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Notfallsonografie

Letzte Aktualisierung: 7.4.2022

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Die Notfallsonografie ist eine akut- bzw. notfallmedizinische Untersuchungsmethode mit starker Ausrichtung auf schnellstmögliche Bestätigung oder Ausschluss klinischer Verdachtsdiagnosen. Dabei werden im Gegensatz zur konventionellen Sonografie oder Echokardiografie keine vollständigen Untersuchungen mit Ausmessung und Dokumentation aller relevanten Aspekte der untersuchten Organe vorgenommen. Die notfallsonografischen Methoden sind vielmehr organ- oder lokalisationsbezogen und auf entscheidende akutmedizinische Fragestellungen ausgerichtet. Entsprechend sind sie deutlich schneller, aber im Gegensatz zu einer vollständigen Sonografie auch weniger umfassend. Zwei gängige Oberbegriffe für die gezielte Notfallsonografie sind das FAST-Protokoll und POCUS.

Beim FAST-Protokoll (FAST = „focused assessment with sonography for trauma“) steht die Suche nach freier Flüssigkeit und traumatischen Verletzungsmustern im Vordergrund. Es wird insb. bei traumatologischen Fragestellungen angewendet. Soll die Lunge zusätzlich auf das Vorliegen eines Pneumothorax hin untersucht werden, kann das E-FAST-Protokoll (= „extended FAST“) zum Einsatz kommen. POCUS („Point-of-Care-Ultraschall“) ist ein Sammelbegriff für organbezogene, ortsunabhängige fokussierte Sonografien bei akutmedizinischen Fragestellungen, bspw. die fokussierte Sonografie der Gallenblase bei rechtsseitigen Oberbauchschmerzen oder auch die Sonografie der Vena cava inferior zur Orientierung über den intravasalen Volumenstatus.

Durch die immer bessere Verfügbarkeit auch kleiner transportabler Sonografiegeräte mit hoher Leistungsfähigkeit ist die Notfallsonografie zu einem unerlässlichen Bestandteil der (auch präklinischen) Notfallmedizin geworden.Sie hat die Diagnosesicherheit entscheidend verbessert. Der Umgang mit dem Ultraschallkopf ist in der modernen Medizin daher so bedeutsam wie der Umgang mit einem Stethoskop!

E-FAST

  • Hauptziel: Ausschluss von freier Flüssigkeit und eines Pneumothorax bei polytraumatisierten Patient:innen
  • Anwendungsgebiete
    • Im Schockraum zur initialen Evaluierung
    • Zum Ausschluss vital bedrohlicher Pathologien der Lunge
    • Verlaufskontrolle bei klinischer Verschlechterung

Die Durchführung der Notfallsonografie sollte insb. bei fehlenden eindeutigen Erkenntnissen andere Untersuchungen wie eine Computertomografie nicht verzögern!

POCUS

  • Ziele: Organfokussierte und ortsunabhängige Diagnostik von Notfallpathologien, gezielte und schnelle Therapieeinleitung und -steuerung
  • Anwendungsgebiete: Vielfältig und variabel, zunehmend auch interdisziplinär standardisierte Untersuchungen, hierzu zählen u.a.:
  • Vorteile: Im klinischen Kontext betrachtet und eingeordnet erlaubt POCUS eine Beschleunigung der Diagnosestellung und Verkürzung der Zeit bis zur Einleitung einer adäquaten Therapie.
  • Limitationen: Kein Ersatz für eine spezialisierte und standardisierte Sonografie zur Detektion detaillierter bzw. nicht-notfallmedizinischer Diagnosen
    • Abhängig von einer guten Ausbildung der Untersuchenden und einer angemessenen oberärztlichen Supervision

Geräteeinstellungen

  • Bildeinstellung und Hauptfunktionen: Das genutzte Sonografiegerät sollte in seinen Funktionen idealerweise beherrscht und konfiguriert werden können.
  • Unser POCUS-Video zu Gerätefunktionen und Einstellungen bietet einen allgemeinverständlichen Zugang

AMBOSS-Sonokurs und Organsonografie in AMBOSS

Der Nutzen und die Treffsicherheit der Notfallsonografie steigt mit der individuellen Kompetenz der sonografierenden Ärzt:innen, daher empfehlen wir zur Basisfortbildung unsere reichhaltigen Inhalte in anderen Kapiteln.

In AMBOSS-Kapiteln zu Krankheitsbildern und praktischen Fähigkeiten sind und werden fortschreitend passende POCUS-Befunde mit Darstellung pathologischer bzw. charakteristischer Befunde eingebunden. Hier gibt es eine Übersicht.

POCUS-Befunde Lunge

POCUS-Befunde Abdomen – Normalbefunde

POCUS-Befunde Abdomen – pathologische Befunde

POCUS-Befunde Herz

Mehr POCUS-Befunde auf Lager? Sollen diese nur in Vorträgen bewundert oder gar trist auf Datenträgern ihr Dasein fristen? Zur Erkennung von Notfallpathologien per Ultraschall beitragen? Wer sich angesprochen fühlt und Loops mit uns teilen möchte, kann sich gerne per Feedback-Button unter dieser Sektion melden! Wir freuen uns über Kooperationen!

Die Schnittbilder und Abfolge der FAST-Untersuchung sollte regelmäßig geübt und wiederholt werden, damit im Notfall der Ablauf schnell und präzise durchgeführt werden kann!

Ablauf

  1. Schallkopf im hohen Flankenschnitt rechts aufsetzen
  2. Schallkopf nach kaudal schwenken oder in den Flankenschnitt wechseln
    • Rec. hepatorenalis (= Morison-Pouch) einstellen und auf freie Flüssigkeit untersuchen
    • Leber durchmustern und auf eine Verletzung des Organs untersuchen
    • Niere durchmustern und auf eine Verletzung des Organs untersuchen

Mögliche pathologische Befunde

Pathologie Darstellung
  • Echoarmes oder echofreies Areal zwischen Zwerchfell und Lungenparenchym
  • Hämatothorax kann aufgrund der in ihm enthaltenen korpuskulären Bestandteile Binnenechos aufweisen
  • Echoarmer oder echofreier, sichelförmiger Saum zwischen Leber und Zwerchfell
  • Echoarmer oder echofreier, sichelförmiger Saum zwischen Leber und Niere
  • Leberverletzungen
  • Inhomogene, unscharf begrenzte, echoarme Läsionen im Leberparenchym
  • Blutungen aus dem Leberparenchym stellen sich als perihepatischer echoarmer Randsaum dar
  • Nierenverletzungen
  • Inhomogene, unscharf begrenzte, echoarme Läsionen im Nierenparenchym
  • Blutungen aus dem Nierenparenchym stellen sich als echoarmer perirenaler Randsaum dar

Ablauf

  1. Schallkopf im hohen Flankenschnitt links aufsetzen
  2. Schallkopf nach kaudal schwenken oder in den Flankenschnitt wechseln

Mögliche pathologische Befunde

Pathologie Darstellung
  • Echoarmes oder echofreies Areal zwischen Zwerchfell und Lungenparenchym
  • Hämatothorax kann aufgrund der in ihm enthaltenen korpuskulären Bestandteile Binnenechos aufweisen
  • Echoarmer oder echofreier, sichelförmiger Saum zwischen Milz und Zwerchfell
  • Echoarmer oder echofreier, sichelförmiger Saum zwischen Milz und Niere
  • Subkapsuläres Hämatom: Bikonvexer oder perilienaler echoarmer Flüssigkeitssaum
  • Vollständige Organlazeration inkl. Kapselruptur
    • Inhomogene, unscharf begrenzte, echoarme Läsionen im Milzparenchym
    • Zusätzlich i.d.R. perilienaler echoarmer Randsaum
  • Nierenverletzungen
  • Inhomogene, unscharf begrenzte, echoarme Läsionen im Nierenparenchym
  • Blutungen aus dem Nierenparenchym stellen sich als echoarmer perirenaler Randsaum dar

Ablauf

  1. Falls ausreichend Zeit: Sektorschallkopf verwenden
  2. Schallkopf subxiphoidal aufsetzen
  3. Schallwellen nach kranial und in Richtung der linken Schulter senden

Mögliche pathologische Befunde

Pathologie Darstellung
  • Echoarmer oder echofreier Randsaum um die Herzkammern herum
  • Kontraktionsstörungen der Ventrikel

Ablauf

  1. Schallkopf im suprapubischen Längsschnitt aufsetzen
  2. Schallkopf nach links und rechts schwenken
    • Douglas-Raum bzw. Proust-Raum durchmustern
    • Harnblase komplett durchmustern und auf Wandveränderungen sowie weitere Verletzungen des kleinen Beckens untersuchen
  3. Schallkopf um 90° gegen den Uhrzeigersinn drehen
    • Harnblase und kleines Becken im Querschnitt untersuchen

Mögliche pathologische Befunde

Pathologie Darstellung
  • Echoarmer Defekt der Harnblasenwand
  • Intraluminale Koagel
  • Perivesikaler Flüssigkeitssaum

Durchführung

  1. Linearschallkopf auswählen
  2. Schallkopf längs parasternal (rechts und anschließend links) oder in der Medioklavikularlinie auf Höhe des 2. oder 3. Interkostalraumes aufsetzen
  3. M-Mode starten

Mögliche pathologische Befunde

Pathologie Darstellung
  • Echoarmes oder echofreies Areal zwischen Zwerchfell und Lungenparenchym
  • Hämatothorax kann aufgrund der in ihm enthaltenen korpuskulären Bestandteile Binnenechos aufweisen

  1. Husain et al.: Sonographic diagnosis of pneumothorax In: Journal of Emergencies, Trauma, and Schock. Band: 5, Nummer: 1, 2012, doi: 10.4103/0974-2700.93116 . | Open in Read by QxMD p. 76-81.
  2. Alrajab et al.: Pleural ultrasonography versus chest radiography for the diagnosis of pneumothorax: review of the literature and meta-analysis In: Critical Care. Band: 17, Nummer: 5, 2013, doi: 10.1186/cc13016 . | Open in Read by QxMD .
  3. Lichtenstein et al.: The comet-tail artifact: an ultrasound sign ruling out pneumothorax. In: Intensive Care Med. Band: 17, Nummer: 4, 1999, p. 383-8.
  4. Lichtenstein et al.: The “lung point”:an ultrasound sign specific to pneumothorax In: Intensive Care Med. Band: 10, 2000, doi: 10.1007/s001340000627 . | Open in Read by QxMD p. 1434-40.
  5. Horstman et al.: Comparison of computed tomography and conventional cystography for detection of traumatic bladder rupture. In: Urol Radiol. Band: 188, 1990, doi: 10.1007/BF02924005 . | Open in Read by QxMD .