• Klinik

Weitere alternative Heilverfahren

Abstract

Es gibt zahlreiche alternative Heilverfahren, die in der wissenschaftlich orientierten Medizin zwar zu einem Großteil umstritten sind, in der supportiven Behandlung aber durchaus ihren Stellenwert haben. Einige (z.B. die Vollwerternährung) senken durch ihre Fokussierung auf prophylaktische Maßnahmen nachgewiesenermaßen die Inzidenz von sog. "Wohlstandserkrankungen". Andere (wie z.B. die Akupunktur) werden bei speziellen Indikationen von den Krankenkassen übernommen, da Studien (z.B. bei chronischen Rückenschmerzen) eine Gleichwertigkeit mit Maßnahmen der wissenschaftlich orientierten Medizin zeigen konnten, auch wenn noch kein wissenschaftliches Verständnis über die Wirkweise vorliegt. Im Folgenden sind exemplarisch einige der (IMPP‑)relevantesten alternativen Heilverfahren dargestellt.

Akupunktur (nach TCM = Traditionelle Chinesische Medizin)

  • Kurzbeschreibung: Bei der Akupunktur werden Pathologien durch gezielten Einsatz von Nadeln behandelt
  • Grundsätze: Die Lebensenergie des Körpers "Qi" fließt auf definierten Längsbahnen, die als Meridiane bezeichnet werden → Die Akupunkturpunkte befinden sich auf Meridianen, die jeweils einem Organsystem zugeordnet sind und auf der Haut verlaufen → An einzelnen Punkten kann es zu einer Störung des Energieflusses kommen, die durch Einstich einer Nadel (Akupunktur), gezielten Druck (Akupressur) und/oder Erwärmung (Moxibustion) gelöst wird
  • Kritik: Akupunktur ist ein umstrittenes Thema, da wissenschaftlich noch kein Verständnis über die Wirkweise vorliegt. Bei speziellen Indikationen ist sie jedoch eine anerkannte Therapieform und wird von den Krankenkassen übernommen.
  • Indikation

Therapie mit Heilwasser

Heilwässer besitzen aufgrund ihrer Mineralstoffe und Spurenelemente verschiedene Wirkungen, die alternativmedizinisch genutzt werden können

  • Voraussetzung: Heilwasser gilt als Arznei und bedarf deswegen einer staatlichen Zulassung nach §2 des Arzneimittelgesetzes
    • Um zugelassen zu werden, bedarf es des Nachweises einer vorbeugenden, lindernden oder heilenden Wirkung
  • Inhaltsstoffe: Von normalem Tafelwasser unterscheidet sich Heilwasser durch eine ausgesprochen hohe Konzentration einzelner Mineralstoffe (z.B. Eisen, Sulfat)
    • Die genauen Angaben zu Zusammensetzung, Wirkung und Einsatzgebiet müssen auf dem Flaschenetikett eindeutig zu erkennen sein
  • Darreichung
    • Innere Anwendung: Trinkanwendungen
    • Äußere Anwendung: Badekuren, mineralische Bäder, etc.

Neuraltherapie nach Huneke

Bei der Neuraltherapie handelt es sich um ein schmerzlinderndes Verfahren, bei dem durch Injektion eines Lokalanästhetikums nervale Impulse unterbrochen und so eine Fernwirkung erzielt werden soll. Im Gegensatz zu bekannten regionalanästhetischen Verfahren ist bei der Neuraltherapie nicht die lokalanästhetische Wirkung, sondern die Fernwirkung das Ziel

  • Indikationen
  • Grundlagen
    • Störfelder sind chronische, lokale Entzündungszustände (eine Narbe, eine lokale Infektion, etc.), die die nervale Integrität aufheben. Nach der Theorie von Huneke kann jede Erkrankung störfeldbedingt und selber Störfeld sein, und durch Ausschaltung des Feldes geheilt werden
  • Durchführung
  • Komplikationen
    • Lebensbedrohliche intravasale Fehlinjektionen
    • Lebensbedrohliche intraganglionäre Injektionen

Ausleitende Verfahren

Ausleitende Verfahren sind Behandlungsmethoden, die nach der Körpersäftelehre zur Entgiftung der Körpersäfte dienen. Die Ausleitung kann transdermal, über intravenöse Zugänge, über den Darm oder über den Urin erfolgen

  • Transdermal
    • Schröpfen
    • Cantharidenpflaster
      • Wirkweise: Blasenziehendes Mittel
        • Entzug von Gewebsflüssigkeit (Lymphflüssigkeit und Mediatorsubstanzen)
        • Durchblutungsförderung: Lokale Hyperämie
        • Gegenirritation
      • Indikationen
        • Systemische rheumatische Entzündungen
        • Mittelohrentzündung
        • Gelenkentzündungen: z.B. bei Gicht
      • Komplikation: Persistierende Hyperpigmentierungen der Haut im Bereich der Brandblase (seltener Narben)
      • Kontraindikationen
        • Erkrankungen der ableitenden Harnwege und der Nieren (Cantharidin hat nephrotoxischen Effekt)
        • pAVK
        • Offene Wunden
        • Akute Gelenkentzündungen
    • Schwitzkuren
    • Blutegeltherapie
  • Intravenös: Aderlass
  • Purgation
    • Fasten
    • Einläufe
    • Abführmittel
  • Über den Urin

Ernährungstherapien

Grundlage der unterschiedlichen Ernährungsformen oder speziellen Kuren und Diäten ist die Überzeugung, dass über eine Umstellung der Ernährung gesundheitsfördernde Wirkungen erzielt werden können. Die verschiedenen Ansätze sind wissenschaftlich umstritten.

Vollwerternährung (nach Kollath und Bircher-Benner)

  • Kurzbeschreibung: Zentraler Punkt der Theorie der Vollwerternährung ist die Annahme, dass durch die industrielle Verarbeitung von Lebensmittelrohstoffen der Gehalt an essenziellen Nahrungsinhaltsstoffen und somit die Wertigkeit abnimmt.
  • Grundsätze
    • Lebensmittel unterliegen einer Rangordnung, wobei nur die ersten vier Lebensmittelgruppen verzehrt werden sollten. Bei der Essensreihenfolge sollte die Rangordnung eingehalten werden
      1. Unverändertes Rohmaterial
      2. Mechanisch zerkleinertes Material
      3. Durch Fermentation aufgeschlossenes Material
      4. Erhitztes Material
      5. und 6.: Konserviertes, präpariertes und fleischhaltiges Material
    • Fleisch und fettreiche Lebensmittel sollten vermieden werden
    • Vollkornprodukte sollten bevorzugt werden
    • Trinken: Wenn möglich, nicht während, sondern zwischen den Mahlzeiten, um die Verdauungssäfte nicht zu verdünnen
    • Abendmahlzeit: So einfach, so leicht und so früh wie möglich

Mayr-Kur

  • Ziel: Das Verdauungssystem und den Körper über verschiedene Maßnahmen regenerieren und "entschlacken"
  • Maßnahmen
    • Manuelle Bauchbehandlungen, Ess-Schulungen, Fasten, milde Diätformen
    • Dabei folgt einem anfänglichen Heilfasten mit Tee oder Brühen aus basischen Lebensmitteln eine Diät mit Milch und trockenen Brötchen

Heilfasten nach Buchinger

  • Prinzip: Variante des Fastens
  • Maßnahmen
    • Keine feste Nahrung, täglich mindestens 2,5l Flüssigkeit (stilles Wasser, Kräutertee)
    • Erlaubt sind noch kleine Mengen an Gemüsebrühe, Säften und Honig

Schroth-Kur

  • Maßnahmen
    • Eiweißarme Kost
    • Wechsel zwischen Tagen mit Trinken (Trinktage) und Tagen mit wenig Trinken (Trockentage)

Bircher-Benner-Diät

  • Maßnahmen
    • Strenge Variante: V.a. Rohkost, Nüsse und Müsli
    • Erweiterte Form: Zusätzlich Kartoffeln, Milch und Milchprodukte

Glyx-Diät

  • Prinzip: Bevorzugt Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischem Index verzehren
  • Glykämischer Index (= "Glyx"): Blutzuckerwirksamkeit verschiedener Nahrungsmittel im Vergleich zu reiner Glucose.