• Klinik

Plötzlicher Säuglingstod (Sudden Infant Death Syndrom…)

Abstract

Der plötzliche Kindstod tritt unvermittelt aus völliger Gesundheit heraus auf und ist meist Folge eines hypoxischen Ereignisses. Ätiologisch wird unter anderem eine genetisch bedingte Vulnerabilität der Hirnstammareale auf neuronaler Ebene angenommen. Diese haben Einfluss auf wichtige Kerne mit lebenserhaltenden Funktionen wie Atemantrieb und Atemwegsreflexe. Eltern werden bei der U2-Untersuchung von Ihrem Kinderarzt über mögliche Triggerfaktoren, die auf die Vulnerabilität einwirken, aufgeklärt. Hierzu zählen zum Beispiel das Vermeiden von Schlafen in Bauchlage oder Umwelteinflüsse wie Überwärmung und Nikotinexposition. Differentialdiagnostisch sollte post mortem eine Autopsie erfolgen, um morphologische Ursachen oder gar ein Battered-Child-Syndrom auszuschließen.

Definition

Beim plötzlichen Säuglingstod (SIDS) versterben Säuglinge und Kleinkinder unerwartet. Voraussetzung ist, dass keine nachweisbare Todesursache trotz ausführlicher rechtsmedizinischer Untersuchung gefunden wird.

Epidemiologie

  • Häufigkeitsgipfel zwischen dem 2. und 6. Lebensmonat, seltene Fälle des frühen SIDS in den ersten Lebenstagen
  • Geschlecht: >

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

  • Multifaktoriell, nicht abschließend geklärt
    • Ein Großteil der Kinder, die an einem SIDS versterben, zeigen sowohl biochemische als auch strukturell anatomische Anzeichen eines hypoxischen Ereignisses bzw. einer chronisch geringgradigen Hypoxie
    • Angenommen wird eine genetisch bedingte Vulnerabilität auf neuronaler Ebene (morphologisches/biochemisches Defizit von 5-HT-Neuronen (Serotonin)) im Bereich des Hirnstamms mit Einfluss auf Atemantrieb, Erwachen, Blutdruck, obere Atemwegsreflexe und Körpertemperatur

Risikofaktoren (Triggerfaktoren)

  • Bauchlage
  • Nikotinexposition
  • Überwärmung
  • Unsichere Schlafumgebung
  • Viele weitere Korrelationen: Plötzlicher Kindstod bei Geschwistern, ehemalige Frühgeborene, junge Mutter (Teenager-Alter), niedriger sozialer Status u.a.

Über 90% der plötzlichen Kindstodfälle ereignen sich im Schlaf!

Differentialdiagnosen

Kinder, die an einem SIDS versterben, sollten nach Möglichkeit autopsiert werden.

  • Wichtige Differentialdiagnosen:
    • Kongenitale Anomalie mit möglicher Todesfolge (z.B. Herzfehler)
    • Absichtliches Ersticken, Hinweise für ein Battered-Child-Syndrom

Generell müssen alle akut auftretenden Erkrankungen mit möglicher Todesfolge differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Prävention

  • Aufklärung über Triggerfaktoren bei der U2-Untersuchung
  • Impfung nach Plan
  • Stillen bis zum 4.–6. Lebensmonat

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • R95.-: Plötzlicher Kindstod
    • Inklusive: Sudden infant death syndrome [SIDS]
    • R95.0: Plötzlicher Kindstod mit Angabe einer Obduktion
    • R95.9: Plötzlicher Kindstod ohne Angabe einer Obduktion
      • Plötzlicher Kindstod o.n.A.

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.