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Weichteilinfektion

Abstract

Weichteilinfektionen umfassen eine heterogene Gruppe von Krankheitsbildern, von denen im Folgenden eine begrenzte Auswahl näher dargestellt wird. Klinisch äußern sie sich meist lokal durch Schmerzen, Rötung und Überwärmung; als Komplikation ist eine systemische Ausbreitung mit Fieber und Krankheitsgefühl bis hin zur Sepsis möglich. Infektionen im Bereich der Haut werden meist durch Staphylokokken verursacht, gelegentlich auch durch Streptokokken oder seltene Keime.

Therapeutisch sind bei lokal begrenzten Infektionen meist topische Maßnahmen ausreichend, bei schweren Befunden oder systemischer Beteiligung ist hingegen häufig eine systemische Antibiotikatherapie notwendig. Diffuse, nicht abszedierende Infektionen werden in der Regel konservativ behandelt. Bei abszedierenden, eitrigen oder abgekapselten Prozessen ist allerdings eine chirurgische Sanierung (z.B. Abszessentlastung, Wunddébridement) indiziert.

Allgemein

  • Kardinalzeichen einer Entzündung
    • Rubor = Rötung
    • Calor = Überwärmung
    • Tumor = Schwellung/Ödem
    • Dolor = Schmerz
    • Functio laesa = eingeschränkte Funktion
  • Risikofaktoren zur Ausbildung von lokalen Infektionen: Immunschwäche, Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, Stase
  • Komplikationen
  • Therapie
    • Diffuse Entzündungen: Meist konservativ
    • Lokalisierte, abgekapselte, eitrige Entzündungen: Chirurgische Versorgung

„Ubi pus, ibi evacua“ – „Wo Eiter ist, dort entleere ihn“ (alter ärztlicher Lehrspruch)!

Follikulitis, Furunkel und Karbunkel

Definitionen

Epidemiologie

  • Weltweit häufig
  • Geschlecht: >

Ätiologie

Klinik

Diagnostik

  • Klinische Diagnose (Blickdiagnose)
  • Ggf. Abstrich mit Kultur und Antibiogramm
  • Blutkulturen bei Sepsisverdacht
  • Diagnostik bez. Panton-Valentin-Leukozidin: Im Falle rezidivierender, sich schnell ausbreitender bzw. schwer verlaufender Furunkulose bei ansonsten gesunden Personen.

Differentialdiagnosen

Therapie [2]

Bei ausgeprägten Befunden oder Furunkeln/Karbunkeln, insb. im Gesicht, ist immer eine intravenöse Antibiotikatherapie indiziert!

Abszess

Definition

Erreger

Klinik

  • Rötung, Überwärmung, Druckschmerz, prallelastische Schwellung, ggf. fluktuierend, i.d.R. mit (noch) intakter Hautoberfläche
  • Ggf. Allgemeinsymptome: Fieber, reduzierter Allgemeinzustand, Lymphknotenschwellung

Diagnostik

  • Klinik (insb. bei kutanem Abszess)
  • Sonographie
  • Ggf. Abstrich des Eiters mit mikrobieller Kultur und Resistogramm
  • Ggf. laborchemische Untersuchung: erhöhte Entzündungswerte bei systemischer Infektion
  • Ggf. MRT oder CT mit Kontrastmittel (insb. bei tiefer gelegenen Abszessen): hypodense Raumforderung, randständige KM-Anreicherung

Therapie [2]

Phlegmone

Definition

Ätiologie

Klinik

  • Unscharf begrenzte, teigige, flächige, progredient dolente Rötung und Überwärmung mit Ödem
  • Bei der Phlegmone zusätzlich: Eiter
  • Ggf. Ulkus oder Wunde im Sinne einer Eintrittspforte
  • Keine oder geringe Allgemeinsymptome bei der begrenzten Phlegmone, ausgeprägte Allgemeinsymptome bei der Phlegmone
  • Sonderform V-Phlegmone: Entzündung der Sehnenscheiden des Daumens und des Kleinfingers

Diagnostik

  • Klinik
  • Abstrich aus dem Rand der Phlegmone, mit mikrobieller Kultur und Resistogramm
  • Sonographie zur Beurteilung der Ausbreitung
  • Bei Phlegmone zusätzlich
    • Laborchemische Untersuchung: erhöhte Entzündungswerte
    • Blutkulturen
    • Biopsie zur Erregerdifferenzierung (z.B. im Rahmen des Débridements)

Differentialdiagnosen

Therapie [2]

Empyem

Definition

Ätiologie

Klinik

Therapie

Pleuraempyem

Gelenkempyem

Gallenblasenempyem

  • Cholezystektomie
  • Ggf. CT-gestützte Punktion und Drainage
  • Zusätzliche systemische Antibiotikatherapie

Nekrotisierende Weichteilinfektionen

Definition

  • Nekrotisierende Weichteilinfektionen: Nekrotisierende, tiefe Weichteilinfektion bis unter die Faszie mit fulminantem, lebensbedrohlichem Verlauf (innerhalb von Stunden) und dringender chirurgischer Interventionsnotwendigkeit
    • Synonym: nSSTI (= necrotizing Skin and Soft Tissue Infections)

Ätiologie

Verlaufsformen

Klassifikation der nekrotisierenden Fasziitis

Klinik der nekrotisierenden Weichteilinfektionen

  • Akuter Verlauf
  • Ödem, insb. mit initial teigiger Schwellung und Rötung bei ausgeprägten Schmerzen (Hyperästhesie!)
  • Ggf. bereits initial ausgeprägte harte Nekrosen palpabel (insb. bei der nekrotisierenden Fasziitis)
  • Im Verlauf livide Verfärbung, schnell fortschreitende, ausgedehnte Nekrose der Subkutis mit Zerstörung von Faszien und Muskulatur
  • Krepitationen (Hautknistern) bei Berührung möglich (bei Beteiligung von Anaerobiern)
  • Fieber, Schüttelfrost, Bild einer Sepsis
  • Gefahr der Verbrauchskoagulopathie
  • Schock und Multiorganversagen möglich
  • Prädilektionsstellen: Extremitäten , Gesicht, Genitale (Fournier-Gangrän )

Diagnostik der nekrotisierenden Weichteilinfektionen

  • Klinik
  • Labor: Typischerweise Leukozytose, CRP-Erhöhung
  • Mikrobiologie
    • Blutkulturen
    • Gewebebiopsien mit Grampräparat und Bakterienkulturen
  • Ggf. Bildgebung (CT oder MRT) zur Befundbestätigung

Therapie [2]

Bei der nekrotisierenden Fasziitis handelt es sich um ein lebensbedrohliches Krankheitsbild!

Bei der antibiotischen Therapie nekrotisierender Weichteilinfektionen ist Clindamycin ein bevorzugter Kombinationspartner – neben einer antibakteriellen Wirksamkeit hemmt es auch die Toxinproduktion der bakteriellen Erreger!

Prognose

  • Letalität: 15–35%
    • Bei Therapiebeginn ≤4 Tage nach Symptombeginn <10%

Eine frühzeitige Therapie ist lebensrettend!

Kodierung nach ICD-10-GM Version 2018

L02.-: Hautabszess, Furunkel und Karbunkel

L03.-: Phlegmone

L73.-: Sonstige Krankheiten der Haarfollikel

  • L73.0: Aknekeloid [Folliculitis sclerotisans nuchae]
  • L73.1: Pseudofolliculitis barbae
  • L73.2: Hidradenitis suppurativa
  • L73.8: Sonstige näher bezeichnete Krankheiten der Haarfollikel
    • Folliculitis barbae
  • L73.9: Krankheit der Haarfollikel, nicht näher bezeichnet

Sonstiges

Quelle: In Anlehnung an die ICD-10-GM Version 2018, DIMDI.