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Dystonie

Letzte Aktualisierung: 20.4.2026

Zusammenfassungtoggle arrow icon

Dystonien gehören zu den extrapyramidalen Bewegungsstörungen und gehen mit unwillkürlichen, oft schmerzhaften Kontraktionen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen einher. Häufig sind diese auf ein Körperteil beschränkt (fokal). Sie können aber auch mehrere Körperteile betreffen oder sogar generalisiert auftreten. Ätiologisch sind insb. Hirnschädigungen und genetische Erkrankungen zu bedenken, aber auch ein idiopathisches Auftreten und funktionelle Störungen sind häufig. Medikamentös bedingt treten Dystonien v.a. nach Einnahme von Antipsychotika und Antiemetika wie Metoclopramid auf (siehe dazu: Akute Dystonie bzw. tardive Dystonie im Kapitel Antipsychotika). Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Form der Dystonie.

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Definitiontoggle arrow icon

Dystonie (Symptom) [1][2]

  • Extrapyramidale Bewegungsstörung: Pathologische Kokontraktion agonistischer und antagonistischer Muskeln bzw. Muskelgruppen
  • Dyskinesie mit unwillkürlicher Kontraktion einzelner Muskeln oder Muskelgruppen
    • Mit Fehlhaltungen, teilweise abnorm verdreht, und/oder repetitiven Bewegungen
    • Anhaltend oder intermittierend
    • Individuell typisches Bewegungsmuster
    • Oftmals schmerzhaft
    • Ggf. auslösbar durch Willkürbewegung der betroffenen Muskelgruppen

Formen [1]

  • Bezug auf assoziierte Erkrankungen
    • Isolierte Dystonie: Dystonie ist einziges Krankheitszeichen
    • Kombinierte Dystonie: Dystonie in Verbindung mit anderen Bewegungsstörungen
    • Komplexe Dystonie: Dystonie im Rahmen einer Grunderkrankung, die nicht primär zu den Bewegungsstörungen gezählt wird
  • Bezug auf das Verteilungsmuster
    • Fokale Dystonie: Auf ein Körperteil begrenzte Dystonie
    • Segmentale Dystonie: Dystonie von 2–3 benachbarten Körperteilen
    • Hemidystonie: Dystonie von mehr als 2 ipsilateralen Körperteilen
    • Multifokale Dystonie: Dystonie von 2–3 nicht-benachbarten Körperteilen
    • Generalisierte Dystonie: Dystonie von mehr als 3 Körperteilen (Rumpfbeteiligung möglich)
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Ätiologietoggle arrow icon

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Klassifikationtoggle arrow icon

Klinische Präsentation

  • Manifestationsalter
    • ≤2 Jahre: Frühkindlich
    • >2 bis ≤12 Jahre: Kindlich
    • >12 bis ≤20 Jahre: Jugendlich
    • >20 bis ≤40 Jahre: Frühes Erwachsenenalter
    • >40 Jahre: Spätes Erwachsenenalter
  • Verteilungsmuster
    • Fokal
    • Segmental
    • Multifokal
    • Generalisiert (mit/ohne Beinbeteiligung)
    • Halbseitig (Hemidystonie)
  • Zeitlicher Verlauf
    • Krankheitsbezogen
      • Statisch
      • Progredient
    • Symptombezogen
      • Persistierend
      • Aktionsspezifisch
      • Tageszeitlich
      • Paroxysmal
  • Assoziierte Symptome
    • Isoliert
    • Kombiniert mit weiteren Bewegungsstörungssymptomen
    • Vorliegen weiterer neurologischer Symptome oder systemischer Symptome

Zugrunde liegende Ätiologie

Eine Dystonie soll anhand der klinischen Präsentation und Ätiologie klassifiziert werden!

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Diagnostiktoggle arrow icon

Für Dystonien unter der Einnahme von Antipsychotika oder Metoclopramid siehe: Akute Dystonie bzw. tardive Dystonie!

Allgemeine Diagnostik bei Dystonie [1]

Diagnostik bei V.a. bestimmte Dystonieerkrankungen

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Dystonieerkrankungentoggle arrow icon

Bei den medikamentösen Therapien handelt es sich um Off-Label Use!

Der Zusatz „spasmodisch/spasmodicus“ in manchen Krankheitsnamen bedeutet „krampfartig“ und steht hier nicht im Zusammenhang mit einer Spastik!

Zervikale Dystonie (Torticollis spasmodicus)

  • Form: Fokale Dystonie oder segmentale Dystonie (bspw. Kombination mit oromandibulärer Dystonie oder zervikobrachialer Dystonie)
  • Ätiologie: Überwiegend idiopathisch
  • Epidemiologie
    • Manifestationsalter: Variabel, überwiegend 30–50 Jahre, aber auch im Kindesalter auftretend
    • Häufigste fokale Dystonie
  • Symptomatik
    • Schmerzhafte Kontraktion des M. sternocleidomastoideus und zu Teilen des M. trapezius
      • Meist Torticollis (Neigung des Kopfes zur kranken und Blick zur gesunden Seite)
      • Aber auch: Laterokollis, Retrokollis, Antekollis, lateraler oder sagittaler Shift oder Mischformen
    • Intermittierend auftretend
    • Zunahme bei Stress/Anspannung
    • Geste antagoniste: Bspw. Anlegen des Zeigefingers an Kinn oder Wange
    • Ggf. assoziierte Schluckbeschwerden
  • Zusätzliche Diagnostik: MRT der HWS
  • Differenzialdiagnosen: Siehe Torticollis
  • Therapie [1]

Dystoner Blepharospasmus

  • Form: Fokale Dystonie oder segmentale Dystonie (bei etwa 50% im Verlauf Kombination mit oromandibulärer Dystonie [Meige-Syndrom])
  • Epidemiologie
  • Symptomatik
    • Unwillkürliche Kontraktion des M. orbicularis oculi, ggf. auch periorbitaler Muskeln, i.d.R. beidseits
    • Zunahme durch visuelle und taktile Reize (Helligkeit, Wind, Rauch, trockene Augen)
    • Geste antagoniste: Bspw. Mund aufsperren, Augenbraue oder Lid berühren
    • Auftreten auch im Schlaf möglich
    • Verlauf: Meist progredient, bei ca. 10% Spontanremission
  • Zusätzliche Diagnostik (optional)
    • Blinkreflex: Gesteigert
    • EMG: Tonische Daueraktivität
  • Differenzialdiagnosen: Siehe Störungen der Lidstellung
  • Therapie [1]
    • Botulinumtoxin-A-Injektion, etwa alle 3 Monate (individuelle Wirkdauer)
    • Fehlendes Therapieansprechen: Versuch mit Trihexyphenidyl, anderen Anticholinergika oder Tetrabenazin erwägen
    • Hilfsmittelversorgung erwägen

Oromandibuläre Dystonie

  • Form: Fokale Dystonie oder segmentale Dystonie (i.d.R. Kombination mit Blepharospasmus [Meige-Syndrom])
  • Symptomatik
    • Kieferschlussdystonie: Kiefer geschlossen, Mundwinkel verzogen
    • Kieferöffnungsdystonie: Kiefer geöffnet, Zunge herausgestreckt, Platysma angespannt
    • Auslöser: Kauen, Sprechen
    • Auftreten auch im Schlaf möglich
  • Therapie
    • Botulinumtoxin-A-Injektion
    • Fehlendes Therapieansprechen: Versuch mit Tetrabenazin erwägen
    • Hilfsmittelversorgung erwägen: Zahnprothese, Kiefersplint

Meige-Syndrom

Laryngeale Dystonie (spasmodische Dysphonie / Sprechkrampf) [1][5]

  • Form: Fokale Dystonie
  • Symptomatik
    • Adduktortyp: Gepresste und abgehackte, abbrechende Stimme
    • Abduktortyp (seltener): Flüstersprache und Versiegen der Sprache
  • Therapie

Aktionsspezifische fokale Dystonie

  • Form: Überwiegend fokale Dystonie
  • Symptomatik: Dystonie bei bestimmten, sehr häufig ausgeführten Tätigkeiten, bspw.
  • Therapie [1]
    • Botulinumtoxin-A-Injektion (Off-label Use, verordnungsfähig laut Beschluss des G-BA 2021 bei Instrumentalmusiker:innen) [7]
    • Hilfsmittelversorgung erwägen: Bspw. Schreiborthese

Myoklonusdystonie

Dopa-responsive Dystonie (Segawa-Syndrom)

  • Form: Generalisierte Dystonie
  • Epidemiologie: Beginn im Kindes-/Jugendalter (überwiegend ≤10 Jahre), >
  • Ätiologie: Hereditär
  • Symptome
    • Beginn: Fuß- und Beindystonie mit Gangstörung
    • Verlauf
    • Im Tagesverlauf zunehmende Symptomausprägung
  • Therapie: L-Dopa (niedrig dosierte Dauertherapie, führt über viele Jahre zu vollständiger Symptomrückbildung )

Torsionsdystonie

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Dystoner Tremor und dystonieassoziierter Tremortoggle arrow icon

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Status dystonicustoggle arrow icon

  • Definition: Seltene, lebensbedrohliche Komplikation mit zunehmend häufigen oder anhaltenden, generalisierten dystonen Krämpfen
    • Meist bei vorbestehender Dystonie, selten bei akuter Dystonie
    • Entwickelt sich über Tage/Wochen
    • Schmerzhaft
    • Können zu mechanischer Atemstörung und Rhabdomyolyse sowie metabolischer Entgleisung führen
  • Epidemiologie: Vorwiegend Kinder und Jugendliche betroffen
  • Auslöser: Bspw.
  • Therapie: Behandlung auf ITS, ggf. Intubation [9][10]
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Kodierung nach ICD-10-GM Version 2026toggle arrow icon

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2026, BfArM.

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