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Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS…)

Abstract

Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel ist eine Erkrankung des Innenohrs. Er wird hervorgerufen durch Fragmente von Otolithen, die sich aus der Wandung des Endolymphraumes gelöst haben und nun in der innersten Flüssigkeit (Endolymphe) des Gleichgewichtsorgans „schwimmen“. Bei bestimmten Bewegungen ändern die abgelösten Otolithenfragmente ihre Position, stören damit den Gleichgewichtssinn und führen zu Drehschwindelattacken von bis zu 60 Sekunden. Zur Diagnose werden Lagerungsmanöver eingesetzt, die die Drehschwindelattacke auslösen – die Therapie erfolgt ebenfalls über Lagerungsmanöver, die dann die Otolithen abfließen lassen.

Epidemiologie

  • Häufigste peripher-vestibuläre Schwindelform
  • Häufigkeitsgipfel: 60. Lebensjahr

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

  • Häufig idiopathische oder seltener traumatische Kanalolithiasis/Cupulolithiasis (→ Pathophysiologie)

Pathophysiologie

  • Lösen von Otolithenfragmenten
  • Bewegungsabhängige Auslenkung der Cupula durch Einwirkung der Otolithen
  • Typische auslösende Bewegungen
    • Nächtliches Drehen des Körpers im Bett, schnelles Hinlegen
    • Rasche Kopfdrehung, v.a. Kopfwendung nach oben (Kopfreklination)

Betroffen sind in 95% der Fälle die hinteren (vertikalen) Bogengänge!

Symptome/Klinik

  • Allgemein: Plötzliche, rezidivierende, lagerungsabhängige Attacken für wenige Sekunden (meist <60 Sekunden) mit Drehschwindel, Nystagmus und Übelkeit
  • Hinterer (vertikaler) Bogengang betroffen (95%)
  • Lateraler (horizontaler Bogengang) betroffen (ca. 5%) [3][1]
    • Nach Provokation: Sofort oder nach kurzer Latenz einsetzender horizontaler Nystagmus

Der paroxysmale Lagerungsschwindel verursacht keine kochleären Symptome: keine Hörminderung, kein Tinnitus!

Diagnostik

Klinische Untersuchung

  • Provokationstest durch rasches Hinlegen des Patienten
    • Z.B. Hallpike-Manöver (siehe auch Videos bei Tipps & Links)
    • Es gibt viele Varianten von Provokationstests [4]

Differentialdiagnosen

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

  • Befreiungsmanöver nach Epley
    • Indikation: Bei Lagerungsschwindel der hinteren (vertikalen) Bogengänge
    • Ziel: Otolithen durch koordinierte Bewegungen und Unterstützung der Schwerkraft aus den Bogengängen entfernen
    • Ablauf
      1. Patient sitzt auf einer Liege und dreht seinen Kopf um 45° zur betroffenen Seite
      2. Patient wird (unter Beibehaltung der Kopfposition) rasch auf den Rücken gelegt, wobei der Kopf leicht über den Rand der Untersuchungsliege hängt → Schwindelsymptomatik sollte ausgelöst werden
      3. Abklingen der Schwindelsymptomatik abwarten (ca. 30 Sek.), dann Kopf um 90° zur anderen (nicht betroffenen) Seite drehen
      4. 30 Sek. warten und den Patienten dann um weitere 90° auf die nicht betroffene Seite drehen
      5. Weitere 30 Sek. warten und den Patienten dann aufsetzen
      6. Evtl. erneute Durchführung des Manövers, wenn Symptomatik weiterhin besteht → Erfolgsrate (nach mehrfacher Durchführung) >90%
  • Alternative: Befreiungsmanöver nach Semont (siehe auch Video bei Tipps & Links)
    • Indikation: Bei Lagerungsschwindel der hinteren (vertikalen) Bogengänge
    • Ziel: Otolithen durch koordinierte Bewegungen und Unterstützung der Schwerkraft aus den Bogengängen entfernen
    • Ablauf
      1. Patient sitzt auf Liege und dreht seinen Kopf um ca. 45° zur nicht betroffenen Seite
      2. Unter Beibehaltung der Kopfposition wird der Patient für mind. 60 Sek. auf die kranke Seite gelegt
      3. Nun wird der Patient um 180° von der betroffenen Seite auf die gesunde Seite gelagert, die Kopfposition wird dabei nicht verändert
      4. Nach mind. 60 Sek. in dieser Position wird der Patient in Ausgangsposition aufgesetzt
      5. Evtl. erneute Durchführung des Manövers [5]
  • Bei Lagerungsschwindel der lateralen Bogengänge: Modifiziertes Befreiungsmanöver nach Epley oder nach Gufoni
  • Ggf. chirurgische Obliteration des betroffenen Bogengangs, wenn keine Besserung durch Repositionsmanöver

Antivertiginosa (z.B. Dimenhydrinat) wirken beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel nicht therapeutisch! Bei starker Übelkeit können sie den Patienten aber vor Durchführung des Lagerungsmanövers verabreicht werden.

Prognose

  • Befreiungsmanöver meist erfolgreich, aber Rezidive relativ häufig

Patienteninformationen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.