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Anaphylaxie-Notfallset

Abstract

Das Anaphylaxie-Notfallset besteht aus einem Adrenalin-Autoinjektor, einem Antihistaminikum (Tropfen, Saft oder Tabletten) und einem Glucocorticoid (Saft, Zäpfchen oder Tabletten). Medikamente in flüssiger Form sind zu bevorzugen, weil bei zugeschwollenem Rachen keine Tabletten mehr geschluckt werden können. Zudem hat man nicht immer Flüssigkeit zum Herunterschlucken der Tabletten dabei. Bei Patienten, die mit bronchialer Obstruktion reagieren, oder bei Patienten mit bekanntem Asthma bronchiale wird zusätzlich ein Salbutamol-Spray verschrieben. Bei Bienengiftallergikern sollte der Giftstachel so schnell wie möglich ohne Quetschen aus der Einstichstelle entfernt werden, um weiteren Gifteintritt zu vermeiden! Das Set sollte immer bei sich getragen werden, denn ein anaphylaktischer Schock kann Sekunden bis Minuten nach einem Allergenkontakt auftreten, oft vor Ausbildung einer Lokalreaktion.

Reminder: Typische Symptome der Anaphylaxie

Typische Symptome der Anaphylaxie

  • Kribbeln, Missempfindungen oder Hitzegefühl von Zunge und Rachen oder palmar und plantar
  • Generalisierter Juckreiz, Hautrötung, Urtikaria
  • Schwellung von Lippen, Augenlidern, Mund- und Rachenschleimhaut
  • Brustenge, Dyspnoe
  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
  • Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schwäche, Schwindel
  • Unfreiwilliger Abgang von Harn und Stuhl
  • Todesangst
  • Bewusstlosigkeit
  • Für weitere Informationen: siehe auch Allergische Erkrankungen

Bei Bienengiftallergikern: Giftstachel so schnell wie möglich ohne Quetschen aus der Einstichstelle entfernen, um weiteren Gifteintritt zu vermeiden!

Adrenalin Autoinjektor für den Anaphylaxie-Notfall

Adrenalin Autoinjektor (z.B. Fastjekt®---------)

Das Adrenalin wirkt innerhalb von 5–10 Minuten!

  • Dosierungsempfehlung [1] [2]
    • Darreichungsformen: Intramuskuläre Applikation mittels Injektionslösung in einem Autoinjektor zur Selbsthilfe im Notfall
    • Zugelassen ab dem Geburtsalter
    • Anwendung im Notfall: Blaue Schutzkappe abziehen
      • Autoinjektor fest in die Hand nehmen
      • Mit der orangefarbenen Spitze an der Oberschenkelaußenseite auf halber Höhe zwischen Knie und Hüfte aufsetzen (zur Not über der Hose)
      • Kräftig aufdrücken bis die Nadel hörbar auslöst
      • Min. 10 Sekunden in Position halten, das Sichtfenster des Autoinjektors verdunkelt
      • Autoinjektor dann entfernen und Injektionsstelle massieren
    • Intramuskuläre Applikation
      • Kinder 7,5–25 kg
      • Kinder ≥25 kg, Jugendliche und Erwachsene
    • Zu beachten
      • Im Notfall gibt es keine Kontraindikationen!
      • Wenn nicht sofort ein Arzt verfügbar ist, sollte schnellstmöglich Adrenalin verabreicht werden, um einen ausgeprägten anaphylaktischen Schock zu verhindern.
      • Nach Verwendung des Autoinjektors sollte immer ein Arzt konsultiert bzw. der Patient in die Klinik gebracht werden. Dort kann über das weitere Vorgehen beratschlagt werden. Der gebrauchte Autoinjektor ist mitzunehmen.
      • Bei Verschreibung sind der Patient und dessen Eltern in der Anwendung zu schulen (Demogeräte verfügbar).
      • Bei versehentlicher Applikation in Hände oder Füße kann es zu peripheren Ischämien kommen.

Nur in den Oberschenkel applizieren, um versehentliche i.v. Applikation zu vermeiden!

Antihistaminika für das Anaphylaxie-Notfallset

Antihistaminika im Notfall

Das Antihistaminikum wirkt innerhalb von ca. 30 Minuten! [3]

Dimetinden (z.B. Fenistil®---------)

  • Dosierungsempfehlungen [1]
    • Darreichungsformen: Tropfen , Dragees
    • Zugelassen ab 1 J.
    • Orale Applikation: Faustregel: 1 Tr. pro kgKG, Minimaldosis 5 Tropfen, Maximaldosis 30 Tropfen
      • Kinder <15 kg
      • Kinder 15–30 kg
      • Kinder >30–60 kg
      • Kinder >60 kg, Jugendliche und Erwachsene
    • Zu beachten

Cetirizin (z.B. Zyrtec®-------)

  • Dosierungsempfehlungen [1]
    • Darreichungsformen: Orale Applikation als Sirup , Tropfen , Tabletten oder Schmelztabletten
    • Zugelassen ab 2 J.
    • Dosierung
      • Kinder <30 kg
      • Kinder >30 kg, Jugendliche und Erwachsene
    • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Levocetirizin (z.B. Xusal®------)

  • Dosierungsempfehlungen
    • Darreichungsformen: Orale Applikation als Sirup , Tropfen , Tabletten
    • Zugelassen ab 2 J.
    • Dosierung
      • Kinder 2–6 J.
      • Kinder >6 J., Jugendliche und Erwachsene
    • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Desloratadin (z.B. Aerius®-------)

  • Dosierungsempfehlungen [1]
    • Darreichungsformen Orale Applikation als Sirup , Tabletten und Schmelztabletten
    • Zugelassen ab 1 J.
    • Kinder 1–5 J.
    • Kinder 6–11 J.
    • Kinder >12 J., Jugendliche und Erwachsene
    • Zu beachten: Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile

Wenn keine ausreichende Wirkung erzielt wird, kann die Gabe kurzfristig wiederholt werden! Im Notfall sollte immer eher überdosiert werden als eine unzureichende Wirkung zu riskieren!

Glucocorticoide für das Anaphylaxie-Notfallset

Glucocorticoide (Saft, Zäpfchen, Tabletten)

Das Glucocorticoidpräparat wirkt innerhalb von ca. 60 Minuten.

Betamethason oral (z.B. Celestamine®------------ N 0,5 liquidum)

  • Dosierungsempfehlungen
    • Darreichungsform: Lösung zum Einnehmen
    • Zugelassen ab dem Kleinkindalter
    • Dosierung bei Anaphylaxie
      • Kinder <6 J.
      • Kinder >6 J., Jugendliche und Erwachsene
    • Zu beachten
      • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile
      • Es gibt keine Standarddosierung für den Notfall. Vielmehr ist es essentiell, dass der Patient eine ausreichende Wirkmenge erhält

Prednison rektal (z.B. Rectodelt 100®----, Infectocortikrupp®------------------)

  • Dosierungsempfehlungen
    • Darreichungsform: Suppositorien
    • Zugelassen ab dem Säuglingsalter
    • Dosierung bei Anaphylaxie (jedes Alter)
    • Zu beachten
      • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile sowie bei unbehandelter schwerer Infektion (z.B. Tuberkulose)
      • Sehr variable Resorption (20–80 %), daher auch bei Säuglingen 100 mg pro Einzeldosis empfohlen
      • Maximale Serumkonzentration nach 2–5 Std.

Prednisolon oral (z.B. PrednisolonAL®--------------)

  • Dosierungsempfehlungen
    • Darreichungsform Tabletten
    • Wirkstoff zugelassen ab dem Säuglingsalter, sinnvoll ab ca. 10 J.
    • Dosierung bei Anaphylaxie (jedes Alter)
    • Zu beachten
      • Nicht anzuwenden bei Allergie gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile sowie bei unbehandelter schwerer Infektion (z.B. Tuberkulose)
      • Im Notfall ist es essentiell, dass der Patient eine ausreichende Wirkmenge erhält

Das Kind muss sicher in der Lage sein, Tabletten zu schlucken. Vorher ist eine Rezeptierung von Tabletten, insb. als Notfallmedikament, nicht sinnvoll!

Zu beachten bei allen Steroiden

Salbutamol für das Anaphylaxie-Notfallset

Salbutamol-Spray (z.B. Sultanol®---------)

  • Dosierungsempfehlungen
    • Darreichungsform: Dosieraerosol
    • Zugelassen ab dem Säuglingsalter
    • Inhalative Applikation
  • Zu beachten: Im Notfall gibt es keine Kontraindikationen!