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Dermatophytosen

Letzte Aktualisierung: 11.12.2020

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Infektionen mit Dermatophyten (Fadenpilze der Gattung Trichophyton, Epidermophyton und Microsporum) führen je nach befallener Körperregion und Erreger zu unterschiedlichen Haut- und Nagelläsionen. Bei Kindern ist die Manifestation an der behaarten Kopfhaut als Tinea capitis charakteristisch und kann entweder oberflächlich oder mit ausgeprägter entzündlicher Beteiligung ablaufen. Verschiedene Risikofaktoren, insb. familiäre Disposition, Systemerkrankungen, Schwitzen und der Besuch öffentlicher Bäder, begünstigen die Entstehung einer Fuß- oder Nagelmykose, wobei letztere nicht immer durch Dermatophyten bedingt ist. Therapeutisch kommen neben Hygienemaßnahmen und Verminderung von Risikofaktoren verschiedene topische und systemische Antimykotika zum Einsatz. Eine antimykotische Therapie ist immer indiziert, da neben einer reduzierten Lebensqualität auch die Gefahr einer Superinfektion bzw. eines Erysipels besteht.

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

  • Tinea superficialis (häufig)
    • Epidermomykosen: Befall der Hornschicht
    • Randbetont schuppende, erythematöse Herde der oberflächlichen Hautschichten
    • Starker Juckreiz
  • Tinea profunda
    • Trichomykosen: Befall von Haarschaft und Haarfollikel
    • Tiefer reichende, stärker ausgeprägte Entzündungsreaktion
    • Insb. im behaarten Hautbereich (Bart, Kopfhaar)

Tinea corporis et faciei [1]

Tinea intertriginosa

  • Variante der Tinea corporis im Bereich der Intertrigines (bspw. axillär, submammär, in Ellenbeugen und Kniekehlen sowie inguinal und im Windelbereich), wo Hautflächen aneinanderliegen, häufig auf der Basis einer Intertrigo

Tinea inguinalis [1]

  • Definition: Inguinale Form der Tinea intertriginosa, oft Mitbeteiligung des Gesäßbereichs
  • Errreger
    • Trychophyton rubrum
    • Trychophyton mentagrophytes
    • Epidermophyton floccosum
  • Übertragung und Risikofaktoren
    • Häufig Ausbreitung von Tinea pedis
    • Männer bevorzugt betroffen
  • Klinik
    • Umschriebene Erytheme an der Oberschenkelinnenseite, i.d.R. auf Höhe des Skrotums (uni- oder bilateral) → Ggf. Ausbreitung → Geröteter, schuppender Randsaum und Abblassen des Zentrums mit bräunlicher Verfärbung
    • Häufig Brennen, selten Juckreiz
    • Befall von Skrotum, Penis oder Vulva häufig, Befall des Gesäßes insb. bei Personen mit sitzender Tätigkeit
  • Differentialdiagnosen
    • Erythrasma
    • Candidosis intertriginosa
    • Psoriasis inversa
    • Pemphigus chronicus benignus familiaris

Wird Candida albicans als Erreger isoliert, handelt es sich nicht um eine Tinea inguinalis, sondern um eine Candidose!

Tinea pedis [1]

Tinea manuum [1]

  • Akute oder chronische oberflächliche Mykose der Hände
  • Erreger: Meist Trychophyton rubrum
  • Übertragung und Risikofaktoren
    • Häufig Ausbreitung von infizierten Fußsohlen oder -nägeln ausgehend
    • Analog zur Tinea pedis Eintrittspforte bevorzugt im Bereich beanspruchter Haut (Arbeits-/Sporthand)
  • Klinik: Initial unilateral, im Verlauf häufig bilateral
    • Hyperkeratotisch-squamöse Tinea manuum (am häufigsten): Initial Bläschen → Rundliche schuppende Areale → Ganze Handfläche schuppig belegt → Schmerzhafte Rhagaden → Oft Arbeitsunfähigkeit
    • Dyshidrosiforme Tinea manuum: Juckende Bläschen palmar und im Bereich der Hand- und Fingerkanten
    • Mykosen des Handrückens: Meist runde Areale mit entzündetem oder pustulösem Randsaum (analog der Tinea corporis)
  • Differentialdiagnosen

Allgemeines [3][4][5]

  • Pilzinfektion des behaarten Kopfes, Augenbrauen und Wimpern können mitbetroffen sein
  • Vorkommen in jedem Alter, Kinder sind häufiger betroffen
  • Auftreten weltweit 2,5–25 %, in Teilen Afrikas bis zu 80 %
  • Bei Männern oft gleichzeitig Tinea barbae (Pilzbefall im Bartbereich)

Tinea capitis superficialis [3][4][5]

  • Definition: Pilzinfektionen im Bereich des behaarten Kopfes, die sich auf die oberen Anteile des Haarfollikels beschränken
  • Häufigste Erreger in Europa
  • Weltweite Erregerverteilung
    • Nordamerika: V.a. T. tonsurans, M. canis und M. audouinii
    • Afrika: V.a. T. violaceum/T. soudanense, M. audouinii, M. canis und T. yaoundei
    • Indien: V.a. T. violaceum
  • Übertragung
    • Meist von Tier zu Mensch (insb. Katzen und Meerschweinchen)
    • Ggf. über Gegenstände, an denen die Erreger haften bleiben
    • Selten von Mensch zu Mensch

Tiere können asymptomatische Überträger sein und ohne eigene Effloreszenzen die Erreger im Fell tragen und weitergeben [5]!

  • Klinik
    • Runde, münzgroße, feinlamellär schuppende Herde mit abgebrochenen Haaren („gemähte Wiese“ oder „black dot“)
    • Konfluieren zu größeren Arealen möglich
    • Keine oder nur geringe Rötung oder Entzündungszeichen
    • Narbenlose Abheilung

Tinea capitis profunda [3][4][5]

  • Definition: Eindringen der Pilze in die keratogenen Zonen des Haarschaftes und Durchsetzen von innen → Perifollikulär einschmelzendes Infiltrat. Bei Ausbildung tumoröser Auswüchse auch als „Kerion celsi“ bezeichnet
  • Erreger
  • Übertragung
    • Von Tier zu Mensch (insb. Rinder)
    • Ggf. über Gegenstände, an denen die Erreger haften bleiben
  • Klinik

Tinea capitis favosa (Favus) [5]

  • Erreger: Trichophyton schoenleinii
  • Vorkommen: China, Nigeria und Iran
  • Alter: Meist Kinder im Alter von 6–10 Jahren
  • Geschlecht: >
  • Klinik
    • Skutula: Gelbliche, schüsselförmige, übelriechende Krusten aus Hyphen und Keratindebris um die Follikelöffnungen
    • Ausbleichen der Haare
    • Abheilung mit vernarbender Alopezie
    • In 7% zusätzlich freie Haut und Nägel betroffen
    • Langwieriger Verlauf, durchschnittlich über 5 Jahre
    • Nur 5% asymptomatische Verläufe

Differentialdiagnosen [3][4][5]

  • Klinische Inspektion und Anamnese [1][3][5]
  • Mikrobielle Diagnostik
    • Wurde bereits vor der Diagnostik eine Behandlung begonnen, sollte diese für etwa eine Woche pausiert und höchstens wirkstofffrei weiter behandelt werden, bevor eine erneute mikrobiologische Diagnostik durchgeführt wird.
      • Wirkstofffreie Basiscreme
      • Krustenlösende Externa (bei stark verkrusteten Läsionen)
    • Vor Probenentnahme Desinfektion mit 70%igem Alkohol (zur Vermeidung bakterieller Kontamination)
    • Materialgewinnung: Entnahme von Schuppen und/oder Haaren, ggf. Pus
    • Mikroskopie eines Nativpräparats (zur Diagnosesicherung)
    • Pilzkultur (zur Erregeridentifizierung): Erfolgt im Anschluss an die Mikroskopie mit Bebrütung über 4–6 Wochen
    • Und/oder molekulare Techniken zur Erregerbestimmung (PCR)
  • Fakultative Diagnostikverfahren
    • Wood-Licht-Untersuchung: Orientierende UV-Licht-Untersuchung des ganzen Integuments, bei positivem Ausfall (grünlich-gelbliche Fluoreszenz) beweisend für Mikrosporie, bei negativem Befund jedoch kein Ausschluss
    • Histologische Untersuchung: Materialgewinnung mittels Biopsie, insb. bei tiefer Trichophytie
    • PCR oder Subkulturen: Insb. bei erfolglos anbehandelten Infektionen oder Mischinfektionen

Nicht erforderlich ist eine Resistenztestung, da die Erreger im Regelfall sensibel auf eine empirische Therapie ansprechen!

Lokale antimykotische Therapie[1][3][4][5]

Systemische antimykotische Therapie

  • Indikationen
  • Wirkstoffe
    • Griseofulvin
      • Kinder >2 J.
      • Erwachsene
    • Terbinafin (nicht wirksam gegen Microsporum)
      • Kinder (in Deutschland nicht für Kinder zugelassen, Off-Label-Nutzung)
        • <20 kgKG
        • 21–40 kgKG
      • Personen >40 kgKG
    • Itraconazol
    • Fluconazol (nur bei Therapieversagen der anderen Medikamente)
      • Kinder (in Deutschland für diese Indikation nicht für Kinder zugelassen (nur off-label-Nutzung), stattdessen wird Griseofulvin empfohlen)
      • Erwachsene
  • Therapiehinweise
    • Die orale antimykotische Therapie sollte erst nach positivem Wood-Licht-Test oder Erregernachweis im Nativpräparat, jedoch vor definitivem Resultat der Kultur begonnen werden
    • Zur Therapiekontrolle sollten Pilzkulturen angefertigt und die Behandlung erst bei zweimaligem negativen Ergebnis beendet werden
    • Laborkontrollen: Differenzialblutbild und Leberenzyme vor Therapiebeginn, bei V.a. Unverträglichkeitsreaktionen und nach Beendigung der oralen Therapie

Symptomatische Therapie

Supportive Maßnahmen

  • Rasur der betroffenen Hautareale: Reduziert Infektionslast deutlich und kann zu einer Verkürzung der Therapiedauer beitragen
  • Siehe auch: Prävention der Tinea

Ambulant/stationär

  • I.d.R. ist eine ambulante Therapie suffizient
  • Stationäre Aufnahme bei schweren Verläufen, dann ggf. mit antimykotischer i.v. Therapie

Prävention [7]

  • Aufklärung über Übertragungswege
  • Tragen von Badeschlappen in öffentlichen Sanitäranlagen
  • Intensives Abtrocknen der Füße, insb. interdigital
  • Vermeiden des Barfußlaufens auf dem Teppich von Hotelzimmern

Prävention der Weiterverbreitung [5][7]

  • Allgemeinmaßnahmen
    • Verwenden separater Haarbürsten, -kämme und -spangen
    • Verwenden separater Kopfbedeckungen, Handtücher und Bettzeug
    • Ermittlung der Infektionsquelle und entsprechende Behandlung (Haushaltsmitglieder, Haustiere)

Auch asymptomatisch Infizierte können insb. anthropophile Erreger übertragen und sollten daher behandelt werden! Bei geringer Sporenlast ist eine topische Behandlung ausreichend!

  • Hygienemaßnahmen in Gemeinschaftseinrichtungen
    • Keine gemeinsame Verwendung von Haarschmuck, Bürsten, Kämmen oder Kopfbedeckungen
    • Keine gemeinsame Verwendung von Handtüchern, Kopfkissen und Decken
    • Regelmäßige Untersuchungen und ggf. Therapie von Tieren (auch asymptomatischen) durch einen Veterinärmediziner
    • Regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren von Ställen und Gebrauchsgegenständen für Tiere
    • Regelmäßiges Waschen (bei min. 60 °C) aller Textilien (bspw. Kuscheltiere, Decken)
  • Maßnahmen für Erkrankte in der Einrichtung
    • Nach Beginn einer suffizienten systemischen und topischen Therapie, Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen sofort wieder möglich
    • Ausnahme: Bei Infektionen durch anthropophile Erreger einwöchige Befreiung
    • Bei nässenden Infektionen längere Befreiung sinnvoll (mind. bis alle Läsionen trocken sind)
  • Vorgehen bei Ausbrüchen
    • Informierung des Gesundheitsamtes, wenn mehrere Personen einer Einrichtung betroffen sind
    • Dort Entscheidung über hygienerelevante Maßnahmen und epidemiologische Untersuchungen

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht keine bundesweite Meldepflicht für die Dermatophytosen im Allgemeinen. Es gibt jedoch eine amtliche Meldepflicht für bestimmte Situationen.

  • Arztmeldepflicht nach § 6 IfSG
    • Namentliche Meldepflicht beim Auftreten von ≥2 gleichartigen Erkrankungen, bei denen „ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird“ und eine „schwerwiegende Gefahr für die Allgemeinheit besteht“
  • Meldepflicht für Leiter von Gemeinschaftseinrichtungen § 33 und § 34 IfSG
    • Namentliche Meldepflicht bei Auftreten von ≥2 gleichartigen, schwerwiegenden Erkrankungen, wenn als deren Ursache Krankheitserreger wahrscheinlich sind (§ 34 (6) IfSG)

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. S1-Leitlinie Tinea der freien Haut. Stand: 1. Oktober 2008. Abgerufen am: 28. November 2016.
  2. Sterbut: Reisedermatosen. Springer 2015, ISBN: 3-662-44705-3 .
  3. Tinea capitis (Pilzerkrankung der Kopfhaut). Stand: 7. Januar 2016. Abgerufen am: 29. November 2016.
  4. S1-Leilinie Tinea capitis. Stand: 23. Januar 2019. Abgerufen am: 18. November 2020.
  5. Abeck, Cremer: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie. 4. Auflage Springer 2014, ISBN: 3-642-44979-4 .
  6. Leitlinie Tinea capitis. Stand: 10. April 2003. Abgerufen am: 28. November 2016.
  7. Berner et al.: DGPI-Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. 7. Auflage Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) 2018, ISBN: 978-3-132-40790-9 .