Zugang zu fachgebietsübergreifendem Wissen – von > 70.000 Ärzt:innen genutzt

5 Tage kostenfrei testen
Von ärztlichem Redaktionsteam erstellt & geprüft. Disclaimer aufrufen.

Weichteilinfektion

Letzte Aktualisierung: 4.8.2021

Abstracttoggle arrow icon

Weichteilinfektionen umfassen eine heterogene Gruppe von Krankheitsbildern, von denen im Folgenden eine begrenzte Auswahl näher dargestellt wird. Klinisch äußern sie sich meist lokal durch Schmerzen, Rötung und Überwärmung; als Komplikation ist eine systemische Ausbreitung mit Fieber und Krankheitsgefühl bis hin zur Sepsis möglich. Infektionen im Bereich der Haut werden meist durch Staphylokokken verursacht, gelegentlich auch durch Streptokokken oder seltene Keime.

Therapeutisch sind bei lokal begrenzten Infektionen meist topische Maßnahmen ausreichend, bei schweren Befunden oder systemischer Beteiligung ist hingegen häufig eine systemische Antibiotikatherapie notwendig. Diffuse, nicht abszedierende Infektionen werden in der Regel konservativ behandelt. Bei abszedierenden, eitrigen oder abgekapselten Prozessen ist allerdings eine chirurgische Sanierung (z.B. Abszessentlastung, Wunddébridement) indiziert.

  • Kardinalzeichen einer Entzündung
  • Risikofaktoren zur Ausbildung von lokalen Infektionen: Immunschwäche, Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, Stase
  • Komplikationen
    • Lokale Ausbreitung der Infektion
    • Lymphangitis
    • Lymphadenitis
    • Systemische Beteiligung mit Fieber, Anstieg der Infektparameter, Gefahr der Sepsis, Streuung der Infektion
  • Therapie
    • Diffuse Entzündungen: Meist konservativ
    • Lokalisierte, abgekapselte, eitrige Entzündungen: Chirurgische Versorgung

„Ubi pus, ibi evacua“ – „Wo Eiter ist, dort entleere ihn“ (alter ärztlicher Lehrspruch)!

Definitionen

Epidemiologie

  • Weltweit häufig
  • Geschlecht: >

Ätiologie

Klinik

Diagnostik

  • Klinische Diagnose (Blickdiagnose)
  • Ggf. Abstrich mit Kultur und Antibiogramm
  • Blutkulturen bei Sepsisverdacht
  • Diagnostik bez. Panton-Valentin-Leukozidin: Im Falle rezidivierender, sich schnell ausbreitender bzw. schwer verlaufender Furunkulose bei ansonsten gesunden Personen.

Differentialdiagnosen

Therapie [3]

Bei ausgeprägten Befunden oder Furunkeln/Karbunkeln, insb. im Gesicht, ist immer eine intravenöse Antibiotikatherapie indiziert!

Definition

Erreger

Klinik

Diagnostik

Therapie [3]

Definition

Ätiologie

Klinik

  • Unscharf begrenzte, teigige, flächige, progredient dolente Rötung und Überwärmung mit Ödem
  • Bei der Phlegmone zusätzlich: Eiter
  • Ggf. Ulkus oder Wunde im Sinne einer Eintrittspforte
  • Keine oder geringe Allgemeinsymptome bei der begrenzten Phlegmone, ausgeprägte Allgemeinsymptome bei der Phlegmone
  • Sonderform V-Phlegmone: Entzündung der Sehnenscheiden des Daumens und des Kleinfingers

Diagnostik

Differentialdiagnosen

Therapie [3]

Definition

Ätiologie

Klinik

Therapie

Pleuraempyem

Gelenkempyem

Gallenblasenempyem

Definition

  • Nekrotisierende Weichteilinfektionen: Nekrotisierende, tiefe Weichteilinfektion bis unter die Faszie mit fulminantem, lebensbedrohlichem Verlauf (innerhalb von Stunden) und dringender chirurgischer Interventionsnotwendigkeit
    • Synonym: nSSTI (= necrotizing Skin and Soft Tissue Infections)

Ätiologie

Verlaufsformen

Klassifikation der nekrotisierenden Fasziitis

Klinik der nekrotisierenden Weichteilinfektionen

Diagnostik der nekrotisierenden Weichteilinfektionen

  • Klinik
  • Labor: Typischerweise Leukozytose, CRP-Erhöhung
  • Mikrobiologie
    • Blutkulturen
    • Gewebebiopsien mit Grampräparat und Bakterienkulturen
  • Ggf. Bildgebung (CT oder MRT) zur Befundbestätigung

Therapie [3]

Bei der nekrotisierenden Fasziitis handelt es sich um ein lebensbedrohliches Krankheitsbild!

Bei der antibiotischen Therapie nekrotisierender Weichteilinfektionen ist Clindamycin ein bevorzugter Kombinationspartner – neben einer antibakteriellen Wirksamkeit hemmt es auch die Toxinproduktion der bakteriellen Erreger!

Prognose

  • Letalität: 15–35%
    • Bei Therapiebeginn ≤4 Tage nach Symptombeginn <10%

Eine frühzeitige Therapie ist lebensrettend!

L02.-: Hautabszess, Furunkel und Karbunkel

L03.-: Phlegmone

L73.-: Sonstige Krankheiten der Haarfollikel

  • L73.0: Aknekeloid [Folliculitis sclerotisans nuchae]
  • L73.1: Pseudofolliculitis barbae
  • L73.2: Hidradenitis suppurativa
  • L73.8: Sonstige näher bezeichnete Krankheiten der Haarfollikel
    • Folliculitis barbae
  • L73.9: Krankheit der Haarfollikel, nicht näher bezeichnet

Sonstiges

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2021, DIMDI.

  1. Plewig et al.: Braun-Falco's Dermatologie, Venerologie und Allergologie. 7. Auflage Springer-Verlag 2018, ISBN: 978-3-662-49544-5 .
  2. Suerbaum et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. 8. Auflage Springer 2016, ISBN: 978-3-662-48677-1 .
  3. S2k-Leitlinie Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018. . Abgerufen am: 10. Januar 2018.
  4. Ustin, Malangoni: Necrotizing soft-tissue infections In: Critical Care Medicine. Band: 39, Nummer: 9, 2011, doi: 10.1097/ccm.0b013e31821cb246 . | Open in Read by QxMD p. 2156-2162.
  5. Müller: Chirurgie (2014/15). 11. Auflage Medizinische Verlags- und Informationsdienste 2011, ISBN: 3-929-85110-5 .
  6. Siewert: Chirurgie. 8. Auflage Springer 2006, ISBN: 978-3-540-30450-0 .
  7. Bassetti et al.: Haut- und Weichteilinfektionen: Zellulitis, Erysipel und nekrotisierende Fasziitis In: Curriculum. Band: 13, Nummer: 35, 2013, p. 672-677.
  8. Stevens et al.: Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Skin and Soft Tissue Infections: 2014 Update by the Infectious Diseases Society of America 2014, doi: 10.1093/cid/ciu296 . | Open in Read by QxMD .
  9. S2k-Leitlinie Staphylococcus aureus bedingte Infektionen der Haut und Schleimhäute, Diagnostik und Therapie. Stand: 1. April 2011. Abgerufen am: 20. Februar 2017.