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Ertrinkungsunfall - AMBOSS-SOP

Grundlagen und Geltungsbereich der SOP

Diese SOP gibt einen Überblick zum Vorgehen bei Beinahe-Ertrinken. Zum Vorgehen bei Unterkühlung siehe: Akzidentelle Hypothermie.

Präklinisches Management

Basisdiagnostik und -maßnahmen

Eine unerwartete, schnelle Verschlechterung des Zustands kann jederzeit auftreten aufgrund der Aspiration (Reizung der Atemwege, Bildung eines reaktiven Lungenödems)!

Eine Hypothermie muss verhindert werden, da sie bei reanimationspflichtigen Pat. die Prognose verschlechtert (trotz ihres sonstigen neuroprotektiven Effekts)!

Weitere präklinische Maßnahmen

  • Lagerung: Immobilisierung, Vakuummatratze
  • Dokumentation: Wichtige Punkte aus der (Fremd‑)Anamnese und Untersuchung inkl.
  • Behandlung epileptischer Anfälle mit einer Dauer > 5 min siehe: Status epilepticus - AMBOSS-SOP
  • Volumengabe: Insb. bei Wiedererwärmung angewärmte Vollelektrolytlösungen verabreichen (ggf. Kolloide)
  • Transport zum Krankenhaus: Immer indiziert bei Beinahe-Ertrinken!
    • Zielkrankenhaus
      • Bei wachen Pat.: Krankenhaus mit Intensivstation
      • Bei bewusstlosen Pat. mit Hypothermie und Herzkreislaufstillstand: Krankenhaus mit Möglichkeit zur ECMO
    • Transportmittel: Bevorzugt Rettungshubschrauber, alternativ Rettungsfahrzeug oder Boot

Entscheidend sind eine rasche Erstversorgung mit unverzüglicher Therapie der Hypoxämie sowie der schnelle Transport ins Krankenhaus!

Vorgehen bei Kreislaufstillstand durch Ertrinken

Prognostisch relevante Faktoren bei Beinahe-Ertrinken
Faktoren Günstig Ungünstig
Wassertemperatur <10 °C >10 °C
Körperkerntemperatur <30 °C >30 °C
Dauer der Submersion <15 min >15 min
Dauer der Reanimation <60 min >60 min
Dauer zwischen Bergung und Beginn der Reanimation <10 min >10 min
Lebensalter Jung Älter
Begleiterkrankungen Nein Ja
Eintritt der Hypothermie Schnell Langsam

Im Zweifel sollte die präklinische Reanimation immer fortgeführt werden, da keine Faktoren eine sichere Angabe zur Prognose erlauben!

Klinisches Management

Stationäre Überwachung

  • Dauer: Über mind. 24 h
  • Ort: Normalstation oder Intensivstation, je nach klinischem Zustand
  • Indikation: Alle Fälle von Beinahe-Ertrinken, auch ohne neurologische oder pulmonale Symptomatik
  • Ziel: Komplikationen aufgrund der zerebralen Hypoxie oder Aspiration verhindern/früh erkennen und behandeln

Diagnostik

Therapie

Die spezifische Therapie richtet sich immer nach der klinischen Situation und variiert daher stark. Sie kann u.a. folgende Aspekte umfassen:

Die probatorische Gabe von Corticosteroiden oder Barbituraten sowie auch ein Monitoring des intrakraniellen Drucks (ICP) konnten das neurologische Outcome in Studien nicht verbessern, daher sind diese Maßnahmen nicht indiziert!

Komplikationen

Der klinische Verlauf wird vorrangig bestimmt durch pulmonale Komplikationen, die Prognose dagegen vom neurologischen Status zum Zeitpunkt der Aufnahme!

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.