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Akustisches Trauma

Abstract

Ein akustisches Trauma beschreibt eine Schädigung der Haarzellen des Innenohrs, meist durch akute oder chronische Lärmeinwirkung. Während das akute akustische Trauma i.d.R. auf ein einmaliges Ereignis zurückgeführt werden kann, ist das chronische Lärmtrauma Folge einer länger andauernden Exposition gegenüber Lärm. Im Jahr 2014 war die Lärmschwerhörigkeit, ausgelöst durch jahrelanges Arbeiten bei Schalldruckpegeln über 85 dB, die am häufigsten anerkannte Berufskrankheit.

Definition

Symptome/Klinik

Knalltrauma Explosionstrauma Akutes Lärmtrauma Chronisches Lärmtrauma
Dauer
  • 1–2 ms
  • ≥2 ms
  • Minuten bis Stunden
Schwerhörigkeit
Vestibuläre Symptome
Sonstiges
  • Tinnitus
  • Trommelfellriss
    • Blutungen aus dem Gehörgang
  • Gehörknöchelchenluxation möglich [2]

Diagnostik

  • Anamnese zur Erfassung des auslösenden Traumas
  • Tonschwellenaudiometrie (diagnostisches Hauptkriterium!): C5-Senke
    • Charakteristisch für akustische Traumen
    • Entspricht einem Hörverlust im Bereich der hohen Frequenzen um 4000 Hz (Bereich größter Hörschärfe)
    • Es sind sowohl Knochen- als auch Luftleitung betroffen
    • Bei akuten Schädigungen ist der Hörverlust potentiell reversibel
  • Überschwellige Audiometrie: Lautheitsunterschiede werden vom Patienten verstärkt wahrgenommen (= positives Recruitment)
  • Otoakustische Emissionen (OAE): Vermindert oder fehlend
  • Otoskopie

Therapie

Therapie der akuten Traumen [4][5]

  • Akutes Lärmtrauma: I.d.R. erholt sich das Gehör innerhalb von 24 h von selbst; ansonsten Therapieversuch wie bei Knalltrauma erwägen [3]
  • Knalltrauma: Analog zur Hörsturztherapie, siehe auch: Glucocorticoidtherapie bei Hörsturz [4]:
    • Frühzeitige medikamentöse Therapie anstreben
    • Hochdosiert systemische Glucocorticoidgabe
    • Intratympanale Injektion von Glucocorticosteroiden [6]: Bei Kontraindikationen für systemische Glucocorticoide kann eine intratympanale Injektion von Glucocorticosteroiden erfolgen
    • Keine Rheologika
    • Keine antiviralen Medikamente
    • Hyperbare Sauerstofftherapie
      • Aktuell keine Empfehlung , in Einzelfällen als Reservetherapie nach erfolgloser Glucocorticoid-Infusionstherapie
    • Posttraumatische Lärmkarenz empfehlen
  • Explosionstrauma
    • Analog zum Knalltrauma
    • Ggf. operative Versorgung
      • Bei Perilymphfistel bzw. Ruptur der Rundfenstermembran: Tympanoskopie und ggf. Abdeckung der Fistel
      • Bei Trommelfellperforation: Lokale Trommelfellaufrichtung und Trommelfellschienung in Lokalanästhesie möglich
      • Bei Luxation der Gehörknöchelchen: Tympanoplastik im Verlauf

Therapie der chronischen Traumen

Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit

Zur Anerkennung als Berufskrankheit muss neben dem Vorliegen der beidseitigen Schallempfindungsstörung und den typischen Untersuchungsergebnissen nachgewiesen sein, dass sich die Schwerhörigkeit im Rahmen der Berufstätigkeit und bei adäquater Lärmexposition (≥85 dB) entwickelt hat!

Ein Verdacht auf Lärmschwerhörigkeit muss bei der zuständigen Berufsgenossenschaft gemeldet werden!

Lärmgrenzen am Arbeitsplatz

  • Allgemein: Eine Verzehnfachung der Schallleistung wird etwa doppelt so laut gehört und führt zu einer Erhöhung des Schallpegels um 10 dB
  • Rechtliche Lärmgrenzen am Arbeitsplatz
    • Ab einem Lärmpegel von 80 dB muss der Arbeitgeber Gehörschutz bereitstellen
    • Bei einem Tageslärm-Expositionspegel >85 dB oder einem Spitzenschalldruckpegel >137 dB muss Gehörschutz getragen werden
  • Empfohlene Lärmgrenzen am Arbeitsplatz
    • Bei höherer geistiger Anforderung: 55 dB
    • Bei Routinetätigkeit: 70 dB

Prognose

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2020

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2020, DIMDI.