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Pharynxkarzinom

Letzte Aktualisierung: 20.4.2026

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Pharynxkarzinome sind bösartige Tumore des Rachens, die nach ihrer Lokalisation in Naso-, Oro- und Hypopharynxkarzinome unterteilt werden. Die mit Abstand häufigste histologische Form ist das Plattenepithelkarzinom, dessen Entstehung wesentlich durch Tabak- und Alkoholkonsum sowie durch Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus (Nasopharynx) oder humanen Papillomviren (Oropharynx) begünstigt wird. Klinisch manifestieren sich die Tumoren oft erst in fortgeschrittenen Stadien durch schmerzlose Halslymphknotenschwellungen, Schluckbeschwerden, ein Fremdkörpergefühl oder ausstrahlende Ohrenschmerzen. Mundhöhlenkarzinome weisen ähnliche Charakteristika auf. Die diagnostische Abklärung umfasst eine sorgfältige klinische Untersuchung inkl. Endoskopie sowie eine Schnittbildgebung mittels CT oder MRT zur Beurteilung der Infiltrationstiefe. Zur definitiven Sicherung der Diagnose und zum Ausschluss von synchronen Zweitkarzinomen ist eine Panendoskopie mit Biopsie erforderlich. Die Therapie erfolgt stadiengerecht; während beim Nasopharynxkarzinom die primäre Radio(chemo)therapie im Vordergrund steht, werden Oro- und Hypopharynxkarzinome sowie Mundhöhlenkarzinome meist operativ reseziert oder primär radiochemotherapeutische behandelt. Ein begleitendes Management der Halslymphknoten mittels Neck Dissection ist bei vielen Entitäten ein integraler Bestandteil der chirurgischen Behandlung. Die Prognose ist stark vom Tumorstadium und dem HPV-Status abhängig, wobei das Hypopharynxkarzinom die ungünstigste Überlebensrate aller Kopf-Hals-Tumoren aufweist.

Du möchtest diesen Artikel lieber hören als lesen? Wir haben ihn für dich im Rahmen unserer studentischen AMBOSS-Audio-Reihe vertont. Den Link findest du am Kapitelende in der Sektion „Tipps & Links“.

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Epidemiologietoggle arrow icon

  • Inzidenz [1]
    • Nasopharynxkarzinom [2]
      • : 0,5 / 100.000 Personen
      • : 0,2 / 100.000 Personen
      • Endemische Regionen mit stark erhöhter Inzidenz: 25 / 100.000 Personen (Südchina) [3]
    • Oropharynxkarzinom
      • : 4–16 / 100.000 Personen
      • : 3–7 / 100.000 Personen
    • Hypopharynxkarzinom
      • : 2,3 / 100.000 Personen
      • : 1,7 / 100.000 Personen
  • Geschlecht: > [1]
  • Durchschnittsalter bei Erstdiagnose [1]
    • Nasopharynxkarzinom [3]
      • Niedrigrisikopopulation: 15–24 Jahre sowie 65–79 Jahre
      • Hochrisikopopulation: 45–59 Jahre
    • Oropharynxkarzinom: 61 Jahre; 66 Jahre
    • Hypopharynxkarzinom: 64 Jahre (für beide Geschlechter)

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

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Klassifikationtoggle arrow icon

Nach der anatomischen Lokalisation [4]

Die geläufigste Terminologie unterscheidet zwischen Nasopharynx-, Oropharynx- und Hypopharynxkarzinom. Zum anatomischen Aufbau der Pharynxabschnitte siehe auch: Pharynx. Die nachfolgende Einteilung in Unterbezirke ist insb. für die TNM-Klassifikation von Bedeutung.

Nach der Histologie

  • Plattenepithelkarzinome (mit Abstand häufigste Form, 95%) [1]
  • Adenokarzinome (bei Holzarbeitern als Berufskrankheit)
  • Lymphoepitheliales Karzinom (Schmincke-Tumor)
    • Undifferenziertes Karzinom des Nasopharynx
    • Besteht aus Tumorzellen epithelialen Ursprungs, die von lymphozytenreichem Stroma umgeben sind
    • Assoziation mit vorausgegangener EBV-Infektion
  • Beim Oropharynxkarzinom: Expression von p16 und HPV-DNA-Nachweis [1]
    • Kein HPV-Nachweis in der PCR bei 5–23% der positiven Oropharynxkarzinome [1]

Das Epstein-Barr-Virus schminkt den Nasopharynx mit lymphozytenreichem Stroma (Schmincke-Tumor).

TNM-Klassifikation maligner Pharynxtumoren (9. Edition, 2025) [5]

Nasopharynxkarzinom

TNM-Klassifikation des Nasopharynxkarzinoms [5]
Kategorie Kriterium
T-Klassifikation
Tx
  • Primärtumor kann nicht beurteilt werden
T0
Tis
T1
T2
  • Parapharyngeale Ausbreitung oder
  • Infiltration medialer/lateraler Pterygoid- und/oder prävertebraler Muskulatur
T3
  • Infiltration der knöchernen Schädelbasis (inkl. Pterygoidstrukturen) und/oder
  • Infiltration der Nasennebenhöhlen und/oder
  • Infiltration der Halswirbel
T4
N-Klassifikation
N0
N1
N2
N3
M-Klassifikation
M0
  • Keine Fernmetastasen
M1a
  • ≤3 Fernmetastasen
M1b
  • >3 Fernmetastasen

Hypopharynxkarzinom und Oropharynxkarzinom (p16‑)

TNM-Klassifikation des Hypopharynx- und Oropharynxkarzinoms (p16‑) [5]
Kategorie Kriterium
T-Klassifikation
Tx
  • Primärtumor kann nicht beurteilt werden
T0
Tis
T1
  • Tumorgröße ≤2 cm und
  • Bei Hypopharynxkarzinom: Auf einen Unterbezirk begrenzt
T2
  • Tumorgröße >2 cm und ≤4 cm oder
  • Bei Hypopharynxkarzinom: Invasion mehrerer Unterbezirke
T3
  • Tumorgröße >4 cm oder
  • Bei Hypopharynxkarzinom: Fixation des Hemilarynx oder Ausdehnung auf die Schleimhaut der Speiseröhre
  • Bei Oropharynxkarzinom: Tumorausbreitung auf linguale Fläche der Epiglottis
T4
Klinische N-Klassifikation Pathologische N-Klassifikation
cN1 pN1
cN2 pN2
cN3 pN3
M-Klassifikation
M0
  • Keine Fernmetastasen
M1
  • Fernmetastase(n)

Oropharynxkarzinom (p16+)

TNM-Klassifikation des Oropharynxkarzinoms (p16+) [5]
Kategorie Kriterium
T-Klassifikation
T0
T1
  • Tumorgröße ≤2 cm
T2
  • Tumorgröße >2cm und ≤4 cm
T3
  • Tumorgröße >4 cm oder
  • Tumorausbreitung auf linguale Fläche der Epiglottis
T4
Klinische N-Klassifikation Pathologische N-Klassifikation
cN0
  • Keine regionären Lymphknotenmetastasen
pN0
  • Keine regionären Lymphknotenmetastasen
cN1
  • Ipsilaterale Lymphknotenmetastase(n) <6 cm und intakte Lymphknotenkapsel
pN1a
  • Lymphknotenmetastase in 1 Lymphknoten und intakte Lymphknotenkapsel
pN1b
  • Lymphknotenmetastasen in 2–4 Lymphknoten und intakte Lymphknotenkapsel
cN2
  • Ipsilaterale Lymphknotenmetastase(n) <6 cm mit Kapselüberschreitung oder
  • Bilaterale oder kontralaterale Lymphknotenmetastase(n) ≤6 cm und intakte Lymphknotenkapsel
pN2
  • Lymphknotenmetastasen in ≤4 Lymphknoten mit Kapselüberschreitung oder
  • Lymphknotenmetastasen in >4 Lymphknoten und intakte Lymphknotenkapsel
cN3
  • Bilaterale oder kontralaterale Lymphknotenmetastase(n) ≤6 cm mit Kapselüberschreitung oder
  • Lymphknotenmetastase(n) >6 cm
pN3
  • Lymphknotenmetastasen in >4 Lymphknoten mit Lymphknotenkapsel-Überschreitung
M-Klassifikation
M0
  • Keine Fernmetastasen
M1
  • Fernmetastase(n)
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Stadientoggle arrow icon

Nach UICC

Nasopharynxkarzinom

Stadieneinteilung des Nasopharynxkarzinoms [5]
Stadium TNM
0 Tis
Ia T1, T2
Ib T0–T2 mit N1
II T0–T2 mit N2 oder T3 mit N0–N2
III T0–T4 mit N3 oder T4 mit N0–N3

IVa

T0–T4 mit N0–N3 und M1a
IVb T0–T4 mit N0–N3 und M1b

Hypopharynx- und Oropharynxkarzinom (p16‑)

Stadieneinteilung des Hypopharynx- und Oropharynxkarzinoms (p16‑) [5]
Stadium TNM
0 Tis
I T1 mit N0
II T2 mit N0
III T3 mit N0 oder T1–T3 mit N1
IVa T4a mit N0–N2 oder T1–T3 mit N2
IVb T4b mit N0–N3 oder T0–T4 mit N3
IVc M1

Oropharynxkarzinom (p16+)

Stadieneinteilung des Oropharynxkarzinoms (p16+) [5]
Stadium cTNM pTNM
I
  • T0–T2 mit N0–N1
  • T0–T2 mit N0–N1a/N1b
II
  • T0–T2 mit N2 oder T3 mit N0–N2
  • T0–T2 mit N2–N3 oder T3 mit N0–N2
III
  • T0–T3 mit N3 oder T4 mit N0–N3
  • T3 mit N3 oder T4 mit N0–N3
IV
  • M1
  • M1

Karzinome mit unbekanntem Primärtumor (CUP-Syndrom) werden bei positivem EBV- oder HPV/p16-Nachweis analog zu Naso- bzw. Oropharynxkarzinomen (p16+) eingeteilt! [6]

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Symptomatiktoggle arrow icon

Bei Persistenz von verdächtigen Symptomen (bspw. Heiserkeit, Schluckbeschwerden, einseitiges Fremdkörpergefühl) über mehr als 4 Wochen muss eine fachärztliche Abklärung erfolgen! [1]

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Diagnostiktoggle arrow icon

Primärdiagnostik

Anamnese und klinische Untersuchung [1]

Apparative Diagnostik und Biopsie [1]

  • Bildgebung/Staging
    • Sonografie des Halses: Zur Beurteilung von Halslymphknoten und ggf. Tumorausbreitung bei fortgeschrittener Infiltration
    • Kontrastmittelgestützte CT oder MRT des Halses (Schädelbasis bis obere Thoraxapertur)
      • Beurteilung der Infiltrationstiefe des Tumors und einer möglichen Arrosion von Nachbarstrukturen (insb. Knocheninfiltration) sowie zum Ausschluss ggf. vorliegender Lymphknotenmetastasen
    • CT-Thorax: Zum Ausschluss pulmonaler Metastasen oder Zweitkarzinome
    • Bildgebung des Abdomens (Sonografie, CT oder MRT): Zum Ausschluss von Lebermetastasen
  • Panendoskopie mit Biopsie
    • Untersuchung in Vollnarkose zur Bestimmung der Tumorausdehnung und zum Ausschluss von Zweitkarzinomen
    • Umfang: Inspektion von Naso-, Oro- und Hypopharynx, Larynx (Mikrolaryngoskopie), Tracheobronchoskopie und Ösophagoskopie
    • Biopsie: Aus dem Randbereich des Tumors und möglichst mittig aus dem Tumorgrund
      • Bei Oropharynxkarzinom: Bestimmung des p16-Status als Surrogatmarker für eine HPV-Assoziation
      • Bei Nasopharynxkarzinom: EBV-Nachweis im histologischen Präparat mittels In-situ-Hybridisierung [8]
      • PD-L1-Status: Bestimmung (CPS/TPS) sinnvoll für potenzielle Immuntherapie (insb. bei Rezidiv/Metastasierung)
    • Bei CUP-Syndrom: Zur Suche des Primärtumors bei fehlendem Tumornachweis in der Panendoskopie [9][10]
      • Tonsillektomie beidseits, Nasopharynxbiopsie, Zungengrundtonsillenabtragung
      • Bislang keine Empfehlung in der Leitlinie

Um das Kontrastmittelverhalten des Primärtumors nicht zu beeinflussen, sollte die Biopsie erst nach der Schnittbildgebung erfolgen! [11]

Erweiterte Diagnostik [1]

  • FDG-PET/CT
    • Indikation: Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren vor funktionseinschränkender Therapie zum Ausschluss von Fernmetastasen
    • Kein Stellenwert in der Routine-Primärdiagnostik der lokalen Ausdehnung (T-Status)
  • Zahnärztliche Untersuchung: Vor Beginn einer Strahlentherapie zur Feststellung des Zahnstatus und zur Prophylaxeplanung
  • Ggf. ultraschallgestützte Feinnadelbiopsie (bei suspekten Lymphknotenbefunden)
  • Keine Empfehlung: Wächterlymphknoten-Biopsie

Zervikale Lymphknotenmetastasen, bei denen trotz ausführlicher Diagnostik kein Primärtumor gefunden werden kann, werden als „Cancer of unknown Primary“ (CUP) klassifiziert!

Psychosoziales Screening

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Therapietoggle arrow icon

Stadiengerechte Therapie des Pharynxkarzinoms

Nasopharynxkarzinom [7][12]

Hypo-/Oropharynxkarzinom (inkl. Tonsillenkarzinom ) [1]

Primäre Operabilität vorhanden

  • Therapieziel: Möglichst komplette Tumorresektion unter Berücksichtigung der Lebensqualität (nach Möglichkeit weitgehender Erhalt von Stimm-, Kau- und Schluckfunktion)
  • Je nach Lokalisation und Stadium: Transorale Tumorresektion, ggf. unter Einsatz mikrochirurgischer Verfahren (CO2-Laser) und/oder Neck Dissection und/oder adjuvanter Radiatio bzw. Radiochemotherapie (siehe: Adjuvante Therapie beim Pharynxkarzinom)
    • Oropharynxkarzinom
      • Lokal begrenztes Stadium (UICC I–II): Gleichwertigkeit von primärer Operation (+/- adjuvanter Therapie) und primärer Radio-/Radiochemotherapie
      • Fortgeschrittenes Stadium (UICC III–IV): Primäre Resektion + adjuvante Therapie oder primäre Radiochemotherapie
    • Hypopharynxkarzinom
      • Lokal begrenztes Stadium (UICC I–II): Primäre Resektion (+/- adjuvante Therapie) oder primäre Radio-/Radiochemotherapie
      • Fortgeschrittenes Stadium (UICC III–IVb)
        • Primäre Resektion (+/- adjuvante Therapie) oder primäre Radiochemotherapie
        • Besseres Gesamtüberleben von T4a-Hypopharynxkarzinomen bei primär chirurgischer Therapie
  • Intraoperative Empfehlungen
    • Intraoperative Schnellschnitthistologie zur Beurteilung der Resektionsränder
    • Operative Nachresektion bei R1-Status dringlich empfohlen, falls funktionell und technisch möglich
    • Operative rekonstruktive Maßnahmen zur funktionellen und ästhetischen Verbesserung sinnvoll
  • Halslymphknotenmanagement: Durchführung einer Neck Dissection (mind. Level II–IV)
  • Perioperatives Management

Keine Operabilität vorhanden (bzw. auf Patientenwunsch)

Adjuvante Therapie beim Pharynxkarzinom

Die postoperative Strahlentherapie sollte nach abgeschlossener Wundheilung möglichst frühzeitig, spätestens jedoch innerhalb von 6 Wochen nach der Operation, eingeleitet werden.

  • Adjuvante Radiatio: Bei mittlerem Risikoprofil
  • Adjuvante Radiochemotherapie (bspw. mit 60 Gy und Cisplatin): Bei hohem Risikoprofil
    • R1-Situation oder knapper Resektionsrand (<5 mm)
    • Extrakapsuläres Tumorwachstum im Lymphknoten, sog. extranodale Ausbreitung
  • Ablauf Radiatio
    • Bei durchschnittlichem Risiko: 54–60 Gy in 27–30 Fraktionen über 5,5–6 Wochen
    • Bei erhöhtem Rezidivrisiko : 66 Gy in 33 Fraktionen über 6,5 Wochen
    • Elektive Bestrahlung nicht-betroffener Lymphknotenlevel: 45–54 Gy in Einzeldosen von 1,5–1,8 Gy
    • Bestrahlungspausen möglichst vermeiden
  • In Studien aktuell: PD-1-Inhibitoren

Primäre Radiochemotherapie bei Kopf-Hals-Karzinomen

  • Indikation: Inoperabilität, fortgeschrittene Stadien (Organerhalt) oder Ablehnung der Operation
  • Vor Therapiebeginn: Zahnärztliche Kontrolle
  • Durchführung: Simultane Radiatio mit cisplatinhaltiger Chemotherapie, ggf. Carboplatin/5-FU, Mitomycin C/5-FU oder Taxane bei Unverträglichkeit
    • IMRT-Technik
    • 70 Gy in konventioneller Fraktionierung (5×2 Gy pro Woche)
  • Nach Abschluss der Therapie
    • Schnittbildgebung zum Ausschluss eines Residualtumors bzw. von Residualmetastasen nach 8–12 Wochen
    • PET-CT nach 12 Wochen zur Beurteilung der Halslymphknoten bei prätherapeutischem cN+-Status

Palliative Therapie bei metastasiertem Kopf-Hals-Karzinom oder nicht-resezierbarem Rezidiv [13][14][15]

Bei nicht-identifizierbarem Primärtumor und Diagnose eines CUP-Syndroms wird in lokalisierten Stadien eine lokale radikale Therapie in kurativer Intention angestrebt, i.d.R. mittels modifizierter radikaler Neck Dissection und/oder lokaler Radiatio! [20][21]

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Rehabilitative Maßnahmentoggle arrow icon

Schluckrehabilitation

  • Zeitpunkt
    • Bei präoperativ bestehender Schluckstörung bereits prätherapeutisch indiziert
    • Zeitnahe postoperative Untersuchung der Schluckfunktion
  • Ziele
    • Rasche Wiederaufnahme der oralen Ernährung nach OP oder primärer Radiochemotherapie
    • Vermeidung von Aspirationen
  • Maßnahmen: Elastizitätsförderung der Muskulatur, Schluckmanöver und diätetische Anpassung der Kostkonsistenz

Sprech- und Stimmrehabilitation

  • Zeitpunkt: Berücksichtigung der späteren Funktion bereits vor Therapiebeginn unter Einbeziehung von Stimmtherapeut:innen
  • Verfahrenswahl: Abhängig von
    • Postoperativen anatomischen Verhältnissen
    • Befunden der Stimm- und Artikulationsdiagnostik
    • Patient:innenpräferenz
  • Logopädische Therapie: Indiziert bei motorischen Funktionseinschränkungen (Dysglossie), Larynxoperationen oder nach Radiochemotherapie

Psychosoziale Rehabilitation

Ernährungstherapie

  • Hohes Mangelernährungsrisiko durch Kau- und Schluckdefizite
  • Frühzeitige professionelle Ernährungsberatung indiziert
  • Enterale Ernährung
    • Indikation: Unzureichende orale Aufnahme bei erheblicher Schluckstörung
    • Sondentyp: PEG gegenüber nasogastraler Sonde bei länger anhaltender Dysphagie bevorzugen

Die Rehabilitation ist integraler Bestandteil des gesamten Behandlungspfades, der als prä-, peri- oder posttherapeutische Maßnahme beginnt!

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Nachsorgetoggle arrow icon

  • Ziele
    • Ausschluss von Lokalrezidiven
    • Früherkennung metachroner Zweittumoren
    • Erfassung funktioneller, ästhetischer und psychischer Folgezustände
  • Basisdiagnostik
  • Weiterführende Diagnostik
    • Bildgebung
      • Kontrastmittelgestützte CT oder MRT des Halses
      • Bei Risiko einer Fernmetastasierung: CT-Thorax und Abdomen zusätzlich
      • Bei V.a. Rezidiv, Residuum, Fernmetastasierung oder Zweittumor: Ggf. FDG-PET/CT
      • Intervall: Abhängig von initialem Tumorstadium, Risikoprofil und Therapieform
    • Panendoskopie: Bei klinischem V.a. Rezidiv oder Zweittumor
  • Sozialrechtliche und psychosoziale Beratung, bspw.
    • Berufliche Wiedereingliederung
    • Erwerbsminderungsrente
    • Schwerbehindertenausweis

Die Nachsorgeintervalle betragen im 1. und 2. Jahr 3 Monate, im 3. bis 5. Jahr 6 Monate!

Regelmäßige Thorax-Röntgenaufnahmen oder Tumormarkerbestimmungen im Serum haben keinen belegten Nutzen in der Tumornachsorge und werden nicht empfohlen!

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Prognosetoggle arrow icon

  • Prognosefaktoren [1]
  • 5-Jahres-Überlebensrate : U.a. abhängig von Entität bzw. HPV-Status [1]
    • Nasopharynxkarzinom [8]
      • Europa: Ca. 49%
      • USA: Ca. 60%
      • Südchina: Ca. 70% [22]
    • Oropharynxkarzinom
      • HPV-positiv: Ca. 80%
      • HPV-negativ: Ca. 30–35%
    • Hypopharynxkarzinom
      • Ungünstigste Prognose aller Plattenepithelkarzinome des Kopf-Hals-Bereichs: Über alle Stadien <20%
      • Diagnosestellung meist erst im fortgeschrittenen Stadium
  • Prävention: Vermeidung HPV-positiver Oropharynxkarzinome durch frühzeitige HPV-Impfung im Kindesalter möglich [1]
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Exkurs: Mundhöhlenkarzinomtoggle arrow icon

An dieser Stelle werden die Mundhöhlenkarzinome (oft Mundbodenkarzinom) abgehandelt, um die vielen Gemeinsamkeiten (u.a. Epidemiologie, Ätiologie, Histologie) mit dem Pharynxkarzinom zu verdeutlichen. Zudem gibt es bei den Karzinomen des Aerodigestivtraktes eine Besonderheit: Es treten gehäuft synchron oder metachron (nacheinander) Zweitkarzinome in anatomischer Nachbarschaft auf (z.B. Ösophagus- und Tonsillenkarzinome, Hypopharynx- und Mundbodenkarzinome oder Larynx- und Bronchialkarzinome).

Definition

Epidemiologie

  • Inzidenz: Ca. 10.000 Neuerkrankungen/Jahr (in Deutschland)
  • Geschlecht: > (3:1)
  • Häufigkeitsgipfel
    • : 55–65 Jahre
    • : 50–75 Jahre

Ätiologie

  • Hauptrisikofaktoren: Chronischer Tabak- und Alkoholabusus [23]
  • Weitere Faktoren
    • Kautabak
    • Einseitige Ernährung (z.B. viel Fleisch/Gebratenes, Mangel an Obst/Gemüse)

Einteilung

TNM-Klassifikation [5]

TNM-Klassifikation des Mundhöhlenkarzinoms [5]
Kategorie Kriterium
T-Klassifikation
Tx
  • Primärtumor kann nicht beurteilt werden
T0
Tis
T1
  • Tumorausdehnung ≤2 cm und Invasionstiefe ≤5 mm
T2
  • Tumorausdehnung ≤2 cm und Invasionstiefe >5 mm oder
  • Tumorausdehnung >2 bis ≤4 cm und Invasionstiefe ≤10 mm
T3
  • Tumorausdehnung >2 bis ≤4 cm und Invasionstiefe >10 mm oder
  • Tumorausdehnung >4 cm und Invasionstiefe <10 mm
T4
  • T4a: Tumorausdehnung >4 cm und Invasionstiefe >10 mm oder Kortikalisinfiltration des Unter- oder Oberkiefers oder Gesichtshautinfiltration oder Beteiligung des Sinus maxillaris
  • T4b: Infiltration des Kaubereichs, der Pterygoidregion oder Schädelbasis und/oder Umschließung der Arteria carotis interna
Klinische N-Klassifikation Pathologische N-Klassifikation
cN1 pN1
cN2 pN2
cN3 pN3
M-Klassifikation
M0
  • Keine Fernmetastasen
M1
  • Fernmetastase(n)

Stadieneinteilung nach UICC

Stadieneinteilung des Mundhöhlenkarzinoms [5]
Stadium TNM
0 Tis
I T1
II T2
III T3 oder N1
IVa T4a oder N2
IVb T4b oder N3
IVc M1

Symptome

  • Frühsymptome: Oft schmerzlos
    • Weiße oder rote Flecken (Leukoplakie/Erythroplakie)
    • Schleimhautdefekte/Ulzerationen
    • Knötchenförmige Epithelverdickungen
  • Spätsymptome

Jede unklare Schleimhautveränderung, die länger als 2 Wochen besteht, ist tumorverdächtig und bedarf einer fachärztlichen Abklärung! [23]

Diagnostik

Metastasierung

Therapie

Bei jedem Mundhöhlenkarzinom (auch cN0) ist eine elektive Behandlung der Halslymphknoten (i.d.R. Neck Dissection Level I–III) indiziert!

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

C04.-: Bösartige Neubildung des Mundbodens

  • C04.0: Vorderer Teil des Mundbodens
    • Von vorn bis zum Prämolar-Eckzahn-Übergang
  • C04.1: Seitlicher Teil des Mundbodens
  • C04.8: Mundboden, mehrere Teilbereiche überlappend
  • C04.9: Mundboden, nicht näher bezeichnet

C05.-: Bösartige Neubildung des Gaumens

C09.-: Bösartige Neubildung der Tonsille

  • Exklusive: Rachentonsille (C11.1), Zungentonsille (C02.4)
  • C09.0: Fossa tonsillaris
  • C09.1: Gaumenbogen (vorderer) (hinterer)
  • C09.8: Tonsille, mehrere Teilbereiche überlappend
  • C09.9: Tonsille, nicht näher bezeichnet

C10.-: Bösartige Neubildung des Oropharynx

C11.-: Bösartige Neubildung des Nasopharynx

C12 Bösartige Neubildung des Recessus piriformis

  • Inklusive: Fossa piriformis

C13.-: Bösartige Neubildung des Hypopharynx

C14.-: Bösartige Neubildung sonstiger und ungenau bezeichneter Lokalisationen der Lippe, der Mundhöhle und des Pharynx

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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