• Klinik

Androgenresistenz (Goldberg-Maxwell-Morris-Syndrom…)

Abstract

Durch Androgenresistenz kann es trotz Vorliegen eines männlichen Genotyps (XY) zur Ausprägung eines weiblichen Phänotyps kommen. Hierbei existieren Varianten mit abgeschwächter Testosteronwirkung (z.B. mit Hypospadie) bis hin zur vollständigen Resistenz („testikuläre Feminisierung“). Klinisch zeigen sich die äußeren Geschlechtsorgane weiblich mit blind endender Vagina und oft fehlender sekundärer Geschlechtsbehaarung. Die inneren Geschlechtsorgane sind dagegen männlich mit intraabdominellen Hoden. Therapeutisch muss die Behandlung vom Rezeptorstatus und vor allem vom Phänotyp und der Geschlechtsidentität des betroffenen Kindes abhängig gemacht werden – je nachdem kommt eine Androgen- oder Östrogengabe in Frage. Eine operative Entfernung der zur Entartung neigenden, meist funktionslosen Hoden ist im Verlauf empfohlen.

Androgenresistenz

  • Genotyp: Männlich (XY)
  • Phänotyp
    • Je nach Ausprägung der Androgenresistenz
    • Weiblich (Pseudohermaphroditismus masculinus) bis männlich
  • Erbgang: X-chromosomal-rezessiv
  • Ätiologie: Unterschiedlich ausgeprägte Endorganresistenz gegenüber Androgenen (Androgenrezeptordefekt oder postrezeptorische Störung)
  • Klinik
  • Diagnostik
    • Präpubertär: Testosteron↑↑ (hypergonadotroper Hypergonadismus)
    • Postpubertär: Hohe LH-Spiegel und hochnormale/erhöhte Testosteronspiegel (bei fehlender Virilisierung)
    • Direkte Genanalyse (Androgenrezeptordefekt)
  • Therapie
    • Therapieansatz hängt vom Rezeptorstatus und vor allem vom Phänotyp und der Geschlechtsidentität des betroffenen Kindes ab
    • Evtl. Hormontherapie (keine allgemeinen Empfehlungen)
      • Eher männlicher Phänotyp (inkomplette Resistenz) → Hochdosierte Androgentherapie
      • Weiblicher Phänotyp (komplette Resistenz) → Östrogentherapie
    • Intraabdominelle Hoden haben ein hohes malignes Entartungsrisiko → Operative Entfernung

Differentialdiagnosen

5-alpha-Reduktasemangel

  • Synonym: Perineoskrotale Hypospadie mit Pseudovagina (PHP)
  • Ätiologie:
    • Verschiedene Mutationen auf Chromosom 2
    • Betrifft ausschließlich Personen mit einem männlichen Genotyp (XY)
  • Pathophysiologie
    • Defekt der 5-alpha-Reduktase: Testosteron wird nicht in Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt → Fehlende Virilisierung der Geschlechtsorgane, die DHT-abhängig sind (insb. äußeres Genitale)
  • Klinik
    • Bei Geburt meist weiblich erscheinendes äußeres Genitale, ggf. mit perineoskrotaler Hypospadie, Klitorishypertrophie und Pseudovagina; inneres Genitale hingegen männlich
    • In der Pubertät durch zunehmende Testosteronsynthese Virilisierung (Peniswachstum, Descensus testis, Entwicklung einer männlichen Geschlechtsidentität)
  • Diagnostik
  • Therapie: In Abhängigkeit von der angenommenen Geschlechtsidentität
    • Bei weiblicher Geschlechtsidentität und Wunsch, diese beizubehalten: Entfernung der Hoden, Substitution von Östrogen und Gestagen nach Abschluss des Längenwachstums
    • Bei männlicher Geschlechtsidentität bzw. frühzeitig weitgehend männlichem Genitale: ggf. Testosteronsubstitution

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

  • E34.-: Sonstige endokrine Störungen
    • E34.5-: Androgenresistenz-Syndrom
      • Androgen-Insensitivität
      • Periphere Hormonrezeptorstörung
      • Pseudohermaphroditismus masculinus mit Androgenresistenz
    • E34.50: Partielles Androgenresistenz-Syndrom
      • Partielle Androgen-Insensitivität [PAIS]
      • Reifenstein-Syndrom
    • E34.51: Komplettes Androgenresistenz-Syndrom
    • E34.59: Androgenresistenz-Syndrom, nicht näher bezeichnet

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.