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Nebenhoden, Samenleiter und Samenstrang

Abstract

Der Nebenhoden (Epididymis) liegt dem Hoden dorsal an. Zu seinen Aufgaben gehören die weitere Ausdifferenzierung und Speicherung der Spermatozoen sowie der Weitertransport in den Samenleiter (Ductus deferens). Mit dem Hoden ist der Nebenhoden über mehrere Ductuli efferentes verbunden. Sie münden in den Nebenhodengang (Ductus epididymidis), der den Nebenhoden auf der gesamten Länge in vielen Windungen durchzieht. Vom Nebenhoden aus werden die reifen Spermatozoen im Samenleiter durch den Leistenkanal und entlang der Harnblase bis zur Mündung in der Harnröhre im Bereich des Samenhügels transportiert. Während der Emission wird der Transport durch die stark ausgebildete glatte Muskelschicht des Samenleiters aktiv unterstützt und die Spermatozoen in peristaltischen Wellen in Richtung Harnröhre und Penis befördert.

Der Samenstrang (Funiculus spermaticus) umfasst den Samenleiter und alle wichtigen Leitungsbahnen des Hodens und Nebenhodens vom inneren Leistenring bis zum oberen Hodenpol. Diese besondere Versorgungsstruktur entsteht durch die embryonale Entwicklung, da der Hoden im Bauchraum angelegt wird, im Verlauf jedoch in den Hodensack absteigt.

Nebenhoden (Epididymis)

Makroskopische Anatomie

Steckbrief

  • Funktion: Abschließende Ausreifung und Transport der Spermien
  • Lage: Dem Hoden im Hodensack (Skrotum) dorsal angelagert, umgeben von Hodenhüllen
  • Form: Keulenförmig
  • Größe: 5 cm lang

Der Nebenhoden ist leicht tastbar als weiche Struktur am oberen Pol des prallelastischen Hodens!

Aufbau

Gefäßversorgung und Innervation

Die Gefäßversorgung und Innervation des Nebenhodens entspricht der des Hodens (siehe: Gefäßversorgung und Innervation des Hodens und Nebenhodens).

Topographie

Mikroskopische Anatomie und Funktion des Nebenhodens

Definition Histologie Funktion
1. Ductuli efferentes testis
  1. Tunica mucosa: Wellig begrenztes Lumen
  2. Tunica fibromuscularis: Myofibroblasten
  • Transport der noch unbeweglichen Spermatozoen vom Rete testis in den Nebenhoden mit Hilfe des Flimmerepithels
2. Ductus epididymidis (=Nebenhodengang)
  1. Tunica mucosa
  2. Tunica fibromuscularis: Muskelzellschicht
  • Transport der Spermatozoen in den Ductus deferens
  • Spermienspeicherung im Bereich der Cauda epididymidis
  • Ausdifferenzierung der Spermatiden zu befruchtungsfähigen Spermatozoen
  • Resorption der spermienumgebenden Flüssigkeit
  • Sekretion von Nährstoffen für die Spermatozoen

Nebenhodenentzündung (= Epididymitis)
Die Entzündung des Nebenhodens kommt häufig vor und geht mit Schmerzen und einer zunehmenden Schwellung im Skrotum einher. Auslöser sind meist Harnwegsinfekte (v.a. bei älteren Männern) oder sexuell übertragbare Erkrankungen. Verklebt durch die Entzündung das Epithel des Nebenhodengangs (besonders an der Engstelle im Übergang von Nebenhodenkörper zum -schwanz), kann es im schlimmsten Falle zur Unfruchtbarkeit kommen.

Samenleiter (Ductus deferens)

Die paarigen Samenleiter (= Ductus deferentes) bilden die Verbindung der beiden Nebenhoden mit der Harnröhre und dienen dem Transport der Spermien.

Makroskopische Anatomie

Steckbrief

  • Funktion: Spermientransport
  • Form: Schlauchförmig mit sternförmigem Lumen und dickwandiger Muskelschicht
  • Länge: ca. 40 cm
  • Durchmesser: 3 mm

Aufbau und Topographie

Der Samenleiter verläuft vom Nebenhoden in das kleine Becken und mündet in die Urethra. Er gliedert sich im Verlauf in sechs Abschnitte.

Abschnitte des Samenleiters Verlauf
Pars epididymica ductus deferentis 1. Abgang vom Nebenhoden
Pars funiculi spermatici ductus deferentis 2. Verlauf innerhalb des Samenstranges (Funiculus spermaticus)
Pars inguinalis ductus deferentis
3. Durchtritt durch den Leistenkanal
4. Überkreuzung der A. und V. iliaca externa
Pars pelvina ductus deferentis 5. Eintritt ins kleine Becken
6. Überkreuzung des Harnleiters
Ampulla ductus deferentis 7. Vereinigung mit dem Ausführungsgang der Bläschendrüse
Ductus ejaculatorius 8. Eintritt in das Gewebe der Prostata von dorsal
9. Mündung in die Hinterwand der Urethra

Gefäßversorgung und Innervation

Gefäßversorgung
Arteriell
Venös
Innervation
Sympathisch
Parasympathisch
Lymphabfluss
Lymphstationen

Mikroskopische Anatomie

Der Samenleiter hat einen dreischichtigen Aufbau. Sein charakteristisches histologisches Merkmal ist die stark ausgeprägte Muskelwand mit einem im Querschnitt schmalen, gefalteten zentralen Lumen.

  • Tunica mucosa
  • Tunica muscularis: Dicke dreischichtige, glatte Muskulatur
    • Stratum longitudinale internum: Innere Längsschicht
    • Stratum circulare: Ringschicht (flache Schraubenzüge), dickster Anteil
    • Stratum longitudinale externum: Äußere Längsschicht
  • Tunica adventitia: Bindegewebshülle

Funktion des Samenleiters

Samenstrang (Funiculus spermaticus)

Der Samenstrang bündelt wichtige Leitungsbahnen des Hodens. Infolge des embryonalen Descensus des Hodens verläuft der Samenstrang physiologischerweise durch den Inguinalkanal. Er ist von den Hodenhüllen umgeben, welche von den Bauchwandschichten abstammen (siehe: Hodenhüllen).

Anteile des Samenstranges
Hüllen des Samenstranges Enthaltene Leitungsbahnen
Fascia spermatica externa

Fascia cremasterica und M. cremaster

  • A. cremasterica
  • V. cremasterica
  • R. genitalis des N. genitofemoralis
  • Von der Fascia spermatica interna umhüllte Leitungsbahnen
Fascia spermatica interna

Wiederholungsfragen zum Kapitel Nebenhoden, Samenleiter und Samenstrang

Nebenhoden (Epididymis)

Wie gelangen die unreifen Spermien zur Reifung in den Nebenhoden?

Samenleiter (Ductus deferens)

Durch welche vegetativen Nerven wird der Ductus deferens innerviert? Wozu dient diese Innervation?

Eine Sammlung von allgemeineren und offeneren Fragen zu den verschiedenen prüfungsrelevanten Themen findest du im Kapitel Beispielfragen aus dem mündlichen Physikum.