• Klinik

Venöse Blutentnahme

Abstract

Die venöse Blutentnahme wird vorwiegend aus diagnostischen Gründen durchgeführt, seltener kommt sie in Form eines Aderlasses auch therapeutisch zum Einsatz (bspw. bei Hämochromatose). Die Blutuntersuchung spielt im Rahmen der Diagnostik als auch bei der Verlaufsbeurteilung von Erkrankungen eine wichtige Rolle, da mit ihr viele verschiedene Parameter wie z.B. Gerinnung, Enzyme oder Tumormarker untersucht werden können (→ siehe Laboratoriumsmedizin). Meist erfolgt die Blutgewinnung im Bereich der oberen Extremität, seltener wird die Punktion an der unteren Extremität oder am Hals durchgeführt. Als besondere Patientengruppe sind hierbei Neugeborene zu sehen, bei denen die Blutentnahme i.d.R. an Ferse oder Kopf vorgenommen wird. Für die Blutentnahme bestehen keine absoluten Kontraindikationen, dennoch gibt es Umstände, unter denen die Punktion nicht an den gewohnten Stellen durchgeführt werden darf (z.B. bei Vorliegen eines Cimino-Shunts bei Dialyse-Patienten).

Indikationen/Kontraindikationen

  • Eine Übersicht über Indikationen und wichtige Blutparameter finden sich in dem Kapitel Laboratoriumsmedizin
  • Für eine Blutentnahme gelten nur relative Kontraindikationen bzw. Umstände, unter denen eine Punktion nicht an einer bestimmten Stelle durchgeführt werden kann
    • Die Punktionsstelle sollte keine Wunden oder andere Hautschädigungen aufweisen
    • Die Blutentnahme darf nicht an einer Extremität mit operativem Shunt (z.B. bei Cimino-Shunt) oder bei Zustand nach axillärer Lymphadenektomie durchgeführt werden
    • Bei Patienten mit Gefäßersatz ist eine Punktion im Bereich des Interponats zu vermeiden
    • Es sollte nach Möglichkeit keine Blutentnahme an einer gelähmten Extremität vorgenommen werden
    • Bei Patienten unter Infusionstherapie darf die Blutprobe nicht am Infusionsarm abgenommen werden

Material zur Durchführung

Die Blutanalyse ist eine sehr häufig durchgeführte Untersuchungsmethode, dennoch ist auch hier eine gewissenhafte Vorbereitung notwendig. Die erforderlichen Materialien umfassen:

  • Stauschlauch
  • Desinfektionsmittel
  • Keimarme Tupfer
  • Untersuchungshandschuhe
  • Punktionsnadeln
  • Blutentnahmeröhrchen (siehe Tabelle)
  • Abwurf
  • Pflaster
Farbe der Blutentnahmeröhrchen nach Europanorm Zusatz Verwendungszweck
Rot Kalium-EDTA Blutbild (z.B. Hämoglobin, Hämatokrit)

Braun

Trenngel

Serologie, klinische Chemie (z.B. Leberenzyme)

Grün

Natrium-Zitrat

Blutgerinnung (z.B. Quick/INR)

Violett

Bestimmung der BSG

Weiß

Kunststoffkügelchen

Spezielle Anforderungen: Serologie, klinische Chemie (z.B. Troponin)

Gelb

Natrium-Fluorid

Bestimmung von Glucose und Laktat

Durchführung der Blutentnahme

Die Blutentnahme stellt im juristischen Sinn eine Körperverletzung dar und darf (außer in Notfällen oder nach richterlicher Anordnung) nur mit entsprechender Aufklärung sowie Einwilligung des Patienten erfolgen!

  1. Die Entnahme sollte möglichst in flacher Lagerung des Patienten durchgeführt werden
  2. Vor Beginn der Punktion werden die möglichen Punktionsorte auf geeignete Venen untersucht
  3. Ist eine geeignete Vene gefunden, wird die Punktionsstelle desinfiziert
  4. Während der Einwirkzeit des Desinfektionsmittels kann der Stauschlauch angelegt werden
  5. Die Kanüle wird nun in einem Winkel von ca. 30° in die Haut eingeführt → Sobald die Haut durchstochen wurde, wird der Winkel abgeflacht, um die Vene nicht zu durchstechen
  6. Bei korrekter Lage der Nadel in der Vene kann durch Zurückziehen des Spritzenkolbens Blut aspiriert werden
  7. Vor dem Entfernen der Punktionsnadel sollte der Stauschlauch geöffnet werden
  8. Sobald die Kanüle entfernt wurde, sollte der Tupfer auf die Punktionsstelle gedrückt werden

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