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Tubenfunktionsstörungen

Abstract

Als Tubenfunktionsstörung oder Tubenkatarrh bezeichnet man eine akute oder chronische Belüftungsstörung des Mittelohres, die durch eine Störung der Öffnung der Tuba eustachii bedingt ist. Ursache hierfür ist meist eine Verlegung des Tubenostiums im Nasenrachen, bspw. durch vergrößerte Adenoide. Hierdurch kann es zur Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr kommen. Es bildet sich ein Erguss unterschiedlicher Viskosität hinter dem Trommelfell (Seromukotympanon oder Mukotympanon). Während der akute Paukenerguss i.d.R. durch einen Infekt des Nasenrachenraumes entsteht und konservativ meist gut zu behandeln ist, sollte bei einem persistierenden Paukenerguss beim Erwachsenen (insb. bei einseitigem Befund) immer eine Nasenracheninspektion zum Ausschluss eines Tumors erfolgen. Therapeutisch können nach erfolgloser konservativer Therapie eine Parazentese und ggf. die Einlage eines Paukenröhrchens erfolgen. Gleichzeitig sollte die Tubenbelüftung verbessert werden. Eine Sonderform ist das Syndrom der offenen Tube.

Definition

Akute Tubenfunktionsstörung

Eine akute Tubenfunktionsstörung tritt meist im Rahmen einer Erkältung, gelegentlich auch einer Allergie auf. Als Folge kann es zu einer Sekretansammlung in der Paukenhöhle kommen (Paukenerguss). Die akute Tubenfunktionsstörung bildet sich meist innerhalb einiger Wochen zurück.

Ätiologie

  • Als Folge entzündlicher Erkrankungen (infektiös oder allergisch bedingt) des Nasenrachenraumes und/oder der Nasennebenhöhlen
  • Unzureichender Druckausgleich, bspw. bei Flugzeuglandung
  • Bei Kindern
    • Physiologische Tubeninsuffizienz meist bis zum 7. Lebensjahr, bedingt durch
      • Geringe Achsknickung der Schädelbasis
      • Weichen Tubenknorpel
      • Kurze Tube
    • Temporäre Hyperplasie der Rachenmandel im Rahmen eines Infektes

Pathophysiologie

Klinik

  • Druckgefühl, zu Beginn oft stechende Ohrenschmerzen
  • Rauschen oder gluckerndes Ohrgeräusch, gelegentlich auch knackendes Ohrgeräusch beim Schlucken
  • Schwerhörigkeit

Diagnostik

  • Otoskopie
    • Retrahiertes Trommelfell, meist matt und mit Gefäßinjektion am Hammergriff
    • Gelegentlich ist der Paukenerguss durch Spiegelbildung oder eingeschlossene Luftblasen hinter dem Trommelfell zu erkennen
  • Weber-Versuch: Lateralisation in das betroffene Ohr
  • Rinne-Versuch: Auf dem betroffenen Ohr negativ, auf dem anderen Ohr positiv
  • Tonschwellenaudiogramm: Geringe bis mittelgradige Schalleitungsschwerhörigkeit
  • Tympanogramm
    • Unterdruck im Mittelohr: Maximum der Kurve ist in den negativen Bereich verschoben
    • Paukenerguss: Je nach Ausprägung abgeflachte oder komplett flache Kurve

Therapie

  • Konservativ: Kurzzeitig abschwellende Nasentropfen und passives Valsalva-Manöver
    • Bei akuter Schleimhautschwellung, z.B. infektbedingt: Kurzzeitige Anwendung abschwellender Nasentropfen, z.B. Xylometazolinhydrochlorid (Kinder >6 J., Jugendliche und Erwachsene , Kinder 2–6 J. , Kinder <2 J. )
    • Bei V.a. allergische Genese: Mometason-17-(2-furoat) (z.B. Nasonex®--------) (Kinder 3–12 J. , Kinder >12 J. und Erwachsene )
    • Zusätzlich fördert Kaugummikauen die Durchgängigkeit der Tuben
  • Operativ: Nur bei starker Beeinträchtigung des Hörvermögens auf Wunsch des Patienten oder bei V.a. Labyrinthitis
    • Öffnung des Trommelfells (Parazentese) und Absaugen des Ergusses

Sonderformen

  • Hämatotympanon nach Trauma
  • Barotrauma

Chronische Tubenfunktionsstörung

Bestehen die Beschwerden bei einer Belüftungsstörung des Mittelohres länger als 3 Monate, spricht man von einer chronischen Tubenfunktionsstörung. Diese geht meist mit einem Paukenerguss einher.

Epidemiologie

Ätiologie

  • Bei Kindern
    • Meist bedingt durch Hyperplasie der Rachenmandel (adenoide Vegetationen)
    • Physiologische Tubeninsuffizienz meist bis zum 7. Lebensjahr bedingt durch
      • Geringe Achsknickung der Schädelbasis
      • Weichen Tubenknorpel
      • Kurze Tube
    • Risikofaktor: Passivrauchen durch Zigarettenkonsum in der Familie
  • Bei Erwachsenen

Klinik

  • Keine Schmerzen, gelegentlich leichtes Druckgefühl im Ohr
  • Schwerhörigkeit
  • Evtl. tieffrequenter Tinnitus
  • Gelegentlich Sprachentwicklungsverzögerung bei Kindern

Diagnostik

Therapie

  • Konservativ: Kurzzeitig abschwellende Nasentropfen und passives Valsalva-Manöver
    • Bei akuter Schleimhautschwellung, z.B. infektbedingt: Kurzzeitige Anwendung abschwellender Nasentropfen, z.B. Xylometazolinhydrochlorid (Kinder >6 J., Jugendliche und Erwachsene , Kinder 2–6 J. , Kinder <2 J.
    • Bei V.a. allergische Genese: Mometason-17-(2-furoat) (z.B. Nasonex®--------) , Kinder 3–12 J. , Kinder >12 J. und Erwachsene
    • Zusätzlich fördert Kaugummikauen die Durchgängigkeit der Tuben
  • Operativ
    • Öffnung des Trommelfells (Parazentese), anschließend Paukendrainage durch Einsetzen eines Paukenröhrchens
    • Beseitigung der Ursache durch eine Adenotomie: Operative Entfernung einer hyperplastischen Rachenmandel

Komplikationen

Bei Kindern kann durch das Seromukotympanon die Sprachentwicklung gestört sein, daher ist eine frühe Therapie wichtig!

Bei Erwachsenen mit Seromukotympanon muss ein Malignom als Ursache ausgeschlossen werden!

Klaffende Tuba auditiva (offene Ohrtrompete)

  • Definition: Offene Ohrtrompete
  • Ätiologie: Vorausgegangene starke Gewichtsabnahme → Abnahme des die Tube umgebenden Fettgewebes
  • Klinik
    • Oft symptomlos
    • Autophonie: Ungewöhnlich lautes Hören und Dröhnen der eigenen Stimme über die Eustachi-Röhre
    • Hören des eigenen Atemgeräusches
    • Verschwinden der Symptome im Liegen oder bei Bauchpresse
  • Diagnostik
  • Therapie
    • Aufklärung über die Harmlosigkeit der Erkrankung
    • Operativ: Augmentation mit Hyaluronsäure oder Fett oder Einlage eines Paukenröhrchens

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2020

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2020, DIMDI.