• Klinik

Ertrinken (Tod durch Ertrinken)

Abstract

Ertrinken bezeichnet einen Tod durch Aspiration von Flüssigkeit. Aus rechtsmedizinischer Sicht wird dabei in der Regel zwischen typischem (Ertrinkungstod) und atypischem Ertrinken unterschieden.

Das typische Ertrinken geschieht bei vollem Bewusstsein und ist vereinfacht durch den Kampf gegen das Ertrinken und die Aspiration von Flüssigkeit geprägt. Charakteristische Zeichen für diese Form sind Paltauf-Flecken, Sehrtsche Magenschleimhautrisse und Wydler-Zeichen.

Das atypische Ertrinken zeichnet sich durch eine rasche Erstickung unter der Wasseroberfläche aus. Hierdurch sind charakteristische Zeichen des Ertrinkens sehr viel geringer ausgeprägt.

Kenntnisse über die rechtsmedizinischen Merkmale des Ertrinkungstods sind wichtig, um nachträglich ins Wasser verbrachte Leichen identifizieren zu können (Leichen-Dumping).

Typisches Ertrinken (Ertrinkungstod)

Das typische Ertrinken geschieht bei zunächst vollem Bewusstsein und erhaltenen Schutzreflexen. Bei einem Überlebenskampf gegen das Untertauchen findet ein Wechsel zwischen Inspiration von Luft und Aspiration von Wasser statt, wodurch sich postmortal charakteristische Ertrinkungszeichen nachweisen lassen.

  • Ablauf eines typischen Ertrinkungsvorgangs: Atem wird angehalten → Apnoe führt zu Hyperkapnie → Atemzwang → Aspiration von Flüssigkeit → Erstickungskonvulsionen → Atempause und terminale Schnappatmung
  • Ursachen
    • Ungeübter Schwimmer
    • Körperliche Erschöpfung im Wasser
  • Befunde
  • Klinischer Hinweis bei "Beinahe-Ertrinken": Immer stationäre Überwachung für mindestens 24 Stunden veranlassen (wegen der Gefahr eines Lungenödems)!

Atypisches Ertrinken

Das atypische Ertrinken zeichnet sich durch einen schnellen Erstickungsvorgang aus, ohne dass die betroffene Person wiederholt Luft an der Wasseroberfläche holen kann. Durch eine fehlende inspiratorische Phase und dem Dominieren einer Aspiration von Wasser sind die "typischen" Befunde des Ertrinkens (Paltauf-Flecken, Wydler-Zeichen, Schaumpilz u.a.) sehr viel geringer ausgeprägt.

  • Ursachen
    • Betroffene Person wird gewaltsam unter Wasser gehalten
    • Bewusstlosigkeit durch Schädel-Hirn-Trauma (z.B. Kopfsprung)
  • Befund
    • Typische Ertrinkungszeichen (z.B. Paltauf-Flecken, Wydler-Zeichen) können fehlen oder nur gering ausgeprägt sein
    • Ggf. Hinweise auf eine spezifische Ursache des Ertrinkens

Badetod

Beim Badetod kommt es i.d.R. zu einem plötzlichen Bewusstseinsverlust, aufgrund dessen der oder die Betroffene lautlos untergeht. Es handelt sich um eine seltene Form des Todes im Wasser, bei der postmortale Charakteristika des typischen Ertrinkens wie z.B. Flüssigkeit in den Lungen häufig völlig fehlen.

  • Ursachen
    • Badetod im engeren Sinne
      • Reflektorischer Kreislaufstillstand durch z.B. Kälte des Wassers, Disposition (pathologische Reflexe ) und/oder Intoxikation (z.B. Alkohol)
    • Badetod im weiteren Sinne
  • Befund
    • Typische Ertrinkungszeichen (z.B. Paltauf-Flecken, Wydler-Zeichen) können fehlen oder nur gering ausgeprägt sein
    • Ggf. Hinweise auf eine spezifische Ursache des Ertrinkens

Wasserleichen

Nur weil eine Leiche im Wasser gefunden wurde, muss die Todesursache nicht zwangsläufig Ertrinken sein, da Leichen mitunter nach ihrem Tod an andere Orte verbracht werden (sog. Dumping)!

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • T75.-: Schäden durch sonstige äußere Ursachen
    • T75.1: Ertrinken und nichttödliches Untertauchen
      • Schwimmkrampf
      • Untertauchen
  • X59.-:! Akzidentelle Exposition gegenüber sonstigen und nicht näher bezeichneten Faktoren
    • X59.9!: Sonstiger und nicht näher bezeichneter Unfall
      • Ertrinken und Untergehen

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.