• Klinik

Inhalationsanästhetika (Volatile Hypnotika)

Abstract

Inhalationsanästhetika können zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Narkose eingesetzt werden. Ihre Wirkweise ist hypnotisch. Unterschiede finden sich in den spezifischen Charakteristika wie beispielsweise Löslichkeit im Blut, An- und Abflutung im Organismus, Metabolisierung, Nebenwirkungen und Kontraindikationen. Eine Sonderrolle nimmt das Lachgas ein, welches heutzutage nur noch selten angewendet wird.

Übersicht

Blut/Gas-Verteilungskoeffizient Charakteristika
Desfluran 0,45
Lachgas N2O (Stickoxydul) 0,47
  • Gute Analgesie bei geringer hypnotischer Wirkung
    • Notwendigkeit eines ergänzenden Anästhetikums
Sevofluran 0,65
  • Milder Geruch und keine Atemwegsirritation
  • Maskeneinleitung möglich (z.B. bei der Kinderanästhesie)
Isofluran 1,40
  • Unangenehmer Geruch
  • Relevante Vasodilatation
  • Muskelrelaxierende Wirkung und gering negativ inotrop
  • Halothan, Enfluran und Diethylether sind außer Handel!

Wirkung

Flurane N2O Intravenöse Anästhetika
Hypnotisch +++ (+) +++
Analgetisch + + +
Muskelrelaxierend + +
Metabolisierung - - +
Kumulation - - ++
Postoperative Analgesie - - +
Steuerbarkeit ++ ++ +
  • Charakteristische Wirkungen
    • Desfluran: Geringste Löslichkeit im Blut → Gute Steuerbarkeit
    • Sevofluran: Keine Atemwegsirritation
    • Isofluran: Beste muskelrelaxierende Wirkung
    • Lachgas: Gute Analgesie, aber nur schwach hypnotisch - Keine Muskelrelaxierung

Alle Inhalationsanästhetika haben eine hypnotische Wirkung!

Nebenwirkung

  • Allgemeine Nebenwirkungen
  • Spezielle Nebenwirkungen
    • Lachgas:
      • Diffusionshypoxie
      • Aber nur geringe Wirkung auf renale, kardiovaskuläre, respiratorische und hepatische Funktionen
    • Desfluran: Sympathoadrenerge Reaktion → Blutdruckanstieg und Tachykardie
    • Sevofluran: Interaktion mit Atemkalk → Bei zu niedriger Frischgaszufuhr entstehen nephrotoxische Abbauprodukte, die als Compound A - E bezeichnet werden
    • Isofluran: Senkung der Herzfrequenz → Blutdruckabfall in Abhängigkeit von der Dosierung

Alle zugelassenen Inhalationsanästhetika haben gegenüber alten Pharmaka einen vergleichsweise geringen Einfluss auf die kardiovaskuläre Stabilität!

Es werden die wichtigsten Nebenwirkungen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Pharmakokinetik

Optimale Eigenschaften eines volatilen Anästhetikums zur schnellen Anflutung sind eine geringe Blutlöslichkeit und hohe Fettlöslichkeit. Faktoren, die eine schnelle Anflutung begünstigen können, sind: Ein hoher Partialdruck des Anästhetikums in der Einatemluft, eine geringe funktionelle Residualkapazität, eine hohe alveoläre Ventilation und ein geringes Herzzeitvolumen bei gleichzeitig hoher Perfusion des Gehirns.

  • Aufnahme
    • Blut/Gas-Verteilungskoeffizient: Die Aufnahme des Inhalationsanästhetikums aus dem Alveolarraum ins Blut erfolgt entlang eines Partialdruckgefälles bis ein Ausgleich zwischen den beiden Räumen erreicht ist. Dabei hängt die Geschwindigkeit des Ausgleichs vom Partialdruckgefälle und von der individuellen physikalischen Löslichkeit des Anästhetikums im Blut ab. Der Blut/Gas-Verteilungskoeffizient gibt das Verhältnis der Konzentrationen an, bei der sich das Gleichgewicht einstellt. Eine geringe Löslichkeit und ein hoher Partialdruck führen zu einer zügigen Aufnahme ins Blut.
  • Verteilung: Der Transport des Anästhetikums zum Gehirn ist abhängig von der Durchblutung des Gehirns und dem Anteil des Herzzeitvolumens an dieser Durchblutung. Dabei ist ein geringes HZV bei gleichzeitig hoher Perfusion des Gehirns günstig.
  • Ausscheidung: Die volatilen Anästhetika werden in der Regel unverändert wieder abgeatmet (kaum Metabolisierung). Durch die Fettlöslichkeit kann sich mit zunehmender Narkosedauer das Anästhetikum im Fettgewebe sammeln (vor allem bei Adipositas) und die Elimination somit verlängert sein.