• Klinik

Chronische lymphatische Leukämie (CLL)

Abstract

Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) wird nach der WHO-Klassifikation den niedrig-malignen (indolenten) Non-Hodgkin-Lymphomen zugeordnet. Sie manifestiert sich als B-Zell-Lymphom mit lymphozytärer Leukozytose im Blutbild, weshalb sie historisch den Leukämien zugeordnet wurde. Die CLL ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters und kann sich mit schmerzlosen Lymphknotenschwellungen, Schwäche und Infektanfälligkeit präsentieren. Diagnostisch wegweisend sind Gumprecht-Kernschatten im Blutausstrich (nicht beweisend!) sowie ein hoher Anteil kleiner, reifer Lymphozyten im peripheren Blut und/oder Knochenmark. Für die Klassifikation nach Binet werden der Hämoglobinwert, die Thrombozytenzahl und der Befall von Lymphknotenregionen beurteilt. Der Nachweis der für die B-CLL typischen Antigene in der Immunphänotypisierung der Lymphozyten sichert die Diagnose. Für die komplexe Therapie der CLL werden klassische Zytostatika (Fludarabin, Cyclophosphamid, Chlorambucil) und Antikörper (Rituximab, Alemtuzumab) eingesetzt. Der Krankheitsverlauf ist sehr variabel. Im Stadium Binet A liegt das mediane Überleben bei über zehn Jahren, wohingegen es im Stadium Binet C weniger als drei Jahre sind.

Definition

Epidemiologie

  • Geschlecht: > (2:1)
  • Alter: Inzidenz steigt mit dem Lebensalter (Median: 70–72 Jahre)
  • Häufigkeit: Häufigste Leukämieform

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Risikofaktoren

Die CLL ist eine Erkrankung des hohen Lebensalters!

Klassifikation

Nach der WHO-Klassifikation handelt es sich bei der chronischen lymphatischen Leukämie um ein lymphozytisches Lymphom aus der Gruppe der B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome.

Stadieneinteilung nach Binet (Binet-Klassifikation)

Die Stadieneinteilung erfolgt nach der Klassifikation von Binet und beinhaltet Lymphozyten- und Thrombozytenzahl, Hämoglobinwert und Anzahl der betroffenen Regionen.

Definition Weitere Befunde Medianes Überleben
Stadium A >10 Jahre
Stadium B 5 Jahre
Stadium C
  • Hb <10 g/dL und/oder Thrombozyten <100.000/μL
  • Unabhängig von der Anzahl der betroffenen Lymphknotenregionen
<3 Jahre

Stadieneinteilung nach Rai

Stadium Befund
0 Ausschließliche Lymphozytose
I + Lymphadenopathie
II + Hepato- u./o. Splenomegalie
III + Anämie (Hb <11 g/dL)
IV + Thrombozytopenie (<100.000/μL)

Symptome/Klinik

Die CLL verläuft meist über einen langen Zeitraum asymptomatisch und wird erst spät oder nur zufällig diagnostiziert.

Mögliche Symptome

Da es sich bei der CLL um ein Lymphom handelt, sprechen Lymphknotenvergrößerungen differentialdiagnostisch gegen eine CML und für eine CLL!

Diagnostik

Klinische Chemie

Blut

Knochenmark

Eine Knochenmarkpunktion ist zur Diagnosestellung nicht notwendig, kann aber im Verlauf zur Abklärung unklarer Zytopenien sinnvoll sein.

  • Knochenmarkzytologie und -histologie: Erhöhter Anteil (>30%) kleiner, reifer Lymphozyten

Weitere Diagnostik

Therapie

Stadiengerechte Therapie (Binet-Klassifikation)

  • Stadium A: Therapie nur in Einzelfällen
  • Stadium B: Therapie bei symptomatischen Patienten
  • Stadium C: Therapie aller Patienten ist empfohlen

Die Therapie für die CLL unterliegt einem ständigen Wandel und steht in direkter Abhängigkeit zum Alter, der Klinik und den genetischen Befunden. Bei positivem CD20-Rezeptorstatus wird in der Regel der Antikörper Rituximab eingesetzt. Bei Patienten der Stadien B und C werden die Patienten in "fit", "unfit" und "gebrechlich" eingeteilt.

Durch medikamentöse Maßnahmen ist die CLL nach derzeitigem Kenntnisstand nicht kurativ therapierbar, da sie durch sehr geringe Teilungsraten der Tumorzellen geprägt ist und zytostatische Substanzen deswegen nicht ausreichend wirken können! Einzig die allogene Stammzelltransplantation stellt einen potentiell kurativen Therapieansatz dar!

Therapie der CLL nach den Leitlinien der DGHO

  • Je "fitter" der Patient, desto intensiver das Therapieschema
    • Bei "gebrechlichen" Patienten ist eine zytostatische Therapie häufig nicht mehr durchführbar
  • Das Vorliegen einer 17p13-Deletion geht grundsätzlich mit einer niedrigen Ansprechrate auf Zytostatika einher, sodass alternative Therapien versucht werden müssen (z.B. Alemtuzumab)
  • Die Therapieempfehlungen der CLL unterliegen einem raschen Wandel und werden häufig im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt
    • Aktuelle Leitlinien beachten (siehe: Tipps & Links)
  • Eingesetzte Substanzen

Therapieschema nach den Leitlinien der DGHO

Patient Genetik Therapieschema
  • Fit
  • mit Deletion 17p13
  • ohne Deletion 17p13
  • >65 Jahre: Bendamustin mit Rituximab
  • ≤65 Jahre: FCR
  • Unfit
  • mit Deletion 17p13
  • ohne Deletion 17p13
  • Gebrechlich
  • Nur supportive Therapie

Allogene Stammzelltransplantation

  • Bei therapierefraktären Verläufen oder Frührezidiven bei "fitten" Patienten
  • Bei Deletion 17p13 und therapiebedürftiger Erkrankung
  • Bei Vorliegen einer CLL mit Richter-Transformation

Komplikationen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.