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Blutkulturen

Letzte Aktualisierung: 12.6.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Mithilfe von Blutkulturen können im Blut vorhandene Erreger genau identifiziert und einer spezifischen Resistenztestung unterzogen werden. Dies erlaubt eine effektivere, individualisierte antibiotische Therapie, durch die die Letalität gesenkt, die Prognose verbessert und die Liegedauer verkürzt wird. Zudem kann durch den Einsatz spezifischerer Antibiotika mit schmalerem Wirkspektrum (anstelle einer empirischen Gabe von Breitspektrumantibiotika) eine antimikrobielle Übertherapie vermieden und so der zunehmenden Resistenzentwicklung entgegengewirkt werden.

Studien haben gezeigt, dass ein erfolgreicher Keimnachweis im klinischen Alltag sehr viel seltener als unter kontrollierten Studienbedingungen gelingt, was auf Fehler in der Durchführung einer Blutkulturentnahme zurückgeführt wird. Hieraus erklärt sich die Bedeutung einer korrekten Technik bei der Blutkulturentnahme.

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Grundlagentoggle arrow icon

Definitionen

Blutkultur

  • Mikrobiologische Untersuchung von Blutproben zum Nachweis von Mikroorganismen im Blut
    • Standardbebrütungszeit: 5 d
    • Verlängerte Bebrütungszeit: Bis zu 14 d (entsprechende Anforderung an die Mikrobiologie notwendig)

Positive Blutkultur [2]

Negative Blutkultur

  • Blutkultur ohne Nachweis von Mikroorganismen
    • Korrekter Befund
    • Falsch-negativer Befund (i.d.R. durch fehlerhafte Abnahme/Bearbeitung)

Ziele [4]

Therapiepflichtige Erreger [5]

Interpretationsbedürftige Erreger [2][5]

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Indikationtoggle arrow icon

Verzichtskriterien

Bevor auf Blutkulturen verzichtet werden kann, muss die betroffene Person zunächst klinisch evaluiert werden!

Bei V.a. Sepsis, Infektionen mit hoher Vortestwahrscheinlichkeit einer Blutstrominfektion und/oder Risikofaktoren für einen septischen Verlauf sollte nicht auf Blutkulturen verzichtet werden!

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Material zur Durchführungtoggle arrow icon

  • Stauschlauch
  • Desinfektionsmittel
  • Keimarme Tupfer
  • Einmalhandschuhe, ggf. sterile Handschuhe
  • Mind. 2 Blutkultursets
  • Punktionsnadeln
  • Abwurf
  • Pflaster

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Ablauf/Durchführungtoggle arrow icon

Entnahmezeitpunkt

  • Vor Beginn einer antiinfektiven Therapie
    • Bei unwirksamer antiinfektiver Therapie: Vor Therapieumstellung
  • Serielle Entnahmezeitpunkte: I.d.R. nicht notwendig
  • Fieberanstieg abwarten: Nicht sinnvoll

Blutkulturen sollten immer vor Beginn einer antiinfektiven Therapie abgenommen werden, die Behandlung aber (insb. bei Sepsis) nicht wesentlich verzögern!

Praktisches Vorgehen

  1. Blutkulturflaschen beschriften oder etikettieren
    • Mind. 2 Blutkultursets (also 4 Blutkulturflaschen) [8]
  2. Blutentnahme vorbereiten: Streng aseptisch!
    • Hygienische Händedesinfektion
    • Einmalhandschuhe benutzen
    • Einstichmembran der Blutkulturflaschen desinfizieren und trocknen lassen
    • Punktionsstelle desinfizieren (Einwirkzeiten des verwendeten Hautdesinfektionsmittels beachten)
    • Erneute Palpation der Vene nur mit sterilen Handschuhen (falls notwendig)
  3. Blut abnehmen und Blutkultursets beimpfen
    • Blutentnahme aus einer Punktionsstelle (Single-Site-Sampling) [9]
      • Bevorzugt aus peripherer Vene, bspw. V. cubitalis
      • Keine Venenpunktion durch veränderte Haut (insb. Entzündung, Ekzem)
    • Zunächst 1–2 mL abnehmen und verwerfen [8]
    • Blutvolumen von 10–15 mL pro Blutkulturflasche abnehmen
    • Blutkulturflaschen in beliebiger Reihenfolge beimpfen
      • Luftinjektion in die anaerobe Blutkulturflasche unbedingt vermeiden! [1]
  4. Anforderungsschein ausfüllen und Proben schnellstmöglich ins Labor transportieren
    • Patientendaten abgleichen (insb. Name, Vorname und Geburtsdatum)
    • Datum, Uhrzeit, Entnahmeort
    • Relevante anamnestische Angaben eintragen
    • Zusätzliche Hinweise
    • Lagerung und Transport bei Raumtemperatur

Eine aseptische Blutentnahme ist essenziell – bei unzureichender Desinfektion besteht die Gefahr einer Kontamination der Blutkultur!

Blutkulturen aus Gefäßkathetern

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Interpretation/Befundtoggle arrow icon

Positive Blutkultur

Positive Blutkultur – Interpretation [2][8]
Hinweise Blutstrominfektion Kontamination
Erregernachweis
  • Therapiepflichtige Erreger in ≥1 Blutkultur
  • Interpretationsbedürftige Erreger in ≥2 Blutkulturen
  • Interpretationsbedürftige Erreger in max. 1 Blutkultur
Erregereigenschaften

Passend zur vermuteten Infektion

Passend zum Befund anderer Erregernachweise

Time to Positivity (TTP)
  • <24 h [10][11]
  • >24 h
Klinische/laborchemische Infektionszeichen
Weiteres Vorgehen
  • Gezielte antibiotische Therapie einleiten bzw. bisherige (kalkulierte) Therapie anpassen
  • Ggf. 48–72 h nach Therapiebeginn/-umstellung erneut Blutkulturen abnehmen (Verlaufskontrolle)
  • Bei weiterhin bestehendem V.a. Blutstrominfektion: Unverzüglich erneut Blutkulturen abnehmen
  • Keine antiinfektive Therapie beginnen [2]

Negative Blutkultur

  • Ausschluss von falsch-negativen Ergebnissen notwendig
  • Hinweise auf ein falsch-negatives Ergebnis
  • Weiteres Vorgehen
    • Falsch-negatives Ergebnis wahrscheinlich: Unverzüglich erneut Blutkulturen abnehmen
    • Plausibles negatives Ergebnis wahrscheinlich: Begonnene antiinfektive Therapie ggf. beenden

Bei Unsicherheiten oder im Zweifelsfall sollte immer Rücksprache mit dem Antibiotic-Stewardship-Team (oder der Infektiologie bzw. Mikrobiologie) gehalten werden!

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Blutkulturen bei gefäßkatheterassoziierten Infektionentoggle arrow icon

  • Definition: Blutstrominfektion bei vorhandenem Gefäßkatheter ohne Hinweis auf einen anderen Infektfokus
    • Inkl. Kathetern, die ≤48 h vor Blutentnahme entfernt wurden
  • Diagnostik
    • „Gepaarte“ Blutkultursets abnehmen: Jeweils ein Blutkulturset aus dem verdächtigten Katheter und einer peripheren Vene
      • Die ersten 5 mL Blut nicht verwerfen
      • Ggf. Blutkulturen aus verschiedenen Schenkeln des Kathetersystems abnehmen
    • Differential Time to Positivity (DTP) anfordern: Zeitdifferenz zwischen einem Erregernachweis in verschiedenen Blutkultursets
      • Nachweis des gleichen Krankheitserregers in Katheter-Blutkulturen >2 h früher als in peripher-venösen Blutkulturen: Katheterassoziierte Infektion wahrscheinlich (positive DTP)
      • Keine oder nur geringere zeitliche Differenz: Katheterassoziierte Infektion nicht ausgeschlossen, aber deutlich unwahrscheinlicher
    • Mikrobiologische Untersuchung der Gefäßkatheterspitze
      • Klinische Relevanz abhängig von der Keimzahl nachgewiesener Erreger
  • Nachweis von gefäßkatheterassoziierten Infektionen
    • Gefäßkatheter als Infektfokus gesichert: Nachweis des jeweils gleichen Erregers (ggf. mit demselben Resistenzmuster)
      • Peripher-venös und an der Katheterspitze
      • In Blutkultur und Wundabstrich der Eintrittsstelle (bei lokaler Infektion)
    • Gefäßkatheter als Infektfokus wahrscheinlich
      • DTP zwischen Gefäßkatheter und peripherer Vene >2 h
      • DTP zwischen verschiedenen Schenkeln des Gefäßkatheters <2 h
  • Weiteres Vorgehen

Um eine sichere diagnostische Aussage bzgl. der DTP zu ermöglichen, müssen die eingesendeten Blutkulturpaare eindeutig mit Ort und Zeit der Entnahme gekennzeichnet sein! Bei positiver DTP sind alle intravasalen Katheter zu entfernen!

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Sepsis: Neue Leitlinie, neue Pflichtfortbildung (Februar 2026)

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