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Reanimation von Neugeborenen - AMBOSS-SOP

Vorbereitung und Initialversorgung

In dieser AMBOSS-SOP werden Vorbereitung und Durchführung der Neugeborenenreanimation dargestellt. Für eine Übersicht der grundlegenden anzuwendenden Techniken siehe: Grundlagen der Reanimation - Besondere Patientengruppen. Für eine Für die postnatale Routineversorgung (insb. die Betreuung von Neugeborenen mit ungestörter Anpassung) siehe Management im Kreißsaal, APGAR-Score und U1.

Zeitpunkt Maßnahme/Erklärung
Vor der Geburt
  • Material prüfen (Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit)
  • Warme, zugluftfreie Umgebung schaffen
    • Frühgeborene: Raumtemperatur >25 °C
    • Reifgeborene: Raumtemperatur 23–25 °C
  • Team-Briefing
  • Elterngespräch
Zum Zeitpunkt der Geburt
  • Uhr starten
Nach der Geburt (parallele Maßnahmen)
  • Abtrocknen/stimulieren und wärmen
    • Reifgeborene: Gründlich abtrocknen, in ein warmes Tuch wickeln
    • Frühgeborene <32. SSW: Ohne Abtrocknen in Plastikfolie hüllen (Gesicht aussparen)
  • Abnabeln
    • Reife Neugeborene und stabile Frühgeborene: Verzögertes Abnabeln (frühestens nach 1 min)
    • Keine Spontanatmung: Sofort abnabeln, um den Beginn einer effektiven Reanimation nicht zu verzögern

Bei ungestörter Anpassung kann auf das Monitoring i.d.R. verzichtet werden.

  • Monitoring
    • Pulsoxymetrie (SpO2)
      • Messung: Präduktal (rechte Hand)
      • Beurteilung: Abhängig vom Lebensalter, daher Referenzwerte beachten
        • SpO2-Grenzwerte (für Reifgeborene) nach ERC:
          • 2 min: 60%
          • 3 min: 70%
          • 4 min: 80%
          • 5 min: 85%
          • 10 min: 90%
      • Bedeutung: Steuerung der O2-Gabe; hinweisend auf Wiedereinsetzen eines Spontankreislaufs
    • EKG (Herzfrequenz)
      • Messung: 3 Elektroden
      • Bedeutung: Bestimmt wesentlich den Ablauf der Neugeborenen-Reanimation; zeigt am sensitivsten Erfolg von Reanimationsmaßnahmen an
Weiteres Vorgehen
  • Falls keine suffiziente Spontanatmung: Mit CPR-Algorithmus beginnen
  • Falls angestrengte Spontanatmung: Assistierte Beatmung (CPAP)
  • Falls suffiziente Spontanatmung: Wärmemanagement, Neugeborenes zu den Eltern geben

Hypothermie ist eine wichtige und vermeidbare Ursache von Morbidität und Mortalität! Insb. Frühgeborene sind gefährdet!

Die Herzfrequenz ist der sensitivste Parameter, um den Erfolg von Reanimationsmaßnahmen zu bewerten! Mithilfe eines EKG gelingt die Messung der Herzfrequenz schneller und zuverlässiger als durch Pulsoxymetrie!

Ablauf/Durchführung

Maßnahme

Erklärung

Freimachen der Atemwege
  • Rückenlage
  • Schnüffelstellung oder Kopf/Hals in Neutralposition
  • Kinn anheben
  • Esmarch-Handgriff
  • Ggf. Atemwegshilfen einsetzen (bspw. Guedel-Tubus)
  • Bei Verlegung der Atemwege: (Oropharyngeales) Absaugen
Initiale Beatmung
  • Initial 5 Beatmungshübe
  • Erfolgskontrolle: Sichtbare Thoraxexkursionen
    • Falls per Maskenbeatmung keine suffiziente Beatmung gelingt
      • Repositionieren des Kopfes und/oder der Maske
      • Beidhändiger Esmarch-Handgriff
      • Einsatz alternativer Atemwegshilfen
      • Bis zum Eintreffen einer intubationserfahrenen Assistenz: Kopfposition erneut prüfen, ggf. Wiederholung der initialen Beatmungshübe, bei Anhalt für Atemwegsverlegung absaugen
  • Ggf. endtidale CO2-Messung und erweitertes Beatmungsmonitoring
Wiederbeurteilung von Atmung und Herzfrequenz (nach 60 s)
  • Falls HF <60/min trotz effektiver Beatmung: Beginn mit Thoraxkompressionen
  • Falls HF ≥60/min
    • Ohne suffiziente Spontanatmung: Maskenbeatmung (Beatmungsfrequenz 30/min, restriktive O2-Gabe)
    • Mit suffizienter Spontanatmung: Wärmemanagement, Beobachtung
Thoraxkompressionen/Beatmungen
  • Technik der Thoraxkompressionen
  • Kompressions-Ventilations-Verhältnis: 3:1
    • Sonderfall vermutete kardiale Ursache: Kompressions-Ventilations-Verhältnis 15:2 erwägen
  • CPR-Frequenz: 120/min
  • Sauerstoffsupplementation mit 100% O2 erwägen
Wiederbeurteilung (alle 30 s)
  • Falls HF <60/min: Fortführung der Thoraxkompressionen und Beatmungen, zusätzlich Medikamentengabe erwägen
  • Falls HF ≥60/min: Thoraxkompressionen beenden
    • Ggf. weitere Beatmung (Beatmungsfrequenz 30/min, restriktive O2-Gabe)
Erweiterte Maßnahmen (parallel)
  • Gefäßzugang (idealerweise per Nabelvenenkatheter)
  • Medikamente/Infusionen
    • Falls HF anhaltend <60/min unter Thoraxkompressionen und Beatmung: Adrenalin (initial 10 μg/kgKG i.v., danach 10–30 μg/kgKG alle 3–5 min)
    • Sonderfälle
      • Prolongierte Reanimation: Natriumbicarbonat (1–2 mmol/kgKG i.v., langsam verabreichen) erwägen
      • Verdacht auf Volumenmangel/Blutverlust bei Reifgeborenen: Volumenbolus (10 mL/kgKG, bei Erfolg ggf. Wiederholung)
      • Blutverlust mit unzureichendem Ansprechen auf Reanimationsmaßnahmen: Transfusion erwägen
Elternbetreuung (parallel)
  • Anwesenheit der Eltern, wenn gewünscht und möglich
  • Nach Beenden der Reanimation: Frühestmöglichen Kontakt zum Kind ermöglichen

Nahezu allen Neugeborenenreanimationen liegt eine respiratorische Ursache (Asphyxie) zugrunde! Eine suffiziente Beatmung ist die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Reanimation!

Der Algorithmus der Neugeborenenreanimation beschreibt zunächst einmal lebensrettende Maßnahmen unmittelbar nach der Geburt! Er kann jedoch (in entsprechend abgewandelter Form) Reanimationsmaßnahmen in der gesamten Neugeborenenperiode leiten!

Postreanimationsbehandlung