• Arzt

Medikamentöse Kreislaufunterstützung - AMBOSS-SOP

Abstract

Diese SOP behandelt primär die medikamentöse Kreislaufunterstützung beim erwachsenen Patienten unter Verwendung der gebräuchlichsten Substanzen. Der inhaltliche Fokus liegt auf der Erläuterung allgemeiner Therapieprinzipien, für das Vorgehen bei spezifischen klinischen Situationen wird auf das entsprechende AMBOSS-Kapitel verwiesen.

Bei hämodynamischer Instabilität sollten stets Identifikation und Behandlung der auslösenden Ursache im Zentrum der Behandlung stehen. Zudem sollte die medikamentöse Kreislaufunterstützung als rein symptomatische Therapie immer in ein Gesamtbehandlungskonzept eingebunden sein.

Weitere sinnvolle Optionen zur Kreislaufunterstützung sind in Abhängigkeit von der klinischen Situation bspw.

Material und Medikamente

Basismaterial

  • Material für die Anlage eines peripheren Infusionszugangs (PVK, ggf. intraossärer Zugang)
  • Spritzenpumpe für kontinuierliche Medikamentengabe

Material für die erweiterte Diagnostik und Therapiesteuerung

Basismedikamente (Auswahl nach klinischer Situation)

Medikamente für die erweiterte Therapie

Vorbereitung

Basismaßnahmen

Die Auswahl des geeigneten Infusionszugangs muss individuell anhand der klinischen Situation (bspw. Dringlichkeit der Therapie, Art und Dosierung des verwendeten Medikaments, peripherer Venenstatus) getroffen werden!

Mögliche Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit bei periphervenöser Gabe vasoaktiver Substanzen

  • Punktionsort
  • Durchführung
    • Möglichst Ultraschalldiagnostik anwenden
      • Venendurchmesser >4 mm
      • Nachweis der intravasalen Katheterlage vor Medikamentengabe
    • Größe des PVK mind. 20 Gauge
    • Auf Rücklauf von Blut aus PVK achten
  • Nachsorge
    • Regelmäßige Funktionskontrolle des peripheren Venenkatheters (alle 2 h)
    • Unmittelbare Behandlung bei Fehlfunktion (Beendigung der Infusion und ggf. topische Therapie)
    • Max. Nutzungsdauer beachten (72 h)

Invasive Blutdruckmessung (arterieller Katheter)

  • Indikationsstellung: Individuelle Entscheidung nach
    • Diagnose bzw. Verdachtsdiagnose
    • Ausmaß der hämodynamischen Instabilität
    • Erwarteter Dauer der medikamentösen Kreislaufunterstützung
  • Mögliche Vorteile
  • Mögliche Nachteile
    • Potentielle Verzögerung der Therapie
    • Bisweilen erschwerte Punktionsbedingungen im manifesten Schock

Bei ausgeprägter hämodynamischer Instabilität sollte im Zweifel eine initial stabilisierende Therapie vorrangig gegenüber der Anlage weiterer Infusions- bzw. Druckmesskatheter sein!

Die Indikation für die Erweiterung des Monitorings und der Infusionszugänge sollte im Verlauf regelmäßig überprüft und der klinischen Situation angepasst werden!

Basisdiagnostik

Grundlegende Ursachen einer hämodynamischen Instabilität und primäre Therapieansätze zur medikamentösen Kreislaufunterstützung
Klinisches Korrelat Primärer Therapieansatz zur medikamentösen Kreislaufunterstützung
„Kardiale Pathologie“
  • Steigerung der Herzkraft
    • Inotropikum
    • Inodilatator
„Vaskuläre Pathologie“
  • Steigerung des Gefäßtonus
    • Vasopressor

In der Primärversorgung sind häufig klinischer Eindruck und nicht-invasive Diagnostik zur groben Eingrenzung des zugrunde liegenden Pathomechanismus der hämodynamischen Instabilität ausreichend!

Die medikamentöse Kreislaufunterstützung ist immer nur eine symptomatische Therapie! Identifikation und Behandlung der Ursache einer hämodynamischen Instabilität sind daher von höchster Wichtigkeit!

Erweiterte Diagnostik

Zielparameter und Zielwerte festlegen

Zusätzliche Maßnahmen zur Kreislaufstabilisierung

  • Medikamentöse Kreislaufunterstützung als alleiniger Therapieansatz selten sinnvoll
  • Relevante Aspekte bei der Erstellung eines Gesamtbehandlungskonzepts

Die medikamentöse Kreislaufunterstützung ist als alleiniger Therapieansatz selten sinnvoll und sollte daher stets in ein Gesamtbehandlungskonzept eingebunden sein!

Ablauf/Durchführung

Allgemeine Grundsätze

  • Pharmakologischer Hintergrund kreislaufunterstützender Medikamente
    • Wirkeintritt bei verlängerter Kreislaufzeit ggf. verzögert
    • Teilweise Wirkungseinschränkung bei Azidose und Hypoxie
    • Wirkweise teilweise abhängig von der Dosierung
  • Vor Beginn der medikamentösen Kreislaufunterstützung stets
    • Funktionsprüfung des Infusionszugangs
    • Eindeutige Kennzeichnung der Spritzen (Wirkstoff und Konzentration)
  • Bei Verwendung von Spritzenpumpen zur kontinuierlichen Gabe
    • Auf patientennahen Anschluss der zuführenden Leitung achten
    • Vertikale Niveauänderung der Spritzenpumpe vermeiden
  • Nutzung eines separaten Infusionszugangs bzw. Infusionsschenkels für kreislaufunterstützende Medikamente, wann immer möglich (insb. bei kontinuierlicher Gabe)
    • Bessere Steuerbarkeit
    • Vermeidung akzidenteller Bolusgaben
  • Verwendung einer Begleitinfusion bei kontinuierlicher Gabe kreislaufunterstützender Medikamente über einen peripheren Venenkatheter

Bei vermuteter kombinierter Ursache („kardiale“ und „vaskuläre“ Pathologie) der hämodynamischen Instabilität kann es sinnvoll sein, primär mehrere Medikamente zur Kreislaufunterstützung einzusetzen!

Die spezifischen Kontraindikationen und Wechselwirkungen der im Folgenden genannten Medikamente werden aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht im Detail erwähnt und sind daher den entsprechenden Fachinformationen zu entnehmen!

Therapieansatz: Unspezifische Kreislaufunterstützung

Theodrenalin/CafedrinTheodrenalin/Cafedrin

  • Handelsname: Akrinor®--------
  • Darreichungsform: Ampulle (2 mL) mit fester Mischung von
    • 200 mg Cafedrinhydrochlorid
    • 10 mg Theodrenalinhydrochlorid
  • Indikation: Leichte bis moderate hämodynamische Instabilität, bspw. in den Bereichen
    • Anästhesiologie (perioperativ)
    • Notfallmedizin
  • Wirkung
  • Besonderheiten
    • Kaum Beeinflussung der Herzfrequenz
    • Nur zur intermittierenden Bolusgabe (keine kontinuierliche Therapie)
    • Applikation über peripheren Venenkatheter problemlos möglich
    • Häufig Injektionsschmerz (wache Patienten)
  • Dosierung

Therapieansatz: Steigerung des Gefäßtonus

Noradrenalin

  • Handelsname: Arterenol®----------
  • Darreichungsformen (Konzentration jeweils 1 mg/mL )
    • Ampulle (1 mL)
    • Durchstechflasche (25 mL)
  • Indikation
    • Typische Indikation: Vasopressor der 1. Wahl bei septischem Schock
    • Weitere Indikationen bspw.
      • Perioperatives Blutdruckmanagement
      • Begleitende Therapie bei anderen Schockformen
  • Wirkung: Stimulation von α-Adrenorezeptoren in der glatten Gefäßmuskulatur → Systemischer vaskulärer Widerstandsindex
  • Besonderheiten
    • Häufig begleitende barorezeptorvermittelte Reflexbradykardie
    • Myokardialer Sauerstoffbedarf↑ durch Nachlast
    • Mit steigender Dosierung zunehmende Beeinträchtigung der Mikrozirkulation
    • Meist kontinuierliche Gabe einer auf 50 mL verdünnten Lösung (Klinikstandard beachten)
    • Bolusgabe prinzipiell möglich
  • Dosierung - Noradrenalin
    • Kontinuierliche Gabe
      • Leichte bis moderate hämodynamische Instabilität
      • Schwere hämodynamische Instabilität
    • Bolusgabe
  • Hinweise und Beispielrechnungen
    • Berechnung der Spritzenpumpen-Laufrate (mL/h)
      • Formel: Spritzenpumpen-Laufrate (mL/h) = kgKG × körpergewichtsbezogene Dosis × erforderliche Laufrate für 1 μg/min
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer gewünschten Dosierung von 0,05 μg/kgKG/min und einer Wirkstoffkonzentration von 20 μg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 20 μg/mL = 3 mL/h
        • Spritzenpumpen-Laufrate für gewünschte Dosierung = 70 kgKG × 0,05 μg/kgKG/min × 3 mL/h = 10,5 mL/h
    • Berechnung der körpergewichtsbezogenen Dosis (μg/kgKG/min)
      • Formel: Körpergewichtsbezogene Dosis (μg/kgKG/min) = Spritzenpumpen-Laufrate ÷ erforderliche Laufrate für 1 μg/min ÷ kgKG
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer Laufrate von 21 mL/h und einer Wirkstoffkonzentration von 100 μg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 100 μg/mL = 0,6 mL/h
        • Körpergewichtsbezogene Dosis = 21 mL/h ÷ 0,6 mL/h ÷ 70 kgKG = 0,5 μg/kgKG/min
  • Zur Dosierung von Noradrenalin bei anaphylaktischem Schock siehe: Behandlungsschema bei Anaphylaxie
  • Zur Dosierung von Noradrenalin bei Sepsis siehe: Therapie mit kreislaufwirksamen Substanzen bei Sepsis
Typische Infusionslösungen für die kontinuierliche Gabe von Noradrenalin
Infusionslösung Wirkstoffkonzentration Erforderliche Laufrate für 1 μg/min Anwendungshinweise
  • 1 mg Noradrenalin (= 1 mL) auf
  • 49 mL Lösungsmittel (i.d.R. NaCl 0,9%)
  • 20 μg/mL
  • 3 mL/h
  • Einsatz bei leichter bis moderater hämodynamischer Instabilität
  • Vorteil: Gute Steuerbarkeit
  • Wechsel auf höhere Konzentration bspw. ab einer Laufrate von 20 mL/h
  • 5 mg Noradrenalin (= 5 mL) auf
  • 45 mL Lösungsmittel (i.d.R. NaCl 0,9%)
  • 100 μg/mL
  • 0,6 mL/h
  • Einsatz bei schwerer hämodynamischer Instabilität (bspw. septischer Schock)
  • Standard in der Intensivmedizin

Die genaue Kenntnis der verwendeten Wirkstoffkonzentration ist zur Vermeidung von Über- bzw. Unterdosierungen von höchster Wichtigkeit!

Vasopressin

  • Handelsname: Empressin®----------
  • Darreichungsform: Ampulle (2 mL) mit 40 IE Argipressin (Arginin-Vasopressin)
  • Indikation
  • Wirkung: Stimulation von Vasopressin-Rezeptoren (V1a) in der glatten Gefäßmuskulatur → Systemischer vaskulärer Widerstandsindex
  • Besonderheiten
    • Zusätzlich antidiuretische Wirkung in niedriger Dosierung
    • Gefahr von Darm- und Hautnekrosen bei hoher Dosierung
    • Wirkung auch bei Azidose (pH-unabhängig)
    • Kontroverse Beurteilung von Nutzen und Risiken in der Fachliteratur
    • Typischerweise nur zur kontinuierlichen Applikation (Bolusgabe im Rahmen der kardiopulmonalen Reanimation möglich)
  • Dosierung: Vasopressin
Standardlaufraten bei kontinuierlicher Gabe von Vasopressin
Infusionslösung Wirkstoffkonzentration Dosierung Laufrate
  • 40 IE Vasopressin (= 2 mL) auf
  • 48 mL Lösungsmittel (i.d.R. NaCl 0,9%)
  • 0,8 IE/mL
  • 0,01 IE/min
  • 0,75 mL/h
  • 0,02 IE/min
  • 1,5 mL/h
  • 0,03 IE/min
  • 2,25 mL/h

Therapieansatz: Steigerung der Herzkraft

Adrenalin

  • Handelsname: Suprarenin®-----------
  • Darreichungsformen (Konzentration jeweils 1 mg/mL )
    • Ampulle (1 mL)
    • Durchstechflasche (25 mL)
  • Typische Indikationen
  • Wirkung: Stimulation kardialer β1-AdrenorezeptorenHerzindex durch positive
  • Besonderheiten
    • Dosisabhängige Beeinflussung des peripheren Gefäßwiderstands
      • Niedrige Dosierung: Vasodilatation
      • Höhere Dosierung: Vasokonstriktion
    • Häufige begleitende
    • Kardiotoxische Wirkung bei längerer Anwendung
    • Meist kontinuierliche Gabe einer auf 50 mL verdünnten Lösung (Klinikstandard beachten)
    • Bolusgabe prinzipiell möglich
  • Dosierung
    • Kontinuierliche Gabe
      • Leichte bis moderate hämodynamische Instabilität
      • Schwere hämodynamische Instabilität
    • Bolusgabe
  • Hinweise und Beispielrechnungen
    • Berechnung der Spritzenpumpen-Laufrate (mL/h)
      • Formel: Spritzenpumpen-Laufrate (mL/h) = kgKG × körpergewichtsbezogene Dosis × erforderliche Laufrate für 1 μg/min
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer gewünschten Dosierung von 0,05 μg/kgKG/min und einer Wirkstoffkonzentration von 20 μg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 20 μg/mL = 3 mL/h
        • Spritzenpumpen-Laufrate für gewünschte Dosierung = 70 kgKG × 0,05 μg/kgKG/min × 3 mL/h = 10,5 mL/h
    • Berechnung der körpergewichtsbezogenen Dosis (μg/kgKG/min)
      • Formel: Körpergewichtsbezogene Dosis (μg/kgKG/min) = Spritzenpumpen-Laufrate ÷ erforderliche Laufrate für 1 μg/min ÷ kgKG
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer Laufrate von 21 mL/h und einer Wirkstoffkonzentration von 100 μg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 100 μg/mL = 0,6 mL/h
        • Körpergewichtsbezogene Dosis = 21 mL/h ÷ 0,6 mL/h ÷ 70 kgKG = 0,5 μg/kgKG/min
  • Zur Dosierung von Adrenalin im Rahmen der Reanimation siehe: Advanced-Life-Support
  • Zur Dosierung von Adrenalin bei Anaphylaxie siehe: Behandlungsschema bei Anaphylaxie
  • Zur Dosierung von Adrenalin zur lokalen Blutstillung siehe: Fachinformation
Typische Infusionslösungen für die kontinuierliche Gabe von Adrenalin
Infusionslösung Wirkstoffkonzentration Erforderliche Laufrate für 1 μg/min Anwendungshinweise
  • 1 mg Adrenalin (= 1 mL) auf
  • 49 mL Lösungsmittel (i.d.R. NaCl 0,9%)
  • 20 μg/mL
  • 3 mL/h
  • Einsatz bei leichter bis moderater hämodynamischer Instabilität
  • Vorteil: Gute Steuerbarkeit
  • Wechsel auf höhere Konzentration bspw. ab einer Laufrate von 20 mL/h
  • 5 mg Adrenalin (= 5 mL) auf
  • 45 mL Lösungsmittel (i.d.R. NaCl 0,9%)
  • 100 μg/mL
  • 0,6 mL/h
  • Einsatz bei schwerer hämodynamischer Instabilität (bspw. Low-Cardiac-Output-Syndrom)
  • Standard in der Intensivmedizin

Die hier genannten Therapieempfehlungen betreffen explizit nicht die Bereiche Reanimation, Anaphylaxie und lokale Blutstillung (gesonderte Betrachtung an anderer Stelle)!

Die genaue Kenntnis der verwendeten Wirkstoffkonzentration ist zur Vermeidung von Über- bzw. Unterdosierungen von höchster Wichtigkeit!

Dobutamin

  • Handelsname: Dobutrex®---------
  • Darreichungsform
    • Ampulle (50 mL) mit 250 bzw. 500 mg als fertige Infusionslösung
    • Durchstechflasche mit 250 mg als Trockensubstanz (Pulver) zum Herstellen einer Infusionslösung
  • Indikation
  • Wirkung
  • Besonderheiten
    • Variable Beeinflussung der Herzfrequenz
      • Anstieg typischerweise erst bei höherer Dosierung
      • Individuell teils deutliche Tachykardie bereits bei niedriger Dosierung
    • Nur zur kontinuierlichen Applikation (keine Bolusgabe)
    • Potentielle Toleranzentwicklung bei Therapiedauer >72 h
  • Dosierung
    • Leichte bis moderate hämodynamische Instabilität
    • Schwere hämodynamische Instabilität
  • Hinweise und Beispielrechnungen
    • Berechnung der Spritzenpumpen-Laufrate (mL/h)
      • Formel: Spritzenpumpen-Laufrate (mL/h) = kgKG × körpergewichtsbezogene Dosis × erforderliche Laufrate für 1 μg/min
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer gewünschten Dosierung von 2,5 μg/kgKG/min und einer Wirkstoffkonzentration von 5 mg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 5000 μg/mL (≙ 5 mg/mL) = 0,012 mL/h
        • Spritzenpumpen-Laufrate für gewünschte Dosierung = 70 kgKG × 2,5 μg/kgKG/min × 0,012 mL/h = 2,1 mL/h
    • Berechnung der körpergewichtsbezogenen Dosis (μg/kgKG/min)
      • Formel: Körpergewichtsbezogene Dosis (μg/kgKG/min) = Spritzenpumpen-Laufrate ÷ erforderliche Laufrate für 1 μg/min ÷ kgKG
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer Laufrate von 4,2 mL/h und einer Wirkstoffkonzentration von 10 mg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 10.000 μg/mL (≙ 10 mg/mL) = 0,006 mL/h
        • Körpergewichtsbezogene Dosis = 4,2 mL/h ÷ 0,006 mL/h ÷ 70 kgKG = 10 μg/kgKG/min
Typische Infusionslösungen für die kontinuierliche Gabe von Dobutamin
Infusionslösung Wirkstoffkonzentration Erforderliche Laufrate für 1 μg/min Anwendungshinweise
  • 5 mg/mL
  • 0,012 mL/h
  • Klinikstandard beachten
  • Tendenziell vorteilhaft bei niedrigen Dosierungen (bessere Steuerbarkeit)
  • 10 mg/mL
  • 0,006 mL/h
  • Klinikstandard beachten
  • Tendenziell vorteilhaft bei hohen Dosierungen (geringere Volumenbelastung)

Die hier genannten Therapieempfehlungen betreffen explizit nicht den Bereich der Stress-Echokardiographie!

Die genaue Kenntnis der verwendeten Wirkstoffkonzentration ist zur Vermeidung von Über- bzw. Unterdosierungen von höchster Wichtigkeit!

Milrinon

  • Handelsname: Corotrop®---------
  • Darreichungsform: Ampulle mit 10 mg auf 10 mL (Konzentration 1 mg/mL)
  • Indikation
    • Typische Indikation: Kurzzeitbehandlung der schweren, auf andere Medikamente therapierefraktären Herzinsuffizienz
    • Weitere Indikationen bspw. perioperativ (insb. in der Kardiochirurgie)
  • Wirkung: Inodilatator (Phosphodiesterase-III-Hemmer)
    • Herzindex↑ (hauptsächlich über Inotropie↑)
    • Systemischer vaskulärer Widerstandsindex↓ (über periphere Vasodilatation)
    • Pulmonaler vaskulärer Widerstandsindex↓ (über pulmonale Vasodilatation)
  • Besonderheiten
  • Dosierung
    • Initialdosis
    • Erhaltungsdosis
  • Hinweise und Beispielrechnungen
    • Berechnung der Spritzenpumpen-Laufrate für die Initialdosis (mL/h für 10 min)
      • Formel: Spritzenpumpen-Laufrate für die Initialdosis (mL/h für 10 min) = kgKG × gewünschte Initialdosis ÷ 10 min × erforderliche Laufrate für 1 μg/min
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer gewünschten Initialdosis von 25 μg/kgKG und einer Wirkstoffkonzentration von 200 μg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 200 μg/mL) = 0,3 mL/h
        • Spritzenpumpen-Laufrate für gewünschte Initialdosis = 70 kgKG × 25 μg/kgKG ÷ 10 min × 0,3 mL/h = 52,5 mL/h für 10 min
    • Berechnung der Spritzenpumpen-Laufrate (mL/h)
      • Formel: Spritzenpumpen-Laufrate (mL/h) = kgKG × körpergewichtsbezogene Dosis × erforderliche Laufrate für 1 μg/min
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer gewünschten Dosierung von 0,5 μg/kgKG/min und einer Wirkstoffkonzentration von 200 μg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 200 μg/mL = 0,3 mL/h
        • Spritzenpumpen-Laufrate für gewünschte Dosierung = 70 kgKG × 0,5 μg/kgKG/min × 0,3 mL/h = 10,5 mL/h
    • Berechnung der körpergewichtsbezogenen Dosis (μg/kgKG/min)
      • Formel: Körpergewichtsbezogene Dosis (μg/kgKG/min) = Spritzenpumpen-Laufrate ÷ erforderliche Laufrate für 1 μg/min ÷ kgKG
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer Laufrate von 15,75 mL/h und einer Wirkstoffkonzentration von 200 mg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 200 μg/mL = 0,3 mL/h
        • Körpergewichtsbezogene Dosis = 15,75 mL/h ÷ 0,3 mL/h ÷ 70 kgKG = 0,75 μg/kgKG/min
Typische Infusionslösung für die kontinuierliche Gabe von Milrinon
Infusionslösung Wirkstoffkonzentration Erforderliche Laufrate für 1 μg/min Anwendungshinweise
  • 10 mg Milrinon (= 10 mL) auf
  • 40 mL Lösungsmittel (i.d.R. NaCl 0,9%)
  • 200 μg/mL
  • 0,3 mL/h
  • Nur zur i.v. Anwendung zugelassen
  • Inhalative Anwendung (Vernebelung) als Off-Label Use möglich
  • Tagesmaximaldosis 1,13 mg/kgKG
  • Behandlungsdauer max. 48 h

Die hier genannten Therapieempfehlungen sind nur begrenzt auf den perioperativen Bereich (insb. Kardiochirurgie) anwendbar!

Eine Therapieempfehlung zur inhalativen Anwendung von Milrinon wird aufgrund der fehlenden Standarddosierung und des Off-Label Use nicht gegeben!

Levosimendan

  • Handelsname: Simdax®-------
  • Darreichungsform: Durchstechflasche mit 12,5 mg auf 5 mL (Konzentration 2,5 mg/mL )
  • Typische Indikation: Kurzzeitbehandlung der akut dekompensierten schweren chronischen Herzinsuffizienz
  • Wirkung: „Calcium-Sensitizer“, Inodilatator
    • Erhöhung der Calciumsensibilität der myokardialen kontraktilen ProteineHerzindex
    • Öffnung ATP-sensitiver Kaliumkanäle in der glatten Gefäßmuskulatur → Systemischer vaskulärer Widerstandsindex
  • Besonderheiten
    • Initial häufig Blutdruckabfall durch Überwiegen der peripheren Vasodilatation
    • Verstoffwechslung zu biologisch aktiven Metaboliten mit langer Halbwertszeit (80–96 h)
  • Dosierung
    • Initialdosis
    • Erhaltungsdosis
  • Hinweise und Beispielrechnungen
    • Berechnung der Spritzenpumpen-Laufrate für die Initialdosis (mL/h für 10 min)
      • Formel: Spritzenpumpen-Laufrate für die Initialdosis (mL/h für 10 min) = kgKG × gewünschte Initialdosis ÷ 10 min × erforderliche Laufrate für 1 μg/min
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer gewünschten Initialdosis von 6 μg/kgKG und einer Wirkstoffkonzentration von 0,05 mg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 50 μg/mL (≙ 0,05 mg/mL) = 1,2 mL/h
        • Spritzenpumpen-Laufrate für gewünschte Initialdosis = 70 kgKG × 6 μg/kgKG ÷ 10 min × 1,2 mL/h = 50,4 mL/h für 10 min
    • Berechnung der Spritzenpumpen-Laufrate für die kontinuierliche Gabe (mL/h)
      • Formel: Spritzenpumpen-Laufrate für die kontinuierliche Gabe (mL/h) = kgKG × körpergewichtsbezogene Dosis × erforderliche Laufrate für 1 μg/min
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer gewünschten Erhaltungsdosis von 0,05 μg/kgKG/min und einer Wirkstoffkonzentration von 0,025 mg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 25 μg/mL (≙ 0,025 mg/mL) = 2,4 mL/h
        • Spritzenpumpen-Laufrate für gewünschte Erhaltungsdosis = 70 kgKG × 0,05 μg/kgKG/min × 2,4 mL/h = 8,4 mL/h
    • Berechnung der körpergewichtsbezogenen Dosis (μg/kgKG/min)
      • Formel: Körpergewichtsbezogene Dosis (μg/kgKG/min) = Spritzenpumpen-Laufrate ÷ erforderliche Laufrate für 1 μg/min ÷ kgKG
      • Beispielrechnung für einen Patienten mit 70 kgKG, einer Laufrate von 16,8 mL/h und einer Wirkstoffkonzentration von 0,05 mg/mL
        • Erforderliche Laufrate für 1 μg/min = 60 μg/h ÷ 50 μg/mL (≙ 0,05 mg/mL) = 1,2 mL/h
        • Körpergewichtsbezogene Dosis = 16,8 mL/h ÷ 1,2 mL/h ÷ 70 kgKG = 0,2 μg/kgKG/min
Typische Infusionslösungen für die Initialdosis und die kontinuierliche Gabe von Levosimendan
Infusionslösung Wirkstoffkonzentration Erforderliche Laufrate für 1 μg/min Anwendungshinweise
  • 12,5 mg Levosimendan auf
  • 500 mL Lösungsmittel (i.d.R. 5%ige Glucoselösung)
  • 0,025 mg/mL
  • 2,4 mL/h
  • Zur einmaligen Anwendung über 24 h
  • Anwendungsbeschränkung bei Nieren- bzw. Leberinsuffizienz
  • Ausgleich einer Hypovolämie vor Beginn der Behandlung
  • Lange Wirkdauer nach Beendigung der Infusion (ca. 7–10 Tage)
  • Im Anschluss nicht-invasive Überwachung für mind. 4–5 Tage empfohlen
  • 25 mg Levosimendan auf
  • 500 mL Lösungsmittel (i.d.R. 5%ige Glucoselösung)
  • 0,05 mg/mL
  • 1,2 mL/h

Die Anwendung von Levosimendan bei Patienten mit ausgeprägter hämodynamischer Instabilität sollte aufgrund des potentiellen Blutdruckabfalls zu Beginn der Gabe nur unter gründlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen!

Komplikationen

Extravasation bzw. Paravasation

  • Begünstigende Faktoren
    • Nutzung eines peripheren Infusionszugangs
    • Hohe Laufraten der applizierten Medikamente
    • Lange Liegedauer des Katheters
  • Mögliche Folgen
    • Blutdruckabfall durch Unterdosierung
    • Lokale Gewebeschädigung
  • Maßnahmen: Umgehende Behandlung erforderlich zur Vermeidung von Folgeschäden

Überdosierung

  • Typische Ursachen bspw.
    • Bolusgaben (beabsichtigt oder unbeabsichtigt)
    • Verwechslung der Wirkstoffkonzentration
    • Überlappende Infusion bei Wechsel der Wirkstoffkonzentration
  • Prävention entsprechend durch
    • Sorgfältige Indikationsstellung für Bolusgaben
    • Vertikale Niveauänderung der Spritzenpumpe vermeiden
    • Abknicken von Infusionsleitungen vermeiden
    • Eindeutige Kennzeichnung der Spritzen (Wirkstoff und Konzentration)
    • Engmaschige Überwachung der Vitalparameter
    • Infusionsleitungen nach der Therapie aspirieren und durchspülen
  • Zum therapeutischen Vorgehen siehe: Hypertensive Krise

Technische Probleme

  • Invasive Blutdruckmessung
    • Auf korrekte Höhe des Druckwandlers achten (Vorhofniveau)
    • Abgleich des Druckwandlers mit dem Atmosphärendruck durchführen (sog. Nullabgleich)
  • Infusionsleitungen
    • Abknicken vermeiden
    • Auf korrekte Position der Dreiwegehähne achten
    • Mögliche Diskonnektion bedenken
  • Spritzenpumpen
    • Anschluss an das Stromnetz bzw. überprüfen des Akkuladezustands
    • Ersatzgeräte bei Defekt während der Anwendung vorhalten

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.