Die aufgeführten Informationen richten sich an Studierende sowie Angehörige eines Heilberufes und ersetzen keinen Arztbesuch. Disclaimer aufrufen.

banner image

amboss

Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium

Kostenfrei testen

Tendovaginitis

Letzte Aktualisierung: 1.9.2019

Abstracttoggle arrow icon

Die Tendovaginitis ist eine entzündliche Veränderung der Sehnenscheide. Meist sind Sehnen im Bereich des Handgelenks oder der Finger durch repetitive Belastungen wie bei der Schreibtischtätigkeit betroffen. Die schmerzhafte Schwellung der Sehnenscheiden wird durch Ruhigstellung und Infiltration von Glucocorticoiden in die Sehnenscheide behandelt. Bei Therapieresistenz sind auch operative Verfahren wie die Längsspaltung der Sehnenscheide möglich.

  • Degenerativ bei chronischer Traumatisierung durch einseitige, repetitive Belastung (Schreibtischtätigkeit, Schrauben)
  • Rheumatisch
  • Selten bakteriell
  • Lokalisation: Auftreten meist an Fingern oder Handgelenk
  • Schwellung
  • Bewegungsschmerzen
  • Palpable Krepitation

Tendovaginosis stenosans (Tendovaginitis stenosans) [1][2][3]

  • Definition: Lokalisierte, knotige Verdickung einer Beugesehne (oder Einengung des Ringbandes) mit intermittierender Einklemmung
  • Klinik
    • Schnellender Finger: Plötzliches „Schnellen“ des Fingers nach eingeschränkter Beweglichkeit
    • Zunehmend schmerzhafte Extension und Flexion
    • Im Verlauf Blockierung des Fingers in Flexionsstellung, seltener in Extensionsstellung möglich
  • Therapie: Operative Spaltung des Ringbandes

Tendovaginitis stenosans de Quervain

  • Konservativ: Ruhigstellung, Infiltration der Sehnenscheide mit Glucocorticoiden
  • Operativ
    • Indikation: Therapieresistenz
    • Dekompression z.B. durch Längsspaltung der Sehnenscheide
    • Nach Operation keine Ruhigstellung, sofort Mobilisation

Wegen der Degenerationsgefahr sind die Glucocorticoide nicht wiederholt und nicht direkt in die Sehne zu applizieren!

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

  • M65.-: Synovitis und Tenosynovitis
    • Exklusive: Akute Verletzung – siehe Bänder- und Sehnenverletzung nach Körperregion, Chronische Tenosynovitis crepitans der Hand und des Handgelenkes (M70.0), Krankheiten des Weichteilgewebes im Zusammenhang mit Beanspruchung, Überbeanspruchung und Druck (M70.‑)
    • M65.0-: Sehnenscheidenabszess [0–9]
      • Soll der bakterielle Erreger angegeben werden, ist eine zusätzliche Schlüsselnummer (B95–B96) zu benutzen.
    • M65.1-: Sonstige infektiöse (Teno‑)Synovitis [0–9]
    • M65.2-: Tendinitis calcarea [0,2–9]
      • Exklusive: Im Schulterbereich (M75.3), näher bezeichnete Tendinitis (M75–M77)
    • M65.3: Schnellender Finger
    • M65.4: Tendovaginitis stenosans [de Quervain]
    • M65.8-: Sonstige Synovitis und Tenosynovitis [0–9]
      • Reizhüfte
    • M65.9-: Synovitis und Tenosynovitis, nicht näher bezeichnet [0–9]

Lokalisation der Muskel-Skelett-Beteiligung

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Grifka, Krämer: Orthopädie Unfallchirurgie. 9. Auflage Springer 2013, ISBN: 978-3-642-28875-3 .
  2. Imhoff et al.: Checkliste Orthopädie. 3.. Auflage Thieme 2014, ISBN: 978-3-131-42283-5 .
  3. Rudigier, Meier: Kurzgefasste Handchirurgie, Klinik und Praxis. 6.. Auflage Thieme 2014, ISBN: 978-3-131-26426-8 .
  4. Müller: Chirurgie (2014/15). 11. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 3-929-85110-5 .
  5. Niethard et al.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. 6. Auflage Thieme 2009, ISBN: 3-131-30816-8 .