• Klinik

Wirbelgleiten

Abstract

Das Wirbelgleiten ist eine erworbene Erkrankung, bei der durch einen Spalt in den Wirbelbögen (Spondylolyse) der Wirbelkörper samt kranial liegender Wirbelsäule nach vorne (Anterolisthesis) oder selten hinten (Retrolisthesis) gleitet. Ursächlich sind neben genetischen Faktoren eine chronische Belastung junger Menschen im Hohlkreuz wie beispielsweise Kunstturnen. Von der Erkrankung sind zwar 6% der westlichen Bevölkerung betroffen, jedoch bleiben diese meist beschwerdefrei. Ein symptomatisches Wirbelgleiten manifestiert sich durch belastungsabhängige Rückenschmerzen in der hauptsächlich involvierten Lendenwirbelsäule mit Ausstrahlung in Gesäß und Oberschenkel. Die Diagnose gelingt durch radiologische Bildgebung, wobei das Ausmaß der Wirbelkörperverschiebung in fünf Graden nach Meyerding eingeteilt wird. Bei Progredienz des Wirbelgleitens kann der Wirbelkörper nach vorne abkippen (Spondyloptose). In der Regel sind physiotherapeutische Behandlung und Verlaufskontrollen ausreichend, neurologische Ausfallerscheinungen stellen aber eine Operationsindikation dar.

Epidemiologie

  • Häufige Erkrankung (6% der westlichen Bevölkerung)
  • Geschlecht: >
  • Alter: Häufigkeitsgipfel 12.–17. Lebensjahr

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

  • Genetische Prädisposition, jedoch bei Geburt nie manifest
  • Starke körperliche Beanspruchung in Hyperlordose (im Hohlkreuz) in der Kindheit
    • Kunstturnen
    • Delphinschwimmen
    • Speerwerfen
    • Gewichtheben
  • Traumatisch
  • Degenerative Veränderungen
  • Spondylolyse
  • Dysplasie der Wirbelbogengelenke

Klassifikation

Symptome/Klinik

Stadien

  • Einteilung in fünf Grade nach Meyerding
    • Der untere/kaudale Wirbelkörper wird hierbei in Viertel unterteilt
    • Je nachdem wie weit der kranial gelegene Wirbelkörper nach ventral gleitet, ergibt sich daraus der Meyerding-Grad

Diagnostik

Differentialdiagnosen

Die hier aufgeführten Differentialdiagnosen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Therapie

  • In erster Linie konservativ
    • Krankengymnastik mit Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur
    • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
    • Zum Progress des Wirbelgleitens beitragende Sportarten und Bewegungen meiden (siehe: Ätiologie)
    • Verlaufsbeobachtung
    • Bei akuter Symptomatik (radikuläre Schmerzen, Muskelverspannungen, Ermüdungsbrüche): Medikamentöse Schmerztherapie, Detonisierung der Muskulatur , temporäre Rumpforthese
  • Operativ

Prognose

  • Prognose ist abhängig vom Meyerding-Stadium und der klinischen Symptomatik
  • Ab Meyerding-Grad 3 oder höher ist die Prognose etwas schlechter als bei milder Spondylolisthesis

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Lokalisation der Wirbelsäulenbeteiligung

  • 0 Mehrere Lokalisationen der Wirbelsäule
  • 1 Okzipito-Atlanto-Axialbereich
  • 2 Zervikalbereich
  • 3 Zervikothorakalbereich
  • 4 Thorakalbereich
  • 5 Thorakolumbalbereich
  • 6 Lumbalbereich
  • 7 Lumbosakralbereich
  • 8 Sakral- und Sakrokokzygealbereich
  • 9 Nicht näher bezeichnete Lokalisation

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.