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Transfusion von Thrombozytenkonzentraten - AMBOSS-SOP

Indikation

Vorbereitung

  • Gemäß den allgemeinen Grundsätzen, siehe: Aufklärungspflicht
  • Im lebensbedrohlichen Notfall: Ggf. Verzicht auf Aufklärung unter Beachtung des mutmaßlichen Patientenwillens

Not kennt kein Gebot! Ist eine Transfusion lebensrettend erforderlich, tritt die Aufklärungspflicht in den Hintergrund!

Anforderung [1][2][3][4]

  • Verschreibung und Anforderung: Per Anforderungsschein (mit Patientenetikett) oder über digitales Anforderungssystem
  • Identitätssicherung und Blutentnahme: Alle Blutröhrchen vor Abnahme mit Patientenetikett versehen und Identität des Patienten feststellen
    • Abnahme von insg. 3 Monovetten und Einsendung in das Labor
    • Untersuchungsumfang: Bestimmung der Blutgruppen im AB0-System, des Rhesus-Systems sowie bei komplizierter Transfusionsanamnese ggf. weiterer Blutgruppenmerkmale oder immunhämatologische Diagnostik
  • Abholung: Mit einer Kopie des Anforderungsscheins, Arzt erhält bei Abholung Begleitschein

Prüfung des Thrombozytenkonzentrats vor Transfusion [1][2][3][4]

  • Datenabgleich
    • Chargennummer des TK mit der dokumentierten Chargennummer auf dem Begleitschein
    • Patientenangaben (Name, Vorname, Geburtsdatum) auf dem TK mit den Daten auf dem Begleitschein
  • Kompatibilitätsprüfung: Übereinstimmung prüfen von AB0-Blutgruppe auf dem Etikett des TK mit der Blutgruppe des Patienten nach aktueller Bestimmung
    • TK sollten möglichst AB0-gleich transfundiert werden, alternativ ist die AB0-ungleiche, aber kompatible Transfusion möglich
      • Insb. bei Kindern <25 kgKG AB0-gleich transfundieren!
    • Rhesusfaktor sollte berücksichtigt werden (Ausnahme: Nicht-Verfügbarkeit Rh-kompatibler Konzentrate)
      • Rh-negative Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter: Bei unvermeidlicher Gabe von Rh-positiven TK → Rhesusprophylaxe mit Anti-D-Immunglobulin
AB0-Kompatibilität bei TK-Transfusion
Blutgruppe Patient Kompatible TK
A
  • A
  • Alternative: 0
B
  • B
  • Alternative: 0
AB
  • AB
  • A oder B oder 0
0
  • 0
  • Verfallsdatum und Gültigkeit: Verfallsdatum des Thrombozytenkonzentrats auf dem Etikett prüfen
  • Visuelle Prüfung
    • Nicht intaktes TK: Äußere Beschädigung, Gerinnselbildungen, Verfärbungen und sonstige Auffälligkeiten
    • Intaktes TK: Swirling (Wolkenbildung)

Genau wie Erythrozytenkonzentrate werden auch Thrombozytenkonzentrate möglichst AB0-gleich transfundiert. Vor Transfusionsbeginn muss daher die AB0-Kompatibilität von Patient und Blutkonserve kontrolliert werden!

Vorbereitung des Thrombozytenkonzentrats für die Transfusion[1][2][3][4]

  • Zwischenlagerung: Möglichst kurz halten! TK sollten unverzüglich transfundiert werden!
    • Bei Raumtemperatur, ca. 20–24 °C (vor Hitze und Kälte schützen!)
    • Ständiges Schwenken und Drehen des TK-Präparates oder Verwendung eines Spezialgerätes zur ständigen Agitation
  • Sauberes Arbeiten: Händedesinfektion und Anziehen von Handschuhen
  • Spezielle Materialien: Normiertes Transfusionsbesteck mit Standardfilter mit einer Porengröße von 170–230 μm
  • Blutkonserve anstechen: Vollständiges Einführen des Dorns des Transfusionsbestecks in den Transfusionsstutzen der Blutkonserve unter Vermeidung einer Kontamination
    • Keine Kraftspiele: Geduldige, leicht drehende Bewegungen beim Einführen des Dorns helfen; eine grobe Kraftanwendung ist i.d.R. zwecklos und frustrierend!
  • Befüllen von Tropfkammer und Schlauchsystem
    • Filterniveau der Tropfkammer beachten: Die Tropfkammer sollte ein Stück weit über dem Niveau des Filters befüllt sein
    • Schlauchsystem luftfrei befüllen: Luftfreies Befüllen des Schlauchsystems bis zum Auslaufen eines Tropfens aus dem Schlauchsystem auf einen zurechtgelegten Wattetupfer, auf Luftbläschenbildung achten

Thrombozytenkonzentrate vor Hitze und Kälte schützen und unverzüglich transfundieren!

Ablauf/Durchführung

Vorbereitung des Patienten [1][3][2][4]

  • Venöser Zugang: Vorgehen der Wahl ist ein periphervenöser Zugang, es sollten außer kristalloider Infusionslösung zur Spülung keine weiteren Medikamente über den Zugang verabreicht werden
    • Transfusion über ZVK: Nur als Notlösung, separaten ZVK-Schenkel verwenden, vor und nach der Transfusion großzügig mit isotonischer Kochsalzlösung spülen
  • Patientenlagerung: Sitzend oder liegend mit möglichst horizontaler und bequemer Lagerung des für die Transfusion verwendeten Arms

Identitätsprüfung und ggf. Bedside-Test[1][3][2][4]

  • Identitätsprüfung
    • Beim ansprechbaren Patienten: Frage nach Stammdaten wie Vornamen, Geburtsdatum, Schreibweise des Familiennamens
    • Beim nicht ansprechbaren Patienten: Identifizierung ggf. anhand eines Patientenarmbandes, Befragung der zuständigen Pflegekraft und Bitte um Bestätigung der Identität – jeglicher Zweifel ist zu beseitigen!
  • Bedside-Test (fakultativ): Mit einigen mL Blut des Patienten, ggf. Abnahme auch aus bestehendem venösem Zugang

Transfusion des Thrombozytenkonzentrats [1][3][2][4]

Nach Transfusionsende [1][3][2][4]

Management bei Refraktärität gegen TK-Transfusionen [3][6]

  • Definition: Fehlender Anstieg der Thrombozytenwerte 1 h nach Transfusion von mind. 2 frischen (<3 Tage alten), AB0-kompatiblen TK
  • Häufigkeit: 10–20% der Patienten, die eine TK-Transfusion erhalten
  • Ursachen
  • Maßnahmen
    • Bei schwerwiegenden Blutungen : Massentransfusion von 5–10 AB0-kompatiblen TK
    • Bei nicht-immunologischen Ursachen: Gabe mehrerer AB0-gleicher TK
    • Bei immunologischen Ursachen
      • Typisierung von HLA-A und -B, insb. Suche nach HLA-Klasse-I-spezifischen Antikörpern im Serum des Patienten
      • Gabe HLA-kompatibler TK
      • Ineffektive HLA-kompatible TK-Transfusion: Suche nach HPA-Antikörpern und entsprechende Auswahl eines HLA- und HPA-kompatiblen Spenders