ambossIconambossIcon

Lungenkrebs-Früherkennung

Letzte Aktualisierung: 9.7.2026

Einleitungtoggle arrow icon

Lungenkrebs ist mit über 56.000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland. . [1] Da Rauchen der wichtigste Risikofaktor ist und die Menge und Dauer des Zigarettenkonsums den größten Einfluss auf das Krebsrisiko hat, richtet sich das Screening an eine definierte Hochrisikogruppe – um Strahlenbelastung, Überdiagnosen und Übertherapien zu minimieren. Große internationale Studien belegen, dass ein strukturiertes Low-Dose-CT-Screening (LDCT) die lungenkrebsspezifische Sterblichkeit um rund 20% senkt. Dafür ist eine frühzeitige, kurative Therapie entscheidend.

Das gesetzlich vergütete Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm startete am 1. April 2026 auf Grundlage der LuKrFrühErkV und des G-BA-Beschlusses. Qualifizierte Ärztinnen und Ärzte aus Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin und Innerer Medizin identifizieren dabei die anspruchsberechtigten Personen, prüfen die medizinische Eignung, klären über Nutzen und Risiken auf und erstellen einen Prüfbericht. Die Untersuchung und Befundung erfolgen durch befugte radiologische Praxen. Das weitere Prozedere ist befundabhängig.

Hintergrundinformationentoggle arrow icon

Rechtliche Grundlagen

  • Lungenkrebsfrüherkennungsverordnung (LuKrFrühErkV) des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (auf Basis des Strahlenschutzgesetzes) [2]
  • Beschluss des G-BA
    • Leistung der GKV
    • Krebsfrüherkennungsrichtlinie: Regelt die Durchführung [3]

Relevante Faktoren für den Erfolg der Früherkennung [4]

  • Identifikation der Zielgruppe
  • Information, Motivation und Adhärenz der Teilnehmenden
  • Teilnahme einer hohen Zahl geeigneter Personen
  • Aktive Mitwirkung aller Beteiligten

Nutzen und Risiken des Lungenkrebs-Früherkennungsprogramms

Nutzen

  • Mortalitätsreduktion
    • Lungenkrebsspezifische Mortalität: Ca. 20% [4]
    • Gesamtmortalität: Ca. 5%

Risiken [4]

  • Falsch-positive / falsch-negative Befunde
    • Falsch-positive Befunde
      • In den ersten Screeninguntersuchungen ca. 8–20%
      • Deutliche Reduktion bei Teilnahme über mehrere Jahre
      • Unnötige invasive Diagnostik: Bei ca. <1%
    • Falsch-negative Befunde: Ca. 8% aller Lungenkrebsfälle
  • Überdiagnosen und -therapien
    • Bei ca. 3% aller mittels LDCT-detektierten Lungenkrebsfälle
    • Besonders betroffen: Personen mit geringer Lebenserwartung
    • Unnötige Risiken durch diagnostische oder therapeutische Maßnahmen
  • Strahlenbelastung
    • Ca. 1 mSv/Untersuchung
    • Bei jährlichem Low-Dose-CT zwischen dem 50. und 75. Lebensjahr: Erhöhung des Krebsrisikos um insg. ca. 0,25% () bzw. 0,1% ()
  • Psychische Belastung

Ablauftoggle arrow icon

Überblick

  • Identifikation von Risikopersonen, Eignungsprüfung, Aufklärung und Erstellen eines Prüfberichts durch qualifizierte Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin, Allgemeinmedizin oder Arbeitsmedizin (oder Ärzt:innen mind. im 3. Jahr der Weiterbildung)
  • Terminvereinbarung (durch teilnehmende Person) zum Low-Dose-CT in befugter radiologischer Praxis
  • Low-Dose-CT und Erstbefundung durch Fachärztin/Facharzt für Radiologie
  • Übermittlung Befundbericht innerhalb von ≤14 Tagen an die teilnehmende Person
  • Weiteres Prozedere befundabhängig

1. Identifikation anspruchsberechtigter Personen [2]

  • Aktive/ehemalige Raucher:innen (Rauchstopp vor ≤10 Jahren) und
  • Alter 50 bis ≤75 Jahre und
  • Expositionsdauer ≥25 Jahre ohne Unterbrechung und
  • ≥15 Pack Years und
  • Kein Thorax-CT innerhalb der letzten 12 Monate

2. Prüfen der medizinischen Eignung [4][5]

  • Ziel: Positives Nutzen-Risiko-Verhältnis sicherstellen
    • Einschluss: Personen, für die eine kurative Therapiestrategie möglich wäre
    • Ausschluss: Personen mit geringer Lebenserwartung
  • Relevante Aspekte: Insb.
    • Lebensalter, Lebenserwartung
    • Grunderkrankungen
    • Allgemeiner Gesundheitszustand
  • Regelmäßige Reevaluation

3. Aufklärung

Ergänzend zur mündlichen Aufklärung sollte die Versicherteninformation des G-BA überreicht werden. Der Link hierzu findet sich unter „Tipps & Links“ und als Quelle am Zeilenende (gedruckte Exemplare über die KVen erhältlich)! [6]

Nutzen der Früherkennung

  • Mortalitätssenkung
    • Lungenkrebsspezifische Mortalität: Ca. 20%
    • Gesamtmortalität: Ca. 5%
    • Je länger die Teilnahme an der Früherkennung, desto größer die Wahrscheinlichkeit, Lungenkrebs in einem frühen, gut therapierbaren Stadium zu diagnostizieren
  • Rauchen als Risikofaktor im Fokus, Ansprache zu Rauchentwöhnung

Risiken der Früherkennung [4]

  • Risiko und Folgen falsch-positiver/-negativer Befunde
    • Nichterkennen von Lungenkrebs
    • Möglicherweise invasive Diagnostik/Therapie (Biopsie, operative Entfernung) bei benignen Befunden
    • Je länger die Teilnahme, desto geringer das Risiko
  • Risiko von Überdiagnostik und -therapie
    • Insb. bei verkürzter Lebenserwartung
    • Nimmt mit Lebensalter und Grunderkrankungen zu
      • Personen ≥70 Jahre und/oder vorliegende Komorbiditäten: Aufklärung über erhöhtes Risiko von Überdiagnostik und -therapie und somit möglicherweise geringeren/fehlenden Nutzen der Früherkennung
  • Strahlenrisiko
    • Ca. 1 mSv/Untersuchung, zum Vergleich
      • Natürliche Strahlenexposition in Deutschland pro Jahr: 2,1 mSv
      • Häufiges Fliegen (bspw. 10× Hin- und Rückflug Frankfurt - New York): 1 mSv
    • Relevante Reduktion des Erkrankungsrisikos durch Rauchstopp
  • Psychische Belastung

Vorgehen bei auffälligem Befund

  • Ggf. frühere Kontrolluntersuchung (nach 3 bzw. 6 Monaten) oder zeitnahe Abklärung erforderlich
  • Aufklärung über Risiken von eventuell erforderlicher Diagnostik und Therapie

Aufklärung und Motivation zur Rauchentwöhnung

4. Ausstellen eines Prüfberichts und Überweisung [3]

  • Für die teilnehmende Person zur Vorlage bei der durchführenden radiologischen Praxis
  • Inhalt: Person erfüllt die Voraussetzungen (Einschlusskriterien, medizinische Eignung) und wurde aufgeklärt
  • Überweisung an qualifizierte radiologische Praxis

4. Untersuchung (Low-Dose-CT) und weiteres Prozedere

  • Nach Untersuchung: Übermittlung Befundbericht innerhalb von ≤14 Tagen an die teilnehmende Person
  • Unauffälliger Befund: Erneute Untersuchung nach 12 Monaten
  • Kontroll-/abklärungsbedürftiger Befund
    • Zweitbefundung und Austausch zwischen erst- und zweitbefundender Person
    • Kontrollbedürftig: Erneute Untersuchung nach <12 Monaten
    • Abklärungsbedürftig: Zeitnahe Vorstellung in spezialisiertem Zentrum

Befundklassifikationtoggle arrow icon

Modifizierte Befundklassifikation nach Lung-RADS
Kategorie Beschreibung Häufigkeit im Rahmen der Früherkennung (geschätzt) Weiteres Prozedere
0
  • Unvollständig
  • Ca. 1%
  • Vergleich mit Voraufnahmen oder Wiederholung LDCT
1
  • Negativ
  • Ca. 30%
  • Nächstes LDCT in 12 Monaten
2
  • Negativ (benigne)
  • Ca. 60%
3
  • Kontrollbedürftig (wahrscheinlich benigne)
  • Ca. 5%
  • Nächstes LDCT in 6 Monaten
4
  • Kontroll-/abklärungsbedürftig (verdächtig)
  • 4A: Ca. 2,5%
  • 4B, 4X: Jeweils ca. 1%
  • 4A
    • Nächstes LDCT in 3 Monaten
    • Bei 4A (PET) : PET/CT
  • 4B, 4X
    • Unabhängige Zweitbefundung durch spezialisiertes Zentrum, anschließender Austausch zwischen Erst- und Zweitbefundenden
    • Bei Bestätigung: Umgehende Abklärung (interdisziplinär in spezialisiertem Zentrum, wenn möglich)

Abrechnung und Vergütungtoggle arrow icon

‎Leistung GOP Hinweise
Erstberatung zur Teilnahme an der Früherkennung von Lungenkrebs 01876
  • Je vollendete 5 Minuten berechnungsfähig (bis zu dreimal in einer Sitzung)
  • Erstberatung je versicherte Person nur einmal berechnungsfähig
Erstellung eines Prüfberichts nach den Vorgaben der Krebsfrüherkennungsrichtlinie 01875
  • Einmal je Überweisung zum Screening berechnungsfähig

Icon of a lockNur noch 3 Kapitel ohne AMBOSS-Zugang verfügbar

Mit einem AMBOSS-Zugang hast du unbegrenzten Zugriff auf alle Inhalte.
 Evidenzbasiertes Medizin- und Pflegewissen von unserer Fachredaktion auf den Punkt gebracht. Disclaimer aufrufen.