragung durch Stechmücken von Mensch zu Mensch
  • 2–14 Tage
  • Keine
Lassa-Fieber Lassa-Virus
  • Bei symptomatischen Verläufen
    • Unbehandelt : 76%
    • Behandelt : 9%
  • Übertragung durch Nagetiere auf Menschen
  • 6–21 Tage
  • Nein
Hanta-Fieber Hanta-Virus
  • 2–5%
  • 14–28 Tage
Gelbfieber Gelbfieber-Virus
  • 10–20%
  • Übertragung durch Stechmücken von Primat oder Mensch zu Mensch
  • 3–7 Tage
Ebola-Fieber Ebola-Virus
  • 70–90%
  • Übertragung höchstwahrscheinlich durch Flughunde und Affen auf Menschen
  • 2–21 Tage
Krim-Kongo-Fieber Krim-Kongo-Virus
  • Seit 1944 etwa 3.500 gezählte Fälle weltweit
  • 10–50%
  • Übertragung durch Zecken bzw. direkt durch Blut von Schafen, Rindern o.ä. auf Menschen
  • 1–12 Tage
  • Keine
  • Nein

Weitere Erkrankungen, die zu einem viralen hämorrhagischen Fieber führen können:

  • Rift-Tal-Fieber
  • Südamerikanisches hämorrhagisches Fieber
  • Chikungunya-Fieber
  • Marburg-Fieber

Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS)

Hantavirus-Lungensyndrom (HPS), Hantavirus-induziertes kardio-pulmonales Syndrom (HCPS)

  • Kurzbeschreibung: Kardiopulmonale Dekompensation mit Lungeninfiltration (pulmonales Ödem) und bei schweren Verläufen Entwicklung eines rapid progredienten Atemnotsyndroms (ARDS)
  • Hanta-Virus-Subtypen: Sin Nombre, New York, Black Creek Canal, Bayou, Andes
  • Letalität: 25–40%
  • Die Diagnostik des viralen hämorrhagischen Fiebers im Anfangsstadium ist aufgrund der relativ unspezifischen klinischen Symptomatik schwierig
  • Positive Reiseanamnese
  • Blutuntersuchung
    • Direkter Erregernachweis
    • Serologie: Spezifischer Antikörpernachweis (IgM, IgG)

Bei unklarer Fiebererkrankung und einer positiven Reiseanamnese sollten vorerst die wichtigsten Differentialdiagnosen (Malaria oder septische Krankheitsbilder) abgeklärt werden. Ist keine Diagnosestellung möglich, sollte zügig eine Labordiagnostik auf virales hämorrhagisches Fieber erfolgen. Je schneller die Diagnosestellung erfolgt, desto besser ist die Prognose des Patienten sowie das Vermeiden weiterer Erkrankungen von Kontaktpersonen!

AMBOSS erhebt für die hier aufgeführten Differentialdiagnosen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Kein ASS, da an sich schon eine erhöhte Blutungsneigung besteht!

Impfung

Prävention

  • Bei Verdacht auf das Vorliegen einer viralen hämorrhagischen Fieberinfektion:
    • Sofortiges Zusammenwirken mit Gesundheitsbehörden und regionalen Kompetenzzentren für hochkontagiöse Erkrankungen
    • Strenge Isolierung in Spezialeinrichtungen (siehe: Tipps & Links)
    • Einhaltung krankenhaushygienischer Richtlinien im Umgang mit hochkontagiösen Erregern
    • Klinische Überwachung von Kontaktpersonen der Erkrankten

Meldepflicht

  • Der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod aufgrund einer viralen hämorrhagischen Fieber-Infektion und der direkte oder indirekte Erreger-Nachweis sind namentlich zu melden

In Kooperation mit Meditricks bieten wir dir durchdachte Merkhilfen zum Einprägen relevanter Fakten, dies sind animierte Videos und Erkundungsbilder. Die Inhalte sind vielfach auf AMBOSS abgestimmt oder ergänzend. Viele Meditricks gibt es in Lang- und Kurzfassung, oder mit Basis- und Expertenwissen, Quiz und Kurzwiederholung. Eine Übersicht über alle Inhalte findest du in dem Kapitel Meditricks. Meditricks gibt es in unterschiedlichen Paketen – welche, siehst du im Shop.

Chikungunya

Hantavirus

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Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Updated Questions and Answers related to the dengue vaccine Dengvaxia® and its use -December 2017. Stand: 22. Dezember 2017. Abgerufen am: 5. April 2018.
  2. Löscher, Burchard: Tropenmedizin in Klinik und Praxis: mit Reise- und Migrationsmedizin. Thieme 2010, ISBN: 978-3-137-85804-1 .
  3. Becquart et al.: High Prevalence of Both Humoral and Cellular Immunity to Zaire ebolavirus among Rural Populations in Gabon In: PLoS ONE. Band: 5, Nummer: 2, 2010, doi: 10.1371/journal.pone.0009126 . | Open in Read by QxMD p. e9126.
  4. Lassafieber, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 31. Oktober 2011. Abgerufen am: 9. Oktober 2017.
  5. Hantavirus-Erkrankung, RKI-Ratgeber für Ärzte. Stand: 2. Juli 2015. Abgerufen am: 9. Oktober 2017.