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Mechanische Kreislaufunterstützung

Letzte Aktualisierung: 29.7.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Die mechanische Kreislaufunterstützung (MCS) bezeichnet die mechanische Unterstützung oder den Ersatz der kardialen Pumpfunktion. Je nach Indikation kommt sie links-, rechts- oder biventrikulär zum Einsatz. Unterschieden werden die temporäre mechanische Kreislaufunterstützung (tMCS) bei akuter Herzinsuffizienz oder kardiogenem Schock von der dauerhaften mechanischen Kreislaufunterstützung (dMCS) bei chronischer Herzinsuffizienz.

Die tMCS kommt als Therapieeskalation bei therapierefraktärem Herz-Kreislauf-Versagen zum Einsatz, etwa bei akutem Myokardinfarkt, akuter Myokarditis oder im Rahmen der extrakorporalen kardiopulmonalen Reanimation. Sie dient typischerweise als Bridge-to-Recovery (Überbrückung bis zur Erholung der Herzfunktion) oder Bridge-to-Decision (Überbrückung bis zur endgültigen Therapieentscheidung), ist auf den stationären Bereich begrenzt und wird über Tage bis Wochen eingesetzt. Bevorzugt kommen dabei die Impella® sowie die veno-arterielle ECMO zum Einsatz.

Die dMCS wird bei chronischer Herzinsuffizienz unter Berücksichtigung der INTERMACS-Klassifikation entweder als Bridge-to-Transplantation (Überbrückung bis zur Herztransplantation) oder als Destination Therapy (langfristige bzw. definitive Therapie) eingesetzt. Im Gegensatz zur tMCS ermöglicht sie eine Krankenhausentlassung mit ambulanter Weiterbehandlung über Monate bis Jahre. In den allermeisten Fällen wird ein linksventrikuläres Unterstützungssystem (LVAD) in Form einer intrakorporalen Zentrifugalpumpe verwendet. Andere Systeme spielen klinisch eine untergeordnete Rolle.

Im Zusammenhang mit der mechanischen Kreislaufunterstützung kann es zu einer Vielzahl von Komplikationen kommen. Das individuelle Risikoprofil hängt dabei maßgeblich von dem jeweils verwendeten System sowie der Therapiedauer ab.

Definitiontoggle arrow icon

Eine mechanische Kreislaufunterstützung wird primär zur Unterstützung oder zum Ersatz der kardialen Pumpfunktion durchgeführt! Systeme mit integriertem Oxygenator wie die ECMO erlauben jedoch gleichzeitig die Unterstützung oder den Ersatz des pulmonalen Gasaustausches! [1]

Mechanische Kreislaufunterstützungssysteme unterscheiden sich teilweise sehr deutlich im Aufbau und Anwendungsbereich! Bei der konkreten Auswahl müssen neben Verfügbarkeit und Expertise insb. die gewünschte Art der Unterstützung (links-, rechts-, biventrikulär) sowie das angestrebte Therapiekonzept (tMCS, dMCS) berücksichtigt werden! [5][6]

Temporäre mechanische Kreislaufunterstützungtoggle arrow icon

Die temporäre mechanische Kreislaufunterstützung ist eine Therapieoption bei therapierefraktärer akuter Herzinsuffizienz oder kardiogenem Schock. Bei Hochrisikopatient:innen kann sie zudem auch prophylaktisch eingesetzt werden, um Prozeduren wie eine perkutane Koronarintervention oder Katheterablation zu ermöglichen!

Zur temporären mechanischen Kreislaufunterstützung werden bevorzugt die Impella® sowie die veno-arterielle ECMO eingesetzt! Grundsätzlich können jedoch auch parakorporale Zentrifugalpumpen mit oder ohne Oxygenator als temporäres ventrikuläres Unterstützungssystem oder eine intraaortale Ballonpumpe zur Unterstützung der Koronarperfusion eingesetzt werden!

Intrakorporale Mikroaxialpumpen (mAFPs)toggle arrow icon

Übersicht

Nachdem die Anwendung der HeartMate PHP™ aufgrund von Sicherheitsbedenken eingestellt wurde, steht aktuell nur die Impella® als intrakorporale Mikroaxialpumpe zur temporären mechanischen Kreislaufunterstützung zur Verfügung!

Intrakorporale Mikroaxialpumpen (mAFPs) [1][19][20]

  • Prinzip: Intravaskuläres Unterstützungssystem
  • Besonderheiten
    • Einstellen der Flussrate über Drehzahl der Mikroaxialpumpe
    • Systemische Antikoagulation zur Vermeidung einer Gerinnungsaktivierung erforderlich [21]
    • Zusätzlich kontinuierliche Spülung der Pumpe zur Vermeidung einer Thrombenbildung [22]
    • Kombination mit veno-arterieller ECMO zur Entlastung des linken Ventrikels möglich („ECMELLA“, syn. „ECPELLA“)
    • Biventrikuläre Unterstützung durch parallele Anlage von zwei Systemen möglich („BiPella“) [23]
  • Kontraindikationen

Intrakorporale Mikroaxialpumpen können sowohl alleine (zur Unterstützung des linken oder rechten Ventrikels) als auch in Kombination (zur biventrikulären Unterstützung) eingesetzt werden! Eine Unterstützung der Lungenfunktion ist jedoch im Gegensatz zur ECMO nicht möglich!

Impella CP® und Impella 5.

Impella RP® [3][5]

Extrakorporaler Life Support (ECLS)toggle arrow icon

Übersicht [27]

Gemäß der von der Extracorporeal Life Support Organization vorgeschlagenen Nomenklatur ist „Extrakorporaler Life Support (ECLS)“ der Oberbegriff für die beiden Systeme „Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO)“ und „Extrakorporale CO2-Elimination (ECCO2R)“ inkl. sämtlicher Varianten. In der Literatur und im klinischen Sprachgebrauch ist mit einer „ECLS“ aber häufig eine veno-arterielle ECMO gemeint!

Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) [1][28][29]

Wesentliches Merkmal einer ECMO ist der im Gegensatz zu anderen kardialen Unterstützungssystemen standardmäßig integrierte Oxygenator, der eine gleichzeitige Unterstützung oder einen Ersatz des pulmonalen Gasaustauschs erlaubt!

Grundsätzlich wird bei der ECMO zwischen einer veno-arteriellen und einer veno-venösen Variante unterschieden! Erstere wird primär zur temporären mechanischen Kreislaufunterstützung, letztere zur temporären Lungenunterstützung eingesetzt!

Veno-arterielle ECMO

Mögliche Kanülierungen für eine veno-arterielle ECMO
Kanülierung Entnahme Rückgabe
Peripher
  • A. carotis
Zentral

Bei der veno-arteriellen ECMO kann grundsätzlich zwischen einer peripheren Kanülierung mit retrogradem Blutfluss und einer zentralen Kanülierung mit antegradem Blutfluss unterschieden werden!

Die Überlebenswahrscheinlichkeit nimmt mit der Laufzeit der ECMO ab und erreicht nach 12 Tagen ihr Minimum! Bei ausbleibender Erholung der Herzfunktion sollten daher Therapieziele und -optionen frühzeitig reevaluiert werden!

Veno-venöse ECMO

Im Gegensatz zur veno-arteriellen ECMO ist der Blutfluss bei veno-venöser ECMO immer antegrad! Das Blut kann zudem grundsätzlich auch kombiniert über einen bikavalen Doppellumenkatheter entnommen und zurückgegeben werden!

Da die veno-venöse ECMO ausschließlich der temporären Lungenunterstützung dient, müssen relevante Einschränkungen der rechts- oder linksventrikulären Pumpfunktion vor der Anlage ausgeschlossen werden!

Extrakorporale CO2-Elimination (ECCO2R) [42][43][44][45]

  • Grundprinzip: Extrakorporaler Kreislauf mit eingebautem Oxygenator
    • Entnahme venösen Blutes vor dem rechten Herzen
    • Durchfließen des mit einer Frischgasquelle verbundenen Oxygenators
    • Rückgabe (hauptsächlich) decarboxylierten Blutes
      • Pumpengetrieben in das venöse System = Veno-venöse ECCO2R
      • Pumpenlos in das arterielle System = Arterio-venöse ECCO2R
  • Besonderheiten

ECCO2R ist ein extrakorporales Unterstützungssystem mit niedriger Flussrate, das bei isolierter hyperkapnischer respiratorischer Insuffizienz zur Unterstützung der Decarboxylierung eingesetzt werden kann! Grundsätzlich kann dabei zwischen einer pumpengetriebenen und einer pumpenlosen Variante unterschieden werden!

Dauerhafte mechanische Kreislaufunterstützungtoggle arrow icon

Die dauerhafte mechanische Kreislaufunterstützung ist eine Therapieoption bei chronischer Herzinsuffizienz! Bei der Indikationsstellung sollte insb. die INTERMACS-Klassifikation berücksichtigt werden!

Zur dauerhaften mechanischen Kreislaufunterstützung wird in den allermeisten Fällen eine intrakorporale Zentrifugalpumpe als linksventrikuläres Unterstützungssystem verwendet! Andere Systeme (rechts- oder biventrikuläres Unterstützungssystem, Total artificial Heart) sind grundsätzlich möglich, spielen klinisch aber eine untergeordnete Rolle! [48][52]

Ventricular Assist Devices (VADs)toggle arrow icon

Übersicht [3][4][53]

Ventricular Assist Devices (VADs)
System Varianten Indikation
Intrakorporale Zentrifugalpumpe
  • HeartMate 3™
  • HVAD™ [54]
Parakorporale Verdrängerpumpe
  • EXCOR®
  • PVAD™
Parakorporale Zentrifugalpumpen [5][16]
  • TandemHeart™
  • CentriMag™
  • Rotaflow™

Mit dem Begriff „Ventricular Assist Device“ bzw. der Abkürzung „VAD“ wird in der Literatur und im klinischen Sprachgebrauch typischerweise ein permanent implantierbares System zur dauerhaften mechanischen Kreislaufunterstützung bezeichnet! Je nach Kontext kann jedoch auch ein System zur temporären mechanischen Kreislaufunterstützung gemeint sein!

Ventricular Assist Devices (VADs) [1][4]

  • Prinzip: Permanent implantierbare Unterstützungssysteme
    • HeartMate 3™: Elektromagnetisch angetriebene, direkt in den linken Ventrikel implantierte Zentrifugalpumpe mit kontinuierlichem Blutfluss
    • EXCOR®: Pneumatisch angetriebene, über ein Kanülensystem mit dem Herzen verbundene Verdrängerpumpe mit pulsatilem Blutfluss
  • Besonderheiten
    • Einteilung nach Art der Unterstützung als LVAD, RVAD oder BiVAD [48][52]
    • Anlage über einen chirurgischen Eingriff mit Herz-Lungen-Maschine an spezialisierten Zentren [59]
    • Systemische Antikoagulation zur Vermeidung einer Gerinnungsaktivierung erforderlich [5][51][60]
    • Strukturierte, interdisziplinäre Nachbehandlung mit regelmäßigen Kontrollen erforderlich [5][48]
  • Kontraindikationen, siehe: Dauerhafte mechanische Kreislaufunterstützung

Nach der Art der Unterstützung werden ventrikuläre Unterstützungssysteme in LVAD, RVAD und BiVAD eingeteilt, wobei das LVAD die mit Abstand häufigste Form ist!

Permanent implantierbare Unterstützungssysteme erfordern eine strukturierte, interdisziplinäre Nachbehandlung mit regelmäßigen Kontrollen!

Linksventrikuläres Unterstützungssystem (LVAD) [1][61]

HeartMate 3™

  • Implantation (orientierende Darstellung der wesentlichen Operationsschritte) [62]
  • Klinisches Management
    • Intraoperative Anlage eines Pulmonaliskatheters sinnvoll
    • Pumpendrehzahl initial unter TEE-Kontrolle einstellen
    • Arteriellen Mitteldruck von 70–80 mmHg anstreben
    • Regelmäßige echokardiografische Kontrollen durchführen
    • Antikoagulation gemäß lokalem Standard und individuellen Besonderheiten
    • Bei Anstieg des Stromverbrauchs an mögliche Pumpenthrombose denken
    • Konsequente Prävention bzw. Therapie einer Driveline-Infektion [63][64]

Das HeartMate 3™ ist das bei Erwachsenen und Jugendlichen am häufigsten implantierte ventrikuläre Unterstützungssystem und daher in den meisten Fällen gemeint, wenn in der Literatur oder im klinischen Sprachgebrauch von einem LVAD die Rede ist!

Die „Achillesferse“ der LVAD-Therapie ist die rechtsventrikuläre Funktion – entsprechend wichtig ist es, eine Dekompensation möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln!

EXCOR®

  • Implantation (orientierende Darstellung der wesentlichen Operationsschritte) [62]
    • Ventrikulotomie an der Spitze des linken Ventrikels
    • Einflusskanüle in den linken Ventrikel einnähen
    • Einflusskanüle transkutan ausleiten
    • Ausflusskanüle in die Aorta ascendens einnähen
    • Ausflusskanüle transkutan ausleiten
    • Ein- und Ausflusskanüle mit der Pumpe verbinden
  • Klinisches Management: Nach lokalem Standard des jeweiligen Zentrums

Rechtsventrikuläres Unterstützungssystem (RVAD) [1][65]

Rechtsventrikuläre Unterstützungssysteme werden insb. zur temporären mechanischen Kreislaufunterstützung eingesetzt! Die Anwendung zur dauerhaften mechanischen Kreislaufunterstützung ist dagegen sehr selten!

Biventrikuläres Unterstützungssystem (BiVAD) [1][5]

Biventrikuläre Unterstützungssysteme sind eine Kombination aus einem LVAD und einem RVAD! Es handelt sich also um zwei separate Kreisläufe mit jeweils eigener Pumpe!

Komplikationentoggle arrow icon

Neben den hier orientierend aufgelisteten allgemeinen Komplikationen müssen weitere systemspezifische Komplikationen beachtet werden!

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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