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Benignes Prostatasyndrom (Benigne Prostataobstruktion)

Abstract

Unter dem Begriff des benignen Prostatasyndroms (BPS) werden obstruktive oder irritative Miktionsstörungen des unteren Harntraktes zusammengefasst, die durch eine benigne Prostataobstruktion verursacht werden. Bis vor kurzem wurde vom Krankheitsbild der benignen Prostatahyperplasie gesprochen, durch das jedoch streng genommen nur die rein histopathologische Diagnose beschrieben wurde, die nicht zwingend mit Symptomen einhergehen muss. Dementsprechend hat sich die Terminologie assoziierter Diagnosen und Symptome des BPS erweitert und findet zunehmend mehr Anwendung in Leitlinien und Literatur.

Beinahe jeder Mann ist im höheren Alter in unterschiedlichen Ausprägungen von obstruktiven Miktionsbeschwerden durch eine Prostatavergrößerung betroffen. Weshalb die Prostata im Alter an Volumen zunimmt, ist nicht abschließend geklärt. Symptome wie Pollakisurie, Nykturie, Harnstrahlabschwächung und das Gefühl, die Harnblase nicht vollständig entleeren zu können, führen die Patienten zum Arzt. Die Diagnostik umfasst neben einer Basisdiagnostik (z.B. digital-rektale Untersuchung, PSA-Wert-Bestimmung), eine erweiterte Diagnostik (z.B. Sonographie des unteren Harntraktes, Miktionsurethrogramm) und hat die Aufgabe, eine zielgerichtete Therapie des BPS zu ermöglichen, um die Lebensqualität des Patienten möglichst schnell wiederherzustellen und krankheitsbezogene Komplikationen zu verhindern.

Medikamentös stehen neben Phytotherapeutika Alpha-Blocker zur symptomatischen und 5-alpha-Reduktasehemmer zur progressionshemmenden Therapie zur Verfügung. Bei sich verschlechternder Symptomatik kommen operative (meist transurethrale) oder Laserverfahren zum Einsatz.

Definition

Epidemiologie

  • Prävalenz
    • Ca. 30–40% aller Männer >50 Jahre
    • Zunahme der Häufigkeit ab dem 50. Lebensjahr

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Pathophysiologie

Wachstum in periurethralen Drüsen (zentrales Wachstumsmuster des Adenoms) unklarer Ätiologie → Einfluss von Androgenen wird diskutiert, ist jedoch nicht abschließend bewiesen

Ein Prostatakarzinom kann auch nach der Resektion einer Prostatahyperplasie auftreten, da der Entstehungsort beider Erkrankungen woanders liegt: BPH → Übergangszone (Transitionalzone), Prostatakarzinom → periphere Zone!

Symptome/Klinik

  • Folgende Miktionsbeschwerden (LUTSLower urinary tract symptoms) werden im Rahmen des benignen Prostatasyndroms unterschieden:
    • Irritative Symptome
      • Pollakisurie
      • Nykturie
      • Restharngefühl
    • Obstruktive Symptome
      • Verzögerter Miktionsbeginn
      • Abgeschwächter Harnstrahl
      • Unterbrochener Harnstrahl („Stakkatomiktion“)
      • „Nachträufeln“
      • Ischuria paradoxa (ständiges Tröpfeln bei Überlaufinkontinenz möglich)
    • Komplikationen

Stadien

Die Bedeutung der Stadieneinteilung der benignen Prostatahyperplasie nach Alken hat sich nach Einführung der neuen Nomenklatur des benignen Prostatasyndroms gewandelt. Sie wird jedoch häufig noch im klinischen Alltag und in der Literatur verwendet und daher hier der Vollständigkeit halber aufgeführt.

Stadieneinteilung nach Alken

BPH-Stadium I „Reizstadium“
  • Klinische Beschwerden ohne Restharn
BPH-Stadium II „Restharnstadium“
  • Restharn 50–150 mL
  • Zunahme der klinischen Beschwerden
BPH-Stadium III „Dekompensationsstadium“

Diagnostik

  • Erfassung des IPSS (Internationaler Prostata-Symptomen-Score)
    • Ausprägungsgrad bzw. Einfluss auf die Lebensqualität des benignen Prostatasyndroms werden anhand häufiger Symptome zu einem Score zusammengefasst
    • Dient als Entscheidungshilfe für eine Therapieindikation, aber auch der Verlaufs- und Erfolgskontrolle einer Behandlung
      • 0–7 Punkte: Milde Symptomatik, es sollte eine Verlaufsbeobachtung erfolgen
      • 8–19 Punkte: Mittlere/moderate Symptomatik, es sollte zeitnah eine Behandlung in Erwägung gezogen werden
      • 20–35 Punkte: Schwere Symptomatik, es besteht dringender Handlungsbedarf
  • Digital rektale Untersuchung
  • Transrektaler Ultraschall
  • Uroflowmetrie
    • Objektivierung eines abgeschwächten Harnstrahls anhand des Miktionsverlaufs
  • Blutuntersuchung
    • PSA-Wertbestimmung zur Evaluation eines malignen Geschehens vor operativer Intervention
  • Apparativ

Pathologie

Zum Vergleich: Normalbefunde

Differentialdiagnosen

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Allgemein

  • Auswahl des Therapieverfahrens
    • Die Wahl des Therapieverfahrens richtet sich nach Leidensdruck (siehe auch IPSS), klinischem Bild und Risiko der Progression des BPS
      • Risikofaktoren für eine Progression
        • Steigendes Alter
        • Ausgeprägte Symptomintensität
        • Höhe des Prostatavolumens (bzw. des Serum-PSA)
        • Geringe maximale Harnflussrate
        • Hohe Restharnmenge
    • Therapiemöglichkeiten
      • Geringer Leidensdruck des Patienten, keine Risiken → Kontrolliertes Abwarten
      • Starker Leidensdruck des Patienten mit/ohne Risiko für Progression des BPS → Medikamentöse Therapie
      • Vorliegen einer absoluten OP-Indikation (siehe operative Therapie)
  • Therapieziel
    • Primär: Rasche Symptomreduktion und Verbesserung der Lebensqualität
    • Langfristig: Hemmung der BPS-Progression

Konservative Therapie

  • Therapiemöglichkeiten
    • Kontrolliertes Abwarten
      • Indikation: Bei mäßigen Beschwerden und geringem Leidensdruck des Patienten
      • Maßnahmen: Änderungen des Lebensstils
    • Medikamentöse Therapie

Operative Therapie

  • Absolute OP-Indikationen
  • Empfohlene Verfahren
    • Prostatavolumen bis ca. 70 mL : Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P)
      • Nebenwirkung: Retrograde Ejakulation aufgrund weiter Prostataloge mit offenstehendem Harnblasenhals
      • Komplikation: TUR-Syndrom
        • Bei langer OP-Dauer und/oder großer Wundfläche besteht die Gefahr des TUR-Syndroms durch Resorption der elektrolytfreien Spülflüssigkeit → Entstehung von Hyponatriämie und Hypervolämie (hypotone Hyperhydratation)
    • Prostatavolumen ab ca. 70 mL : Offen-operative Verfahren (z.B. Adenomenukleation nach Freyer)
    • Alternativen (unabhängig vom Volumen): Transurethrale Laseroperationen (HoLEP, Greenlight)

Die operative Versorgung eines benignen Prostatasyndroms schließt eine spätere Prostatakarzinomentwicklung nicht aus, da Gewebereste im Körper verbleiben!

Bei nahezu allen operativen Maßnahmen kommt es nach der Operation dauerhaft zur retrograden Ejakulation in die Harnblase im Zuge der anatomischen Veränderung!

Patienteninformationen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.