• Klinik
  • Arzt

Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Favismus…)

Abstract

Der Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel (G6PD-Mangel) ist der weltweit häufigste Enzymdefekt. Durch den X-chromosomal vererbten Defekt besteht eine Prädisposition für eine Schädigung der Erythrozytenmembran durch reaktive Sauerstoffspezies. Träger des mutierten Allels haben ein geringeres Risiko an Malaria zu erkranken, was im Sinne eines Selektionsvorteils zur weiten Verbreitung mutierter Allele beigetragen hat.

In den meisten Fällen sind die Betroffenen lebenslang asymptomatisch. Erhöhter oxidativer Stress, etwa durch den Konsum von Saubohnen (das resultierende Krankheitsbild wird historisch dann als Favismus bezeichnet, der Begriff wird gelegentlich allerdings auch für Folgezustände des G6PD-Mangels aus anderer Ursache verwendet) oder die Einnahme verschiedener Medikamente, kann jedoch zu hämolytischen Krisen führen. Eine kausale Therapie existiert nicht. Auslösende Substanzen sollten von Betroffenen gemieden werden.

Epidemiologie

  • Verbreitung: Insb. Bewohner Afrikas, des Nahen Ostens und Südasiens betroffen, durch Migration in anderen Teilen der Welt zunehmend
  • Merkmalsträger: Über 400 Millionen Menschen weltweit

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Pathophysiologie

Das Peptid Glutathion schützt die Erythrozytenmembran vor oxidativem Stress durch reaktive Sauerstoffspezies, indem es selbst oxidiert wird. Anschließend ist eine Regeneration (Reduktion) durch das Enzym Glutathionreduktase notwendig, welches NADPH+H+ benötigt. Dieses NADPH+H+ entsteht im Hexosemonophosphatweg u.a. durch die Oxidation von Glucose-6-phosphat (Enzym: Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase). Bei Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangel kann erhöhter oxidativer Stress (z.B. durch Saubohnen oder Medikamente) zur unzureichenden Bildung von NADPH+H+ und damit zu einem Versagen des Glutathion-Systems führen. Reaktive Sauerstoffspezies schädigen die Erythrozyten-Membran, es kommt zur Hämolyse.

Symptome/Klinik

Diagnostik

Hinweisend auf die Diagnose ist die Anamnese, zur Bestätigung wird die reduzierte Enzymaktivität spektrophotometrisch nachgewiesen.

Anamnese

Blutuntersuchung

Klasse Enzymaktivität Klinik
I keine chronische hämolytische Anämie
II 1–10 % akute hämolytische Anämie
III 10–60 % moderater G6PD-Mangel
IV 60–150 % (normal)
V >150 % (erhöht)
  • Molekulargenetik: Sequenzierung des G6PD-Gens
  • Für Screening-Maßnahmen in Risikopopulationen existieren verschiedene semiquantitative Testkits

Therapie

  • Keine kausale Therapie
  • Meidung auslösender Substanzen
  • Bei schweren hämolytischen Krisen ggf. intensivmedizinische Behandlung notwendig

Selektionsvorteil in Malariaendemiegebieten

Die weltweite Verbreitung von defekten G6PD-Allelen entspricht weitestgehend dem endemischen Auftreten von Malaria . Wie bei der Sichelzellanämie erkranken auch Betroffene eines Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase-Mangels seltener an Malaria. Die Plasmodien sind von dem erhöhten oxidativen Stress ebenso betroffen wie die Erythrozyten, sodass deren intraerythrozytäre Vermehrung beeinträchtigt ist.

Prävention

Kontraindiziert (gemäß Youngster 2010 [1]) Kontraindikationen gemäß Fachinformation (Metamizol, Sulfasalazin, Sulfacetamid) bzw. gelegentliche Angabe von Kontraindikationen in Literatur
Anti-Malaria-Mittel
Analgetika
  • Phenazopyridin (in D nicht zugelassen)
Antibiotika
Andere
  • Rasburicase
  • Methylthioniniumchlorid (Methylenblau)
  • Toloniumchlorid (Toluidinblau)

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.