• Klinik

Zeichen thermischer Schädigungen

Abstract

Bei der Einwirkung von Kälte, Hitze und elektrischem Strom sind charakteristische Veränderungen nachweisbar. Mit Hilfe der Beurteilung dieser Befunde lassen sich Rückschlüsse auf Schädigungsart und -zeitpunkt ziehen.

Bei starker Hitzeeinwirkung können prämortale Vitalitätszeichen von postmortalen Veränderungen unterschieden werden. Diese Befunde geben Aufschluss darüber, ob ein Mensch zum Zeitpunkt eines Brandes noch gelebt hat oder bereits verstorben war.

Bei einem Kältetod sind als typische Charakteristika z.B. hämorrhagische Nekrosen an der Magenschleimhaut (Wischnewski-Flecken) zu erwarten.

Ein Tod durch elektrischen Strom kann sich abhängig von Stromstärke, Spannung und Widerstand ganz unterschiedlich präsentieren. Während ein hoher Widerstand mit Verbrennungen und Strommarken einhergeht, ist bei niedrigem Widerstand das Fehlen von charakteristischen Befunden typisch.

Hitze

Brandleichen

Bei Brandleichen ist rechtsmedizinisch die Suche nach Vitalitätszeichen sehr wichtig, um nachzuweisen, ob der Betroffene schon vor dem Brand verstorben war (z.B. bei Mord mit Spurenvernichtung durch Brandlegung). Dabei kann der Nachweis von prämortalen Vitalitätszeichen hilfreich sein.

Vitalitätszeichen eines Brandes (prämortale Einflüsse)

Postmortale Veränderungen

  • Fechterstellung: Hitzebedingte Kontraktion der Muskulatur (Beuger überwiegen gegenüber den Streckern → Beugeseitig erhöhte Muskelmasse)
  • Aus dem Mund hervorgetretene Zunge (Protrusion)
  • Brandhämatome
  • Massive hitzebedingte Traumata: z.B. Aufsprengung des knöchernen Hirnschädels, Hitzerisse der Haut
  • Brandblasen: Enthalten weder Leukozyten noch Fibrin
    • DD: Barbituratvergiftung (seltener andere Substanzen): Als postmortaler Befund lassen sich manchmal Holzer-Blasen nachweisen, die morphologisch ähnlich wie Brandblasen aussehen können

Zu Gewebeschäden durch Hitze bei Lebenden siehe Verbrennung

Kältetod

Folgende Aspekte deuten auf einen Kältetod hin:

  • Hellrote Totenflecken: Die Farbe entsteht durch Reoxygenierung des Kapillarblutes aus der Umgebungsluft
  • Kälteerytheme: Fleckförmige, rostbraun-livide Hautrötungen, die sich u.a. an der Streckseite von Knie und Ellenbogen sowie an Akren und Knöcheln finden
  • Paradoxes Wärmegefühl: Kurz vor der Bewusstlosigkeit ist es möglich, dass Betroffene ein Wärmegefühl empfinden und sich daraufhin entkleiden. Deshalb ist bei einer entkleideten Leiche nicht immer an eine Fremdeinwirkung zu denken
  • Wischnewski-Flecken: Hämorrhagische Nekrosen an der Magenschleimhaut, die sich als kleine schwarze Verfärbungen zeigen
  • Urinuntersuchung: Aceton im Urin kann bei Unterkühlung erhöht sein. Die Ursachen dafür sind bislang ungeklärt

Sobald die Körpertemperatur unter 30°C fällt, kommt es in der Regel zur Bewusstlosigkeit. Bei Unterschreiten von 25°C kommt es schnell zum Tod!

Tod durch elektrischen Strom

Spannung

  • Potentiell tödlich
    • Niederspannung: Haushalt bis 220 V bis maximal 1.000 V
  • In der Regel tödlich
    • Hochspannung: >1.000 V

Wechselstrom (Haushalt: Frequenz 50–60 Hz) ist gefährlicher als Gleichstrom, da durch die wechselnde Spannung leichter ein Kammerflimmern ausgelöst werden kann!

Widerstand

Der Strom muss den Widerstand der Haut überwinden, um Schäden im Körper zu verursachen.

  • Trockene Haut: Hoher Widerstand
  • Feuchte Haut: Widerstand um den Faktor 10–15 erniedrigt
  • Aufhalten im Wasser: Widerstand um den Faktor 25–30 erniedrigt

Hoher Hautwiderstand führt zwar zu Hautverbrennungen, schützt aber vor einer Überleitung mit der Gefahr eines Kammerflimmerns!

Wirkung auf den Körper

  1. Geringe übergeleitete Stromstärke (bis 15 mA) : Leichte Reizung des Nervensystems mit Kribbelgefühl
  2. Ab 15 mA: Muskelkontraktionen
  3. Ab 50 mA: Kammerflimmern möglich

Je kleiner die Kontaktstelle und je größer der Widerstand, desto eher kommt es zu lokaler Hitzeentwicklung (Joule'sche Wärmeentwicklung) und charakteristischen Hautveränderungen!

  • Strommarken: Weißlich-erhabene Effloreszenz (Porzellanwall) mit zentraler Eindellung. Diese können auch post mortem entstehen

Blitzschlag

Ein Blitzschlag kann für den Menschen tödlich sein [1] Der Blitzschlag ist als Todesursache anhand folgender Aspekte nachzuweisen:

  • Blitzfiguren: Verästelte (farnkrautartige) Figuren auf der Haut
  • Großflächige oder gruppierte kleine schrotschussähnliche Verbrennungen, die an Schussverletzungen erinnern
  • Versengung der Kopfhaare
  • Kleiderbefunde
    • Gruppierte Lücken in den Kleidern
    • Zerreißung von Leder und Sohlen
    • Schmelzspuren an am Körper liegenden Metallen (Gürtelschnallen, Uhren)
  • Metallisation der Haut: An der Stromübertrittsstelle kommt es an der Haut zur Verdampfung und Ablagerung von am Körper liegendem Metall (Nachweis histochemisch oder mittels Atomabsorptionsspektrometrie)

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.