• Klinik

Embryofetopathien durch Noxen

Abstract

Embryopathien durch Noxen spielen in der Neonatologie eine große Rolle. Allgemein sind kongenitale Malformationen zu 40% unklarer Genese, 10% beruhen auf teratogener Genese. In diesem Zusammenhang spielen neben Drogen wie Alkohol, Nikotin oder Opioide auch Medikamente eine Rolle. Ebenso wie bei Embryopathien durch Infektionserreger gilt: Je früher der Embryo/Fetus den Noxen ausgesetzt ist, desto schwerwiegender sind die Schäden. Viele Medikamente führen jedoch weniger zu Fehlbildungen als zu Regulationsstörungen des Neugeborenen. Für Recherchen auf diesem Gebiet ist die eingerichtete Datenbank des Pharmakologischen Instituts der Charité empfehlenswert (www.embryotox.de).

Dysmelie

  • Kurzbeschreibung: Angeborene Störung der embryonalen Entwicklung der Extremitäten (zwischen 29. und 46. Tag) mit unterschiedlichem Ausprägungsgrad.
  • Ursachen: Unterschiedlich, es kommen bspw. Sauerstoffmangel oder verschiedene Medikamente (u.a. Thalidomid) in Frage
  • Formen

Drogen

  • Alkoholembryopathie (fetales Alkoholsyndrom, FAS)
    • Epidemiologie
      • Häufigste Ursache einer teratogenen Schädigung bei Kindern (1:500–1000)
      • Häufigste Ursache einer geistigen Behinderung!
    • Mögliche Klinik
      • Stigmata: Schmales Lippenrot, fehlendes Philtrum, niedrige Stirn, Hypertelorismus, kurze Lidspalten, abfallende Lidachsen, Epikanthus, fliehendes Kinn, Mikrozephalie (siehe auch Tipps & Links)
      • Geistige Retardierung, unzureichende Sprachentwicklung
      • Hypotroph bei Geburt, Minderwuchs
      • Herzfehler (meist VSD), Skelett- und Genitalanomalien
    • Differentialdiagnosen

Medikamente (Auswahl)

  • Thalidomid (Contergan®): Thalidomid-Embryopathie
    • Bekanntes Beispiel für ein Medikament, dessen Nebenwirkung lange Zeit unterschätzt/ignoriert wurde
    • Früher als Schlaf- und Beruhigungsmittel eingesetzt, heute nur noch sehr begrenzte Indikation: Z.B. bei Multiplem Myelom
    • Klinik des Neugeborenen:
      • Symmetrische Amelie (Fehlen der ganzen Extremität) oder Phokomelie (Hände bzw. Füße setzen unmittelbar an Schultern bzw. Hüften an) insbesondere der oberen Extremitäten
      • Anotie (Fehlen von Ohren)
      • Viele weitere Fehlbildungen möglich
  • Diazepam
    • Postpartale Atemdepression, Muskelhypertonie, Hyperreflexie, Tremor
    • Floppy-Infant-Syndrom“ über Wochen u.a. mit Lethargie, Trinkschwäche und Muskelhypotonie aufgrund des langsameren Abbaus bei Neugeborenen
  • Phenprocoumon

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.