• Klinik

Karpaltunnelsyndrom (Brachialgia paraesthetica nocturna)

Abstract

Das Karpaltunnelsyndrom bezeichnet eine chronische Kompression des N. medianus unter dem Retinaculum flexorum im Karpaltunnel. Die Symptome ergeben sich aus der Funktion des N. medianus peripher des Karpaltunnels. Früh zeigen sich nächtliche Schmerzen in Zeige- und Mittelfinger sowie im Daumen; im Verlauf kommt es zu einer Atrophie des Daumenballens. Verschiedene klinische Tests geben erste Verdachtshinweise, entscheidend ist aber die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit mittels Elektroneurographie. Beschränkt sich die Symptomatik auf nächtliche Schmerzen, kann ein Therapieversuch mit Ruhigstellung des Arms in der Nacht und kurzzeitiger medikamentöser Schmerztherapie erfolgen. Im Allgemeinen wird jedoch eine frühzeitige operative Dekompression durch Spaltung des Retinaculum flexorum angestrebt.

Epidemiologie

  • Geschlecht: >
  • Alter: Häufigkeitsgipfel 40.–50. Lebensjahr
  • Häufig: Beidseitiger Befall

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

Pathophysiologie

  • Karpalkanal = anatomischer Engpass
  • Volumenzunahme des Tunnelinhalts → Druckerhöhung im Karpalkanal → Konsekutive Kompression Ischämie des N. medianus → Entstehung eines intraneuralen Ödems mit fokaler Demyelinisierung
  • Symptomsteigerung in der Nacht: Vermutlich durch Flexion des Handgelenks im Schlaf → Druckerhöhung und verminderte Perfusion im Karpalkanal

Symptome/Klinik

  • Frühsymptom: Brachialgia paraesthetica nocturna
    • Nächtliche Schmerzen und Parästhesien der volaren Hand und der Finger I–IV
    • Besserung der Symptomatik durch Schütteln oder Massieren der Hände
  • Missempfindungen oder Hypästhesie im Nervenversorgungsgebiet
  • Ausstrahlung der Beschwerdesymptomatik in den Arm
  • Spätsymptom: Thenarmuskelatrophie (Daumenballenatrophie)

Die Schwurhand gehört nicht zu den Symptomen! Diese tritt lediglich bei proximalen Medianusläsionen auf!

Verlaufs- und Sonderformen

Diagnostik

Anamnese

  • Schmerzen: Qualität und Zeitpunkt des Auftretens
  • Missempfindungen
  • Vorerkrankungen und Voroperationen
  • Berufliche Tätigkeit
  • Dauermedikation

Klinische Untersuchung

Eine Adduktionskontraktur durch eine Rhizarthrose kann ein positives Flaschenzeichen vortäuschen!

Apparative Diagnostik

Die klinischen Zeichen haben eine geringe Spezifität, entscheidend ist deshalb die Elektroneurographie!

Eine pathologische apparative Diagnostik ohne klinische Symptome ist nicht behandlungsbedürftig!

Differentialdiagnosen

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

Konservative Therapie

  • Indikation
    • Nächtliche Schmerzen
    • Geringe Beschwerdesymptomatik
  • Durchführung
    • Nächtliche Ruhigstellung durch gepolsterte, palmare Unterarmschiene
    • Orale Glucocorticoid-Therapie über 14 Tage
    • Einmalig: Lokale Infiltrationstherapie mit Glucocorticoiden
    • Kurzzeitig analgetische Therapie (NSAR)

Operative Therapie

Komplikationen

Es werden die wichtigsten Komplikationen genannt. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Prognose

  • Symptomverbesserung nach OP bei >80%
  • Protrahierter Narbenschmerz: Symptomverbesserung kann bis zu 6 Monate dauern
  • Längeres Intervall (>3 Jahre) zwischen Symptombeginn und operativer Therapie → Verschlechterung der Prognose

Patienteninformationen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2019

  • G56.-: Mononeuropathien der oberen Extremität

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2019, DIMDI.