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Persönlichkeit und Verhaltensstile

Abstract

Die Persönlichkeit eines Menschen setzt sich aus vielen verschiedenen Komponenten und Merkmalen zusammen. Im Folgenden werden Eysencks Dimensionen der Persönlichkeit sowie das „Big Five“-Modell vorgestellt. Bezüglich der zeitlichen Stabilität unterscheidet man zudem zwischen zeitlich stabilen „Trait“-Merkmalen und zeitlich instabilen „State“-Merkmalen. Weiterhin wird im Folgenden eine kleine Auswahl an menschlichen Verhaltensstilen erläutert.

Persönlichkeit

Theorien der Persönlichkeit

Es existieren diverse Theorien der Persönlichkeit, von denen im Folgenden zwei vorgestellt werden. Das Modell nach Eysenck und das "Big Five"-Modell als integrativer Ansatz der bisherigen Forschungsergebnisse beschreiben jeweils Merkmale des Menschen, die seine Persönlichkeit ausmachen.

Eysencks Dimensionen der Persönlichkeit (E-N-P-I)

Eysenck definiert in seiner Theorie der Persönlichkeit verschiedene Dimensionen der Persönlichkeit, die bei jedem Menschen in unterschiedlichem Ausmaß ausgeprägt sind.

  • E: Extraversion - Introversion
    • Extrovertierte Menschen sind kontaktfreudig und offen
    • Introvertierte Menschen wirken eher zurückhaltend und distanziert
  • N: Emotionale Stabilität - emotionale Labilität (Neurotizismus)
    • Emotional stabile Menschen weisen im Vergleich zu emotional instabilen Menschen eine höhere Erregungsschwelle bzgl. emotionaler Stimulationen auf.
    • Emotional instabile Persönlichkeiten sind leichter aus der Ruhe zu bringen und leiden häufiger unter Stimmungsschwankungen und körperlichen Beschwerden als Ausdruck des emotionalen Stresses. Sie leiden außerdem leichter und häufiger unter Angstzuständen.
  • P: Realismus - Psychotizismus
    • Menschen mit einem ausgeprägten Psychotizismus werden häufig als gefühlskalt, abweisend und aggressiv erlebt
    • Menschen mit einem ausgeprägten Realismus werden als angepasst erlebt und können ihre Impulse gut kontrollieren
  • I: Intelligenz
    • Die Intelligenz als Dimension der Persönlichkeit hat in Eysencks Modell eher eine nebensächliche Bedeutung

"Big-Five"-Modell

Das "Big-Five"-Modell wurde mithilfe von diversen Persönlichkeitstests (auch in nicht-westlichen Kulturen) entwickelt. Die fünf Persönlichkeitsmerkmale, die in all diesen verschiedenen Settings am häufigsten "zu sehen" waren, wurden zu den "Big Five" zusammengefasst. Das "Big-Five"-Modell ist heutzutage das bedeutendste Modell der Persönlichkeit.

  • Verträglichkeit
    • Menschen mit einer ausgeprägten Verträglichkeit werden als mitfühlend, empathisch, verständnisvoll und hilfsbereit erlebt
    • Menschen mit einer geringer ausgeprägten Verträglichkeit werden als ich-bezogen und konkurrierend mit anderen erlebt
  • Offenheit für Erfahrungen
    • Menschen, die offen für neue Erfahrungen sind, zeigen sich interessiert an neuen Dingen und werden als kreativ wahrgenommen
    • Menschen mit einer geringer ausgeprägten Offenheit werden eher als konservativ wahrgenommen
  • Gewissenhaftigkeit
    • Gewissenhafte Menschen zeigen ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein; sie sind zuverlässig und diszipliniert
    • Die Gewissenhaftigkeit korreliert im Vergleich mit den anderen Merkmalen des „Big-Five“-Modells am stärksten mit einer höheren Bildung, besserem Gesundheitsverhalten sowie einer niedrigeren Sterblichkeit
    • Menschen mit einer geringer ausgeprägten Gewissenhaftigkeit werden als nachlässig empfunden
  • Extra- vs. Introversion: Entspricht den Dimensionen von Eysencks Modell
  • Labilität (Neurotizismus) vs. Stabilität: Entspricht den Dimensionen von Eysencks Modell

Um sich an die fünf Persönlichkeitsmerkmale zu erinnern, kann man sich „VOGEL“ merken (Verträglichkeit, Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extra- vs. Introversion und Labilität vs. Stabilität).

Faktorenanalyse
Die verschiedenen Dimensionen der Persönlichkeit können mithilfe unterschiedlicher Persönlichkeitstests gemessen werden. Meist handelt es sich hierbei um Fragebögen, in denen verschiedene Aussagen (bspw. „Ich fühle mich in einer fremden Umgebung im Allgemeinen eher unwohl“) von dem Probanden als „zutreffend“ oder „nicht zutreffend“ beurteilt werden sollen. Im Anschluss können die Aussagen durch die sog. Faktorenanalyse auf wenige und voneinander unabhängige Dimensionen reduziert werden. Dafür werden Aussagen zu einer Gruppe zusammengefasst, die stark miteinander korrelieren. So werden bspw. die Aussagen „Ich fühle mich in einer fremden Umgebung im Allgemeinen eher unwohl“ und „Ich spreche im Allgemeinen eher ungern vor einer großen Menschengruppe“ von einem Probanden mit großer Wahrscheinlichkeit ähnlich beantwortet, da sie sich auf den gleichen Aspekt seiner Persönlichkeit beziehen. Aus allen zusammenhängenden Aussagen können nun mittels statistischer Auswertung Persönlichkeitsfaktoren wie bspw. „Introversion“ ermittelt werden. Alle Faktoren zusammen bilden letztlich die Persönlichkeitsstruktur, die mithilfe verschiedener Modelle (z.B. „Big-Five“-Modell) dargestellt werden kann.

Zeitliche Stabilität von Persönlichkeitsmerkmalen

Persönlichkeitsmerkmale sind über die Zeit relativ stabil und unterscheiden sich dadurch bspw. von den Stimmungen eines Menschen, die zeitlich instabil und von Situationen abhängig sind. Man unterscheidet demnach zwischen „Trait-“ und „State-Merkmalen“.

  • "Trait-Merkmale"
    • Zeitlich stabile Persönlichkeitsmerkmale
    • Können als Eigenschaft einer Person angesehen werden
    • Bsp.: Ängstliche Persönlichkeit
  • "State-Merkmale"
    • Zeitlich instabile Merkmale
    • Sind von der Situation abhängig, in der sich ein Mensch befindet
    • Bsp.: Stimmungen/Stimmungsschwankungen; Angst als Zustand in einer bedrohlichen Situation
    • State-Merkmale können aufgrund ihrer zeitlichen und situativen Instabilität nicht als Persönlichkeitsmerkmale bezeichnet werden

Selbstkonzept

Das Selbstkonzept ist das Verständnis, das Menschen von sich haben. Es gibt Auskunft darüber, wie Menschen sich sehen bzw. wie sie sich gerne sehen würden. Es ist über die Zeit annähernd stabil und geprägt von der Erziehung, die ein Mensch erfahren hat, dem eigenen Wunsch, wie man sein möchte sowie der Rückmeldung der Mitmenschen über die eigene Persönlichkeit. Das Selbstkonzept unterscheidet sich jedoch meistens von der Art, wie andere einen sehen.

Persönlichkeitsstörungen
Persönlichkeitsstörungen sind Verhaltensmuster, die deutlich von den in einer Gesellschaft zu erwartenden und akzeptierten Normen abweichen. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sie kaum zu beeinflussen und deswegen auch schwer zu therapieren sind. Eine Therapie ist auch nur dann notwendig, wenn der Leidensdruck für die Person (und/oder die Umwelt) oder die Beeinträchtigungen im sozialen und beruflichen Leben zu stark werden. Abhängig vom Verhalten werden verschiedene Formen der Persönlichkeitsstörung voneinander unterschieden wie bspw. abhängige, zwanghafte, histrionische und paranoide Persönlichkeitsstörung.

Verhaltensstile

Man unterscheidet in der Psychologie verschiedene Verhaltensstile des Menschen, von denen im Folgenden eine Auswahl vorgestellt wird.

  • Feldabhängigkeit: Feldabhängige Menschen machen ihr Verhalten eher von äußeren Umständen abhängig als von ihren eigenen Maßstäben
  • Interferenzneigung: Menschen mit dieser Neigung lassen sich leicht von äußeren, eigentlich unwichtigen Reizen ablenken
  • Sensation Seeking: Bezeichnet das Verlangen nach aufregenden Sinneseindrücken und Situationen. Diese sind häufig mit Risiken verbunden (z.B. Fallschrimspringen, Drogenkonsum).
  • Sensitization und Repression
    • Beschreibt, wie sich Menschen unangenehmen Ereignissen gegenüber verhalten. Im klinischen Alltag ist besonders wichtig, in welchem Ausmaß sie bedrohliche Informationen tolerieren können.
      • Sensitization: Sensitizer beschäftigen sich eher mit dem unangenehmen Ereignis und suchen aktiv nach Erklärungen und Lösungen
      • Repression: Represser leugnen, ignorieren oder spielen ein unangenehmes Ereignis eher herunter

Erlernte Hilflosigkeit (nach Seligman)
Das Modell der erlernten Hilflosigkeit ist eine verhaltenspsychologische Grundlage für die Entstehung einer Depression und erklärt, warum depressiv Erkrankte nicht mehr in der Lage sind, objektiv kontrollierbare Ereignisse zu bewältigen. Es bezeichnet das Phänomen, dass Lebewesen die gefühlte Hilflosigkeit einer ausweglos erscheinenden Situation (z.B. Traumen, Versagen) auf ihr allgemeines Verhalten übertragen.

Wiederholungsfragen zum Kapitel Persönlichkeit und Verhaltensstile

Persönlichkeit

Welche Persönlichkeitsmerkmale gehören zu den „Big Five“?

Welches Persönlichkeitsmerkmal des „Big-Five“-Modells korreliert am stärksten mit höherer Bildung, günstigerem Gesundheitsverhalten und geringerer Sterblichkeit? Durch welche Eigenschaften zeichnet sich eine Person mit einer starken Ausprägung dieses Merkmals aus?

Was ist Neurotizismus?

Wie verhalten sich extrovertierte, wie introvertierte Menschen?

Was ist der Unterschied zwischen sog. „Trait-“ und „State-Merkmalen“? Nenne jeweils Beispiele!

Was ist eine Faktorenanalyse und wie wird sie in Persönlichkeitstests genutzt?

Was versteht man unter dem Selbstkonzept eines Menschen?

Was sind Persönlichkeitsstörungen? Nenne Beispiele!

Verhaltensstile

Was sagt das Modell der erlernten Hilflosigkeit nach Seligman aus und bei welchem Krankheitsbild spielt es eine Rolle?

Was ist Sensation Seeking?

Was zeichnet das Verhalten eines Sensitizers bzw. eines Repressors aus und inwiefern spielen diese Verhaltensstile eine Rolle im klinischen Alltag?