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Schlaf-assoziierter Bruxismus

Abstract

Autoren: Dr. med. Anna Wings für AMBOSS, Dr. med. Alfred Wiater für die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)

Nach ICSD ist der Schlaf-assoziierte Bruxismus gekennzeichnet durch regelmäßiges oder häufiges Zähneknirschen, einhergehend mit Abnutzung der Zähne und/oder morgendlichen Kiefermuskelschmerzen, Erschöpfung, Kopfschmerzen und/oder einer Kieferblockade.

Epidemiologie

  • Prävalenz: 6–20% der Gesamtbevölkerung [1][2]
  • Alter: Höchste Prävalenz im Jugendalter, Erstmanifestation in jedem Alter möglich
  • Geschlecht: =

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Ätiologie

  • Primärer Bruxismus: Nächtliches Zähneknirschen ohne erkennbare Ursache bei ansonsten gesunden Menschen [2]
    • Prädisponierende Faktoren
      • Akute Angstzustände
      • Stressepisoden
      • Familiäre Häufung
  • Sekundärer Bruxismus: Nächtliches Zähneknirschen aufgrund identifizierbarer Erkrankungen oder Auslöser, bspw.
    • bei schlafbezogenen Atmungsstörungen, Zerebralparese oder geistiger Retardierung
    • medikamenten- oder drogeninduzierter Bruxismus
    • Insb. abendlicher Alkohol-, Koffein- oder Nikotinabusus
    • Nicht prädisponierend: Fehlokklusionen [1]

Symptome/Klinik

Diagnostik

  • Diagnosestellung [2]
    • I.d.R. durch (Fremd‑)Anamnese mit nächtlichem Zähneknirschen und typischen Beschwerden
    • Zahnärztliche und ggf. kieferorthopädische Konsultation: Typische Veränderungen des Kauapparates
  • Nachfolgende Diagnostik
    • Polysomnographie (PSG): Auffälligkeiten am ehesten in den Non-REM-Stadien 1 und 2, ggf. mit Arousal-Reaktionen
    • Elektromyogramm (EMG) des M. masseter
      • Ereignisse mit Amplitude >10% des max. willkürlichen Zähneknirschens mit Dauer >3 Sekunden
      • Ruheintervalle im EMG <5 Sekunden
      • Herzfrequenzanstieg >5% während der Aktivierung

Therapie

Nicht-medikamentöse Therapie [2][1]

  • Meiden auslösender Faktoren, insb. Medikamente oder Drogen
  • Regelmäßige zahnärztliche/kieferorthopädische Betreuung
  • Verhaltenstherapie und Entspannungsverfahren
  • Individuell gefertigte Okklusionsschiene (sog. „Knirscherschiene“)
    • Verhindern von Zahnschmelzabrieb
    • Schonen der Zahnsubstanz
    • Entlastung der Kiefergelenke
  • Ggf. myofunktionelle (logopädische) Behandlungen

Im Ausnahmefall: Medikamentöse Therapie

Da die Medikamente im Gegensatz zur nicht-medikamentösen Therapie ein hohes Nebenwirkungsrisiko mitbringen, sollten sie nur in Ausnahmefällen verwendet werden.

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.