Die aufgeführten Informationen richten sich an Studierende sowie Angehörige eines Heilberufes und ersetzen keinen Arztbesuch. Disclaimer aufrufen.

banner image

amboss

Fachwissen für Mediziner im ärztlichen Alltag und Studium

Kostenfrei testen

Transfusion von Plasmakonzentraten - AMBOSS-SOP

Letzte Aktualisierung: 15.5.2020

Indikationtoggle arrow icon

Grundsätzlich sollte aufgrund möglicher Transfusionsreaktionen und -komplikationen eine kritische Indikationsstellung erfolgen. Für genaue Informationen siehe: Indikationsstellung zur Transfusion von Plasmakonzentraten

Plasmakonzentrate eignen sich nicht zur Therapie von Hämophilien oder zur Antagonisierung einer Antikoagulation! Hier sind spezifischere Therapiemöglichkeiten erforderlich (bspw. Gabe von Gerinnungsfaktoren, PPSB, Antidot-Gabe) erforderlich!

Zur Gabe von Plasmakonzentraten bei Massivtransfusion siehe: Massivtransfusion - AMBOSS-SOP

Faustregel für Mengenberechnung

1 mL Plasma pro kgKG erhöht den Quick-Wert normalerweise um 1% und die Gerinnungsfaktoren um 1 IE/dL. Bei hohem Umsatz an Gerinnungsfaktoren kann der Effekt deutlich geringer sein!

Für eine wirksame Therapie ist die Gabe hoher Volumina notwendig!

Aufklärung und Einwilligung [1][2]

  • Gemäß den allgemeinen Grundsätzen, siehe: Aufklärungspflicht
  • Im lebensbedrohlichen Notfall: Ggf. Verzicht auf Aufklärung unter Beachtung des mutmaßlichen Patientenwillens

Not kennt kein Gebot! Ist eine Transfusion lebensrettend erforderlich, tritt die Aufklärungspflicht in den Hintergrund!

Anforderung [1][2]

  • Verschreibung und Anforderung: Per Anforderungsschein (mit Patientenetikett) oder über digitales Anforderungssystem
  • Identitätssicherung und Blutentnahme: Alle Blutröhrchen vor Abnahme mit Patientenetikett versehen und Identität des Patienten feststellen
    • Abnahme von insg. 3 Monovetten und Einsendung in das Labor
    • Untersuchungsumfang: Bestimmung der Blutgruppen im AB0-System, bei zusätzlicher EK-Gabe auch des Rhesus-Systems sowie bei komplizierter Transfusionsanamnese ggf. weiterer Blutgruppenmerkmale oder immunhämatologische Diagnostik
  • Abholung: Mit einer Kopie des Anforderungsscheins, Arzt erhält bei Abholung Begleitschein

Prüfung des Plasmakonzentrats vor Transfusion [1][2]

  • Datenabgleich
    • Chargennummer des Plasmakonzentrats mit der dokumentierten Chargennummer auf dem Begleitschein
    • Patientenangaben (Name, Vorname, Geburtsdatum) auf dem Plasmakonzentrat mit den Daten auf dem Begleitschein
  • Kompatibilitätsprüfung: Übereinstimmung prüfen von AB0-Blutgruppe auf dem Etikett des Plasmakonzentrats mit der Blutgruppe des Patienten nach aktueller Bestimmung
AB0-Kompatibilität bei Plasmatransfusion
Blutgruppe Patient Kompatibles Plasmakonzentrat
A A oder AB
B B oder AB
AB AB
0 0, A, B oder AB
  • Verfallsdatum und Gültigkeit: Verfallsdatum des Plasmakonzentrats auf dem Etikett prüfen
  • Visuelle Prüfung: Äußere Beschädigung, Gerinnselbildungen, Verfärbungen und sonstige Auffälligkeiten

Genau wie bei EKs werden auch Plasmakonzentrate AB0-gleich transfundiert. Vor Transfusionsbeginn muss daher die AB0-Kompatibilität von Patient und Blutkonserve kontrolliert werden!

Universalplasma (Blutgruppe AB) sollte nur in absoluten Notsituationen AB0-ungleich transfundiert werden, da es sehr selten ist!

Vorbereitung des Plasmakonzentrats für die Transfusion [1][2][3]

Die Vorbereitung hängt davon ab, ob FFP oder gefriergetrocknetes Plasma verwendet wird.

FFP: Auftauen und Anstechen

  • Auftauen: Nur mittels speziell hierfür zugelassener Auftaugeräte (Dauer ca. 30 Min.)
  • Sauberes Arbeiten: Händedesinfektion und Anziehen von Handschuhen
  • Spezielle Materialien: Normiertes Transfusionsbesteck mit Standardfilter mit einer Porengröße von 170–230 μm
  • Blutkonserve anstechen: Vollständiges Einführen des Dorns des Transfusionsbestecks in den Transfusionsstutzen der Blutkonserve unter Vermeidung einer Kontamination
    • Keine Kraftspiele: Geduldige, leicht drehende Bewegungen beim Einführen des Dorns helfen, eine grobe Kraftanwendung ist i.d.R. zwecklos und frustrierend!
  • Befüllen von Tropfkammer und Schlauchsystem
    • Filterniveau der Tropfkammer beachten: Die Tropfkammer sollte ein Stück weit über dem Niveau des Filters befüllt sein
    • Schlauchsystem luftfrei befüllen: Luftfreies Befüllen des Schlauchsystems bis zum Auslaufen eines Tropfens aus dem Schlauchsystem auf einen zurechtgelegten Wattetupfer, auf Luftbläschenbildung achten

Gefriergetrocknetes Plasma: Rekonstitution und Anstechen

Vor dem Anschließen an das Transfusionsbesteck muss gefriergetrocknetes Plasma (Pulver) mit Wasser aufgelöst werden (sog. Rekonstitution).

  • Sauberes Arbeiten: Händedesinfektion und Anziehen von Handschuhen
  • Spezielle Materialien
  • Rekonstitution
    • Schutzkappe von Pulver- und Injektionswasserflasche entfernen
    • Flaschenstopfen desinfizieren
    • Transfersystem erst in die Injektionswasserflasche einstechen, danach mit der anderen Seite in das Plasmakonzentrat (diese ist dabei oben)
    • Umdrehen der Flaschen, sodass Injektionswasser in das Pulver läuft
    • Leichtes Schwenken (nicht schütteln!) der Flaschen, bis Pulver komplett gelöst ist
  • Blutkonserve anstechen: Vollständiges Einführen des Dorns des Transfusionsbestecks in den Transfusionsstutzen der Blutkonserve unter Vermeidung einer Kontamination
    • Keine Kraftspiele: Geduldige, leicht drehende Bewegungen beim Einführen des Dorns helfen, eine grobe Kraftanwendung ist i.d.R. zwecklos und frustrierend!
  • Befüllen von Tropfkammer und Schlauchsystem
    • Filterniveau der Tropfkammer beachten: Die Tropfkammer sollte ein Stück weit über dem Niveau des Filters befüllt sein
    • Schlauchsystem luftfrei befüllen: Luftfreies Befüllen des Schlauchsystems bis zum Auslaufen eines Tropfens aus dem Schlauchsystem auf einen zurechtgelegten Wattetupfer, auf Luftbläschenbildung achten

Zusätzliches Erwärmen von Plasmakonzentraten [1]

  • I.d.R. weder notwendig noch sinnvoll
  • Ausnahmen: Ein Aufwärmen des Plasmakonzentrats durch hierfür geeignete Apparaturen (bei max. 42 °C) ist sinnvoll und erforderlich bei

Ein zusätzliches Erwärmen auf Körpertemperatur oder darüber hinaus ist nur bei Massivtransfusion oder in speziellen Indikationen erforderlich!

Vorbereitung des Patienten [1][2][3]

  • Venöser Zugang: Vorgehen der Wahl ist ein periphervenöser Zugang, es sollten außer kristalloider Infusionslösung zur Spülung keine weiteren Medikamente über den Zugang verabreicht werden
    • Transfusion über ZVK: Nur als Notlösung, separaten ZVK-Schenkel verwenden, vor und nach der Transfusion großzügig mit isotonischer Kochsalzlösung spülen
  • Patientenlagerung: Sitzend oder liegend mit möglichst horizontaler und bequemer Lagerung des für die Transfusion verwendeten Arms

Identitätsprüfung und ggf. Bedside-Test [1][2][3]

  • Identitätsprüfung
    • Beim ansprechbaren Patienten: Frage nach Stammdaten wie Vornamen, Geburtsdatum, Schreibweise des Familiennamens
    • Beim nicht ansprechbaren Patienten: Identifizierung ggf. anhand eines Patientenarmbandes, Befragung der zuständigen Pflegekraft und Bitte um Bestätigung der Identität – jeglicher Zweifel ist zu beseitigen!
  • Bedside-Test (fakultativ): Mit einigen mL Blut des Patienten, ggf. Abnahme auch aus bestehendem venösem Zugang

Transfusion des Plasmakonzentrats [1][3]

Nach Transfusionsende [1][3]

  1. Richtlinie zur Gewinnung von Blut und Blutbestandteilen und zur Anwendung von Blutprodukten. Stand: 4. Oktober 2017. Abgerufen am: 28. Februar 2018.
  2. Strobel, Henschler: Korrekte Vorbereitung der Transfusion In: Der Anaesthesist. Band: 63, Nummer: 8-9, 2014, doi: 10.1007/s00101-014-2327-6 . | Open in Read by QxMD p. 703-714.
  3. Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten. Stand: 31. Dezember 2014. Abgerufen am: 1. November 2017.