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Vorgehen bei Haut- und Nagelmykosen im Kindes- und Jugendalter

Letzte Aktualisierung: 17.3.2021

Vorgehen bei Hautmykosentoggle arrow icon

Hautmykosen treten bei Kindern meist in Hautfalten oder in den Zehenzwischenräumen auf, weil sich dort ein feuchtwarmes Milieu findet, das einen optimalen Nährboden für Pilze bietet. Der häufigste Erreger ist Candida albicans. Hauptsymptome sind starker Juckreiz und typische Hauteffloreszenzen, bei Infektion mit Candida albicans mit kleinen, satellitenartig angeordneten Herden in der Umgebung der Makulä.

Allgemeine Maßnahmen

  • Reinigung mit lauwarmem klaren Wasser ohne Zusätze
  • Gründliches Abtrocknen (bspw. mit dem Fön, Einlage von Mulltupfern)
  • Haut zeitweise unbedeckt lassen (nicht zu warm anziehen, um unnötiges Schwitzen zu vermeiden)
  • Getrennte Verwendung von Handtüchern
  • Häufiges Wechseln der Handtücher und Kleidungsstücke

Antimykotische Therapie

Für weitere Dosierungsanweisungen siehe: Antimykotische Externa

Weitere spezifische Therapieoptionen siehe auch: Dermatophytosen

Nagelpilz ist eine chronische, progredient den Nagel zerstörende Pilzinfektion der Finger- und/oder insb. der Zehennägel, die sich als weißliche, graue oder gelbliche Verfärbung mit Glanzlosigkeit und bröckeligem Zerfall zeigt. Die Infektion ist nicht selbstlimitierend; eine antimykotische Therapie ist immer indiziert, da die Onychomykose ein Risikofaktor für das Erysipel des Unterschenkels darstellt.

Diagnostik

  • Neben der klinischen Inspektion sollte vor Therapiebeginn eine mikrobielle Diagnostik erfolgen
    • Mikroskopie eines Nativpräparats (zur Diagnosesicherung)
    • Pilzkultur (zur Erregeridentifizierung): Erfolgt im Anschluss an die Mikroskopie mit Bebrühtung über 4–6 Wochen
    • Histologische Untersuchung mit PAS-Färbung
  • Durchführung der mikrobiellen Diagnostik
    • Desinfektion mit 70 %igem Alkohol (zur Vermeidung einer bakteriellen Kontamination)
    • Materialgewinnung: Zurückschneiden des Nagels, möglichst proximale Materialentnahme
    • Pausieren einer eventuell bereits begonnenen Therapie für 2–4 Wochen vor Diagnostik

Therapie

  • Ohne Matrixbeteiligung: Nur lokale antimykotische Therapie nach chemischer Keratolyse
  • Mit Matrixbeteiligung und/oder bei Befallsgrad >50 %: Zusätzlich systemische antimykotische Therapie

Lokale Antimykotika

  • Ciclopirox-Nagellack (wasserlöslich)
  • Ciclopirox-Nagellack
  • Amorolfin-Nagellack
  • Alle (auch laterale) Nagelanteile sind zu lackieren, weil der Wirkstoff senkrecht in das Keratin diffundiert

Systemische Antimykotika

Adjuvante Maßnahmen

  • Desinfektion von Schuhen und Strümpfen während und nach antimykotischer Therapie zur Vermeidung einer Reinfektion
  • Atraumatische Entfernung des infizierten Nagelmaterials
    • Chemische Nagelablösung (sog. Keratolyse, z.B. mit hochprozentigem Harnstoff oder Kaliumiodid)
    • Mechanisches Entfernen befallener Nagelanteile und subungualer Hyperkeratosen mittels Fräse
    • Nicht mehr indiziert ist die chirurgische Nagelextraktion
    • Therapieversuche mittels Laser und UV-C-Strahlung haben sich bisher noch nicht etabliert

Erfolgreiche Therapie der Nagelmykose nur unter Allgemeinmaßnahmen: Hygienevorkehrungen, Schuhwerk desinfizieren, prädisponierende Faktoren und Infektionsquellen ausschalten!

  1. S1-Leitlinie Onychomykose. Stand: 24. April 2006. Abgerufen am: 28. November 2016.
  2. Abeck, Cremer: Häufige Hautkrankheiten im Kindesalter: Klinik - Diagnose - Therapie. 4. Auflage Springer 2014, ISBN: 3-642-44979-4 .
  3. Leitlinie Tinea capitis. Stand: 10. April 2003. Abgerufen am: 28. November 2016.
  4. S1-Leitlinie Tinea der freien Haut. Stand: 1. Oktober 2008. Abgerufen am: 28. November 2016.
  5. Tinea capitis (Pilzerkrankung der Kopfhaut). Stand: 7. Januar 2016. Abgerufen am: 29. November 2016.
  6. Interdisziplinäres Management der Onychomykose . Stand: 21. März 2013. Abgerufen am: 2. Dezember 2016.