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Drittes Staatsexamen

Abstract

Das Dritte Staatsexamen des Medizinstudiums (Dritter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, „M3-Examen“) wird in Form einer mündlich-praktischen Prüfung abgehalten. Dieses Kapitel gibt dir Informationen zum grundlegenden Ablauf. Außerdem findest du hier Tipps zur Vorbereitung, die dir auch in anderen mündlichen Prüfungen helfen können.

Allgemeines zur mündlich-praktischen Prüfung

Nachdem du für die schriftliche Prüfung v.a. die Beantwortung von Multiple-Choice-Fragen trainiert hast, ist es für die mündliche Prüfung essentiell, das erworbene Wissen entsprechend zu präsentieren. Über Detailwissen verfügst du dank des IMPP und AMBOSS genug! Lasse dich nicht im Vorfeld von der Stoffmenge verunsichern – einerseits weißt du aus schriftlichem Examen und PJ mehr als du vielleicht vermutest und andererseits kommt es bei dieser Prüfung viel weniger auf auswendig gelernte Einzelfakten an .

Ablauf

Der Ablauf der Prüfung unterscheidet sich je nach Universität bzw. Lehrkrankenhaus, in dem die Prüfung stattfindet, und hängt auch von den jeweiligen Prüfern ab.

  • Zu den Prüfern gehören immer
    • Ein Internist und ein Chirurg
    • Ein Prüfer aus deinem Wahlfach
    • Ein Prüfer aus einem meist zufällig ausgewählten sog. „4. Fach
  • Grundsätzlich wird die Prüfung an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gehalten
    • 1. Tag: Anfertigung des Fallberichts , sowie Prüfung zu Anamnese- und Untersuchungstechniken im Patientenzimmer
    • 2. Tag: Am 2. Tag wird meist eine Fragerunde abgehalten, bei der in den meisten Fällen kein Bezug mehr zum Fallbericht vom 1. Tag hergestellt wird. Die Prüfung findet dann i.d.R. in einem Besprechungsraum statt.

Der Fallbericht

In der mündlichen Prüfung muss ein Fallbericht über einen (oder mehrere) Patienten erstellt werden, der dir von deinen Prüfern (bzw. meistens vom Vorsitzenden der Prüfungskommission) zugewiesen wird. Je nach Prüfungsordnung musst du den Fallbericht am Tag der Prüfung eventuell unter Zeitdruck schreiben. Daher ist es wichtig, sich vorab mit der Form und dem möglichen Inhalt eines solchen Berichts auseinanderzusetzen.

  • Versuche schon während des PJ zur Übung einen solchen Bericht anzufertigen, um diesen dann mit einem Ober- oder Assistenzarzt zu besprechen
  • Im Fallbericht können vier Inhalte unterschieden werden
  • Versuche am ersten Tag möglichst nicht zu viel Zeit mit dem Schreiben des Berichtes zu verbringen, sondern diesen möglichst kompakt zu halten
  • Meist stehst du am Prüfungstag unter Zeitdruck, sodass eine vorbereitete Vorlage sinnvoll ist
  • Die Patientenuntersuchung solltest du strukturiert durchführen und z.B. unnötiges Aus- und Anziehen vermeiden
  • Frage bei Unklarheiten zu bestimmten Befunden, Diagnosen oder Therapien die Stationsärzte – das ist kein Problem, da die Patientenuntersuchung und die Anfertigung des Berichtes nicht zur Prüfungszeit gehören

Vor der Prüfung – So gelingt die Vorbereitung

Prüfer kontaktieren

Es empfiehlt sich, den Prüfungsvorsitzenden und die Prüfer der anderen Fächer zu kontaktieren, um ein Vorgespräch zu erbitten, da du dich so bereits im Vorfeld der Prüfung gemeinsam mit deiner Gruppe vorstellen kannst (was meist etwas Nervosität nimmt) und u.a. wichtige Fragen geklärt werden können

  • Am besten gelingt die Kontaktaufnahme, wenn du dich telefonisch oder per Mail an das entsprechende Sekretariat wendest
  • Kläre mit dem Prüfungsvorsitzenden die genaue Form des Fallberichts (Form, Länge, Abgabe), damit du dich darauf vorbereiten und dir eine Vorlage zurechtlegen kannst (s.o.)
  • Meist wird im Vorgespräch auch über Organisatorisches gesprochen (Beginn und Ort der Prüfung, Details zum Ablauf)
  • Viele Prüfer geben zudem vorsichtige Hinweise auf mögliche Themenschwerpunkte der Prüfung oder grenzen bestimmte Gebiete ein

Vorbereitung in der Prüfungsgruppe

  • Du solltest deine Prüfungsgruppe möglichst vor der Prüfung kennenlernen, da die Prüfungsvorbereitung am besten in der Gruppe gelingt und eine gute Gruppendynamik den Verlauf der Prüfung positiv beeinflussen kann
  • Bei der Vorbereitung solltest du dich über die bisherigen Fragen der Prüfer informieren. Die detaillierte Prüfungsvorbereitung erfolgt meist auf Grundlage von Prüfungsprotokollen!
  • Wenn es keine oder nur sehr wenige Protokolle der Prüfer gibt, erkundige dich bei früheren Prüflingen bzw. anderen Studierenden, versuche nach Vorlesungsmaterialien zu suchen oder besuche sogar evtl. stattfindende Seminare des entsprechenden Prüfers
  • Nutze die zur Verfügung stehende Zeit für eine möglichst intensive und vielfältige Vorbereitung mit der Prüfungsgruppe
    • Stelle in der Gruppe all deine Fragen und lerne aus deinen Fehlern
    • Übe das freie Präsentieren von gelerntem Wissen und das strukturierte Antworten
    • Simuliere mit deinen Mitprüflingen die Prüfungssituation möglichst realistisch
    • Beachte die Subspezifikationen der Prüfer
    • Sprich Krankheitsbilder und klinisches Wissen möglichst nach einer festen Struktur durch (Definition, Ätiologie, Symptome, Diagnostik etc.) damit ein festes „Antwortschema“ entsteht, das dir in der Prüfung Sicherheit gibt“
    • Versuche häufige Leitsymptome/Differentialdiagnosen oder Befunde zu besprechen, die man gut kategorisieren kann
    • Übe möglichst viele Untersuchungstechniken ein, indem ihr euch gegenseitig untersucht - Je routinierter die einzelnen Techniken, desto besser der Eindruck bei den Prüfern

Weitere wichtige Vorbereitungen

Kümmere dich um alle wichtigen Materialien, die du bei der Prüfung brauchen wirst.

  • Sauberer, gebügelter Kittel und schicke, aber bequeme Kleidung für darunter
  • Stethoskop, Pupillenleuchte, EKG-Lineal, Reflexhammer, Stift, evtl. Klinikausweis
  • Bereite dir Verpflegung für den ersten Prüfungstag vor
  • Nutze den AMBOSS Anamnese- und Untersuchungsbogen als Leitfaden für die Patientenbefragung bzw. -untersuchung

Der Abend vor der Prüfung

Am Abend vor der Prüfung solltest du nicht mehr intensiv lernen, sondern alles für den nächsten Tag vorbereiten, dich möglichst entspannen und ausreichend viel schlafen

Lehrmaterialien in AMBOSS zur Vorbereitung auf das Dritte Staatsexamen

Da Ablauf und Inhalt der mündlichen Prüfung stark von den jeweiligen Prüfern abhängen, solltest du dich bei deinen Vorbereitungen für die Prüfung an bisherigen Erfahrungswerten (Prüfungsprotokolle, Auskunft von den Prüflingen der Vorjahre) orientieren. In AMBOSS stehen dir für die allermeisten möglichen Prüfungsinhalte zusätzlich Lehrmaterialien zur Verfügung, die du zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung nutzen kannst. Im Folgenden sind einige Beispielkapitel verschiedener Bereiche für dich aufgelistet.

Zur Vorbereitung auf die mündliche Prüfung empfehlen wir dir den AMBOSS-Lernplan für die mündliche Prüfung (M3)!

VIEL ERFOLG BEI DER PRÜFUNG WÜNSCHT DIR DAS AMBOSS-TEAM!!!

Während der Prüfung – Das solltest du beachten

Inhaltlich wird meist eine „Eingangsthematik“ oder ein kurzer Fall besprochen . Viele Prüfer geben dir dann die Möglichkeit, dein Wissen frei zu präsentieren. Das ist eine gute Möglichkeit, um dich von deiner Schokoladenseite zu zeigen . Dabei sollten jedoch einige Grundlagen beachtet werden:

DO – Strukturiere deine Antworten anhand des klinischen Vorgehens!

Ordne deine Antworten in der Reihenfolge des klinischen Vorgehens (ähnlich der Struktur der AMBOSS-Kapitel), also i.d.R.: AnamneseKörperliche Untersuchung → Labor und apparative Untersuchungen → Diagnose → Therapie

Beispiel: Der Prüfer beschreibt einen Patienten mit abdominellen Schmerzen.

  1. Nun solltest du dir durch eine Anamnese zuerst ein genaueres Bild machen (Wo befindet sich der Schmerz genau? Wie stark ist der Schmerz? Strahlen die Schmerzen aus? Zeigt der Patient weitere Symptome?)
  2. Anschließend folgt die körperliche Untersuchung mit Fokus auf die angegebenen Beschwerden (z.B. Untersuchung auf ein Psoas-Zeichen bei Verdacht auf Appendizitis oder auf das Murphy-Zeichen bei Verdacht auf Cholezystitis)
  3. Je nach Befund erfragst du dann die Ergebnisse von Labor- und apparativen Untersuchungen
  4. Die Diagnose leitet sich von der Zusammenschau der Ergebnisse ab
  5. Als letzten Punkt sprichst du nun die Therapie an. In den meisten Fällen werden keine Dosierungen abgefragt, nur die wichtigsten Notfallmedikamente sind hier relevant (wie z.B. Acetylsalicylsäure 150–300 mg oral oder 250 mg i.v. bei Myokardinfarkt)

Beschreibt der Prüfer einen Notfall, muss unter Umständen eine abgekürzte Anamnese/körperliche Untersuchung durchgeführt werden, um (lebens‑)notwendige Notfallmaßnahmen nicht zu verzögern!

DO – Dies solltest du während der Prüfung zusätzlich beachten!

  • Strukturiere deine Patientenvorstellung und halte sie so knapp wie möglich
    • Name, Alter, Geschlecht
    • (Aktueller) Vorstellungsgrund
    • Anamnese
    • Untersuchungsbefunde
    • Verlaufsbeschreibung
    • Weiteres Prozedere
  • Versuche den Prüfer auf Themengebiete zu führen, die du selbst beherrschst und vermeide Informationen, die du nicht weiter ausführen kannst
  • Versuche deinen Gedankengang zu erklären
  • Achte auf ein selbstbewusstes Auftreten und vermittle den Prüfern den Eindruck, dass du mit Freude an die Aufgabe herangehst – du kannst den Prüfern so deine Begeisterung für deinen künftigen Beruf demonstrieren, was bestimmt gut ankommt
  • Sage ruhig auch vermeidlich „Banales“ – gar nicht so selten fragen die Prüfer nach Aspekten, die du als „zu einfach“ bezeichnen würdest
  • Präsentiere ruhig von dir aus fragenbezogenes, tiefergehendes Wissen – so gewinnst du Zeit und kannst dich dem Prüfer auf „sicherem Gebiet“ präsentieren
  • Achte auf allgemeine Umgangsformen und die Interaktion in der Gruppe – Kommentare abgeben oder Lachen in unpassenden Situationen ist unangebracht!
  • Zeige im Umgang mit dem Patienten Empathie und routiniertes Vorgehen
  • Beachte hygienische Grundregeln (Händedesinfektion bei entsprechender Indikation etc.)
  • Weise immer auf Notfälle und gefährliche Verläufe hin – so zeigst du, dass du bei wichtigen Behandlungsanlässen richtig handelst

Was immer auch passiert, versuche Ruhe zu bewahren! Auch wenn du etwas nicht wissen solltest oder etwas „schiefgehen“ sollte: Bleibe fokussiert und bei der Sache!

DON'T – Dies solltest du während der Prüfung lieber vermeiden!

  • Vermeide Floskeln wie „Ich weiß nicht, worauf Sie hinaus wollen.“ – dies wirkt unsouverän und du unterstellst dem Prüfer indirekt, seine Fragen nicht vernünftig stellen zu können
  • Stehe dir nicht selbst im Weg
  • Antworte nicht ungefragt auf die Fragen anderer Prüflinge – das ist deinen Mitprüflingen gegenüber nicht fair und wird auch die Prüfer nicht beeindrucken!
  • Verlasse dich nicht ausschließlich auf die Inhalte und Fragen der Protokolle
  • Diskutiere nicht mit dem Prüfer – auch dann nicht, wenn du dir ganz sicher bist, im Recht zu sein!
  • Vergiss nicht, dass in der Prüfung evtl. auch „fächerübergreifend“ gefragt werden kann – ärztliche Rechtskunde (Leichenschau), Strahlenschutz, perioperatives Management, etc. sollten also keine Unbekannten für dich sein!
  • Fange nicht an zu raten, wenn du etwas nicht weißt, oder gar nichts zu sagen
  • Lasse dich nicht durch die Prüfung der Anderen oder durch vermeintlich zu komplex erscheinende Fragen verunsichern!

Nach der Prüfung - Endlich geschafft

Schreibe möglichst frühzeitig nach der Prüfung ein Protokoll für künftige Prüflinge! Je frischer die Erinnerungen der Prüfung sind, desto einfacher fällt dir das Schreiben des Protokolls und das Beschreiben deiner Eindrücke. Neben den Prüfungsinhalten und -fragen kannst du den künftigen Prüflingen vielleicht auch weitere Fragen beantworten. Versuche deine Erfahrungen dabei möglichst „objektiv“ zu schildern.

  • Was hast du bei der Vorbereitung auf den jeweiligen Prüfer beachtet? Was war hilfreich, was nicht? Kannst du vielleicht besondere Tipps geben?
  • Was hat der Prüfer gefragt? Womit hat der Prüfer dich evtl. verunsichert?
  • Wie war die Stimmung während der Prüfung?