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Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

Letzte Aktualisierung: 25.4.2022

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Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung ist v.a. durch eine mangelnde Impulskontrolle geprägt. Diese führt zu unüberlegtem Handeln ohne Berücksichtigung der Konsequenzen sowie zu verstärkter Konfliktbereitschaft. Es werden zwei Erscheinungsformen dieser Persönlichkeitsstörung unterschieden: zum einen der impulsive Typus, bei dem besonders die Konfliktbereitschaft und eine Impulskontrollstörung im Vordergrund stehen, und zum anderen der Borderline-Typus, bei dem nach ICD-10 zusätzlich einige weitere Symptome vorliegen müssen. Aufgrund der klinischen Bedeutung und der Komplexität der zweiten Störung behandelt dieses Kapitel v.a. die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus.

Der Begriff „Borderline“ ist darauf zurückzuführen, dass die Störung in der Vergangenheit als Grenzfall zwischen den sog. neurotischen (z.B. Konversions-, Angst-, Zwangsstörungen) und den psychotischen Störungen (z.B. Schizophrenie) betrachtet wurde. Das Leben der Betroffenen wird oft begleitet von einer Störung des Selbstbildes, einem chronischen Gefühl von Leere und von unbeständigen Beziehungen. Zu einer stationären Behandlung kommt es meist infolge selbstdestruktiven Verhaltens mit selbst zugefügten Verletzungen und suizidalen Handlungen. Therapeutisch steht die Psychotherapie im Vordergrund. Besonders häufig wird die dialektisch-behaviorale Therapie eingesetzt.

  • Alter
    • Beginn meist in der Adoleszenz
    • Erste Behandlung im Alter von 20–30 Jahren
    • Gipfel bei ca. 27 Jahren
  • Geschlecht: >

Wenn nicht anders angegeben, beziehen sich die epidemiologischen Daten auf Deutschland.

Bei der emotional instabilen Persönlichkeit vom Borderline-Typ ist von einem multifaktoriellen Geschehen auszugehen

  • Äußere Faktoren: Traumatische Ereignisse in der Kindheit (sexueller Missbrauch, körperliche Gewalt) finden sich bei fast ⅔ der Patienten
  • Genetische Faktoren
  • Neurobiologische Aspekte

ICD-10: Diagnosekriterien einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung

  1. Die allgemeinen diagnostischen Kriterien einer Persönlichkeitsstörung müssen vorliegen
  2. Um eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren (impulsiver sowie Borderline-Typus) müssen drei der fünf genannten Kriterien zutreffen
    • Deutliche Tendenz, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln
    • Deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden
    • Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt, mit der Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens
    • Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden
    • Unbeständige und launische Stimmung
  3. Für die Diagnose eines Borderline-Typus müssen zusätzlich zwei der fünf genannten Kriterien zutreffen
    • Störungen und Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität, des Selbstbildes, der Ziele und „inneren Präferenzen“
    • Neigung, sich auf intensive, jedoch instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen
    • Übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden
    • Wiederholte Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung
    • Anhaltendes Gefühl von Leere

Sowohl beim impulsivem Typus als auch beim Borderline-Typus liegt eine Konfliktbereitschaft und Impulskontrollstörung vor, zur Diagnosestellung einer Borderline-Störung müssen aber zusätzliche Auffälligkeiten nachgewiesen werden!

Borderline-Typus

Das klinische Bild der Borderline-Störung ist hochkomplex und polysymptomatisch.

  • Impulskontrollstörung: Die Patienten erleben unangenehme Anspannungszustände, die sie nur durch kurzfristig gedachte, impulsive Handlungen lösen können. Dies zeigt sich dann in Hochrisikoverhalten, Essanfällen, Alkoholexzessen, Abbrüchen der beruflichen Ausbildung, privater Beziehungen sowie der Therapie
  • Selbstverletzendes Verhalten
    • Typische Verletzungsmuster
      • Schnittverletzungen
      • Zigarettenausdrücken
    • Ursache
      • Die Handlung wird meistens durchgeführt, um sich zu „spüren“ und zu entlasten
      • Die Selbstverletzung führt suchtähnlich zu euphorisierenden Kicks
      • Gelegentlich: Impulsartiger Selbsthass, der zur Selbstverletzung führt
  • Suizidalität (siehe auch: Suizidalität im Rahmen psychiatrischer Grunderkrankungen)
  • Derealisation
  • Agieren
  • Gesteigerte Affekte
  • Affektive Instabilität
  • Substanzmissbrauch bzw. -abhängigkeit
  • Unsicherheiten bzgl. des Selbstbilds und der Identität

Komorbiditäten

Psychotherapeutische Verfahren

Einige störungsspezifische Psychotherapieverfahren sind nachgewiesenermaßen wirksam

Medikamentöse Therapie

Die Gabe von Benzodiazepinen sollte aufgrund des Abhängigkeitspotenzials vermieden werden!

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2022, DIMDI.

  1. Schneider: Facharztwissen Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Springer 2017, ISBN: 978-3-662-50344-7 .
  2. Voderholzer, Hohagen: Therapie psychischer Erkrankungen - State of the art. Urban & Fischer 2020, ISBN: 978-3-437-24913-6 .
  3. Bandelow et al.: Kurzlehrbuch Psychiatrie. 2. Auflage Steinkopff 2008, ISBN: 978-3-798-51835-3 .