Zusammenfassung
Zentrale Venenkatheter (ZVK) sind unverzichtbar für die Versorgung schwer erkrankter Patient:innen, bergen jedoch ein erhöhtes Risiko für Infektionen und Komplikationen. Unsachgemäßes oder nicht-hygienisches Arbeiten kann schwerwiegende Folgen bis hin zur Kathetersepsis haben. Dieses Training zur ZVK-Pflege vermittelt grundlegendes Wissen und praxisnahe Maßnahmen für einen sicheren und hygienischen Umgang mit zentralvenösen Kathetern im Arbeitsalltag. Nach diesem Kurs ist dir bekannt:
- Welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten Pflegefachpersonen im Umgang mit dem ZVK haben
- Warum konsequent aseptisches Arbeiten bei jedem Arbeitsschritt unerlässlich ist
- Wie Verbandswechsel und Kontrollen der Einstichstellen fachgerecht durchgeführt werden
- Wie die Durchgängigkeit eines ZVK sicher und hygienisch überprüft wird
- Was beim Verabreichen von Infusionen zu beachten ist
- Welche Anzeichen auf eine katheterassoziierte Sepsis hinweisen
- Wann ärztliche Rücksprache erforderlich ist und ein ZVK entfernt werden muss
- Wie eine lückenlose Dokumentation zur Patientensicherheit und Qualität beiträgt
Definition
Die Pflege eines zentralvenösen Katheters umfasst alle pflegerischen Maßnahmen zur sicheren Erhaltung, Kontrolle und Nutzung des ZVK, solange dieser liegt. Ziel ist es aber v.a., Infektionen und weitere Komplikationen zu vermeiden, die Durchgängigkeit zu sichern und Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Grundsätzlich gilt: Der ZVK ist ein Hochrisikozugang! Jede Manipulation erfordert konsequent aseptisches Arbeiten!
Zuständigkeiten bei ZVK
- Ärztliche Aufgaben
- Pflegerische Aufgaben
- Assistenz unter sterilen Bedingungen
- Kontrolle
- Verbandswechsel
- Spülung
- Anhängen von Infusionen
- Erkennen und Melden von Komplikationen
- Messung des zentralvenösen Drucks (ZVD)
- Delegierbar
- Entfernung des ZVK nach ärztlicher Anordnung und bei entsprechender Qualifikation
Vor- und Nachteile des ZVK
Vorteile
- Sichere Medikamentengabe: Für Arzneimittel mit kurzer Halbwertszeit oder herznahem Wirkungsort geeignet
- Schonung peripherer Venen: Auch für reizende oder stark konzentrierte Lösungen geeignet
- Multilumenfunktion: Gleichzeitige Verabreichung inkompatibler Medikamente über getrennte Lumina möglich
- Zugang bei schlechtem Venenstatus: ZVK bleibt i.d.R. verfügbar und ist dann Alternative zu peripherer Verweilkanüle
- Erweiterte Diagnostik: Messung des zentralen Venendrucks (ZVD) und Entnahme zentralvenösen Blutes möglich
- Wiederholte Blutentnahme möglich: Geeignet bei häufigem Laborkontrollbedarf, da keine wiederholten Venenpunktionen erforderlich sind
Nachteile und Risiken
- Infektionsrisiko: Gefahr einer bakteriellen Kolonisation bis hin zur Kathetersepsis
- Komplikationen bei der Anlage: Risiko für Pneumothorax, Hämatothorax oder arterielle Fehlpunktion
- Thrombosegefahr: Erhöhtes Risiko für katheterassoziierte Thrombosen oder Thrombophlebitis
- Mechanische Komplikationen: Bspw. Herzrhythmusstörungen, Luft- oder Drahtembolien
- Hoher Pflegeaufwand: Strikte aseptische Bedingungen und Fachwissen erforderlich
- Limitierte Volumengabe: Für rasche Volumentherapie ungeeignet
- Verletzung umliegender Strukturen: Risiko für Nervenläsionen oder Lymphfisteln
Nutze den ZVK als Werkzeug zur Gabe mehrerer Lösungen und zur Messung des zentralen Venendrucks. Wenn es aber im Notfall nur darum geht, schnell viel Volumen zu geben, ist er nicht die beste Wahl!
ZVK als Risikofaktor für Sepsis
- ZVK = direkter Weg für Erreger zum Herzen
- Keimeintritt bei mangelnder Hygiene: Entlang des Katheters (extraluminal) oder über Konnektionsstellen (intraluminal) → Katheterassoziierte Sepsis möglich
- Bei Fieber, Schüttelfrost oder Verschlechterung des Allgemeinzustands ohne Fokus: ZVK als Ursache in Betracht ziehen
Es gilt: Je öfter am ZVK interveniert werden muss, desto größer ist das Infektionsrisiko! Die Messung des zentralvenösen Drucks (ZVD) erfordert bspw. mehrere Manipulationen am ZVK. Deshalb sollte sie nur bei klarer medizinischer Indikation, nach ärztlicher Anordnung und unter streng aseptischen Bedingungen durchgeführt werden.
Bei begründetem Verdacht muss der Katheter umgehend (nach ärztlicher Anordnung) gezogen werden! Die Katheterspitze ist dabei steril abzuschneiden und zur mikrobiologischen Untersuchung einzuschicken, um den Erreger zu identifizieren und die Sepsis gezielt therapieren zu können!
Pro 1.000 „Katheterliegetage“ treten statistisch etwa zwischen 1 und 14 Infektionen durch zentrale Venenkatheter auf!
Pflegerische Aufgaben bei ZVK-Anlage
Die Anlage eines ZVK ist die Aufgabe der Mediziner:innen, nicht der Pflegefachpersonen. Diese können aber assistieren.
Was keimfrei reingeht, bleibt auch länger drin! Steriles Vorgehen ist bei diesen Arbeitsschritten essenziell und schützt vor Infektionen sowie Sepsis!
- Pflegerische Assistenz unter sterilen Bedingungen
- Ärzt:innen bei der Anlage unterstützen
- Material anreichen
- Sterile Arbeitsweise einhalten
- Vorbereitung des Materials
- Benötigte Utensilien bereitstellen
- Auf Vollständigkeit, Sterilität und Haltbarkeit kontrollieren
- Sicherstellung der Hygienestandards
- Hygienische Händedesinfektion
- Sterile Schutzkleidung und Handschuhe tragen
- Arbeitsfeld steril abdecken
- Unterstützung bei der Lagerung
- Bei der korrekten Positionierung der betroffenen Person mithelfen
- Beobachtung der behandelten Person
- Auf Unruhe, Schmerzen oder Komplikationszeichen während der Anlage beobachten
- Der anlegenden Person rückmelden
- Allgemeine Sicherheitsaspekte bei der Pflege
- ZVK durch Annaht (mittels „Luftknoten“, einige Millimeter über Hautniveau) sichern
- Schlauchaustrittsbereich zusätzlich mit Pflasterstreifen zugentlasten
- Alle nicht-genutzten Schenkel jederzeit mit Verschlusskappen geschlossen halten
Eine lückenlose Dokumentation ist für die Nachvollziehbarkeit essenziell! Am Rand des Verbands ist das Datum des letzten Verbandswechsels zu vermerken! Die Mediziner:innen dokumentieren Datum und Uhrzeit der Anlage, Anlagestelle (bspw. V. jugularis interna rechts), Einführtiefe (Skalierung am Katheter) und Zustand der Einstichstelle.
Infektionsprävention bei ZVK-Infusionen
Infusion am einzelnen Schenkel anschließen
- Hygienische Händedesinfektion
- Einmalhandschuhe anziehen (nach der Einwirkzeit des Händedesinfektionsmittels)
- Schenkel des ZVK gründlich sprühdesinfizieren (Einwirkzeit beachten)
- Desinfektionsmittel, das in das Lumen gekommen ist, auf steriler Kompresse ausschütteln
- Schenkel mit Klemme abklemmen
- Verschluss entfernen
- 10–20 mL NaCl 0,9% in eine Spritze aufziehen
- Spritze ansetzen, Klemme öffnen und spülen
- Danach wieder abklemmen und Spritze entfernen
- Infusion anschließen (vorher entlüftete Leitung, Zusammenschluss mit Luer-Lock-Verbindung)
- Klemme öffnen und Infusion mit gewünschter Tropfgeschwindigkeit infundieren
Infusion an einen Dreiwegehahn anschließen
- Hygienische Händedesinfektion
- Einmalhandschuhe anziehen (nach vollständiger Einwirkzeit des Händedesinfektionsmittels)
- Dreiwegehahn bzw. Konnektionsstelle gründlich sprühdesinfizieren (Einwirkzeit beachten)
- Stellung des Dreiwegehahns prüfen und den Weg zum Infusionssystem zunächst schließen
- 3-Wege-Hahn: 3 Luer-Lock-Anschlüsse + 1 Drehventil
- Pfeile auf Ventilarmen: Zeigen geöffnete Ventile an; Arm im 90°-Winkel: Geschlossenes Ventil
- 45°-Zwischenstellung zum Verschluss aller Ventile: Nicht empfohlen (Verstellgefahr!)
- Ggf. ZVK-Schenkel zusätzlich mit der Klemme abklemmen
- Verschlusskappe am Dreiwegehahn entfernen
- 10–20 mL NaCl 0,9% in eine Spritze aufziehen
- Ggf. Blut aspirieren (nach hausinternem Standard)
- Spritze am Dreiwegehahn ansetzen
- Schenkel öffnen und den ZVK langsam mit NaCl 0,9% spülen
- ZVK-Schenkel erneut verschließen und Spritze entfernen
- Zuvor entlüftete Infusionsleitung über eine Luer-Lock-Verbindung am Dreiwegehahn anschließen
- Dreiwegehahn so einstellen, dass die Infusion zum ZVK geöffnet ist
- Infusion mit der gewünschten Tropfgeschwindigkeit laufen lassen
Sterile Verschlussstopfen stets bereithalten! Nach der Infusionsgabe oder Spülung darf die alte Verschlusskappe nicht mehr verwendet werden. Es muss ein neuer steriler Verschlussstopfen aufgeschraubt werden!
Verbandswechsels bei ZVK
Funktion
- Wundkontrolle: Kontrolle der Einstichstelle auf Infektionszeichen
- Infektionsprophylaxe: Schutz vor Keimeintritt an der Eintrittsstelle des ZVK
- Mechanischer Schutz: Schutz vor äußeren Einflüssen und Zugbelastung durch geeignetes Verbandsmaterial
Durchführung
Vorbereitung: Pflegefachperson im Dienstzimmer
- Akteneinsicht: Informationen zu Indikation des ZVK, Lage, Anlagedatum, letztem Verbandswechsel und Besonderheiten einholen
- Ärztliche Anordnung: Muss vorliegen! → Aktualität überprüfen
- Schmerzmanagement: Ggf. rechtzeitige Schmerzmittelgabe veranlassen (nach Anordnung)
- Hygienestandards: An die Desinfektionsschritte denken und die sterilen Bedingungen einhalten
Benötigtes Material
Geboten sind eine hygienische Händedesinfektion vor jedem Materialkontakt sowie eine Flächendesinfektion des Pflegewagens!
- Schutzausrüstung: Mund‑Nasen‑Schutz, Schutzhaube, Schutzschürze
- Steriles Material: Sterile Handschuhe, steriles Abdecktuch, sterile Pinzette, sterile Kompressen
- Desinfektion: Hautantiseptikum (Schleimhautdesinfektionsmittel)
- Verband: Folienverband oder steriler Schlitzverband
- Fixierung: Pflasterstreifen
- Verbandablösung: NaCl 0,9%
- Unterlage: Wasserdichte Unterlage
- Flächendesinfektion: Für die Arbeits- oder Ablagefläche
- Wasserfester Stift: Für das Wechseldatum auf dem Verband
- Zusätzliche Utensilien: Abwurfbehälter und Sichtschutz (ggf. im Patientenzimmer vorhanden)
Vorbereitung: Pflegezimmer
- Information: Patient:in begrüßen, Maßnahme erklären, Einwilligung einholen
- Zustand: Allgemeinzustand beurteilen
- Umgebung: Bspw. Bett auf Arbeitshöhe, Fenster/Türen schließen, Sichtschutz und Abwurfbehälter bereitstellen
- Ablagefläche: Nachttisch (oder andere Ablagefläche) reinigen und desinfizieren
Vorbereitung: Pflegefachperson am Bett
- Händehygiene: Hygienische Händedesinfektion durchführen
- Schutzausrüstung: Schutzhaube, Mund‑Nasen‑Schutz und Schutzschürze anlegen
- ZVK‑Bereich: Kleidung entfernen, Unterlage unterlegen
- Einmalhandschuhe: Vor unsterilen Tätigkeiten und nach hygienischen Händedesinfektion anziehen
Einrichten der sterilen Arbeitsfläche
- Materialkontrolle: Haltbarkeit und Unversehrtheit prüfen
- Steriles Tuch: Mit Peel‑off‑Technik ausbreiten
- Anordnung: Sterile Kompressen, Pinzette, Hautantiseptikum und neuen Verband steril platzieren
Entfernen des alten Verbands
- Verbandablösung: Rand mit NaCl 0,9% befeuchten
- Abnahme: Verband vorsichtig zur Einstichstelle hin abziehen
- Inspektion: Rötung, Schwellung, Sekret oder Verkrustungen beurteilen
- Hygiene: Handschuhe und Verband entsorgen, Händedesinfektion durchführen
- Wundkontrolle: Auf Entzündungszeichen achten und Beobachtungen später dokumentieren
Anziehen steriler Handschuhe
- Sterile Technik: Händedesinfektion durchführen und Handschuhe nach hygienischem Standard anziehen
- Sterilität: Ab jetzt ausschließlich sterile Materialien berühren
Steril arbeiten oder von vorn anfangen! Berührt man in irgendeiner Form die sterile Fläche mit etwas Unsterilem (bspw. der ungeschützten Hand), gilt das Material als kontaminiert!
Reinigung der Einstichstelle
- Desinfektion: Tupfer mit Hautantiseptikum benetzen
- Wischtechnik: Von innen nach außen reinigen („Wisch‑und‑weg‑Prinzip“)
- Einwirkzeit: Mind. 60 s
Anlegen des neuen Verbands
- Positionierung: Folienverband mittig über der Einstichstelle platzieren
- Fixierung: Blasenfrei anbringen, Schlauchaustritt zusätzlich sichern
Beim ZVK-Verbandswechsel muss das Datum des Wechsels dokumentiert und auch sichtbar auf dem Verband selbst vermerkt werden!
Nachbereitung an der behandelten Person
- Kontrolle: Sitz des Verbands überprüfen
- Komfort: Person ankleiden und korrekt positionieren
- Hygiene: Schutzkleidung entsorgen, Händedesinfektion durchführen
Nachbereitung im Dienstzimmer
- Materialentsorgung: Einmalmaterialien entsorgen
- Aufbereitung: Pflegewagen desinfizieren, Instrumente ggf. zur Sterilisation weiterleiten
- Händehygiene: Abschließende Händedesinfektion
Dokumentation
- Einstichstelle: Zustand und umliegende Hautareale vor und nach dem Verbandswechsel
- Verwendetes Material: Bspw. Art des Verbands
- Zeitpunkt: Datum, Uhrzeit und durchführende Person
- Ggf. Zeitpunkt des nächsten geplanten Verbandswechsels (falls es noch keinen Standard dazu gibt)
- Besonderheiten: Auffälligkeiten wie Sekret oder Rötung
- Hygiene: Einhaltung der Hygienerichtlinien
Die Dokumentation muss die Einhaltung der Hygienemaßnahmen nach RKI-Richtlinien einschließen, um die Nachvollziehbarkeit und Qualitätssicherung zu gewährleisten!
Exkurs: Überprüfen der Einstichstelle auf Infektionszeichen
Der transparente Verband am ZVK hat mehrere Vorteile: Erstens muss er i.d.R. nicht so oft gewechselt werden , zweitens kann die Einstichstelle täglich auf Veränderungen und Entzündungszeichen geprüft werden, bspw.:
- Rötungen
- Schwellungen (Ödem)
- Überwärmung der Haut
- Hautveränderungen rund um den Verband
- Mazeration der Haut unter dem Verband
- Sekret
- Übermäßige Feuchtigkeit als mögliches Sepsisfrühzeichen
- Allergische Hautreaktionen
- Ablösung oder Faltenbildung des Verbands
- Katheterdislokation (Verschiebung, Zug auf dem Katheter)
- Fehlende oder verschobene Lagemarkierung
- Leckage oder Lumenverunreinigung
Nicht nur die Einstichstelle zählt, sondern auch die Person als Ganzes: Fieber, Schüttelfrost und Schmerzen können auf eine katheterassoziierte Sepsis hinweisen!
ZVK-Durchgängigkeitskontrolle
Zeitpunkte
- Bei der Anlage: Nach dem Einführen Blut aus allen Kanälen aspirieren und anschließend mit NaCl nachspülen, sodass keine stehende Blutsäule sichtbar bleibt
- Vor jeder Nutzung: Vor dem Anschluss einer Infusion oder vor Medikamentengabe Probeaspiration vornehmen (ggf. nach hausinternem Standard), gefolgt von einer Spülung mit 10–20 mL NaCl 0,9%
- Nach Nutzung: Nach jeder Infusion oder Blutentnahme verwendeten Schenkel vor dem Verschließen erneut mit NaCl spülen
- Bei längerer Nicht-Nutzung (Pausen): Nicht-genutzte Schenkel regelmäßig spülen oder mit kristalloider Lösung in geringer Rate (bspw. 20 mL/h) durchgängig nutzen, um Verstopfungen zu vermeiden
- Schichtweise im Routinecheck: Im Rahmen der Intensivpflege zu Schichtbeginn und bei jedem Patientenwechsel ZVK auf Durchgängigkeit, Schenkelbelegung und Infusionsstatus kontrollieren
Überprüfung der Durchgängigkeit
- Aspiration: Aus jedem Lumen Blut aspirieren zur Lage- und Durchgängigkeitskontrolle
- Nachspülen mit NaCl 0,9%: Bis keine stehende Blutsäule mehr sichtbar ist
ZVK dicht? Denk an die Buchstaben T, D und I, um dir die Ursachen zu merken: Thrombus, Dislokation, Infektion!
Empfehlungen zum Spülen
- Aseptisches Vorgehen: Vor jeder Manipulation gründliche Händedesinfektion und Sprühdesinfektion der Konnektionsstelle
- Spültechnik: Schenkel abklemmen, Verschluss entfernen, desinfizieren
- Spülvorgang: Mit 10–20 mL NaCl 0,9% langsam und ohne Druck spülen, dann Klemme wieder schließen
- Verschluss: Anschließend sterile Kappe aufsetzen oder Infusion anschließen
- Nach jeder Nutzung: Nach Medikamentengabe oder Blutentnahme mit NaCl 0,9% nachspülen und neue sterile Verschlusskappe verwenden
Ein ZVK ist immer temporär, aber so lange er liegt, muss er durchgängig und infektionsfrei sein!
Hinweise zur Praxis
- Lumenmanagement: Möglichst dauerhaft Nutzung sicherstellen, bspw. mit kristalloider Infusion (ca. 20 mL/h)
- Keine Heparinspülung: Heparin- oder Blocklösungen nicht empfohlen
- Blutentnahmen vermeiden: Wenn möglich, keine Blutentnahme über den ZVK
- Ausnahmen
- Kein peripherer Zugang verhanden
- Häufige Blutkontrollen bei Intensivpatient:innen
- Bestimmung der zentralvenösen Sauerstoffsättigung (szvO2)
- Falls periphere Zugänge geschont werden müssen
- Ausnahmen
- Verschlusskappe: Bei Nicht-Gebrauch mit steriler Kappe verschließen
- Infusionsunterbrechung: In Infusionspause mit isotoner Lösung (bspw. NaCl 0,9%) spülen
Entfernung eines ZVK
Indikationen für das Entfernen eines ZVK
| Tabellarische Darstellung der Kriterien zur Entfernung eines zentralvenösen Katheters (ZVK) | ||
|---|---|---|
| Situation | Beispiele | Begründung/Maßnahme |
| Lokale Entzündungszeichen | Rötung, Schwellung, Überwärmung, nässende Einstichstelle, Schmerz | Verdacht auf lokale Katheterinfektion → Katheter umgehend entfernen und Katheterspitze zur mikrobiologischen Untersuchung einsenden |
| Systemische Infektionszeichen oder Sepsis | Fieber, Schüttelfrost, Hypotonie, erhöhter Entzündungsstatus | Bei starkem Verdacht oder positivem Nachweis auf katheterassoziierte Sepsis → Blutkulturen (inkl. aus ZVK) abnehmen, alle intravasalen Katheter entfernen |
| Positive DTP | Erregernachweis im zentralen Blutkulturpaar 2–3 h früher als peripher | Hinweis auf den ZVK als Infektionsfokus → Alle Katheter sofort entfernen |
| Unklares Fieber oder Druckschmerz |
| Katheter wechseln oder entfernen (zur Ausschlussdiagnostik empfohlen) |
| ZVK nicht mehr erforderlich | Keine Infusionstherapie, kein Monitoring, keine parenterale Ernährung | Entfernung zur Reduktion des Infektionsrisikos empfohlen |
| Fremdmaterial als Infektionsfokus | Portsysteme, Drainagen | Im Rahmen der Fokussanierung betroffenes Fremdmaterial entfernen, inkl. ZVK |
Die Entfernung eines ZVK wird i.d.R. durch ärztliches Personal vorgenommen, kann jedoch an qualifizierte Pflegefachpersonen delegiert werden. Ohne eine ärztliche Anordnung darf ein ZVK aber nicht durch Pflegefachpersonen eigenständig entfernt werden!
Vorbereitung
- Prüfung der Gerinnung: Normaler Gerinnungsstatus vor Entfernung erforderlich
- Abstand zur letzten Antikoagulation
- 12 h bei prophylaktischer NMH-Gabe (niedermolekulares Heparin)
- 18 h bei therapeutischer NMH-Gabe
- 2–4 h bei prophylaktischer UFH-Gabe (unfraktioniertes Heparin)
Material
- Händedesinfektionsmittel: Zur Händehygiene vor, während und nach der Maßnahme
- Hautdesinfektionsmittel: Zur Desinfektion der Einstichstelle vor und nach Katheterentfernung
- Sterile Handschuhe: Zum sterilen Arbeiten während der Entfernung
- Sterile Tupfer oder Kompressen: Zur Desinfektion und Kompression der Einstichstelle
- Sterile Pinzette: Zur Unterstützung bei der Desinfektion oder Manipulation
- Luftdichter Verband: Zur Wundabdeckung nach Katheterentfernung
- Abwurfbehälter: Zur Entsorgung kontaminierter Materialien
Durchführung
- Händedesinfektion: Gründlich desinfizieren und aseptisch arbeiten
- Positionierung: Patient:in in Rückenlage bringen, möglichst in Trendelenburg-Position
- Lösen der Fixierung: Verband und Nahtmaterial vorsichtig entfernen
- Ziehen des Katheters: Während Exspiration oder Valsalva-Manöver langsam entfernen
- Kompression: Einstichstelle für mind. 5 min komprimieren
- Okklusivverband: Luftdichten Verband anlegen und für 24–48 h belassen
Nachsorge
- Kontrolle: Auf Nachblutung und Luftemboliezeichen überprüfen
- Verbandbeobachtung: Regelmäßige auf Dichtigkeit und Feuchtigkeit kontrollieren
- Dokumentation: Zeitpunkt der Entfernung, Material, Besonderheiten, Verbandart
Zusammenfassung: Hygienegrundsätze bei ZVK-Pflege
Die Hygiene bei der Pflege eines zentralvenösen Katheters ist entscheidend, um eine katheterassoziierte Infektion und Sepsis zu vermeiden. Jede Manipulation am ZVK stellt ein potenzielles Infektionsrisiko dar.
- Grundlegende Hygieneregeln
- Vor jeder Tätigkeit am ZVK ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen
- Alle Arbeiten am ZVK erfolgen aseptisch und möglichst in Non-Touch-Technik
- Der ZVK darf nur manipuliert werden, wenn es medizinisch notwendig ist
- Umgang mit Konnektionsstellen und Lumina
- Vor und nach jeder Nutzung sind Konnektionsstellen und Zuspritzports gründlich zu desinfizieren
- Nicht-genutzte Schenkel müssen jederzeit mit sterilen Verschlusskappen verschlossen sein
- Offene Konnektionsstellen dürfen keinen Kontakt zur Umgebung haben
- Verbands- und Einstichstellenhygiene
- Die Einstichstelle ist täglich zu kontrollieren
- Der Verband wird gewechselt, wenn er feucht, verschmutzt oder gelockert ist oder bei Infektionsverdacht
- Bei intransparenten Verbänden wird zusätzlich ein Verbandswechsel nach max. 72 h empfohlen
- Einige Verbände müssen, laut Herstellern, sogar noch früher gewechselt werden (bspw. spätestens alle 48 h)
- Beim Verbandswechsel gilt: Non-Touch-Technik, geeignete Hautdesinfektion und Einwirkzeit einhalten
- Antibiotische Salben an der Einstichstelle sind nicht empfohlen
- Spülen und Durchgängigkeit
- Spülungen werden aseptisch mit NaCl 0,9% durchgeführt
- Heparinlösungen sollen nicht verwendet werden
- Nach jeder Blutentnahme oder Medikamentengabe muss nachgespült werden
- Präventionsgedanke
- Konnektionen und Diskonnektionen sind auf das notwendige Maß zu reduzieren
- Ein ZVK soll täglich auf seine Notwendigkeit überprüft und bei fehlender Indikation entfernt werden
Hände desinfizieren – keimfrei arbeiten – so wenig manipulieren wie möglich! So bleibt der ZVK möglichst lange sicher!
Zusammenfassung – Wichtige Punkte der ZVK-Dokumentation
Die Dokumentation bei einem zentralvenösen Katheter ist ein wesentlicher Bestandteil der Patientensicherheit. Sie dient der Nachvollziehbarkeit, Qualitätssicherung und frühzeitigen Erkennung von Komplikationen.
- Bei der Anlage des ZVK
- Datum und Uhrzeit der Anlage
- Punktionsstelle
- Einführtiefe des Katheters (Skalierung am Katheter beachten)
- Art und Anzahl der Lumina
- Zustand der Einstichstelle nach Anlage
- Besonderheiten oder Komplikationen
- Während der Liegedauer
- Tägliche Inspektion der Einstichstelle (Rötung, Schwellung, Nässen, Schmerzen)
- Zustand der umliegenden Haut
- Sitz und Fixierung des Katheters (keine Zugbelastung, keine Abknickung)
- Durchgängigkeit der einzelnen Lumina
- Verwendeter Verband und Datum des letzten Verbandswechsels
- Auffälligkeiten wie Fieber, Schüttelfrost oder Verschlechterung des Allgemeinzustands
- Tägliche Indikationsprüfung: Besteht die medizinische Notwendigkeit für den ZVK weiterhin?
- Bei pflegerischen Maßnahmen am ZVK
- Bei Komplikationen oder Infektionsverdacht
- Beschreibung der Beobachtungen (lokal und systemisch)
- Zeitpunkt der ärztlichen Information
- Getroffene Maßnahmen (bspw. Vorbereitung zur Entfernung, Blutkulturen)
- Bei der Entfernung des ZVK
- Datum und Uhrzeit der Entfernung
- Grund der Entfernung
- Zustand der Einstichstelle nach Entfernung
- Art des angelegten Verbands
- Besondere Vorkommnisse
Was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht durchgeführt! Eine vollständige und korrekte ZVK-Dokumentation schützt Patient:innen und Personal gleichermaßen!