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Famulatur-Vorbereitung: Organisation und Tipps

Abstract

Im Laufe des Medizinstudiums müssen alle Studierenden sogenannte Famulaturen (von lat. famulus = "Gehilfe") absolvieren. Insgesamt sind nach der Approbationsordnung (ÄApprO) vier Monate Famulaturzeit zwischen dem Ersten und Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung vorgesehen. Diese können entweder in einer ambulanten Einrichtung oder auf der Station eines Krankenhauses verbracht werden. Das Ziel der Famulatur ist es, den Studierenden einen ersten Praxiseinblick zu ermöglichen.

Im Vordergrund der Famulatur steht die praktische Ausbildung, also die Anwendung des theoretisch erlernten Wissens im klinischen Alltag. Während der Zeit wirst du eng begleitet von den praktizierenden Ärzten und Ärztinnen im Krankenhaus oder der Praxis. Dabei wird deinen ärztlichen Kollegen bewusst sein, dass du dich noch in der Ausbildung befindest und noch nicht alles wissen kannst! Es geht in der Famulatur deshalb auch nicht ums Auswendiglernen, sondern vielmehr darum, ein Gespür für die Themen und Tätigkeiten zu bekommen. Die Chance, unter Anleitung zu lernen, solltest du unbedingt nutzen und kannst so von diesen Abschnitten deines Medizinstudiums enorm profitieren. Manche haben so auch schon ihr späteres Fachgebiet gefunden.

Wir haben an dieser Stelle wichtige Themen zur Planung, Organisation und Vorbereitung deiner Famulaturen sowie einige Tipps zusammengestellt. Im Kapitel „Famulatur-Vorbereitung: Praktische Fähigkeiten“ findest du eine Zusammenstellung wichtiger Themen für die verschiedenen Fächer (z.B. Innere, Chirurgie, Neurologie). Weitere Informationen zum Thema Famulatur findest du auch auf STEIGBÜGEL – der Klinikdatenbank von AMBOSS (den Link findest du unter „Tipps & Links“ am Ende dieses Kapitels).

Vorgaben

Grundlegendes

  • Definition: Famulaturen (von lat. „famulus“ = „Gehilfe“) = praktische Abschnitte des Medizinstudiums in der ambulanten oder stationären Patientenversorgung

Im Vordergrund der Famulatur steht die Anwendung des bisher gelernten theoretischen Wissens und der Basiskompetenzen. In der Famulatur wird es weniger darum gehen, Dinge selbst durchzuführen, sondern eher darum, zu beobachten und zu assistieren!

Vorgaben zur Famulatur

  • Mindestdauer von vier Monaten
    • 1 Monat : Ambulante Versorgung, sog. „Praxisfamulatur“
    • 2 Monate insgesamt: Stationäre Versorgung („Krankenhausfamulatur“)
    • 1 Monat: Hausärztliche Versorgung
  • Zeitraum: Während der vorlesungsfreien Zeit (Semester-, Weihnachts- & Osterferien)
  • Dienste: Regelhafte Spät-, Nacht- oder Wochenenddienste gibt es nicht
  • Krankheit: Krankheitstage müssen am Ende der Famulaturzeit nachgeholt werden
  • Vergütung: I.d.R. gibt es keine Vergütung, es gibt aber Ausnahmen (s. Organisatorisches - Fragen zur Famulaturplanung)
  • Famulaturzeugnisse: Jeden Teilabschnitt einer Famulatur muss man sich auf einem entsprechenden Vordruck bescheinigen lassen
    • Es gibt unterschiedliche Vordrucke für stationäre und ambulante Einrichtungen
    • Jede Bescheinigung muss mit Stempel und Unterschrift der ausbildenden Ärzte versehen sein
    • Bei der Anmeldung zum Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung müssen die Bescheinigungen der Famulaturen vorgelegt werden

Die Prüfungsämter der einzelnen Bundesländer machen unterschiedliche Vorgaben zur zeitlichen Aufteilung der Famulatur (so werden z.T. auch 15-tägige Abschnitte anerkannt). Hier sollte man sich im Vorfeld der Famulatur unbedingt erkundigen, denn im Zweifelsfall kann es ansonsten zu Problemen bei der Prüfungsanmeldung kommen!

Bei der Frage, in welche Kategorie deine mögliche Famulaturstelle gehört (ambulant oder stationär), kann eine Nachfrage beim jeweiligen Landesprüfungsamt Klärung verschaffen!

Fragen zur Famulaturplanung

Im Vorfeld der Famulatur solltest du folgende Punkte klären:

  1. Wann ist für mich der beste Zeitpunkt für meine erste Famulatur?
    • Prinzipiell direkt nach dem Eintritt in den klinischen Studienabschnitt möglich
    • Ggf. ist es ratsam, die Untersuchungskurse in den ersten klinischen Semestern abzuwarten, um entsprechende Fähigkeiten zu erlangen
  2. In welchem Fachbereich soll ich meine erste Famulatur absolvieren?
    • Für den Einstieg bieten sich die großen, examensrelevanten Fächer Innere und Chirurgie an
    • In Ambulanzen können praktische Fähigkeiten gut vermittelt werden, da diese dort häufiger angewendet werden
  3. In welchem Fachbereich sollte ich spätere Famulaturen planen?
    • Auf eigene Lernziele und Interessen achten
    • Eigene „Wissenslücken“ füllen
    • Anregungen und Ideen durch Kommilitonen
  4. Gibt es eine spezielle Vorbereitung im Vorfeld der Famulatur?
    • Viele Fakultäten bieten Kurse oder Peer-Teachings an, um vorab schon praktische Fähigkeiten zu erlernen, die dann während der Famulatur entsprechend angewandt bzw. vertieft werden können
  5. Wie finde ich eine passende Famulaturstelle?
    • Schau doch einmal in unsere Klinik-Datenbank „STEIGBÜGEL“, hier findest du zu verschiedenen Kliniken Bewertungen, Erfahrungsberichte und Informationen zu Vergütung, Verpflegung, Kleidung etc. (siehe unter Tipps und Links)!
  6. Gibt es in meinem Bundesland eine Famulatur-Vergütung?
    • In einigen Bundesländern wird insb. im ambulanten und/oder ländlichen Bereich eine Vergütung gezahlt
    • Mehr Infos zur Vergütung findest du auch in unserer Klinik-Datenbank „STEIGBÜGEL“ (siehe unter Tipps und Links)
  7. Wann sollte ich mich für eine Famulatur bewerben?
    • Je früher, desto besser, denn beliebte Famulatur-Plätze können bereits frühzeitig vergeben sein
  8. Wie bewerbe ich mich für eine Famulatur?
    • Meist läuft die Bewerbung relativ unkompliziert, am besten wendest du dich direkt an das jeweilige Sekretariat der Abteilung bzw. die Arztpraxis
    • Wenn du dich für eine Famulatur in einem bestimmten Fach interessierst, kannst du z.B. auch den Dozenten bzw. die Dozentin nach einer spannenden Vorlesung direkt ansprechen
  9. Was sollte ich bei der Bewerbung vor Beginn der Famulatur explizit nachfragen?
    • Uhrzeit und Ort der Vorstellung am ersten Tag
    • Verpflegung und Arbeitskleidung während der Famulatur
    • Notwendigkeit eines Besuchs beim Betriebs- oder Hausarzt
  10. Brauche ich spezielle Impfungen?
    • Ggf. musst du vor Beginn der ersten Famulatur einmal zum Betriebsarzt deiner Universität, um Impfungen nachzuholen oder auffrischen zu lassen
    • Bei Famulaturen in pädiatrischen Einrichtung werden evtl. mehr Nachweise erfolgter Impfungen gefordert
    • Falls du eine Auslandsfamulatur planst, solltest du dich bspw. beim Tropeninstitut deiner Universität vorher erkundigen, welche Impfungen du benötigst
  11. Besteht während meiner Famulatur Versicherungsschutz?
    • In jedem Falle solltest du während des Studiums über eine private Haftpflichtversicherung verfügen
    • Im Fall von Wege- und Arbeitsunfällen besteht Versicherungsschutz über die gesetzliche Unfallversicherung (Gleiches gilt für Nadelstichverletzungen!)
    • Die Betriebshaftpflichtversicherung des Krankenhauses oder der Praxis versichert meist auch die Famulanten mit

Im Falle einer Nadelstichverletzung muss unverzüglich eine Vorstellung bei dem/der zuständigen Arzt/Ärztin sowie dem D-Arzt erfolgen!

Notwendige Materialien und Ausstattung

Die notwendigen Utensilien unterschieden sich zwar teilweise von Station zu Station, einige wichtige Materialien solltest du dir aber auf jeden Fall vor dem ersten Tag deiner Famulatur organisiert haben. In vielen Kliniken in Deutschland wird der Kittel für Famulanten gestellt – in Praxen musst du hingegen meist selbst für die passende Arbeitskleidung sorgen. Falls du eine Famulatur im Ausland absolvierst, brauchst du vielleicht auch einen eigenen Kittel, und je nachdem auch eine etwas elegantere Arbeitskleidung (Hemd, Bluse, Stoffhose unter dem Kittel). Außerdem empfiehlt es sich, für die Station saubere und vor allem bequeme Schuhe zu besorgen, da du am Tag sicher des Öfteren für eine Blutentnahme, eine Untersuchung, einen Befund, einen Botengang oder zu Fortbildungen im Gebäude unterwegs bist.

Kleidung

  • Kittel, falls dieser nicht vom Krankenhaus gestellt wird
  • Bequeme und saubere Schuhe, z.B. helle Turnschuhe
  • Bequeme, schlichte Kleidung

Für die Kitteltasche

  • Notizblock und Stift
  • Stethoskop
  • Reflexhammer
  • (Pupillen‑)Leuchte
  • Evtl. EKG-Lineal
  • Stauschlauch bzw. -gurt
  • Spezielle Ausrüstung (z.B. Otoskop, Dermatoskop, Stimmgabel für die Neurologie oder Fundoskopie-Linsen in der Augenheilkunde) leihen dir sicher gerne die Ärztinnen und Ärzte
  • AMBOSS-Wissens-App auf dem Smartphone :‑)

Verhaltensregeln für die Zeit in der Praxis

DO - Dies solltest du während der Famulatur beachten!

  1. Stelle dich allen Personen, mit denen zu tun hast, mit Namen und Funktion vor! Bei Bedarf auch mehrfach. Manchmal ist es gegenüber Patienten auch sinnvoll, die eigene Position kurz zu erläutern.
  2. Beachte hygienische Grundregeln! Die gründliche Händedesinfektion solltest du auch dann beachten, wenn Vorgesetzte und Kollegen in diesem Punkt nicht immer als Vorbild dienen. Als Eigen- und Patientenschutz ist sie jedoch essentiell! Gleiches gilt beim Umgang mit Instrumenten und Nadeln (kein „Re-Capping“ von Kanülen, alle genutzten Einmal-Instrumente im „Sharp-Safe“ sicher entsorgen, etc.).
  3. Beachte die Ärztliche Schweigepflicht! Der § 203 StGB umfasst Informationen zu den Lebensbereichen von Patienten und Personal sowie Betriebsgeheimnisse.
  4. Stelle Fragen, wenn du etwas nicht verstehst oder nicht genau weißt, was du machen sollst!
  5. Wenn du dir bei bestimmten Aufgaben unsicher bist, dann frage nach weiterer Anleitung und Erklärung!
  6. Du solltest ruhig von dir aus ansprechen, was du lernen oder sehen möchtest (z.B. eine bestimmte Funktionsabteilung oder eine spezielle Operation).
  7. Nehme - sofern die Möglichkeit besteht - an einem Dienst teil.
  8. Achte auf deine eigene Gesundheit und vermeide unnötigen Stress!
  9. Wenn du etwas nicht tun möchtest oder du es dir (noch) nicht zutraust, dann sage dies ruhig offen und ehrlich!
  10. Schlage Lehrinhalte, die du während des klinischen Alltags nicht verstehst, zeitnah nach oder schreibe sie dir auf, um dich später an sie erinnern zu können!
  11. Hole aus lästigen Pflichtaufgaben das Beste für dich heraus!
  12. Sprich Probleme, die evtl. auftreten können, offen an oder weise auf Zustände hin, die dich stören Deine Nachfolger werden es dir sicherlich danken!

DON'T - Dies solltest du während der Famulatur besser vermeiden!

  1. Überschätze dich nicht!
    • In der Famulatur sollte es primär darum gehen, erste klinische Erfahrungen zu sammeln, aus Beobachtungen zu lernen und anhand deiner Fragen neues klinisches Wissen zu erlangen
    • Am Patienten solltest du nur unter enger Anleitung und Supervision arbeiten
    • Aufgaben, die dich überfordern, kannst du auch ablehnen!
  2. Tritt gegenüber Patienten und Mitarbeitern nicht überheblich auf
  3. Dränge dich nicht auf oder stelle Forderungen, sondern frage bei allen Beteiligten höflich nach Hilfestellung oder Rat.
  4. Lass dir nicht alles gefallen!
  5. Beantworte keine Patientenfragen, die du nicht genau beantworten kannst!

Die Arbeit im Krankenhaus ist Teamarbeit und somit sind alle Mitarbeiter aufeinander angewiesen. Man sollte sich also keinesfalls für etwas besseres halten. Zudem macht die Arbeit in einem entspannten Umfeld viel mehr Spaß!

Es ist nicht schlimm, wenn Fehler passieren. Man sollte sie jedoch offen zugeben!

Auslandfamulatur

Es ist generell möglich, Famulaturen ambulant bzw. stationär im Ausland zu absolvieren . Wem ein ganzes Auslandssemester zu aufwändig oder zu lange ist, für den bietet die Famulatur eine gute Gelegenheit für einen kürzeren Auslandsaufenthalt während des Studiums.

Einige wichtige Aspekte zur Planung und Durchführung haben wir in dieser Sektion zusammengestellt. Wichtig ist, dass du dir frühzeitig überlegst, zu welchem Zeitpunkt du eine Auslandsfamulatur absolvieren möchtest und entsprechend viel Zeit für die Organisation einplanst.

  1. Suche nach einem geeigneten Famulaturplatz
    • Viele Fakultäten bieten Beratungen bei geplantem Auslandsaufenthalt an oder stehen in Kontakt zu Partnerfakultäten im Ausland
    • Die lokale Bundesvertretung der Medizinstudierenden Deutschlands (bvmd) kann ggf. auch weiterhelfen
    • Bei der eigenständigen Organisation kann man von den Erfahrungen anderer profitieren (Freunde, Bekannte oder Erfahrungsberichte im Internet)
  2. Unterbringung klären
    • Gibt es ein Studentenwohnheim oder muss die Unterkunft privat gesucht und/oder finanziert werden?
  3. Finanzierung des Auslandsaufenthaltes
  4. Wichtige Versicherungsfragen klären
    • Auslandskrankenversicherung (mit Krankenrücktransport)
    • Berufshaftpflichtversicherung (mit der Famulaturstelle vor Ort besprechen)
    • Private Haftpflichtversicherung (inkl. Schutz im Ausland)
  5. Wichtige Dokumente besorgen
    • Reisepass
    • Ggf. Visum
    • Sprachzertifikate
  6. Reiseimpfungen komplettieren
  7. Famulaturzeugnis einholen