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Exantheme im Kindesalter

Abstract

Exantheme sind im Kindesalter häufig und stellen ein differentialdiagnostisches Problem dar. Das Erkennen und Einordnen von Exanthemerkrankungen im Kindesalter ist wichtig zur Abgrenzung lebensbedrohlicher Erkrankungen und zur Einleitung prophylaktischer Maßnahmen.

DD Klassische pädiatrische Exanthemkrankheiten

Inkubationszeit und Kontagiosität Exanthem Prodromi Begleiterscheinungen
Auftreten eher im Winter/Frühling

Masern

(Morbilli-Virus)

  • Inkubationszeit: 14 Tage
  • Kontagiosität: 5 Tage vor bis 4 Tage nach Exanthembeginn
  • Tiefrotes makulopapulöses, großfleckiges, teils konfluierendes Exanthem
    • Beginn im Gesicht und/oder retroaurikulär
    • Ausdehnung von dort über den ganzen Körper (kraniokaudal)
    • Abblassen des Exanthems nach 4–5 Tagen, teils mit "kleieförmiger" Schuppung
  • Juckreiz möglich
  • Ab Exanthemstadium (nach 3–7 Tagen)
  • Zweigipfliges Fieber: Kurzzeitige Entfieberung zwischen Prodromalstadium und Exanthemstadium

Scharlach

(Exotoxin β-hämolysierender A-Streptokokken)

  • Initial blassrotes makulopapulöses, feinfleckiges Exanthem
    • Ausbreitung auf Kopf-Hals-Bereich, Stamm und Extremitäten
    • Nach 1–2 Tagen scharlachrote Verfärbung und Konfluieren des Exanthems
    • Deutlichste Ausprägung in der Leiste und in den anderen Gelenkbeugen
    • Pastia-Linien (Lineare Petechien oder intensivrote Exanthemareale im Achsel- und Leistenbereich) [1]
    • Kleieförmige Schuppung der Haut in der 2.-4. Erkrankungswoche
  • I.d.R. kein Juckreiz
  • Abrupter Beginn mit hohem Fieber
  • Kopf- und Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Abgeschlagenheit

Röteln

(Rubella-Virus)

  • Inkubationszeit: 14–21 Tage
  • Kontagiosität: 7 Tage vor bis 7 Tage nach Exanthembeginn
  • Hellrotes makulopapulöses Exanthem, mittelgroß (25–50% asymptomatisch) , eher nicht konfluierend
    • Beginn im Gesicht und/oder retroaurikulär
    • Ausdehnung von dort über den ganzen Körper (kraniokaudal)
    • Flüchtig, Rückbildung meist innerhalb von 3 Tagen!
  • I.d.R. kein Juckreiz
  • Geringe Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes
  • Mäßiges Fieber
  • Grippesymptome
  • Nuchale und retroaurikuläre Lymphadenopathie
  • Insb. junge Frauen entwickeln oft eine Polyarthralgie oder Polyarthritis

Ringelröteln, Erythema infectiosum

(Parvovirus B19)

  • Inkubationszeit: 4–14 Tage
  • Kontagiosität: Bis zum Exanthembeginn
  • Exanthem nur in 15–20% (häufig asymptomatische Infektion)
    • Initial Wangenrötung („slapped cheek“)
    • 1–3 Tage später makulopapulöses, zunächst konfluierendes Exanthem, im Verlauf girlanden- oder netzartig auf proximalen Extremitätenstreckseiten und am Stamm
    • Abblassen des Exanthems nach ca. 5–8 Tagen, Rekurrieren über Monate möglich
  • Milder Juckreiz (15–70%)
  • Nach 1 Woche beschwerdefreiem Intervall Exanthemstadium mit
    • Grippesymptomen
    • Lymphadenopathie
    • Arthritis/Arthralgie (ca. 20% bei Kindern und 50% bei Erwachsenen (>))
    • Leicht beeinträchtigtem Allgemeinbefinden
Auftreten eher im Frühling/Herbst

Exanthema subitum

(HHV6, HHV7)

  • Inkubationszeit: 5–15 Tage
  • Kontagiosität: Nicht bekannt
  • Blassrotes makulöses, feinfleckiges Exanthem
    • Stammbetont, oft im Nacken
    • Oft nur wenige Stunden bis max. 3 Tage zu sehen
  • I.d.R. kein Juckreiz
  • Plötzlicher Temperaturanstieg mit hohem Fieber über 3(-6) Tage (daher „Dreitagefieber“)
  • Gutes Allgemeinbefinden
  • Exanthemstadium nach 3(–6) Tagen:
    • Abrupter Temperaturabfall
    • Ausbildung des sich plötzlich und rasch ausbreitenden Exanthems (daher „Exanthema subitum“)
    • Gelegentlich papulöses Enanthem im Bereich der Uvula und des weichen Gaumens (sog. "Nagayama-Spots")
    • Ggf. Schnupfen, Husten, Bauchschmerzen und Diarrhö

DD Exantheme bei anderen Virusinfektionen

Ätiologie Exanthem Charakteristika

Handschuh-Socken-Syndrom

(Papular purpuric gloves and socks syndrome)

  • Tiefrotes makulöses bis papulöses Exanthem
    • Initial 2–4 mm große, isoliert stehende Makulae, scharf begrenzt
    • Im Verlauf ödematöses Erythem
    • Vereinzelt Papeln und Petechien
    • Akral betont (auch palmoplantar)
    • Selten am Stamm
  • Starker Juckreiz und Brennen palmoplantar
  • Auftreten: Frühling/Sommer
  • Prodromi: Keine
  • Begleiterscheinungen

Infektiöse Mononukleose

(Pfeiffersches Drüsenfieber, „kissing disease“)

  • Morbilliformes (großfleckig makulöses konfluierendes) Exanthem (10%)
    • Auftreten im Gesicht, am Stamm und an den Extremitäten (um den 5. Krankheitstag)
    • Seltener urtikarielle, hämorrhagische, Gianotti-Crosti- oder EEM-artige Exantheme
  • Starker Juckreiz
  • Auftreten: Perennial
  • Prodromi:
  • Begleiterscheinungen
    • Hepatosplenomegalie
    • Ikterus
    • Arthralgien und Myalgien
    • Petechien des Gaumens in 1. Woche (50%)
    • Faziales Ödem (30%) in 1. Woche

Gianotti-Crosti-Syndrom

(Acrodermatitis papulosa eruptiva infantilis)

  • Tiefrotes papulöses oder papulovesikuläres konfluierendes Exanthem
    • Prädilektionsstellen: Wangen, gluteal, palmoplantar, Extremitäten, Aussparung des Stamms
  • Juckreiz
  • Auftreten: Perennial
  • Prodromi: Keine
  • Begleiterscheinungen: Gutes Allgemeinbefinden, Lymphadenopathie, selten Hepatitis
Exantheme durch Enteroviren
  • Sehr variable Morphe
    • Meist Beginn makulös oder makulopapulös
    • Im Verlauf urtikariell, vesikulös, hämorrhagisch oder pustulös
  • Juckreiz möglich
  • Auftreten: Perennial
  • Prodromi: Abgeschlagenheit, Fieber und Erkältungssymptome möglich
  • Begleiterscheinungen: Grippale Symptome
Hand-Fuß-Mund-Erkrankung
  • Vesikuläres Exanthem (ovaläre gräuliche Bläschen auf gerötetem Grund)
    • Prädilektionsstellen: Akral (insb. palmoplantar), perioral, Schleimhaut von Lippe, Zunge, Wange
  • I.d.R. kein Juckreiz, Brennen möglich
  • Auftreten: Sommer/Herbst
  • Prodromi: Fieber möglich
  • Begleiterscheinungen:Gutes Allgemeinbefinden, Fieber möglich

Windpocken

  • Primäreffloreszenz: Vesikel auf gerötetem Grund („Tautropfen auf einem Rosenblatt“)
  • Im Verlauf Eintrüben des Blaseninhaltes und krustenschorfbedeckte Erosionen,
    bei Kindern mit Thrombozytopenien ist ein hämorrhagisches Exanthem typisch
  • Heubner'sche-Sternkarte“: polymorphes Bild
  • Beginn Haargrenze, typischerweise Beteiligung von behaartem Kopf und Mundschleimhaut
  • Kraniokaudale Ausbreitung
  • Starker Juckreiz
  • Auftreten: Winter/Frühling
  • Prodromi: Abgeschlagenheit und leichtes Fieber
  • Begleiterscheinungen: Gutes Allgemeinbefinden, leichtes Fieber

DD Exantheme anderer Ursachen

Ätiologie Exanthem Charakteristika
Ampicillin-Exanthem
  • Morbilliformes (großfleckig makulöses konfluierendes) Exanthem
    • Beginn am Stamm, von dort Generalisierung
    • Meist 1–2 Tage nach Beginn der Antibiotikatherapie
    • Oft im Zusammenhang mit EBV-Infektion
  • Starker Juckreiz
  • Auftreten: Perennial
  • Prodromi: Keine
  • Weitere Charakteristika
    • Diagnosestellung eindeutig: Anamnese und Klinik
    • Pathogenese unklar
Neugeborenen-Exanthem
  • Idiopathisch
  • Ca. 2 cm durchmessende Erytheme mit mittig stecknadelkopfgroßen Papeln oder Pusteln (Follikulitis)
    • Generalisiertes Auftreten, Aussparung palmoplantar
    • Spontane Abheilung nach 2–3 Tagen bis Wochen
  • I.d.R. kein Juckreiz
  • Auftreten: Perennial
  • Prodromi: Keine
  • Weitere Charakteristika

Unilaterales laterothorakales Exanthem

(Asymmetrisches periflexurales Exanthem)

  • Wahrscheinlich Viren/postinfektiös
  • Blassrote kleinfleckige Makulae bis flache Papulae
    • Beginn axillär, seltener inguinal, zentrifugale Ausbreitung, unilateral betont
    • In der 2. Woche häufig Seitenüberschreitung
    • Spontane Abheilung innerhalb von 4 Wochen
  • Milder Juckreiz
  • Auftreten: Frühling
  • Prodromi: Infekt der oberen Luftwege (30%)
  • Weitere Charakteristika

Kawasaki-Syndrom

(Mukoku-
tanes Lymphkno-
tensyndrom)

  • Polymorphes Exanthem
    • Beginn meist perineal, palmoplantar, Lippen
    • Initial Erythem und Ödem, im Verlauf Desquamation
  • I.d.R. kein Juckreiz
  • Auftreten: Winter/Frühling
  • Prodromi: Assoziierte Symptome schon vor Exanthemphase möglich
  • Assoziierte Symptome/Befunde

Streptogenes toxisches Schocksyndrom

(Streptogenes TSS)

  • Auftreten: Perennial
  • Prodromi: Schmerzen der Extremitäten 48–72 h vor systemischer und kutaner Symptomatik
  • Assoziierte Symptome/Befunde
    • Klassische Trias: Fieber, Blutdruckabfall, Exanthem mit lokalisierter tiefer Hautinfektion
    • Konjunktivitis
    • Schock und Multiorganbefall möglich

Staphylococcal scalded skin syndrome

(SSSS)

  • Scarlatiniformes Exanthem (Erythrodermie, wie verbrühte Haut)
    • Häufig Betonung der mechanisch belasteten Hautstellen
    • Im Verlauf große, schlaffe, sterile Blasen
    • Großflächige Ablösung der Epidermis
  • I.d.R. kein Juckreiz
  • Auftreten: Perennial
  • Prodromi: Oft infolge Infekt (Nabelinfektion, Harnwegsinfekt, Atemwegsinfekt)
  • Weitere Charakteristika
    • Meist Kleinstkinder oder Immunsupprimierte
    • Plötzlich auftretendes Fieber
    • Rhinitis
    • Konjunktivitis
    • Sepsisgefahr

Toxisches Schocksyndrom

(TSS)

  • Generalisiertes blassrotes, makulöses Exanthem, beugenbetont, bis zur Erythrodermie
    • Akrale Rötung und Schwellung, nach 1–3 Wochen Desquamation
  • I.d.R. kein Juckreiz

Pädiatrische Exantheme - Bilderübersicht

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • Siehe Kapitel zu den einzelnen Erkrankungen

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.