Grundlagen
Eine akute metabolische Dekompensation (Stoffwechselnotfall) ist insb. bei hereditären Stoffwechselerkrankungen zu erwarten, die zu einer raschen Akkumulation toxischer Metabolite (z.B. Ammoniak) oder zu einem Abfall wichtiger Energieträger (z.B. Glucose) führen. Um bleibende neurologische Folgeschäden und letale Verläufe zu vermeiden, müssen klinische Zeichen und pathologische Laborbefunde ohne Verzögerung erkannt und richtig interpretiert werden. [1]
Symptome [2]
- Neugeborene
- Lethargie
- Muskuläre Hypotonie (Floppy Infant)
- Nahrungsunverträglichkeit
- Erbrechen
- Respiratorische Störung
- Neugeborenenanfälle
- Jedes Alter
- Akute Verschlechterung des Allgemeinzustandes
- Akute Vigilanzminderung
Neugeborene mit akuter metabolischer Dekompensation zeigen typischerweise ähnliche Symptome wie bei einer Neugeborenensepsis!
Verlauf [2]
- Beginn: In jedem Alter möglich, häufig Stunden bis Tage nach der Geburt
- Dynamik: Rasch progredient
Häufige Laborbefunde [2]
- Hyperammonämie
- Hypoglykämie
- Hyperlactatämie
- Azidose oder Alkalose
- Ketonurie
- Erhöhte Leberwerte
Häufige Trigger [2]
- Erbrechen, Fasten
- Fieber, Impfung
- Operation, Verletzung
- Katabolismus
- Körperliche Verausgabung
- Medikamenteneinnahme
- Zufuhr bestimmter Nährstoffe (insb. Proteine, Fett, Fructose, Galactose)
Insb. bei Kindern jenseits der Neugeborenenperiode treten Stoffwechselnotfälle häufig nach Triggern wie Erbrechen, Fieber oder der Zufuhr bestimmter Nährstoffe auf. Sie können sowohl die Erstmanifestation als auch akute Dekompensationen bekannter Erkrankungen auslösen!
1 - Akutmanagement
- Zufuhr potenziell toxischer Nährstoffe stoppen (Proteine, Fett, Fructose, Galactose)
- i.v. Zugang legen
- Blut abnehmen
- BGA (inkl. Glucose, Säure-Base-Status, Elektrolyte)
- Blutbild, Differenzialblutbild, CRP
- AST, ALT
- Kreatinin, Harnstoff
- CK, Harnsäure
- Gerinnungsparameter
- Ammoniak
- Lactat
- Proben zur erweiterten Stoffwechseldiagnostik
- Urin beurteilen/untersuchen
- Farbe, Geruch
- Urinstix, Ketostix
- Probe zur erweiterten Stoffwechseldiagnostik
- Glucoseinfusion beginnen
- <1 Jahr
- ≥1 bis <3 Jahre
- ≥3 bis <6 Jahre
- ≥6 bis <10 Jahre
- ≥10 bis <18 Jahre
- Blutwerte regelmäßig kontrollieren
- Ggf. weitere diagnostische Maßnahmen durchführen (z.B. Lumbalpunktion )
Bei V.a. einen Stoffwechselnotfall sollte die Zufuhr potenziell toxischer Nährstoffe sofort gestoppt werden!
Nach der Blutentnahme sollte umgehend eine Glucoseinfusion begonnen werden!
2 - Weiteres Vorgehen
Akut
- Abhängig von Befunden
- Spezifisch
- Ammoniak↑: Siehe Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit Hyperammonämie
- Glucose↓: Siehe Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit Hypoglykämie
- Lactat↑: Siehe Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit Hyperlactatämie
- Metabolische Azidose: Siehe Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit metabolischer Azidose
- Hinweise auf akutes Leberversagen : Siehe Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit akutem Leberversagen
- Unspezifisch [2]
- Glucoseinfusion fortsetzen
- Rücksprache mit Stoffwechselzentrum halten
- Proben zur erweiterten Stoffwechseldiagnostik verschicken
- Regelmäßige Laborkontrollen durchführen
- Spezifisch
Langfristig
- Abhängig von der Erkrankung: Siehe Hereditäre Stoffwechselerkrankungen
Ammoniak↑
| Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit Hyperammonämie [2] | |||
|---|---|---|---|
| Befund | Akuttherapie | Weiterführende Diagnostik | Differenzialdiagnosen |
| Ammoniak↑ |
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Bei einer Hyperammonämie dürfen keine Proteine zugeführt werden!
Zur weiterführenden Diagnostik sollten v.a. Acylcarnitine, Aminosäuren und organische Säuren bestimmt werden!
Glucose↓
| Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit Hypoglykämie [2] | |||
|---|---|---|---|
| Befund | Akuttherapie | Weiterführende Diagnostik | Differenzialdiagnosen |
| Glucose↓ |
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Bei einer Hypoglykämie sollten zur weiterführenden Diagnostik u.a. freie Fettsäuren (Triglyceride) und 3-Hydroxybutyrat im Blut sowie Ketonkörper im Urin bestimmt werden!
Für aussagekräftige Befunde muss das benötigte Material (insb. Blut und Urin) noch während der symptomatischen Hypoglykämie abgenommen werden!
| Physiologischer Glucosebedarf im Kindes- und Jugendalter [2] | ||
|---|---|---|
| Alter (Jahre) | Glucosebedarf (mg/kgKG/min) | Infusion (Glucose 10%) (mL/kgKG/d) |
| <1 |
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| ≥1 bis <3 |
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| ≥3 bis <6 |
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| ≥6 bis <12 |
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| ≥12 bis <18 |
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Lactat↑
| Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit Hyperlactatämie [2] | |||
|---|---|---|---|
| Befund | Akuttherapie | Weiterführende Diagnostik | Differenzialdiagnosen |
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Bei einer isolierten Hyperlactatämie sollten zur weiterführenden Diagnostik v.a. prä- und postprandiale Lactat- und Ketonkörperwerte bestimmt werden!
Metabolische Azidose
| Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit metabolischer Azidose [2] | |||
|---|---|---|---|
| Befund | Akuttherapie | Weiterführende Diagnostik | Differenzialdiagnosen |
| Metabolische Azidose HCO3-<21 mmol/L pCO2<27 mmol/L |
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Bei einer metabolischen Azidose sollte zur weiterführenden Diagnostik v.a. die Anionenlücke bestimmt werden!
Akutes Leberversagen
Da ein akutes Leberversagen zahlreiche verschiedene Ursachen haben kann, ist häufig eine ausgedehnte Labordiagnostik erforderlich!