• Klinik

Pharynxkarzinom

Abstract

Das Pharynxkarzinom bezeichnet einen bösartigen Tumor des Rachens. Hauptrisikofaktoren analog zum Larynxkarzinom sind Nikotinkonsum und Alkoholabusus. Eine Ausnahme stellt das Nasopharynxkarzinom dar, das mit Epstein-Barr-Virus-Infektionen assoziiert ist und schon in jungen Jahren auftreten kann. Die Erstsymptome sind abhängig von der Lokalisation und meist sehr unspezifisch. Ein Karzinom im Nasopharynx kann beispielsweise durch eine chronische Otitis media infolge der durch die Raumforderung bedingten Tubenventilationsstörung symptomatisch werden.

Epidemiologie

  • Geschlecht: > (ca. 4–7:1)
  • Alter: Häufigkeitsgipfel 45.–75. Lebensjahr
  • Vorkommen: Das Nasopharynxkarzinom zeigt eine auffällige geographische Verteilung, aufgrund derer umweltbedingte Ursachen angenommen werden
    • Meist Südostasiaten
    • Weiterhin erhöhte Inzidenz in Nordafrika, Grönland und Alaska

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Klassifikation

Nach der anatomischen Lokalisation

Die geläufigste Terminologie unterscheidet zwischen Nasopharynx-, Oropharynx- und Hypopharynxkarzinom

Nach der Histologie

TNM-Klassifikation maligner Tumoren (7. Edition, 2010)

TNM Hypopharynxkarzinom und Oropharynxkarzinom Nasopharynxkarzinom
T1
  • Tumorgröße ≤2 cm und
  • bei Hypopharynxkarzinom: Auf einen Unterbezirk begrenzt
T2
  • Tumorgröße 2–4 cm oder
  • bei Hypopharynxkarzinom: Invasion von mehreren Unterbezirken
  • Parapharyngeale Ausbreitung
T3
  • Tumorgröße ≥4 cm oder
  • bei Hypopharynxkarzinom: Fixation des Hemilarynx
  • bei Oropharynxkarzinom: Tumorausbreitung auf linguale Fläche der Epiglottis
T4
  • Infiltration von benachbarten Strukturen
N1
  • Solitärer Lymphknoten ≤3 cm kranial der Supraklavikulargrube
  • Größe: Lymphknoten ≤6 cm und
  • Lokalisation
    • nur ipsilateraler Befall der zervikalen Lymphknoten oder
    • nur Befall der retropharyngealen Lymphknoten (uni- oder bilateral)
N2
  • Größe: Lymphknoten ≤6 cm und
  • Lokalisation
    • Bilateraler Befall kranial der Supraklavikulargruben
N3
M1
  • Fernmetastasen

Symptome/Klinik

  • Bei allen Formen: Keine charakteristischen Frühsymptome
  • Symptome ergeben sich aus der Lokalisation im Rachen
  • Speziell Nasopharynxkarzinom
  • Speziell Oropharynxkarzinom und Hypopharynxkarzinom
    • Häufiges Erstsymptom: Vergrößerte zervikale Lymphknoten aufgrund lokaler Lymphknotenmetastasierung
    • Stechende Ohrenschmerzen
    • Globusgefühl
    • Schluckbeschwerden
    • Kloßige Sprache

Verlaufs- und Sonderformen

An dieser Stelle werden die Karzinome der Mundhöhle und der Tonsille abgehandelt, um die vielen Gemeinsamkeiten (u.a. Epidemiologie, Ätiologie, Histologie) mit dem Pharynxkarzinom zu verdeutlichen. Zudem gibt es bei den Karzinomen des Aerodigestivtraktes eine Besonderheit: Es treten gehäuft synchron oder metachron (nacheinander) Zweitkarzinome in anatomischer Nachbarschaft auf (z.B. Ösophaguskarzinome und Tonsillenkarzinome, Hypopharynxkarzinome und Mundbodenkarzinome oder Larynx- und Bronchialkarzinome).

Mundhöhlenkarzinom (oft Mundbodenkarzinom) und Tonsillenkarzinom

Pharynxkarzinome und Mundhöhlenkarzinome haben Nikotin- und Alkoholabusus als gemeinsamen Risikofaktor!

Diagnostik

  • Laryngoskopie
  • Endoskopische Untersuchung + Biopsie: Beurteilung des Tumors + Gewinnung von Material zur histologischen Aufarbeitung (u.a. zum Grading)
  • Schnittbildgebung CT oder MRT: Beurteilung der Infiltrationstiefe des Tumors und ob bereits Nachbarstrukturen betroffen sind

Therapie

Prognose

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

C04.-: Bösartige Neubildung des Mundbodens

  • C04.0: Vorderer Teil des Mundbodens
    • Von vorn bis zum Prämolar-Eckzahn-Übergang
  • C04.1: Seitlicher Teil des Mundbodens
  • C04.8: Mundboden, mehrere Teilbereiche überlappend
  • C04.9: Mundboden, nicht näher bezeichnet

C05.-: Bösartige Neubildung des Gaumens

C09.-: Bösartige Neubildung der Tonsille

C10.-: Bösartige Neubildung des Oropharynx

C11.-: Bösartige Neubildung des Nasopharynx

C12 Bösartige Neubildung des Recessus piriformis

  • Inklusive: Fossa piriformis

C13.-: Bösartige Neubildung des Hypopharynx

C14.-: Bösartige Neubildung sonstiger und ungenau bezeichneter Lokalisationen der Lippe, der Mundhöhle und des Pharynx

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.