• Klinik

Anlage eines peripheren Venenverweilkatheters

Abstract

Der periphere Venenverweilkatheter (PVK) ist der am häufigsten eingesetzte venöse Zugang und dient der wiederholten Applikation von Medikamenten und/oder Flüssigkeit. Die Anlage erfolgt meistens im Bereich des Unterarms oder der Hand, wobei eine Punktion im Bereich von Gelenken möglichst vermieden werden sollte, um ein Abknicken des Katheters zu verhindern. Neben der korrekten intravasalen Anlage des PVKs ist vor allem der hygienische Umgang bei der Benutzung wichtig, um lokale Infektionen bis hin zur Sepsis zu vermeiden.

Indikationen/Kontraindikationen

  • Indikation: Notwendigkeit der wiederholten intravenösen Gabe von Medikamenten und/oder Flüssigkeit (z.B. Infusionslösungen).
  • Kontraindikationen: Bei der Anlage von Venenverweilkanülen gibt es nur relative Kontraindikationen bzw. Umstände, unter denen eine Punktion nicht an einer bestimmten Stelle durchgeführt werden kann.
    • Die Punktionsstelle sollte keine Wunden oder andere Hautschädigungen aufweisen.
    • Die Anlage darf nicht an einer Extremität mit operativem Shunt (z.B. bei Cimino-Shunt) oder Zustand nach axillärer Lymphadenektomie durchgeführt werden.
    • Bei Patienten mit Gefäßersatz ist eine Punktion im Bereich des Interponats zu vermeiden.
    • Es sollte nach Möglichkeit keine Anlage an einer gelähmten Extremität vorgenommen werden.

Die Anlage einer Venenverweilkanüle ist schmerzhaft und birgt trotz einer routinierten Durchführung Risiken für den Patienten (z.B. Infektion). Die Indikation sollte wie immer streng geprüft werden und eine Anlage nicht "vorsorglich" bei jedem Patienten erfolgen!

Material zur Durchführung

Die Anlage einer Venenverweilkanüle wird auf Station und in der Notaufnahme häufig notwendig, wie bei allen Prozeduren ist eine gewissenhafte Vorbereitung notwendig. Die erforderlichen Materialien umfassen:

  • Stauschlauch
  • Desinfektionsmittel
  • Keimarme Tupfer
  • Untersuchungshandschuhe
  • Venenverweilkanüle und Mandrin (unterschiedliche Durchmesser und Längen je nach Indikation → siehe Tabelle)
  • Abwurf
  • Schlitzpflaster zur Fixierung des Katheters

Die benötigten Materialien werden Dir auch im Video unter "Durchführung" vorgestellt.

Farbkodierung der Venenverweilkanülen Größe in Gauge Länge in mm Durchflussrate in ml/min*
Blau 22 25 36
Rosa 20 33 61
Grün 18 45 96
Weiß 17 45 128
Grau 16 50 196
Orange 14 50 343
*Während für die Infusion von Medikamenten meistens eine rosafarbene oder grüne Venenverweilkanüle ausreichend ist, muss in Notfällen, bei denen eine rasche Flüssigkeitssubstitution notwendig wird, eine höhere Durchflussrate gewährleistet werden. Bei einer Transfusion muss zudem beachtet werden, dass sich die Durchflussrate aufgrund der hohen Viskosität des Blutes um bis zu ⅓ verringern kann.

Im Notfall ist es wichtig, eine entsprechende Durchflussrate zu wählen, um eine schnelle Stabilisierung des Patienten zu ermöglichen. Bei schlechten Venenverhältnissen ist die Anlage eines rosafarbenen Zugangs aber in jedem Fall besser als gar keine Möglichkeit der venösen Applikation zu haben. Zudem sollten ggf. zwei bis drei Venenverweilkatheter gelegt werden!

Durchführung

Die Anlage einer Venenverweilkanüle stellt im juristischen Sinn eine Körperverletzung dar und darf (außer in Notfällen oder nach richterlicher Anordnung) nur mit entsprechender Aufklärung sowie Einwilligung des Patienten erfolgen!

  • Vorbereitung
    • Die Anlage der Venenverweilkanüle sollte im Liegen durchgeführt werden, um die Gefahr einer Synkope zu verringern.
    • Es ist sinnvoll (insbesondere als Anfänger) eine saugfähige Unterlage unterhalb des Armes zu positionieren, um eine mögliche Beschmutzung des Bettzeugs mit Blut zu vermeiden
  • Ablauf
    1. Vor Beginn der Punktion wird der Stauschlauch angelegt und die möglichen Punktionsorte auf geeignete Venen untersucht.
    2. Ist eine geeignete Vene gefunden, wird die Punktionsstelle desinfiziert → Das Desinfektionsspray wird entweder aufgesprüht oder mit einem Tupfer aufgetragen.
    3. Die Kanüle wird nun in einem Winkel von ca. 30° in die Haut eingeführt → Sobald die Haut durchstochen wurde, wird der Winkel abgeflacht, um die Vene nicht zu durchstechen.
    4. Bei korrekter Punktion der Vene füllt sich der Konus mit Blut → Die Nadel sollte nun noch wenige Millimeter weiter in das Gefäß geschoben werden
    5. Nun wird der Plastikkatheter über den Stahlmandrin in das Gefäß vorgeschoben
    6. Vor dem Entfernen des Stahlmandrins sollte der Stauschlauch geöffnet und der Plastikkatheter mittels Pflaster fixiert sein.
    7. Nachdem der Stahlmandrin entfernt wurde, kann Blut aus dem Katheter abgenommen, nach Überprüfung der Durchgängigkeit eine Infusion angeschlossen oder ein Plastikmandrin zum Verschluss eingesetzt werden.
  • Überprüfung der Durchgängigkeit
    • Vor der Gabe von Medikamenten oder Infusionen sollte die Funktion des Katheters überprüft werden:
      • Der Katheter wird dazu mit 5 - 10ml Natriumchlorid-Lösung angespült
      • Gibt der Patient hierbei Schmerzen an oder bildet sich eine sichtbare Schwellung, liegt der Katheter vermutlich paravasal im umgebenden Gewebe
      • In diesem Fall sollte der Katheter in einem neuen Versuch in ein anderes Gefäß gelegt werden

Die Funktionsprüfung des Verweilkatheters wird im klinischen Alltag oft vernachlässigt. Bei vielen Medikamente (z.B. Zytostatika) ist eine intravasale Lage allerdings essentiell, da eine versehentliche Infusion in das umliegende Gewebe zu schweren Nekrosen führen kann!

  • Entfernen eines peripheren Venenkatheters
    • Zum Entfernen eines peripheren Venenkatheters kann das Pflaster mit Hilfe von Desinfektionsspray angefeuchtet werden, um das Ablösen zu erleichtern.
    • Nachdem das Pflaster von der Haut abgelöst ist, können Katheter und Pflaster gemeinsam entfernt und die Punktionsstelle mittels Tupfer abgedeckt werden.

Komplikationen

Durch die Anlage einer Venenverweilkanüle besteht (wie bei jeder invasiven Maßnahme) immer die Gefahr der Infektion. Erreger ist dabei vor allem der Hautkeim Staphylococcus epidermidis

  • Die wichtigsten Krankheitsbilder umfassen

Durch eine Thrombophlebitis erhöht sich das Risiko eine Sepsis zu entwickeln um das 20-Fache!

Empfehlungen des RKIs zur Prävention von Komplikationen

Grundsätzlich ist beim Umgang mit Venenverweilkathetern auf ein hygienisches Verhalten zu achten. Wichtige Maßnahmen umfassen:

  • Desinfektion der Haut und das Tragen keimarmer Handschuhe bei Anlage und Benutzung des Katheters.
  • Regelmäßige Kontrolle der Einstichstelle auf Entzündungszeichen.
  • Ist die Anlage des PVK im Notfall bzw. unter eingeschränkt aseptischen Bedingungen erfolgt, muss nach Stabilisierung des Patienten eine erneute Anlage erfolgen.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts ist eine generelle Begrenzung der Liegedauer von Venenverweilkathetern nicht zu empfehlen. Allerdings ist (wie schon bei der Anlage) auch im Verlauf die Indikation regelmäßig zu prüfen. Wird ein Katheter nicht mehr benötigt, sollte er entfernt werden!

Kommt es trotz dieser Maßnahmen zu einer Infektion, sollte der Katheter umgehend entfernt werden. Während bei einer Phlebitis meist Analgesie und entzündungshemmende Therapie ausreichend sind, muss bei Sepsis oder Endokarditis unverzüglich mit einer umfangreichen supportiven und antibiotischen Therapie begonnen werden, um schwere Verläufe zu verhindern!