• Klinik

Nervus-ulnaris-Lähmung

Abstract

Der Nervus ulnaris ist ein Nerv des peripheren Nervensystems, welcher dem Plexus brachialis entspringt und die Segmente C8 bis Th1 beinhaltet. Er ist besonders durch seinen oberflächlichen Verlauf am medialen Ellenbogen durch Traumata oder chronische Druckschädigung gefährdet. Zum klinischen Bild der Nervus-ulnaris-Lähmung gehört die Krallenhand. Die Läsion des N. ulnaris ist die häufigste periphere Nervenlähmung.

Ätiologie

  • Proximale Schädigung im Sulcus nervi ulnaris
    • Druckschädigung (z.B. bei einer Fraktur, Narkoselähmung)
    • Degenerative oder entzündliche Veränderungen
  • Mittlere Schädigung im Handgelenk in der Guyon-Loge (z.B. Schnittverletzung)
  • Distale Schädigung in der Hohlhand (etwa infolge chronischer Druckbelastung durch Werkzeuge)

Symptome/Klinik

Anatomische Grundlagen

Der Nervus ulnaris verläuft zunächst im Sulcus bicipitalis medialis und zieht auf Höhe der Oberarmmitte auf die Streckseite. In der Ellenbeuge läuft er durch den Sulcus nervi ulnaris (unterhalb des Epicondylus medialis humeri) auf die mediale Unterarmseite und tritt zwischen die beiden Köpfe des M. flexor carpi ulnaris. Auf der Beugeseite verläuft er zum Handgelenk, wo er durch die Guyon-Loge auf die Handinnenfläche zieht. Dort teilt er sich in einen R. superficialis und einen R. profundus (rein motorisch).

Klinik

  • Proximale Nervenläsion (im Sulcus nervi ulnaris: Sulcus-nervi-ulnaris-Syndrom)
    • Krallenhand (besonders Klein- und Ringfinger betroffen )
    • Parese des M. adductor pollicis (in der Folge kann der Patient den Daumen nicht adduzieren)
    • Sensibilitätsstörungen: Ulnare Hand
      • Palmar: Hypothenarregion, ulnares Handgelenk, Kleinfinger und ulnare Seite des Ringfingers
      • Dorsal: Ulnarer Handrücken, Kleinfinger, Ringfinger und ulnare Basis des Mittelfingers
    • Nach etwa drei Monaten: Atrophie der Mm. interossei (besonders im Spatium I) und Hypothenaratrophie
  • Mittlere Nervenläsion (in der Guyon-Loge: Loge-de-Guyon-Syndrom): Häufig kombinierte Läsionen des Ramus profundus und Ramus superficialis mit motorischen und sensiblen Ausfällen
  • Distale Nervenläsion (in der Hohlhand)
    • Keine Sensibilitätsausfälle (R. superficialis bleibt intakt)
    • Sonst Symptome einer proximalen Nervenläsion

Sowohl eine proximale als auch distale Schädigung des Nervus ulnaris führen zu einer Krallenhand!

Diagnostik

  • Klinische Untersuchung
    • Positives Froment-Zeichen :
      • Patient kann den Daumen aufgrund der Parese des M. adductor pollicis nicht adduzieren
      • Wird er gebeten, ein Blatt zwischen Daumen und Zeigefinger zu halten, flektiert er den Daumen daher im Endglied
    • Jeanne-Zeichen: Hyperextension im Daumengrundgelenk
    • Einzelkraftprüfungen
      • Beugung und Ulnarflexion des Handgelenks gegen Widerstand
      • Spreizung der Langfinger gegen Widerstand
      • Beugung der Langfinger im Fingergrundgelenk gegen Widerstand
      • „Nasenstüberbewegung“: Patient macht schnippende Bewegungen mit dem Daumen und Zeigefinger gegen die flache Hand des Untersuchers → Prüfung der Kraft der Mm. interossei

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

G56.-: Mononeuropathien der oberen Extremität

S44.-: Verletzung von Nerven in Höhe der Schulter und des Oberarmes

S54.-: Verletzung von Nerven in Höhe des Unterarmes

S64.-: Verletzung von Nerven in Höhe des Handgelenkes und der Hand

  • S64.0: Verletzung des N. ulnaris in Höhe des Handgelenkes und der Hand
  • S64.1: Verletzung des N. medianus in Höhe des Handgelenkes und der Hand
  • S64.2: Verletzung des N. radialis in Höhe des Handgelenkes und der Hand
  • S64.3: Verletzung der Nn. digitales des Daumens
  • S64.4: Verletzung der Nn. digitales sonstiger Finger
  • S64.7: Verletzung mehrerer Nerven in Höhe des Handgelenkes und der Hand
  • S64.8: Verletzung sonstiger Nerven in Höhe des Handgelenkes und der Hand
  • S64.9: Verletzung eines nicht näher bezeichneten Nervs in Höhe des Handgelenkes und der Hand

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.