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Status epilepticus - AMBOSS-SOP

Grundlagen

Der Status epilepticus ist – wie jeder epileptische Anfall – ein Symptom und keine Grunderkrankung! Ein erstmaliger Status epilepticus beim Erwachsenen ohne bekannte Epilepsie ist fast immer auf symptomatische Ursachen zurückzuführen, sodass deren Abklärung und Behandlung von Anfang an bedacht werden müssen!

1 - Basismaßnahmen

Allgemeines

Basisdiagnostik

Epileptische Anfälle werden innerhalb der ersten 5 min nicht medikamentös behandelt, weil die allermeisten Anfälle innerhalb dieser Zeit spontan sistieren und so die Nachteile der Sedierung vermieden werden können. Erst ab 5 min spricht man von einem Status epilepticus und beginnt die Behandlung dann ohne Verzögerung! Für Beginn und Eskalation der Stufentherapie muss die Uhr stets im Blick behalten werden!

2 - Medikamentöse Stufentherapie

1. Stufe: Benzodiazepin

  • Beginn: Erster Bolus 5 min nach Anfallsbeginn , bei Persistenz zweiter Bolus 5–10 min nach erstem Bolus
  • Ziel: Klinische Statusdurchbrechung
  • Therapieoptionen

Die Kombination mehrerer Benzodiazepine ist nicht sinnvoll! Die Gesamtdosis des eingesetzten Benzodiazepins inkl. der durch Ersthelfer verabreichten Dosis soll im nicht-sedierenden Bereich liegen. Daher gilt v.a. bei älteren Patienten besondere Vorsicht bei der individuellen Dosierung!

2. Stufe: Antikonvulsiva-Aufsättigung

Auf der 2. Stufe können bei ausbleibendem Erfolg der Schnellaufsättigung eines Wirkstoffs mehrere Wirkstoffe nacheinander angewendet werden, bevor zur Narkose (3. Stufe) übergegangen wird! Nach erfolgreicher Schnellaufsättigung individuell angepasste Erhaltungstherapie mit den eingesetzten Wirkstoffen fortführen!

3. Stufe: Narkose mit antikonvulsiven Anästhetika

  • Beginn: >60 min nach Anfallsbeginn unter intensivstationärer Überwachung, Intubation und kontinuierlichem EEG-Monitoring
  • Ziel: Burst-Suppression-Muster im EEG
  • Therapieoptionen

Die 3. Stufe wird beim konvulsiven Status epilepticus ohne Bewusstseinsstörung und beim nicht-konvulsiven Status epilepticus nur sehr zurückhaltend und in Einzelfällen eingesetzt, weil die iatrogenen Komplikationen der Therapie sehr wahrscheinlich die Schädigung durch die anhaltende epileptische Aktivität überwiegen!

Ein Status epilepticus mit Bewusstlosigkeit ohne bekannte Ursache muss wie ein Koma unklarer Ätiologie gewertet und schnellstmöglich auf gleiche Weise vollständig ätiologisch abgeklärt werden!

Ein Status epilepticus ohne Bewusstseinsstörung ohne bekannte Ursache muss so bald wie möglich wie ein epileptischer Anfall vollständig diagnostisch abgeklärt werden!