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Störungen der Optik

Abstract

Das optische System des Auges ermöglicht physiologischerweise eine exakte Lichtbrechung, so dass das einfallende Licht in einem Punkt auf der Netzhaut abgebildet wird. Entscheidend ist hierfür die Brechkraft des optischen Systems im Verhältnis zur Bulbuslänge. Die Brechkraft wird hauptsächlich durch die Hornhaut (fixer Brechkraftanteil von ca. 43dpt) und die Linse (variabler Brechkraftanteil zwischen ca. 10 und 20dpt) bestimmt. Die Variabilität der Brechkraft der Linse ermöglicht ein scharfes Sehen in Nähe und Ferne (Akkommodationsfähigkeit). Kommt es in diesem fein regulierten optischen System zu pathologischen Veränderungen - ist etwa der Bulbus im Vergleich zur Brechkraft zu kurz (bei Weitsichtigkeit) oder zu lang (bei Kurzsichtigkeit) - ist ein scharfes Sehen nur eingeschränkt möglich. Weitere häufige Veränderungen sind eine irregulär geformte Hornhaut (z.B. Stabsichtigkeit) oder eine eingeschränkte Akkommodationsfähigkeit im Alter (Altersweitsichtigkeit). Brechkraftfehler im optischen System können meist durch Vorschaltung von (z.B. Sammel- oder Streu‑) Linsen mittels einer Brille oder Kontaktlinsen ausgeglichen werden. Darüber hinaus besteht heutzutage die Möglichkeit der refraktiven Hornhautchirurgie (z.B. LASIK).

Grundlagen des optischen Systems

Emmetropie (Normalsichtigkeit) ist nicht zu verwechseln mit einer guten Sehschärfe. Auch ein emmetropes Auge kann aufgrund anderer Ursachen eine verringerte Sehschärfe haben (z.B. Makuladegeneration, Amblyopie)!

Myopie (Kurzsichtigkeit)

  • Pathophysiologie: Auge zu lang im Verhältnis zu seiner Brechkraft (axialer Bulbusdurchmesser zu lang oder erhöhte Brechkraft) → Brennpunkt liegt vor der Netzhaut
  • Symptome/Klinik
  • Komplikationen: Dehnung des Augapfels, wodurch es zu Veränderungen des Augenhintergrundes und im schlimmsten Fall zur Netzhautablösung kommen kann (siehe auch: Fundus myopicus)
    • Staphyloma posticum (verum): Durch die chronische Überdehnung des hinteren Augenpols entsteht eine Schwachstelle, durch die sich die Sklera nach außen vorwölbt
  • Korrektur: Zerstreuungslinsen (Konkavgläser, Minusgläser)

Hyperopie (Hypermetropie, Weitsichtigkeit)

  • Pathophysiologie: Auge zu kurz im Verhältnis zu seiner Brechkraft (axialer Bulbusdurchmesser zu kurz oder verminderte Brechkraft) → Brennpunkt liegt hinter der Netzhaut
  • Symptome/Klinik: Schlechtes Nahsehen, eingeschränkter Fernvisus (altersabhängig durch Akkommodation kompensierbar)
  • Komplikationen: Prädisposition zum Winkelblockglaukom
  • Korrektur: Sammellinsen (Konvexgläser, Plusgläser)

Astigmatismus (Hornhautverkrümmung)

Presbyopie (Alterssichtigkeit, Altersweitsichtigkeit)

  • Pathophysiologie: Verminderte Akkommodationsfähigkeit
  • Symptome/Klinik: Schlechtes Nahsehen (z.B. Probleme beim Lesen)
  • Korrektur: Lesebrille mit Sammellinse (Konvexgläser)

Optische Hilfsmittel

Optische Hilfsmittel sind z.B. Brillen, Kontaktlinsen und vergrößernde Sehhilfen.

Kontaktlinsen

Kontaktlinsen schwimmen im präkornealen Tränenfilm unmittelbar auf der Hornhautoberfläche und sind bei richtiger Anpassung, ausreichender Tränenflüssigkeit und richtiger Pflege gut verträglich.

  • Indikationen
    • Refraktionsausgleich bei Fehlsichtigkeit
    • Erkrankungen oder Verletzungen des vorderen Augenabschnitts → Verbandlinsen
    • Als Medikamententräger
  • Wahl der Kontaktlinsen
    • Formstabile/harte Kontaktlinsen
      • Vorteile: Besonders gut geeignet bei Astigmatismus und Keratokonus
      • Nachteile
        • Längere Gewöhnungsphase zu Beginn
        • Abnahme der Hornhautsensibilität
        • Risiko von Hornhauterosionen
    • Flexible/weiche Kontaktlinsen
      • Vorteile: Flexibilität, Permeabilität, gute Verträglichkeit
      • Nachteile
        • Ausgleich von Astigmatismus nicht möglich
        • Höheres Risiko für Infektionen (u.a. schwere chronische Konjunktivitiden), Allergien, toxische Schäden, oberflächliche Hornhautvaskularisationen
  • Generelle Komplikationen
  • Absolute Kontraindikationen

Vergrößernde Sehhilfen

Vergrößernde Sehhilfen kommen zum Einsatz, wenn eine Brille oder Kontaktlinsen nicht ausreichen, um normale Zeitungsschrift zu lesen. Hierdurch kann (je nach Wahl der Sehhilfe) eine maximal 40-fache Vergrößerung in der Nähe und 4- bis 8-fache Vergrößerung in der Ferne erreicht werden.

  • Indikation: Sehschärfe des besseren Auges <0,4, jedoch nicht <0,02
  • Nachteile
    • Umgang mit vergrößernden Sehhilfen bedarf Gewöhnung und Übung
    • Je stärker die Vergrößerung, desto kleiner werden der Leseabstand und der vergrößerte Textausschnitt
    • Benutzung nur im Stehen oder Sitzen möglich
  • Wahl der Sehhilfe: Die Auswahl einer geeigneten Sehhilfe richtet sich in erster Linie nach der vorhandenen Sehschärfe.
Sehhilfe Sehschärfe maximale Vergrößerung Nähe maximale Vergrößerung Ferne
Verstärkte Lesebrille 0,2-0,4 1- bis 2-fach -
Lupe 0,2-0,4 2- bis 4-fach 1,8-fach
Fernrohrbrille 0,1-0,3 2- bis 12-fach 3,8-fach
Prismen-Lupenbrille 0,05-0,2 4- bis 12-fach -
Bildschirmlesegerät 0,02-0,1 5- bis 40-fach -
Monokulares Fernrohr 0,02-0,1 - 4-8-fach

Refraktive Hornhautchirurgie

Zur Korrektur von refraktiven Fehlsichtigkeiten hat sich in den letzten Jahren zunehmend die refraktive Chirurgie etabliert. Es stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung:

Die refraktive Hornhautchirurgie ist ein alternatives Therapiekonzept mit meist guten Therapieergebnissen, die das Erreichen der optischen Normalsichtigkeit bedeuten. Es bestehen jedoch auch nicht zu vernachlässigende Risiken: Es kann beispielsweise zu Infektionen, Fehlkorrekturen, Vernarbungen, Einschränkungen des Dämmerungs- und Nachtsehens und verminderter Stabilität der Hornhaut kommen.

Patienteninformationen

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.