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Päd. Ambulanz: Windeldermatitis, Windel- und Mundsoor, Haut- und Nagelpilz

Letzte Aktualisierung: 8.9.2021

Vorgehen bei Windeldermatitis und Windelsoortoggle arrow icon

Insb. bei Säuglingen und älteren Kindern, die aus anderen Gründen Windeln tragen müssen, kommt es trotz guter Pflege gelegentlich zu Hautreizungen und auch zu (Pilz‑)Infektionen, weil (sehr wahrscheinlich) der saure pH sowie Lipase und Trypsin des Stuhls die Haut irritieren und das feuchtwarme Milieu gleichzeitig ein optimales Nährmedium für Pilze und Bakterien bietet. Dies wird durch ein zu seltenes Wechseln der Windel zwar begünstigt, jedoch liegt eine multifaktorielle Genese vor. [1][2][3]

Allgemeine Maßnahmen

  • Häufiges Windelwechseln
  • Reinigung mit lauwarmem klaren Wasser ohne Zusätze (keine Feuchttücher)
  • Gründliches Abtrocknen (bspw. mit dem Fön, Einlage von Mulltupfern)
  • Wenn möglich Haut zeitweise unbedeckt lassen (bspw. auf einer abwaschbaren Unterlage ohne Windel)
  • Getrennte Verwendung von Handtüchern
  • Häufiges Wechseln der Handtücher und Kleidungsstücke

Wundheilungsfördernde Externa

Unterstützend zu den allgemeinen Maßnahmen können pflegende und wundheilungsfördernde Externa verwendet werden.

Austrocknende desinfizierende Lösung

Wenn sich nässende Stellen oder Ulzera zeigen, können austrocknende Lösungen unterstützend angewandt werden.

Antimykotische Therapie

Kommt es unter den o.g. Maßnahmen nicht innerhalb weniger Tage zur Besserung des Lokalbefundes, werden antimykotische Externa eingesetzt. Bei einer offensichtlichen Pilzinfektion im Windelbereich ist dieses Vorgehen ebenfalls indiziert. Beim Windelsoor finden sich häufig einzelnstehende makulo-papulöse Effloreszenzen insb. im Randbereich der Dermatitisherde. In anderen Fällen zeigen sich scharf begrenzte rundliche Herde. Manchmal sieht der Lokalbefund aber auch nur wund und gerötet aus, ggf. mit kleinen Ulzera. Auch das kann eine Pilzinfektion sein.

Ersatzpräparat! Clotrimazol-Creme ist für diese Indikation nicht direkt zugelassen, kann aber bei Therapieversagen anderer Wirkstoffe probatorisch angewandt werden. Dies muss mit den Eltern vorher abgesprochen werden!

Für weitere Dosierungsanweisungen siehe: Topische Antimykotika und Wundheilungsfördernde Externa

Besonders bei Säuglingen und bei Kindern mit inhalativer Steroid-Dauertherapie (i.d.R. im Rahmen des Asthma bronchiale) kommt es häufig zu einem Mundsoor, einer Candida-Infektion des Mundraumes. Die Erkrankung zeigt sich in Form von weißen, schwer abstreifbaren Auflagerungen von Wangenschleimhaut, Gaumen und Zunge. Mundsoor kann schmerzhaft sein und durch eine Trinkverweigerung auffallen, i.d.R. wird der Pilzbefall jedoch gar nicht wahrgenommen und ist ein Zufallsbefund. Leichter Mundsoor ist bei immunkompetenten Kindern häufig selbstlimitierend. Dennoch sollte jeder Patient mit Mundsoor ärztlich vorgestellt und die Ursache geklärt werden. Darüber hinaus ist eine lokale Antimykotika-Therapie indiziert.

Insb. persistierender Mundsoor kann das erste Zeichen für einen Diabetes mellitus oder einen Immundefekt sein!

Allgemeine Maßnahmen

  • Präventiv und bei bereits vorliegendem Mundsoor
    • Strikte Händehygiene
    • Heruntergefallene Schnuller NIE ablecken, sondern abspülen
    • Abkochen von Saugern und Babyflaschen
  • Bei Vorliegen eines Mundsoors beim gestillten Säugling: Zusätzliches Säubern der Brustwarzen nach dem Stillen mit gebräuchlichem Waschgel, danach Trocknen an der Luft und behandeln mit lokalen Antimykotika

Antimykotische Therapie [4]

Hautmykosen treten bei Kindern meist in Hautfalten oder in den Zehenzwischenräumen auf, weil sich dort ein feuchtwarmes Milieu findet, das einen optimalen Nährboden für Pilze bietet. Der häufigste Erreger ist Candida albicans. Hauptsymptome sind starker Juckreiz und typische Hauteffloreszenzen, bei Infektion mit Candida albicans mit kleinen, satellitenartig angeordneten Herden in der Umgebung der Makulä. [5][6][7][8]

Allgemeine Maßnahmen

  • Reinigung mit lauwarmem klaren Wasser ohne Zusätze
  • Gründliches Abtrocknen (bspw. mit dem Fön, Einlage von Mulltupfern)
  • Haut zeitweise unbedeckt lassen (nicht zu warm anziehen, um unnötiges Schwitzen zu vermeiden)
  • Getrennte Verwendung von Handtüchern
  • Häufiges Wechseln der Handtücher und Kleidungsstücke

Antimykotische Therapie

Für weitere Dosierungsanweisungen siehe: Antimykotische Externa

Weitere spezifische Therapieoptionen siehe auch: Dermatophytosen

Nagelpilz ist eine chronische, progredient den Nagel zerstörende Pilzinfektion der Finger- und/oder insb. der Zehennägel, die sich als weißliche, graue oder gelbliche Verfärbung mit Glanzlosigkeit und bröckeligem Zerfall zeigt. Die Infektion ist nicht selbstlimitierend; eine antimykotische Therapie ist immer indiziert, da die Onychomykose ein Risikofaktor für das Erysipel des Unterschenkels darstellt. [5][9]

Diagnostik

  • Neben der klinischen Inspektion sollte vor Therapiebeginn eine mikrobielle Diagnostik erfolgen
    • Mikroskopie eines Nativpräparats (zur Diagnosesicherung)
    • Pilzkultur (zur Erregeridentifizierung): Erfolgt im Anschluss an die Mikroskopie mit Bebrühtung über 4–6 Wochen
    • Histologische Untersuchung mit PAS-Färbung
  • Durchführung der mikrobiellen Diagnostik
    • Desinfektion mit 70 %igem Alkohol (zur Vermeidung einer bakteriellen Kontamination)
    • Materialgewinnung: Zurückschneiden des Nagels, möglichst proximale Materialentnahme
    • Pausieren einer eventuell bereits begonnenen Therapie für 2–4 Wochen vor Diagnostik

Therapie

  • Ohne Matrixbeteiligung: Nur lokale antimykotische Therapie nach chemischer Keratolyse
  • Mit Matrixbeteiligung und/oder bei Befallsgrad >50 %: Zusätzlich systemische antimykotische Therapie

Lokale Antimykotika

  • Ciclopirox-Nagellack (wasserlöslich)
  • Ciclopirox-Nagellack
  • Amorolfin-Nagellack
  • Alle (auch laterale) Nagelanteile sind zu lackieren, weil der Wirkstoff senkrecht in das Keratin diffundiert

Systemische Antimykotika

Adjuvante Maßnahmen

  • Desinfektion von Schuhen und Strümpfen während und nach antimykotischer Therapie zur Vermeidung einer Reinfektion
  • Atraumatische Entfernung des infizierten Nagelmaterials
    • Chemische Nagelablösung (sog. Keratolyse, z.B. mit hochprozentigem Harnstoff oder Kaliumiodid)
    • Mechanisches Entfernen befallener Nagelanteile und subungualer Hyperkeratosen mittels Fräse
    • Nicht mehr indiziert ist die chirurgische Nagelextraktion
    • Therapieversuche mittels Laser und UV-C-Strahlung haben sich bisher noch nicht etabliert

Erfolgreiche Therapie der Nagelmykose nur unter Allgemeinmaßnahmen: Hygienevorkehrungen, Schuhwerk desinfizieren, prädisponierende Faktoren und Infektionsquellen ausschalten!

  1. Reinhardt et al.: Therapie der Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. 8. Auflage Springer 2007, ISBN: 3-540-71898-2 .
  2. Hoffmann et al.: Pädiatrie: Grundlagen und Praxis. 4. Auflage Springer 2014, ISBN: 3-642-41865-1 .
  3. Speer, Gahr: Pädiatrie. 4. Auflage Springer 2013, ISBN: 3-642-34268-x .
  4. Abeck, Cremer: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie. 4. Auflage Springer 2014, ISBN: 3-642-44979-4 .
  5. Interdisziplinäres Management der Onychomykose . Stand: 21. März 2013. Abgerufen am: 2. Dezember 2016.
  6. S1-Leitlinie Onychomykose. Stand: 24. April 2006. Abgerufen am: 28. November 2016.
  7. Leitlinie Tinea capitis. Stand: 10. April 2003. Abgerufen am: 28. November 2016.
  8. S1-Leitlinie Tinea der freien Haut. Stand: 1. Oktober 2008. Abgerufen am: 28. November 2016.
  9. Tinea capitis (Pilzerkrankung der Kopfhaut). Stand: 7. Januar 2016. Abgerufen am: 29. November 2016.
  10. Wigger, Stange: Medikamente in der Pädiatrie: Inklusive Neonatologie/ Intensivmedizin. 4. Auflage Urban & Fischer 2013, ISBN: 3-437-21454-3 .