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Kreuztipps zum Ersten Staatsexamen

Einleitung

Manchen Studenten fällt das Kreuzen leichter als anderen. Da stellt sich manch einer die Frage: Was mache ich falsch? Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg beim Lösen der Fragen! Das Ziel ist, die für dich beste Herangehensweise zu finden. Zudem gibt es wirklich ein paar Tricks und Besonderheiten der IMPP-Fragen, für die wir eure Sinne schärfen wollen.

Bei den Fragen lassen sich zwei Typen unterscheiden: Die Trifft-zu-Fragen machen den größten Teil der Fragen aus, es gibt aber auch noch einige Trifft-nicht-zu-Fragen. Letztere sind vom IMPP im Fragentext immer mit „am wenigsten“ oder „kein“ (fett und unterstrichen) markiert. Wenn du bereits gemerkt hast, dass du diesen Hinweis im Eifer öfter überliest, erinnere dich, die Frage noch einmal genau zu lesen, sollten sich mehrere richtige Antwortmöglichkeiten ergeben. Vielleicht hat sich ein „am wenigsten“ oder „kein“ versteckt?

Jedes Prüfungsheft enthält auch ein Vorwort, aus dem sich einige Tipps ableiten lassen. Es enthält im wesentlichen folgende Informationen:

  • „Die Aufgaben beziehen sich auf den Regelfall.“
  • „Die beste Antwort ist diejenige, die im Vergleich der fünf Antwortmöglichkeiten die Aufgabe am umfassendsten beantwortet.“

Wie hilft dir dies für die Kreuz-Praxis? Es kann passieren, dass du zwei Antwortmöglichkeiten als richtig einschätzt. Wähle in diesem Fall, diejenige, die dir als die wahrscheinlichere vorkommt. Das IMPP arbeitet mit Regelfällen! Versuche deshalb so wenig wie möglich kompliziert zu denken, aber zugegeben: bei einigen Fragen ist das manchmal schwer. Besonders schwierige Fragen können oft nur beantwortet werden, wenn du zufällig irgendwo darüber gelesen hast oder dich das Thema ganz besonders interessiert. Doch lass dich nicht entmutigen wenn du mal etwas nicht weißt, das geht jedem so! Andererseits besteht bei Themen, bei denen du dich vermeintlich besonders gut auskennst, die Gefahr, dass du dich in zu komplizierte Überlegungen verstrickst. Du weißt beispielsweise, dass eine bestimmte Lehrbuchmeinung (z.B. die Reihenfolge der Abgänge der Arterien aus dem Aortenbogen) in der Realität nur begrenzt zuverlässig ist. Vorsicht: Das IMPP muss nach medizinischen bzw. wissenschaftlichen Regelfällen fragen, sonst wäre die Antwort juristisch anfechtbar.

  • „Es handelt sich um Antwortwahlaufgaben.“

Dies heißt nichts anderes, als dass es sich um Multiple-Choice-Fragen handelt, du also eine Lösung aus fünf vorgegebenen wählen musst.

Lesetechnik

Im Ersten Staatsexamen sind die allermeisten Fragen kurz und prägnant gestellt. Dir werden aber einige Fragen begegnen, welche vergleichsweise lang sind. Hier gilt es aus der großen Menge von Informationen die wichtigsten herauszufiltern. Es gibt mehrere Möglichkeiten dieser Anforderung gerecht zu werden:

Die Frage kann zum Beispiel einmal schnell gelesen werden, um einen ersten Eindruck zu bekommen und wird dann ein zweites Mal detailliert gelesen. Dies hat den Vorteil, dass du beim zweiten Lesen bereits ein Gefühl hast, in welche Richtung die Frage gehen wird und du auf die entsprechenden Details achten kannst. Diese Technik ist besonders interessant für schnell Lesende, die durch das doppelte Lesen wenig Zeit verlieren. Probier es einmal aus: Überfliege den Fragetext und lies dann die Antworten. Beim zweiten, genaueren Lesen hast du so schon ein besseres Gefühl, worauf die Frage abzielt:

Frage 1

Frau L. ist seit einiger Zeit in ärztlicher Behandlung. Sie berichtet von häufigen Kopfschmerzen, die insbesondere dann auftreten, wenn sie unangenehme Dinge tun müsse, wie zum Beispiel ihre Schwiegereltern einzuladen. Normalerweise seien diese Begegnungen sehr stressreich. Wenn sie jedoch Kopfschmerzen habe, sei ihr Mann immer besonders nett zu ihr. Sie habe schon öfter einer Begegnung entgehen können, wenn sie wieder Kopfschmerzen gehabt habe.

Welcher der folgenden Begriffe lässt sich auf das beschriebene Verhalten von Frau L. (Vermeidung unangenehmer Aktivitäten wegen der Kopfschmerzen) am ehesten anwenden?

A: Aggravation

B: Dissimulation

C: primärer Krankheitsgewinn

D: sekundärer Krankheitsgewinn

E: Stigmatisierung

Mit dem Papier arbeiten

Um die Informationsflut zu bewältigen, kann es ratsam sein, beim Lesen Markierungen im Text zu machen. Unterstreiche bspw. Schlüsselwörter, um einen Überblick darüber zu bekommen, was die wichtigsten Aspekte der Frage sind. Auch bei den Antwortmöglichkeiten kannst du systematisch vorgehen und diese ein- bzw. ausschließen, bis die Auswahl eingegrenzt ist. Vor allem wenn die Lösungen lang und unübersichtlich sind, nutze ruhig den Stift, um sicher falsche Antworten von eventuell möglichen zu unterscheiden. Du könntest zum Beispiel ausgeschlossene Antworten durchstreichen und bei denkbaren Fragen den Buchstaben unterstreichen. So näherst du dich Schrittweise der Lösung.

Was mache ich mit „Falschen Freunden“?

Bei einigen Fragen wirst du feststellen, dass sich die Antwortmöglichkeiten thematisch in Gruppen einteilen lassen, beispielsweise gehören vier Aussagen zu einer Gruppe, aber eine Aussage fällt aus dem Rahmen. Diese Gruppen können bei der Erstellung der Fragen entstehen, zum Beispiel wenn nicht genügend ähnliche Antwortmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Dann werden vom Autor Antworten aus einem ganz anderen Gebiet als Ergänzung und häufig als Ablenkung gewählt. Wenn Antworten eine Gruppe bilden, kann dies ein Hinweis sein, dass eine davon die Lösung ist. Manchmal ist es aber auch so, dass genau die Antwortmöglichkeit, die aus dem Schema fällt, die richtige ist.

So auch in dem folgenden Beispiel, in dem vier Strukturen Teil des Nervensystems sind, sich aber eine Antwort auf den Darm bezieht. Die Antworten inhaltlich in Gruppen einzuteilen, kann also helfen, sich der Lösung zu nähern. Es gibt aber keine Regel und wir raten daher immer zur logischen Entscheidung:

Frage 2

Die interstitiellen Zellen von Cajal sind:

A: Schrittmacherzellen im mesenzephalen Nucleus interstitialis Cajal

B: Nervenzellen im oberen Kleinhirnstiel

C: Gliazellen im Interstitium des Spinalganglions

D: Schrittmacherzellen in der Darmwand

E: Nervenzellen in der Substantia gelatinosa

Hin und wieder kommt es vor, dass sich zwei Antworten inhaltlich ausschließen. In diesem Fall ist es gut möglich, dass eine der beiden Antworten die gesuchte Lösung ist. Schaue dir das folgende Beispiel an:

Frage 3

Die Sagittalebene

A: steht parallel zur Stirn

B: enthält die Vertikal – und Transversalachse

C: teilt den Körper in links und recht von ihr liegende Strukturen

D: teilt den Körper in oberhalb und unterhalb von ihr liegende Strukturen

E: steht senkrecht zu den Krümmungen der Wirbelsäule

Auch im folgenden Beispiel lassen sich Gruppen einteilen und eine Vorauswahl treffen. Stell dir hierbei die Frage: Kommen Restriktionsendonucleasen in Bakterien oder eukaryontischen Zellen vor?

Frage 4

Restriktionsendonukleasen spielen eine Rolle in der humangenetischen Diagnostik.

Welche ursprüngliche Funktion haben Restriktionsendonukleasen?

A: Abbau eigener DNA durch Bakterien

B: Abbau fremder DNA durch Bakterien

C: Abbau eigener DNA durch eukaryonte Zellen bei der Apoptose

D: Abbau eigener DNA durch eukaryonte Zellen bei der Nekrose

E: Abbau fremder DNA durch eukaryonte Zellen

Wie teile ich mir die Zeit am besten ein?

Du hast für jede Frage eineinhalb Minuten – das ist eine lange Zeit. Wenn du die Examen im Prüfungsmodus durchkreuzt, bekommst du ein Gefühl dafür. Manchen hilft es, sich für die Prüfungstage gewisse Zeitlimits zu setzen, bspw. nach 2 Stunden Kreuzen etwas mehr als die Hälfte der Fragen des Tages beantwortet zu haben.

Auch das Übertragen ist wichtig für die Zeiteinteilung. Jeder hat für sich im Medizinstudium und in den zahlreichen Multiple-Choice-Klausuren eine Strategie entwickelt, wie Antworten korrekt und sorgfältig auf den Antwortbogen übertragen werden. Bei unserer Arbeit an den Examina haben sich drei Prinzipien herauskristallisiert:

  • A: Sofortiges Übertragen der Antwort
    • Vorteile: kein Verrutschen in den Zeilen und somit keine Übertragungsfehler. Fragen, die nicht sicher beantwortet werden können, werden trotzdem gleich übertragen (ggf. später nochmal bearbeitet), sodass immerhin eine 20%-ige Chance besteht, dass diese Antwort richtig ist.
  • B: Die Antworten werden in 10er- oder 20er-Paketen übertragen.
    • Vorteile: wie A, zusätzlich kurze Verschnaufpause für das Gehirn beim Übertragen
  • C: Die Antworten werden am Ende komplett übertragen.
    • Vorteile: kein Radieren falscher Antworten. Du kontrollierst bewusst alle Fragen noch einmal, bevor du sie final auf den Antwortbogen überträgst.
    • Nachteile: Wenn du in Zeitnot gerätst und noch übertragen musst, kann es sehr stressig werden. Solltest du es nicht mehr schaffen, alles zu übertragen, gehen diese Punkte verloren. Zudem besteht die Gefahr, dass du in der Zeile verrutschst und damit ganze Antwortreihen falsch werden (obwohl du eigentlich die Lösung wusstest), sodass wir von dieser Variante eher abraten.

Gegen Ende eines jeden Prüfungstages solltest du Verbesserungen nur noch vornehmen, wenn du einen offensichtlichen Fehler findest. Alles andere sind häufig „Verschlimmbesserungen“: Beim ersten Lösen warst du noch voll konzentriert und bist deiner meist richtigen Intuition gefolgt. Wenn du dich der gleichen Frage später ein zweites Mal annimmst, merkst du gar nicht, wie sehr die Konzentration über die Zeit schon abgenommen hat und veränderst die Lösung in eine falsche Richtung.

Abschließendes

Du hast bestimmt während des 30-Tage-Lernplans gemerkt, dass du ein Bauchgefühl für die richtige Antwort entwickelst, je mehr Fragen du kreuzt. Versuche in den letzten Vorbereitungstagen auf dein Bauchgefühl zu hören und dieses etwas zu trainieren.

Während der Lernphase hast du immer ein sofortiges Feedback bekommen, ob du eine Frage richtig oder falsch beantwortet hast. Simuliere in den letzten Tagen die Prüfungssituation und prüfe erst nach dem Kreuzen deine Antworten. Hierfür stehen dir die Generalprobe und der Prüfungsmodus in AMBOSS zur Verfügung.

Traue deiner ersten Eingebung: Versuche jede Frage zu beantworten oder markiere dir zumindest deine erste Eingebung, bevor du die Frage zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal bearbeitest – oft ist der erste Gedanke der richtige! Selbst wenn du eine Lösung nicht weißt. Entscheide dich vorerst für deinen „Favoriten“ und mache mit der nächsten Frage weiter. Kehre später zu der Frage zurück, wenn du am Ende noch Zeit übrig hast. Das ist effektiver und bringt dich nicht in Zeitnot!

Letzte Worte zu den Kreuztipps

  • Nicht einschüchtern lassen – keiner kann alles wissen!
  • Lies die Fragestellung genau durch!
  • Logisch denken!
  • Häufiges beachten!
  • Richtige Lösungen können häufig mit Basiswissen hergeleitet werden!

Wir hoffen, dass dir diese Tipps bei der Vorbereitung helfen!

Wenn du aufgeregt bist, ist das ganz normal. Bedenke, dass die Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg ist. In der Prüfung wirst du auf alles zurückgreifen, was du in der gesamten Vorklinik gelernt hast. Nicht nervös sein. Der Grundstein ist gelegt!

Am Tag vor der Prüfung empfehlen wir nichts mehr zu lernen. Du hast es dir verdient auszuspannen und kannst dir ruhig eine Auszeit gönnen! Ausgeschlafen wirst du wesentlich fokussierter am Prüfungstag arbeiten können.