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Stoffwechselnotfall im Kindes- und Jugendalter - AMBOSS-SOP

Letzte Aktualisierung: 20.4.2026

Grundlagentoggle arrow icon

Eine akute metabolische Dekompensation (Stoffwechselnotfall) ist insb. bei hereditären Stoffwechselerkrankungen zu erwarten, die zu einer raschen Akkumulation toxischer Metabolite (z.B. Ammoniak) oder zu einem Abfall wichtiger Energieträger (z.B. Glucose) führen. Um bleibende neurologische Folgeschäden und letale Verläufe zu vermeiden, müssen klinische Zeichen und pathologische Laborbefunde ohne Verzögerung erkannt und richtig interpretiert werden. [1]

Symptome [2]

Neugeborene mit akuter metabolischer Dekompensation zeigen typischerweise ähnliche Symptome wie bei einer Neugeborenensepsis!

Verlauf [2]

  • Beginn: In jedem Alter möglich, häufig Stunden bis Tage nach der Geburt
  • Dynamik: Rasch progredient

Häufige Laborbefunde [2]

Häufige Trigger [2]

Insb. bei Kindern jenseits der Neugeborenenperiode treten Stoffwechselnotfälle häufig nach Triggern wie Erbrechen, Fieber oder der Zufuhr bestimmter Nährstoffe auf. Sie können sowohl die Erstmanifestation als auch akute Dekompensationen bekannter Erkrankungen auslösen!

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1 - Akutmanagementtoggle arrow icon

  1. Zufuhr potenziell toxischer Nährstoffe stoppen (Proteine, Fett, Fructose, Galactose)
  2. i.v. Zugang legen
  3. Blut abnehmen
  4. Urin beurteilen/untersuchen
  5. Glucoseinfusion beginnen
    • <1 Jahr
    • ≥1 bis <3 Jahre
    • ≥3 bis <6 Jahre
    • ≥6 bis <10 Jahre
    • ≥10 bis <18 Jahre
  6. Blutwerte regelmäßig kontrollieren
  7. Ggf. weitere diagnostische Maßnahmen durchführen (z.B. Lumbalpunktion )

Bei V.a. einen Stoffwechselnotfall sollte die Zufuhr potenziell toxischer Nährstoffe sofort gestoppt werden!

Nach der Blutentnahme sollte umgehend eine Glucoseinfusion begonnen werden!

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2 - Weiteres Vorgehentoggle arrow icon

Akut

Langfristig

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Ammoniak↑toggle arrow icon

Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit Hyperammonämie [2]
Befund Akuttherapie Weiterführende Diagnostik

Differenzialdiagnosen

Ammoniak
Neugeborene >340 μg/dL
Ältere Kinder >170 μg/dL

  • Proteinzufuhr weiter pausieren
  • Glucoseinfusion fortsetzen
  • Medikamentöse Kombinationstherapie beginnen
  • Ggf. extrakorporale Entgiftung durchführen (bei Werten ≥400–800 μg/dL oder Unwirksamkeit der medikamentösen Therapie nach 3–6 h)

Bei einer Hyperammonämie dürfen keine Proteine zugeführt werden!

Zur weiterführenden Diagnostik sollten v.a. Acylcarnitine, Aminosäuren und organische Säuren bestimmt werden!

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Glucose↓toggle arrow icon

Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit Hypoglykämie [2]
Befund Akuttherapie Weiterführende Diagnostik Differenzialdiagnosen

Glucose
Ohne Symptome <45 mg/dL
Mit Symptomen <70 mg/dL

Bei einer Hypoglykämie sollten zur weiterführenden Diagnostik u.a. freie Fettsäuren (Triglyceride) und 3-Hydroxybutyrat im Blut sowie Ketonkörper im Urin bestimmt werden!

Für aussagekräftige Befunde muss das benötigte Material (insb. Blut und Urin) noch während der symptomatischen Hypoglykämie abgenommen werden!

Physiologischer Glucosebedarf im Kindes- und Jugendalter [2]
Alter
(Jahre)
Glucosebedarf
(mg/kgKG/min)
Infusion (Glucose 10%)
(mL/kgKG/d)
<1
  • 7–9
  • 100–130
≥1 bis <3
  • 6–8
  • 85–115
≥3 bis <6
  • 6–7
  • 85–100
≥6 bis <12
  • 5–6
  • 70–85
≥12 bis <18
  • 5
  • 70
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Lactat↑toggle arrow icon

Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit Hyperlactatämie [2]
Befund Akuttherapie Weiterführende Diagnostik

Differenzialdiagnosen

Lactat
Im Blut ≥19 mg/dL
Im Liquor ≥16 mg/dL

  • Abhängig von der Erkrankung

Bei einer isolierten Hyperlactatämie sollten zur weiterführenden Diagnostik v.a. prä- und postprandiale Lactat- und Ketonkörperwerte bestimmt werden!

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Metabolische Azidosetoggle arrow icon

Vorgehen bei Stoffwechselnotfall mit metabolischer Azidose [2]

Befund

Akuttherapie Weiterführende Diagnostik Differenzialdiagnosen

Metabolische Azidose
pH-Wert <7,37

HCO3-<21 mmol/L

pCO2<27 mmol/L

  • Abhängig von der Erkrankung

Bei einer metabolischen Azidose sollte zur weiterführenden Diagnostik v.a. die Anionenlücke bestimmt werden!

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Akutes Leberversagentoggle arrow icon

Da ein akutes Leberversagen zahlreiche verschiedene Ursachen haben kann, ist häufig eine ausgedehnte Labordiagnostik erforderlich!

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